Archive for Januar, 2010

31. Januar 2010

/ zu Hause ankommen

Nach etlichen Vorbesitzern ist mein Hund also im Alter von 3,5 Jahren zu mir gekommen. Er glaubte zunächst nicht, daß ich seine Endstation werden würde, sondern war erstmal sehr distanziert. Nach 2 Wochen waren wir zu einem Familiengeburtstag eingeladen. Meine Familie ist recht groß, und auch er Garten, in dem wir feierten, war recht groß. Und da er vollständig umzäunt war, ließ ich den Dicken (damals wirklich noch richtig fett) einfach von der Leine und mischte mich unter die Leute. Meine Mutter nahm sich im Laufe des Nachmittags mal die Leine und ging mit ihm eine Runde um den Block, während ich mit ein paar Verwandten Tischtennis spielte. Wie ich später von ihr erfuhr, lief der Spaziergang folgendermaßen ab: Hund läßt sich willig an die Leine legen und bis zum Gartenzaun führen. Hund läßt sich widerwillig um den Block hinter der Mutter herziehen. Hund erkennt auf dem Rückweg die Straße wieder. Hund gerät in Aufregung und läuft im Trab bis zum Gartenzaun. Mutter öffnet Gartentor, Hund sieht mich ganz hinten im Garten und hirscht los wie ein Irrer. Mutter fliegt der Länge nach auf die Nase.

Alles, was ich damals mitgekriegt habe, war, daß mein Hund sich offensichtlich freut, mich zu sehen. Was mich wiederum freute, denn endlich war die Distanz überwunden. Den ganzen Tag wich er nicht mehr von meiner Seite, und bis heute läßt er mich nicht einmal alleine auf’s Klo. 😀
(Ich weiß natürlich auch, daß das nicht die bloße Liebe ist, sondern daß er glaubt, als Rudelführer sein Rudel kontrollieren zu müssen, aber who cares.)

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30. Januar 2010

/ Katzen

Heute nur ganz kurz, weil ich gleich zur Arbeit muß, zum Thema Katzen:

Katzen gehen gar nicht. Katzen werden gejagt, angebellt, eifrig unter parkenden Autos gesucht aber nicht liebgehabt von unserem Hund. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die es zumindest auf einen angespannten Respekt bringen, indem sie einfach nur sitzen und Starren, wie das Katzen halt so tun. Expertin auf diesem Gebiet war „Ziege“, die Katze der ehemaligen Nachbarn meiner Eltern. Ziege saß immer an genau der Stelle, wo Felix schon all die anderen Katzen gefunden hatte und bereit zum fröhlichen Losblaffen war, und starrte. Man konnte förmlich sehen, wie sie dachte „Kommst Du her Alter, hol isch meine Cousins“ und die Mittelkralle ausfuhr. Der Hund hat das offenbar auch begriffen und starrte beim Vorbeigehen immer nur zurück. 🙂

29. Januar 2010

/ Fressen

Felix konnte nicht spielen, als ich ihn bekam. Er konnte nicht, wie jeder normal erzogene Hund, Dinge mit den Vorderpfoten festhalten. Er wußte nicht, was ein Ball ist und was man damit macht – schoß man einen Ball 20 cm vor der Hundenase vorbei, guckte er nicht einmal hinterher. Er konnte nur fressen und war offensichtlich auch auf keine andere Weise beschäftigt worden. Schande über die faulen Menschen, denn Felix hat sich in sehr kurzer Zeit bei mir schon als äußerst clever herausgestellt. Nicht zuletzt, was die Futterbeschaffung angeht:
Beim ersten Besuch bei meinen Eltern ging er nach dem Mittagessen unauffällig in die Küche und aß den Rest Fischauflauf aus der Form. Beim zweiten Besuch gleiches Szenario, nur war’s diesmal ein Teller voller Grillkoteletts und -würstchen. Beim dritten Besuch war es Kuchen. Beim vierten Versuch war die Küchentür geschlossen. Es war Weihnachten, meine Eltern schliefen im ersten Stock, mein Freund und ich auf dem Dachboden, der Hund im Erdgeschoß. Plötzlich hören wir es leise Klappern. Da sowohl Küche als auch Wohnzimmertür zu waren, ignorierten wir das Geräusch zunächst, bis es ein weiteres Mal von etwas weiter weg erneut klapperte. Da wir unseren Hund nun schon etliche Monate kennenlernen konnten, stürmten wir mit Karacho die 2 Treppen hinunter und erwischten ihn auf dem Wohnzimmerteppich. Vor ihm lag ein leerer Bunter Teller (mein!! bunter Teller), nirgends auch nur der kleinste Krümel, keine Reste von Aluverpackung oder Einwickelpapier – und in der Schnauze hatte er noch das letzte Objectum delicti – ein halbes Marzipanbrot. Mit Plastikeinwickelpapier. Wir konnten nicht so schnell bei ihm sein, wie das Brot (und das Papier) im Hundemagen verschwand.
Schlußfolgerung: Das erste Klappern war die Türklinke. Als Labrador kann man da durchaus hochhüpfen und mit ein bißchen Glück die Klinke runterdrücken. Das zweite Klappern waren Hundkrallen auf Mahagonianrichte + die Entführung des bunten Tellers von derselben. Der Magen eines Labradors ist unerschütterlich. Außerdem: Traue keinem hungrigen Hund. Ab sofort steckten die Schlüssel außen.

