Verluste

Er: Ich sitze hier in diesem Drecksloch, und nur, weil deine Ex-Chefin so scheiße ist. Ich mag diese Stadt nicht, hier weht kein Wind, ich bin ein Küstenjunge, hier sprechen die Leute komisch, und alles nur wegen dieser Tante.

Schon seit Monaten habe ich das Gefühl, mir würden wesentliche Dinge entgleiten oder gar nicht erst in meine Reichweite kommen. Ich habe eine halbe Stelle, die ich nicht mochte, gekündigt für eine volle Stelle mit insgesamt weniger Gehalt (ein echter Hungerlohn), aber den Aussichten, endlich in meinem Beruf arbeiten zu können, etwas zu leisten für eine kulturell unterversorgte Region und darauf aufbauend endlich Familie und das ganze Blabla, was ich mir halt so erträume. Dieser Job erwies sich als der drittgrößte Griff ins Klo meines Lebens, und das will schon was heißen. Da ich doof genug bin, in Problemsituationen ungefragt mit Lösungsvorschlägen zu kommen, wurde ich nach der Probezeit entlassen und war eigentlich (nicht finanziell, aber menschlich) regelrecht erleichtert. 5 Monate später bekam ich in einem sehr renommierten Betrieb eine Handlangerstelle, wieder eine halbe, die mich zwar permanent künstlerisch und intellektuell unterfordert, in der ich aber auch durch bloßes Zusehen unheimlich viel lerne und die Kollegen sind allesamt sehr nett. Aber: Das ganze erträumte Blabla läßt sich so noch immer nicht wirklich finanzieren. Und seit dem Frühling werden Leute in meiner Umgebung arbeitslos, müssen Insolvenz anmelden oder dergleichen und ich habe irgendwie schon die ganze Zeit so ein Gefühl, mir würde alles davonschwimmen, alles würde sich irgendwie auflösen.
Dazu das immer stärker nagende Gefühl, daß ich den absolut falschen Beruf ergriffen habe – seit meiner Kindheit mein Traumjob und 100%ig mein Talent und ich liebe ihn so sehr, daß ich es wirklich verabscheue, ihn unter wirtschaftlichen und Karrierestandpunkten betrachten zu müssen und davon abhängig zu sein. Und in genau dieser Hinsicht zu versagen.
Als Kind wurde ich immer extrem verträumt genannt. Was heißt das eigentlich, ver-träumt? Habe ich in die falsche Richtung geträumt, mich verlaufen, in Gedanken verrannt? Verträume ich mich immer noch? Mich überkommt immer öfter und immer stärker das Verlangen, den ganzen Akademikerscheiß einfach hinzuwerfen und irgendwo als Pferdeknecht zu arbeiten oder dergleichen. (Seufz und in Selbstmitleid suhl.)
Heute Abend kommt die Hundetrainerin auf ein Erstgespräch zu uns. Der kleine Klops ist zwar schon fast 6 Jahre, aber wenn sich an ihm noch etwas erziehen läßt, wollen wir es versuchen. Vielleicht können wir den Jagdtrieb nicht mehr aberziehen, aber mein Wunsch wäre, wenigstens unsere Rudelführerposition klarzustellen, damit er auf ein klares „Nein“ auch hört, wenn die Katze vom Nachbarn ihm die Mittelkralle zeigt. Ich schreib nachher, wie es war.

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One Comment to “Verluste”

  1. Meinen Traumjob…ja…den will ich auch. Schreiben, Malen, Fotografieren, spirituell tätig sein.
    Und ich will und werde das schaffen. *seufz*
    Mein Leben im Büro verbringen ginge gar nicht….
    Ich drücke Dir für alles ganz feste die Daumen.

    Auf meinem Blog wartet übrigens ein Award auf Dich.

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