über die Kunst, kleine Dinge innerlich groß werden zu lassen

Vor einigen Jahren wohnte ich in einer Großstadt in einer 1-Zimmer-Wohnung im 4. Obergeschoß eines Hauses an einer Hauptverkehrskreuzung. Mein einziges Fenster ging zum Hof, so daß der Blick ungehindert über den eigenen Hinterhof, den des gegenüberliegenden Hauses und das kleine Gärtchen dazwischen wandern konnte. In diesem kleinen Gärtchen war gerade Platz für 2 Bäume: Eine Birke und eine Tanne. Eines Frühlingsspätnachmittags, als ein Gewitter heraufzog und das Sonnenlicht die Schwäche des Abends aber gleichzeitig die Stärke einer unglaublichen Rotgoldfärbung hatte, ging ein Windstoß über den Hof und wirbelte die Samen beider Bäume in riesigen Spiralen hinauf in den Himmel. Unterwegs wanden sich die beiden Spiralen umeinander, das Blaugrün der Tanne und das sanfte Gelbgrün der Birke, und so wehten sie für einige Sekunden zwischen den Bäumen, bevor sie schließlich in den Luftwirbeln aufgingen.

Das war ein Bild von solcher Intensität, daß ich noch heute davon zehre, wenn die innere Wetterlage mies ist.

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