28. Januar 2010

langsamer Abschied / die erste Begegnung

Ich habe beschlossen, jeden Tag bis zum Abschied meines Hundes eine Anekdote aus unserer gemeinsamen Zeit hier in Kurzform wiederzugeben. Werden also etwas einseitige 3 Wochen hier im Blog.

Felix, mein Hund, stammt aus irgendwo in Deutschland und wurde in einer Tierschutzorganisation abgegeben, die Hunde prinzipiell immer in Pflegefamilien unterbringt. Diese Pflegefamilien schreiben online Tagebücher, man kann sich auf dieser Grundlage für einen Hund bewerben, dann kommt ein Mitglied des Vereins mal vorbei und guckt, ob man wirklich zum Hundebesitzer taugt, und dann bekommt man einen Hund. Wenn Hund und neuer Besitzer weit voneinander entfernt sind, bilden sich deutschlandweite Fahrtketten, die den Schnuff per Auto bis ins neue Zuhause bringen. Ich war zuerst Felix‘ Pflegemutti, habe ihn aber schon nach 2 Wochen adoptiert. Jedenfalls wurde er genau zu Ostern vor drei Jahren per Fahrkette zu mir gebracht, was von morgens 8 Uhr bis Abends 18 Uhr dauerte. Er wurde von drei oder vier verschiedenen Leuten jeweils ein paar hundert Kilometer chauffiert.
Bei mir angekommen, stürmte er durch die offene Haustür ohne mich auch nur wahrzunehmen, durch den Hausflur zu meiner ebenfalls offenen Wohnungstür, durch den Wohnungsflur und das Wohnzimmer in die Küche, wo ich ihn mit dem Kopf tief im Spülbecken fand. Er hatte die Pfoten auf den Rand gestemmt und schleckte genüßlich die Auflaufform vom Mittag aus. Ich wußte damals noch nicht, welches Omen das war…

27. Januar 2010

End-gültig

Mein Hund wird sterben. Das weiß man ja, wenn man sich einen Hund anschafft, aber meiner stirbt nicht mehr irgendwann, sondern in drei Wochen. Letzten Freitag meinte unser graubärtiger und sehr engagierter Tierarzt seufzend, er wisse nicht mehr weiter, denn solche Symptome habe er noch nie gesehen. Also überwies er uns an einen auf Hautkrankheiten spezialisierten Kollegen, den wir gestern Abend aufsuchten. Dieser nahm sich fast 1,5 Stunden Zeit und erklärte dann, dem Hund sei nicht mehr zu helfen. Die Symptome würden wir bereits mit allen verfügbaren Mitteln bekämpfen, aber die Ursache sei eine Autoimmunerkrankung, da kommt man einfach nicht ran.
Der Hund, nur zum allgemeinen Verständnis, ist krank schon seit er noch klein war und einen Blei-Türstopper angenagt hat. Und seit einem Monat gehen dem inzwischen 6jährigen Kerl die Haare aus und er bekommt stattdessen dicke Krusten und leuchtend neonpinke Beulen. Er juckt sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit und kratzt sich richtige offene Wunden, so daß wir gezwungenermaßen unsere Tagesabläufe auf den Hund eingerichtet haben – keine Minute ohne Aufsicht. Ohne meine Eltern wäre das niemals möglich gewesen, auch die unglaublich teuren (mittlerweile 4 verschiedenen) Medikamente nicht. Und dennoch konnten wir diese letzte Entscheidung nicht früher treffen, weil der Dicke immer noch so lebensfroh wirkt: Wenn einer von uns nach Hause kommt, rast er glücklich durch die Wohnung, wenn wir zu „Oma und Opa“ fahren, winselt er schon am Ortseingangsschild und wenn wir wieder fahren, bellt er aus dem Fenster. Er verschleppt die Orgelschuhe meines Vaters und schiebt meiner Mutter beim Essen die Nase unter den Ellbogen. Er genießt so vieles, daß wir nicht glauben wollten, daß es ihm wirklich schon so schlecht geht. Diesen Zahn hat uns der Spezialist gestern gezogen.
Nun haben wir entschieden, unserem Kleinen die noch verbleibenden Tabletten von dem sauteuren Zeug zu geben und die Zeit als Abschiednahme zu nutzen. Es sind noch 18 Stück.

