Archive for September, 2009

24. September 2009

Umdenken – Familienzoff

Gestern ist etwas Tolles passiert. Ich habe begonnen, eine meiner Schwestern kennenzulernen. Ich habe 2 Schwestern, die ich schon mein Leben lang als solche kenne, die ich aber beide immer völlig falsch eingeschätzt habe. Seit etwa 2 Jahren stelle ich immer wieder fest, daß ich die jüngere der beiden, nennen wir sie A, zu der ich immer mit hingebungsvoller Bewunderung aufgesehen habe, egal, wie sehr mich ihre Kritik manchmal verletzt hat oder wie wenig gut sie mich wirklich kannte, mir zunehmend mit Kleinigkeiten auf die Nerven geht.
Das begann mit Dingen, die ich als Laune, Zufall oder meine eigene Schuld interpretierte und traf mich das erste Mal wirklich, als A vor der gesamten Familie kritisierte, wie ich meinen Hund erziehe. Wir hatten vorher nie über Hundeerziehung gesprochen, aber sie würde 2 Monate später einen Rassewelpen bekommen und hatte bereits alle Bücher zum Thema auswendig gelernt gelesen. Ich wollte ob ihrer Kritik wie gewohnt den Schwanz einziehen, aber mein Freund rastete aus und brüllte sie an, daß sie es sich vielleicht nicht vorstellen könne, daß aber durchaus ein Unterschied zwischen einem vom Züchter perfekt gepflegten und sozialisierten Welpen und einem 4 Jahre alten 40 Kilo schweren und auf die meisten Dinge allergischen Rüden aus dem Tierschutz, und daß es einfach Hunde gibt, die sich nicht nach Lehrbuch entwickeln und sie gerne mal probieren könne, eine Woche mit unserem Hund klarzukommen.
Dann wollte sie partout ihren Welpen und meinen Hund für mindestens 2 Jahre nicht aufeinandertreffen lassen, damit ihrer nicht traumatisiert wird. Ich habe das am Telefon erfahren und habe es zuerst für einen Witz gehalten, so daß ich mit „Ja, klar“ geantwortet habe. Erst nach dem Geburtstag meiner Mutter – den ich selbstverständlich besucht habe, sie jedoch nicht – wurde mir klar, daß sie es ernst meint, denn sie rief an und verkündete, sie hätte dafür das Recht, allein zum Geburtstag meines Bruders zu fahren, es sei denn, ich ließe meinen Hund zu Hause. Ha! Nun, nach ein paar klaren Worten von Seiten meiner Eltern einigten wir uns, die Hunde an einem neutralen Ort aneinander schnuppern zu lassen, kurz vor der Feier. Leider verpaßte ich den Treffpunkt wegen eines Staus. Da waren wir also: Der Großteil meiner (ziemlich großen) Familie war auf dem Grundstück, mitsamt Welpenmädchen, und wir standen draußen mit dem „Rüpel“. Es wurde gerade das Kuchenbuffett eröffnet, daher schlug Schwester A vor, die Hunde einfach im Garten loszulassen – und siehe da, ihrer war ein Nervzwerg und meiner ein Engelchen, das sich von Kopf bis Fuß besabbern und anknabbern ließ. Wer hätte das gedacht (außer uns, meinen Eltern und meiner Hundetrainerin, grummel). Die Kleine ist meinem Großen über den Kopf geklettert, hat ihn in Ohren und Lefzen gebissen, angebellt, am Schwanz genagt und alles andere, was Welpen lustig finden, und er hat nur einmal geknurrt in 6 Stunden.
