das Land, in dem ich wohne

Gestern Nachmittag wurde in Berlin demonstriert. etwa 25.000 Personen haben sich friedlich gegen staatliche über-Überwachung, gegen Zensur im Internet und darüber hinaus, für den Schutz der Privatsphäre in öffentlichen Räumen und im Internet ausgesprochen. ZDF heute brachte einen äußerst positiv gehaltenen Kurzbericht darüber und ich hatte mir den Termin schon vor Wochen in den Kalender geschrieben. Es wäre die erste Demo in meinem eigentlich gar nicht mehr so kurzen Leben gewesen, und ich finde das eine wirklich wichtige Sache, für die ich sehr gerne einige Straßen hoch und runter marschiert wäre. Leider konnte ich dann doch nicht hinfahren – Familienfete.
Dieses für mich absolut schockierende Video wurde irgendwo am Rande der Demonstration aufgenommen. Einige Grunddaten: bei einer Teilnehmerzahl von etwa 25.000 Personen wurden nicht einmal 10 (!!!) verhaftet, ich beziehe mich mit dieser Zahl auf eine Angabe im Lawblog, sie stammt angeblich vom Polizeipräsidenten. Es war also eine Demonstration, die kaum friedlicher hätte verlaufen können. Nach allem, was bisher bekannt ist, wurde ein Mann von Polizisten ziemlich unsanft aus der Menge geholt. Ein Freund von ihm – im Video der Typ mit Fahrrad und blauem Shirt – hat das beobachtet und wollte an Ort und Stelle gegen den übergriffigen Polizisten Anzeige erstatten. Daraufhin wird er selbst zunächst offensichtlich von Polizisten beschimpft und dann, als er das Fahrrad beiseite schiebt und sich damit enfernt, am Shirt zurückgerissen und von einigen Polizisten umstellt, während einer ihn von hinten festhält und ein anderer ihm mehrere gezielte Schläge ins Gesicht versetzt. Ein Mann, der nicht einmal laut geworden ist. Der hatte nur ein paar Zettel auf dem Fahrradsitz, die er ausfüllen wollte. Ich bin immer noch total fassungslos. Das ist nicht in irgendeinem totalitären Staat in Äquatornähe passiert, sondern in dem Land, in dem ich wohne.

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One Comment to “das Land, in dem ich wohne”

  1. Ja die Berliner Cops sind ja nicht für Samthandschuhe bekannt. Vor 2 Jahren auf der FSA-Demo (die läuft vom AK Vorratsdatenspeicherung ja schon regelmäßig seit einigen Jahren) hab ich sogar erlebt wie ein Berliner Cop (aus der berüchtigten 23er Hundertschaft welche aberdutzende Anzeigen pro Jahr kassiert) grundlos auf einen Demonstranten lossprintete und ihn schlug mit den Worten „Du Judenschwein“ auf den Lippen. Da war ich sehr verdutzt da die FSA ja keine explizit linke und erst recht keine gewalttätige Demo war (wobei Links und Gewalttätig ja auch nix miteinander zu tun hat, dafür war ich schon zuviel auf antifaschistischen Demos und auch im „Schwarzen Block“).

    Das einzige was da hilft ist eine Kennzeichnung der Polizisten. Die Nummern auf dem Riot Gear zeigen ja nur die Einheit an. In Einsätzen müssen Nummern auf die Rüstungen (Uniformen sind das nicht). Von mir aus auch rotierend denn auch ein Polizist hat das Recht auf Datenschutz. Allerdings können solche Nummern dann für eine eindeutige Identifikation herangezogen werden. In diesem Fall haben wir nur Glück daß wir Geeks mittlerweile zurück filmen. Traurig aber nötig.

    Daher mal schamlose Propaganda: am 27. diesen Monats klarmachen zum ändern und Piraten wählen *g*

    Liebe Grüße
    93s
    Frank/efka/GML

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