23. Januar 2010

Winter

Heute war ich auf Wintersafari mit der Kamera. Der neuen. Digitalen. 😀

Ich liebe den Winter, zumindest seine schönen Seiten. Aber nun ja, ich liebe jede Jahreszeit mit ihren schönen Seiten. Zu den schönen Seiten des Winters gehört neben diesem wahnsinnig klaren Licht, wenn man denn mal einen Sonnentag wie heute hat, auch das genußvolle Zelebrieren der Einsamkeit und des Alleinseins, das die Pflanzen in dieser Zeit für mich ausstrahlen.
Als besonderes Geschenk habe ich gleich am Anfang meiner Safari, als ich eine Gruppe Birken fotografierte, den ersten Zweig für meine Oghamstäbe gefunden. Ich hatte dieser Gruppe Birken vor ein paar Tagen Bescheid gegeben, daß ich bald einen brauchen würde, und siehe da, er hing bereits abgebrochen auf Gesichtshöhe in einer Astgabel und lächelte.

Hier also die Ausbeute:

Dieser fantastische Baumstumpf erinnert mich an ein Wurzelwesen – wie eine knorrige Venus von Willendorf.

Die nächsten beiden Bilder saßen im selben Baum. Meine spontane Assoziation waren die drei Nornen und Odin, auf einem winterlichen Ausflug.

Und hier nun verschiedene Arten winterlicher Einsamkeit, die ich so schätze:

knorrig

würdevoll

elegant

kontemplativ

und zart

Wie man deutlich merkt, bin ich ein großer Fan von Nahaufnahmen.

11. Januar 2010

Nostalgiestöckchen

von Feona gemopst und zur weiteren Mitnahme freigegeben:

1.Was wolltest du werden wenn du groß bist?
(in chronologischer Reihenfolge:)
Pianistin, Klavierlehrerin, alles bloß nichts mit Klavier

2.Wen wolltest du heiraten?
als ich noch im Kindergarten war Andi von 3 Straßen weiter

3.Was war deine Lieblings Eis/sorte ?
Schokolade

4.Dein Lieblings Spielzeug
Die Indianer- und Cowboyfiguren meines großen Bruders

5.Wovor hattest du Angst ?
Vor der Dunkelheit, wenn ich alleine im Bett war, und davor, daß meiner Mutter etwas zustoßen könnte

6.Wer war dein/e bester Freund/in ?
die Nachbarstochter

7.Was war dein Lieblings Schulfach?
in der Grundschule alle, ich hab die Schule sehr gemocht, und später Englisch und Gehörbildung

8.Was war dein schlimmstes Schulfach?
ab Gymnasium wechselnd (je nach Lehrer) Chemie, Mathe und Physik

9.Was war dein Lieblings Buch?
Ich habe gelesen, was ich nur finden konnte, aber die absoluten Spitzenreiter waren Karl-May-Bücher mit Indianern drin (und alle anderen Bücher mit Indianern drin)

10.Was wolltest du nie sein wenn du Erwachsen wirst?
Darüber habe ich nie nachgedacht.

9. Januar 2010

Jahresausblick

Heute erst habe ich die Karten für 2010 gelegt. Zuerst den „Astrologischen Kreis“ nach Hajo Banzhaf, dann noch eine Einzelkarte gezogen. Die einzelne Jahreskarte wurde Der Narr. Gefällt mir. 🙂 Und auch der Astrologische Kreis sieht wirklich ermutigend aus, ohne jetzt hier ins Detail zu gehen, aber: beruflich verändert sich vermutlich etwas, privat ist alles sehr stabil und spirituell geht es vorwärts. Die Karte auf Platz 1, die für das allgemeine Thema steht, war die Hohepriesterin, welche mit der Quintessenz der gesamten Legung, dem Hierophanten, meiner Meinung nach sehr gut zusammenpaßt, ebenso wie mit dem Narren – der inneren Stimme vertrauen, den verborgenen Sinn suchen, unbefangen neue Lebensbereiche betreten.
Und das Schönste: Ich habe zum ersten Mal die Karten einfach im Beisein meines Freundes gelegt und mich sehr wohl dabei gefühlt.