Daraufhin startete sie am Abend, als ein Teil der Gäste bereits abgereist war, eine kleine Hetzaktion gegen meine Mutter und meine andere Schwester – nennen wir sie B – und ging dabei so weit zu behaupten, meine Mutter hätte, nur um ihr eins auszuwischen, mehr mit B gesprochen. In diesem Moment ging mir plötzlich ein Licht auf. Diese über 40jährige Frau kämpft immer noch mit der Eifersucht auf ihre Schwester, die als 7jähriges Mädchen damals in unsere Familie hineingepatchworkt wurde.
Ich war schockiert und wütend, denn so kleingeistig hatte ich A nie gesehen und wollte ich sie auch nicht sehen. Die ganze Heimfahrt über und noch Stunden und Tage später redete ich mit meinem Freund, weil ich das erstmal einordnen mußte, und am nächsten Tag rief ich meine andere Schwester an und machte mir Luft. B war total gerührt, denn obwohl wir wirklich recht nah wohnen, hatten wir bisher kaum Kontakt, und schließlich folgte ich ihrer Einladung und besuchte sie gestern.
Und das war einfach – Wow! Das tat so gut. Ich habe mich so unheimlich wohl gefühlt – so drucklos, kritiklos, unbeurteilt. Sie selbst ist überhaupt nicht sauer wegen der ganzen schwesterlichen Aktion, sondern nur erleichtert, daß sie jetzt endlich versteht, warum sie immer etwas ausgeschlossen war. Ich konnte mit ihr wie ich es nie erwartet hätte über meine beruflichen Sorgen sprechen. (Dazu schreibe ich später nochmal extra, das muß auch noch raus. 🙂 ) Ich habe den gesamten Tag bei ihr verbracht und nicht ein einziges blödes oberflächliches Wort gehört. Ich bin immer noch ein bißchen aufgedreht deswegen.
Und gerade hat sie mich angerufen und gesagt, sie hätte sich ebenfalls total wohl mit mir gefühlt und würde gerne mal einen Gegenbesuch machen und sie hätte das Gefühl, daß wir richtig gute Freundinnen werden könnten. Hey, genau das habe ich gestern auch gedacht. Und, verrückt, ich habe mir immer gewünscht, die Freundin meiner Schwestern sein zu können, und mußte kürzlich darüber nachdenken, daß A eigentlich überhaupt keine Freunde hat. Sie singt in einem Chor, unternimmt aber mit keinem der Mitglieder etwas privat. Sie fährt mit Arbeitskollegen auf Firmenfahrten, trifft sie aber nicht privat. Und ihr Mann ist mit allem, was sie tut, prinzipiell einverstanden. Kein Wunder also eigentlich, wenn sie glaubt, immer im Recht zu sein, denn so ganz ohne gleichberechtigten, ebenbürtigen und anerkannten Partner, der auch mal seine Meinung sagen darf, fühlt man sich vermutlich einfach so.

