Umdenken – Familienzoff

Gestern ist etwas Tolles passiert. Ich habe begonnen, eine meiner Schwestern kennenzulernen. Ich habe 2 Schwestern, die ich schon mein Leben lang als solche kenne, die ich aber beide immer völlig falsch eingeschätzt habe. Seit etwa 2 Jahren stelle ich immer wieder fest, daß ich die jüngere der beiden, nennen wir sie A, zu der ich immer mit hingebungsvoller Bewunderung aufgesehen habe, egal, wie sehr mich ihre Kritik manchmal verletzt hat oder wie wenig gut sie mich wirklich kannte, mir zunehmend mit Kleinigkeiten auf die Nerven geht.
Das begann mit Dingen, die ich als Laune, Zufall oder meine eigene Schuld interpretierte und traf mich das erste Mal wirklich, als A vor der gesamten Familie kritisierte, wie ich meinen Hund erziehe. Wir hatten vorher nie über Hundeerziehung gesprochen, aber sie würde 2 Monate später einen Rassewelpen bekommen und hatte bereits alle Bücher zum Thema auswendig gelernt gelesen. Ich wollte ob ihrer Kritik wie gewohnt den Schwanz einziehen, aber mein Freund rastete aus und brüllte sie an, daß sie es sich vielleicht nicht vorstellen könne, daß aber durchaus ein Unterschied zwischen einem vom Züchter perfekt gepflegten und sozialisierten Welpen und einem 4 Jahre alten 40 Kilo schweren und auf die meisten Dinge allergischen Rüden aus dem Tierschutz, und daß es einfach Hunde gibt, die sich nicht nach Lehrbuch entwickeln und sie gerne mal probieren könne, eine Woche mit unserem Hund klarzukommen.
Dann wollte sie partout ihren Welpen und meinen Hund für mindestens 2 Jahre nicht aufeinandertreffen lassen, damit ihrer nicht traumatisiert wird. Ich habe das am Telefon erfahren und habe es zuerst für einen Witz gehalten, so daß ich mit „Ja, klar“ geantwortet habe. Erst nach dem Geburtstag meiner Mutter – den ich selbstverständlich besucht habe, sie jedoch nicht – wurde mir klar, daß sie es ernst meint, denn sie rief an und verkündete, sie hätte dafür das Recht, allein zum Geburtstag meines Bruders zu fahren, es sei denn, ich ließe meinen Hund zu Hause. Ha! Nun, nach ein paar klaren Worten von Seiten meiner Eltern einigten wir uns, die Hunde an einem neutralen Ort aneinander schnuppern zu lassen, kurz vor der Feier. Leider verpaßte ich den Treffpunkt wegen eines Staus. Da waren wir also: Der Großteil meiner (ziemlich großen) Familie war auf dem Grundstück, mitsamt Welpenmädchen, und wir standen draußen mit dem „Rüpel“. Es wurde gerade das Kuchenbuffett eröffnet, daher schlug Schwester A vor, die Hunde einfach im Garten loszulassen – und siehe da, ihrer war ein Nervzwerg und meiner ein Engelchen, das sich von Kopf bis Fuß besabbern und anknabbern ließ. Wer hätte das gedacht (außer uns, meinen Eltern und meiner Hundetrainerin, grummel). Die Kleine ist meinem Großen über den Kopf geklettert, hat ihn in Ohren und Lefzen gebissen, angebellt, am Schwanz genagt und alles andere, was Welpen lustig finden, und er hat nur einmal geknurrt in 6 Stunden.
Daraufhin startete sie am Abend, als ein Teil der Gäste bereits abgereist war, eine kleine Hetzaktion gegen meine Mutter und meine andere Schwester – nennen wir sie B – und ging dabei so weit zu behaupten, meine Mutter hätte, nur um ihr eins auszuwischen, mehr mit B gesprochen. In diesem Moment ging mir plötzlich ein Licht auf. Diese über 40jährige Frau kämpft immer noch mit der Eifersucht auf ihre Schwester, die als 7jähriges Mädchen damals in unsere Familie hineingepatchworkt wurde.
Ich war schockiert und wütend, denn so kleingeistig hatte ich A nie gesehen und wollte ich sie auch nicht sehen. Die ganze Heimfahrt über und noch Stunden und Tage später redete ich mit meinem Freund, weil ich das erstmal einordnen mußte, und am nächsten Tag rief ich meine andere Schwester an und machte mir Luft. B war total gerührt, denn obwohl wir wirklich recht nah wohnen, hatten wir bisher kaum Kontakt, und schließlich folgte ich ihrer Einladung und besuchte sie gestern.
Und das war einfach – Wow! Das tat so gut. Ich habe mich so unheimlich wohl gefühlt – so drucklos, kritiklos, unbeurteilt. Sie selbst ist überhaupt nicht sauer wegen der ganzen schwesterlichen Aktion, sondern nur erleichtert, daß sie jetzt endlich versteht, warum sie immer etwas ausgeschlossen war. Ich konnte mit ihr wie ich es nie erwartet hätte über meine beruflichen Sorgen sprechen. (Dazu schreibe ich später nochmal extra, das muß auch noch raus. 🙂 ) Ich habe den gesamten Tag bei ihr verbracht und nicht ein einziges blödes oberflächliches Wort gehört. Ich bin immer noch ein bißchen aufgedreht deswegen.
Und gerade hat sie mich angerufen und gesagt, sie hätte sich ebenfalls total wohl mit mir gefühlt und würde gerne mal einen Gegenbesuch machen und sie hätte das Gefühl, daß wir richtig gute Freundinnen werden könnten. Hey, genau das habe ich gestern auch gedacht. Und, verrückt, ich habe mir immer gewünscht, die Freundin meiner Schwestern sein zu können, und mußte kürzlich darüber nachdenken, daß A eigentlich überhaupt keine Freunde hat. Sie singt in einem Chor, unternimmt aber mit keinem der Mitglieder etwas privat. Sie fährt mit Arbeitskollegen auf Firmenfahrten, trifft sie aber nicht privat. Und ihr Mann ist mit allem, was sie tut, prinzipiell einverstanden. Kein Wunder also eigentlich, wenn sie glaubt, immer im Recht zu sein, denn so ganz ohne gleichberechtigten, ebenbürtigen und anerkannten Partner, der auch mal seine Meinung sagen darf, fühlt man sich vermutlich einfach so.

Jedenfalls finde ich es total toll, B endlich ein bißchen näher zu kommen und glaube und hoffe fest, daß A sich wieder einkriegt.

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3 Kommentare to “Umdenken – Familienzoff”

  1. das klingt wirklich toll und ich drücke dir die daumen, daß ihr beiden euch noch viel besser und viel inniger kennenlernt 🙂

  2. Dankeschön! Ich bin wirklich sehr gespannt und freue mich auch total.

  3. Ich schließe mich Amala an 🙂
    Und ich habe was für Dich auf meinem Blog. 🙂

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