7. Januar 2010

Luftentfeuchter, Familienentkracher, Hundeentgiftung

Das Bild zu Beginn meines letzten Posts ist mit Kreide gemalt. Mein erster Versuch mit Pastellkreiden endete in einem Geburtstagskalender für die ganze Familie. Ich werde jetzt die entsprechenden Bilder immer am Monatsanfang ins Blog stellen. Mir persönlich gefällt der Januar am besten, aber dazu könnt Ihr, meine zahlreichen Leser 😀 , ja Eure Meinung im Kommentar lassen. Da mir Malen unglaublich viel Freude bereitet, ich aber andererseits nicht die geringste Ahnung davon habe, nehme ich gerne jeden Tipp und Hinweis an.
Hier jedenfalls ist mal das Titelbild:

Und zum Alltag: Er ist da! Der erste von zwei Luftentfeuchtern, die ich gestern bestellt habe, denn unsere Wohnung wächst. 😦 Vor zwei Monaten kamen ein paar Männer, geschickt von der Hausverwaltung, um im ganzen Haus Silikonspray auf die Fenster zu tun und zu gucken, ob alles noch ordentlich schließt. Das haben sie getan, und seitdem schimmelt’s bei uns. Da ich irgendwo mal gelesen habe, daß in solchen Fällen die Mieter in der Nachweispflicht sind, richtig gelüftet und ausreichend beheizt zu haben, und ansonsten fristlose Kündigung möglich wäre, haben wir beschlossen, den Kampf erstmal allein aufzunehmen. Ich werde also heute alle beschimmelten Ecken abschrubben und mit einem fiesen Chlorreiniger drübergehen. In der Küche bin ich schon fertig, und prompt kam auch der Postmann mit dem kleinen Entfeuchter für die winzige Küche. Für unser eher großes Schlafzimmer habe ich auch einen großen Entfeuchter bestellt, und hoffe nur, die Dinger funktionieren.
Ich muß schon sagen – ich hatte schon viele Wohnungen, und in keiner davon Schimmel; nicht einmal in meiner ersten Bruchbude in Österreich, wo der Winter mit aller Macht durch die zerbrochenen Fensterscheiben gepfiffen hat. Ich hoffe nur, das regelt sich, bevor wir alle Asthma kriegen oder dem Hund ein graues Zweitfell wächst.