Jedenfalls finde ich es total toll, B endlich ein bißchen näher zu kommen und glaube und hoffe fest, daß A sich wieder einkriegt.

21. September 2009

Kaufrausch

Ich bin eigentlich gar nicht Schuld. Wer hat mir eine Lidl-Werbebroschüre in den Schoß gelegt und gesagt „Guck mal Schatz, Wolle und Farben“?
Ich bin jedenfalls für lange Zeit mit beidem versorgt, außerdem mit leckerlecker Bienenwachskerzen – ich habe sie sogar in der 4er-Stabkerzen-Packung gekauft, weil ich dachte, damit wird der Adventskranz bestimmt schön duften. Oh mann, vor einem Monat fand ich noch den Weihnachtsstollen im Supermarktregal lächerlich, und jetzt denke ich selbst schon an den Adventskranzduft. 😦 Kaffee, Obst und Klopapier haben den Kohl dann fett gemacht, und nun werde ich finanziell und körperlich Buße tun und keine Schokolade mehr essen, mindestens bis Halloween.

20. September 2009

Stöckchen

Dieses Stöckchen habe ich von Amala geschnappt.

Das Leben ist… täglich ein Wunder.
Sterben müssen heißt… wer weiß das schon? Vielleicht heißt es leben dürfen.
Menschen können… glauben, trösten und heilen.
Menschen sollten… das auch ab und an tun.
Die Welt braucht… unsere Aufmerksamkeit.
Das Wichtigste im Leben ist… Familie.
Unwichtig ist… Mein Haus, mein Auto, meine Yacht.
Vergangenheit ist… der Weg, auf dem wir gehen.
Zukunft bedeutet… Überraschung.
Zeit ist… immer gleich und immer anders.
Freunde haben ist… ein Geschenk.
Glück ist… wenn ich mich glücklich fühle.
Gefühle sind… Entscheidungssache.
Konflikte bedeuten… im besten Fall konstruktive Herausforderung.
Hoffnung ist… Herzenssache.
Glauben können ist… menschlich.
Träume sind… beim Hund sehr lustig zu beobachten.
Visionen sind… sowas wie geistige Taschenlampen.
Veränderung bedeutet… Frische.
Ich brauche… Liebe.
Ich habe Angst vor… Fanatikern an der Macht.
Mut bedeutet… für sich selbst einstehen.
Das Allerschwerste ist… einen Traum zu begraben. Eigene Schwächen erkennen müssen. Einem geliebten Menschen nicht helfen zu können.
Verlieren bedeutet… sich neu positionieren zu müssen.
Perfekt sein bedeutet… sich perfekt fühlen.
Versagen bedeutet… aus Fehlern nichts gelernt zu haben.
Verlust ist… notwendig.
Arbeiten bedeutet… etwas zu leisten, ob in einem Arbeitsverhältnis oder privat.
Geld bedeutet… gleichzeitig Freiheit und Abhängigkeit.
Stärke ist… Charaktersache.
Menschen, die andere nach ihrem Bild formen wollen, … versagen.
Gesundheit für meine Lieben… Amen.
Gerechtigkeit… ist extrem subjektiv.
(Noch) Unerreichbares… wird erreichbar.
Mein Gefühlsleben… ist voll von besonderen Gefühlen für besondere Menschen.

13. September 2009

das Land, in dem ich wohne

Gestern Nachmittag wurde in Berlin demonstriert. etwa 25.000 Personen haben sich friedlich gegen staatliche über-Überwachung, gegen Zensur im Internet und darüber hinaus, für den Schutz der Privatsphäre in öffentlichen Räumen und im Internet ausgesprochen. ZDF heute brachte einen äußerst positiv gehaltenen Kurzbericht darüber und ich hatte mir den Termin schon vor Wochen in den Kalender geschrieben. Es wäre die erste Demo in meinem eigentlich gar nicht mehr so kurzen Leben gewesen, und ich finde das eine wirklich wichtige Sache, für die ich sehr gerne einige Straßen hoch und runter marschiert wäre. Leider konnte ich dann doch nicht hinfahren – Familienfete.
Dieses für mich absolut schockierende Video wurde irgendwo am Rande der Demonstration aufgenommen. Einige Grunddaten: bei einer Teilnehmerzahl von etwa 25.000 Personen wurden nicht einmal 10 (!!!) verhaftet, ich beziehe mich mit dieser Zahl auf eine Angabe im Lawblog, sie stammt angeblich vom Polizeipräsidenten. Es war also eine Demonstration, die kaum friedlicher hätte verlaufen können. Nach allem, was bisher bekannt ist, wurde ein Mann von Polizisten ziemlich unsanft aus der Menge geholt. Ein Freund von ihm – im Video der Typ mit Fahrrad und blauem Shirt – hat das beobachtet und wollte an Ort und Stelle gegen den übergriffigen Polizisten Anzeige erstatten. Daraufhin wird er selbst zunächst offensichtlich von Polizisten beschimpft und dann, als er das Fahrrad beiseite schiebt und sich damit enfernt, am Shirt zurückgerissen und von einigen Polizisten umstellt, während einer ihn von hinten festhält und ein anderer ihm mehrere gezielte Schläge ins Gesicht versetzt. Ein Mann, der nicht einmal laut geworden ist. Der hatte nur ein paar Zettel auf dem Fahrradsitz, die er ausfüllen wollte. Ich bin immer noch total fassungslos. Das ist nicht in irgendeinem totalitären Staat in Äquatornähe passiert, sondern in dem Land, in dem ich wohne.