Nunja. Über Weihnachten hat sich bei uns auch einiges getan – Ich habe mit Schwester A ein face-to-face Streitgespräch gehabt, das sehr zivilisiert begann, aber rasch sehr emotional wurde. Wie Shakespeare schon sagte: Schlecht fing es an, und Schlimmeres kommt nach. Es war für mich faszinierend zu beobachten, wie sehr wir doch alle in unserer Haut stecken. A schießt immer zuerst und fragt dann. Oder sie fragt gar nicht mehr, denn wenn alle (mund)tot sind, ist ja erwiesen, daß sie Recht hatte. Das ist ihr bewährter Schutzmechanismus, er funktioniert, und sie setzt ihn instinktiv ein. Meine Mutter neigt zu übermäßig emotionalen Diskussionen, die natürlich nicht im Geringsten schlagkräftig sind („Aber das kannst Du doch so nicht sagen“ ist halt kein super Argument), dem Gesprächsgegner aber immer ein Unwohlsein bereiten, um nicht zu sagen, Schuldgefühle. Mein Vater hält sich aus allem raus, sogar aus dem Raum. Ich bin ein Mittelding zwischen meiner Mutter und meiner Schwester – ich verliere manchmal vor lauter Gefühl den Diskussionsfaden und den kühlen Kopf, aber wenn man mich an der falschen Stelle angreift, kann ich ebenfalls tödlich schießen. Ich weiß um beide Schwächen und bin in dieses Gespräch gegangen mit dem festen Vorsatz, ruhig zu bleiben, nicht zurückzuschreien, wenn A mich angreift und A nicht vorwurfsvoll anzugucken, wenn meine Mutter in Tränen ausbricht. Und es gelang. Allerdings mühsam. Mich hat der Streit wahnsinnig mitgenommen, dabei hatte ich noch das Glück, daß meine Mutter auf meiner Seite stand, soweit das einer Mutter mehrerer Kinder überhaupt möglich ist. Jedenfalls hatten wir dieselben Probleme mit A und haben darauf beharrt, sie alle einmal auszudiskutieren. Das war auch für A unglaublich hart. Sie hat noch nie Widerworte bekommen und sich jahrzehntelang daran gewöhnen können, einfach immer Recht zu haben, und dann das. Entgegen meiner Erwartung haben wir sogar nach einigem heftigen Hin und Her eine gewisse Einigung erzielt, und zwar, daß einfach jeder, der mit einem anderen Familienmitglied ein Problem hat, das sagt – und zwar gleich, und ausschließlich dem, den es betrifft. Das klingt jetzt vielleicht lächerlich simpel, aber wir sind eine sehr große Familie, die weit verstreut wohnt, und wenn wir uns mal alle sehen, findet fast mehr nonverbaler Austausch statt als Gespräche. Die meisten von uns sind recht stolz, einige neigen dazu, Dinge sehr persönlich zu nehmen, und andere haben gerne Recht. So kommt es, daß das Familiengefühlskaleidoskop nie dasselbe Bild zeigt wie noch gerade eben, und immer sehr bunt ist.
Als ich nach dem Gespräch nach Hause gefahren war, haben meine Eltern, bei denen meine Schwester übernachtet hat, noch weiter mit ihr gesprochen. Sogar mein Vater. Wenn ihr das nicht gezeigt hat, wie wichtig ihnen die Sache ist… 🙂

Ja. Und dann stand kurz nach Weihnachten eines Morgens der Hund auf, räkelte und kratzte sich, und plötzlich rieselten ihm Händevoll Haare aus dem Fell. Büschelweise lag es da. Ich dachte schon, er hätte einen Atomreaktor markiert, und dann guckte ich mal seine Schulter genauer an. Und da war ein Loch, wo eigentlich Haut sein sollte. Nachdem der Tierarzt mir schon in der Woche vor Weihnachten gesagt hat, man könne dem lieben Gott nicht ewig von der Schippe springen, gingen in mir sämtliche Alarmglocken gleichzeitig los. Mein Freund blieb ruhig – er ist bei uns für den kühlen Kopf in Notsituationen zuständig – und meinte, der Hund hat ja unter dem Fell schon einige Zeit Verhärtungen. Wahrscheinlich würden die jetzt einfach aufbrechen und die Haut sich wieder normalisieren.
Den Göttern sei Dank sagte der Tierarzt das auch. Er rasierte rund um die üble Stelle, schaute dann glücklich grinsend auf das Kinderfaust-große blutige Loch in der Mitte und erklärte uns strahlend, der Hund würde sich endlich regenerieren. Die Krusten seien eine Nebenwirkung des Cortisons, aber das ginge vorbei. Wir haben eine eklig riechende rein pflanzliche Creme mitbekommen und einen herzlichen Schulterklopfer. Und dann sagte der Tierarzt, er könne ja gar nicht mehr die Knochen am Hund erkennen – der hätte doch nicht etwa Muskeln aufgebaut? Und genau das hat er. Er hat bis heute in 5 Wochen 5 Kilo zugenommen, das meiste davon Muskelmasse. Er kann die Treppe wieder schnelle hochrasen als ich, ich muß nicht einmal „Napf“ dafür sagen. Er springt wieder morgens auf den Stuhl am Fenster, wenn mein Freund arbeiten geht und ich sage „Winken gehen!“, und er läuft riesige Runden mit mir ohne das geringste Zeichen von Erschöpfung.
Er ist noch lange nicht gesund – die Haut ist sehr sehr dünn und beginnt leicht zu bluten, zumal in gesalzenem Schnee, und er hat Schäden an den inneren Organen, die größtenteils nicht mehr reparabel sind. Aber wir konnten dank des zu Weihnachten begonnenen Ersatzmedikamentes das Cortison auf eine absolute Minimaldosis heruntersetzen, seine Nebennieren scheinen wunderbar zu arbeiten (wer hätte das gedacht), und er ist immer noch fröhlich und verfressen. Was will man mehr.

1. Januar 2010

Neues Jahr