10. September 2009

spätsommer/frühherbst

Ich liebe diese Zeit, in der es weder kalt noch warm ist und das Wetter sprunghaft, in der überall Kreuzspinnennetze hängen, die ersten Birkenblätter gelb werden, die Sonne mit uns aufsteht oder sogar schon etwas später. Es ist toll. Und ich habe gerade mit Faszination über Giuseppe Arcimboldo gelesen, der als Maler und Musiker versucht hat, für diese beiden Kunstarten ein übereinstimmendes logisches System zu finden und anzuwenden. Oder, wie Schubert angeblich sagte: Fis ist grün. In meinem Kopf ist es zwar strahlend weiß, erst g ist grün, aber was soll´s.
Außerdem habe ich endgültig The Shins für mich entdeckt und will endlich nachholen, was ich nach dem Urlaub angekündigt hatte und etwas von meiner dortigen Lektüre erzählen:
Ich habe „Enter the Earth“, das erste Buch der Reihe „Gaia Girls“ gelesen. Es ist ein, naja, nicht direkt Plagiat (räusper) aber schon eine sagen wir mal eindeutige Wiederaufnahme der Captain Planet – Grundidee. Bei Gaia Girls gibt es 4 Mädchen, die dem Leser im Verlauf von 4 Büchern einzeln vorgestellt werden. Danach sollen noch 3 weitere Bücher folgen, in denen die Mädchen gemeinsam für die Rettung der Erde und der Umwelt kämpfen. Jedes Mädchen hat ein besonderes Verhältnis zu Gaia, Mutter Erde, die mit ihm auf besondere Art in Kontakt tritt, und jedes hat besondere Kräfte im Umgang mit einem der 4 Elemente. Im ersten Buch geht es um Elizabeth, die auf einer Farm im Staat New York aufwächst. Ihre Eltern sind Biobauern und müssen sich im Laufe des Buches mit einem Großkonzern, der Schweinemastanlagen betreibt, herumschlagen. Elizabeth begegnet Gaia in Form eines Otters und lernt, durch Bäume zu reisen, was ich eine ziemlich coole Idee finde. Ich habe das Buch als englisches Taschenbuch bei Amazon UK bestellt, weil´s einfach preiswerter war. Da es ein Kinder- und Jugendbuch ist, ist auch die Sprache entsprechend klar und einfach und so macht das Lesen auch Spaß und das Buch liest sich schnell weg, wenn man kein Profidolmetscher ist. Die Personenbeschreibungen, die zwischenmenschlichen Liebenswürdigkeiten und Probleme, die politischen und wirtschaftlich-ökologischen Kritikpunkte sind zwar kindgemäß, aber nicht naiv dargestellt, und gleichzeitig ist der Verlauf der Geschichte wirklich spannend; daher hat es mir, trotz Kinderbuch, total gut gefallen. Wenn meine derzeit noch kleinen Nichten im Lesealter sind, kriegen sie von mir auf jeden Fall diese Bücher übergeholfen.
Das zweite Buch der Reihe, in der es um ein japanisches Mädchen mit speziellen Wasserkräften geht, ist schon erschienen, ich wollte es mir aber bisher noch nicht leisten. Es kommt aber sicher bei irgendeinem Verwandten auf meinen Geburtstagswunschzettel, ich möchte die Reihe unbedingt weiterlesen.

Außerdem habe ich eben eine neue Beitragskategorie angelegt mit dem Namen „Hummeln“. Darunter fallen alle für mich besonders wichtigen, besonders schönen und bemerkenswerten Dinge und Ereignisse.

Ach ja, die Gaia Girls haben ein ziemlich schönes Weblog.