Luftentfeuchter, Familienentkracher, Hundeentgiftung

Das Bild zu Beginn meines letzten Posts ist mit Kreide gemalt. Mein erster Versuch mit Pastellkreiden endete in einem Geburtstagskalender für die ganze Familie. Ich werde jetzt die entsprechenden Bilder immer am Monatsanfang ins Blog stellen. Mir persönlich gefällt der Januar am besten, aber dazu könnt Ihr, meine zahlreichen Leser 😀 , ja Eure Meinung im Kommentar lassen. Da mir Malen unglaublich viel Freude bereitet, ich aber andererseits nicht die geringste Ahnung davon habe, nehme ich gerne jeden Tipp und Hinweis an.
Hier jedenfalls ist mal das Titelbild:

Und zum Alltag: Er ist da! Der erste von zwei Luftentfeuchtern, die ich gestern bestellt habe, denn unsere Wohnung wächst. 😦 Vor zwei Monaten kamen ein paar Männer, geschickt von der Hausverwaltung, um im ganzen Haus Silikonspray auf die Fenster zu tun und zu gucken, ob alles noch ordentlich schließt. Das haben sie getan, und seitdem schimmelt’s bei uns. Da ich irgendwo mal gelesen habe, daß in solchen Fällen die Mieter in der Nachweispflicht sind, richtig gelüftet und ausreichend beheizt zu haben, und ansonsten fristlose Kündigung möglich wäre, haben wir beschlossen, den Kampf erstmal allein aufzunehmen. Ich werde also heute alle beschimmelten Ecken abschrubben und mit einem fiesen Chlorreiniger drübergehen. In der Küche bin ich schon fertig, und prompt kam auch der Postmann mit dem kleinen Entfeuchter für die winzige Küche. Für unser eher großes Schlafzimmer habe ich auch einen großen Entfeuchter bestellt, und hoffe nur, die Dinger funktionieren.
Ich muß schon sagen – ich hatte schon viele Wohnungen, und in keiner davon Schimmel; nicht einmal in meiner ersten Bruchbude in Österreich, wo der Winter mit aller Macht durch die zerbrochenen Fensterscheiben gepfiffen hat. Ich hoffe nur, das regelt sich, bevor wir alle Asthma kriegen oder dem Hund ein graues Zweitfell wächst.

Nunja. Über Weihnachten hat sich bei uns auch einiges getan – Ich habe mit Schwester A ein face-to-face Streitgespräch gehabt, das sehr zivilisiert begann, aber rasch sehr emotional wurde. Wie Shakespeare schon sagte: Schlecht fing es an, und Schlimmeres kommt nach. Es war für mich faszinierend zu beobachten, wie sehr wir doch alle in unserer Haut stecken. A schießt immer zuerst und fragt dann. Oder sie fragt gar nicht mehr, denn wenn alle (mund)tot sind, ist ja erwiesen, daß sie Recht hatte. Das ist ihr bewährter Schutzmechanismus, er funktioniert, und sie setzt ihn instinktiv ein. Meine Mutter neigt zu übermäßig emotionalen Diskussionen, die natürlich nicht im Geringsten schlagkräftig sind („Aber das kannst Du doch so nicht sagen“ ist halt kein super Argument), dem Gesprächsgegner aber immer ein Unwohlsein bereiten, um nicht zu sagen, Schuldgefühle. Mein Vater hält sich aus allem raus, sogar aus dem Raum. Ich bin ein Mittelding zwischen meiner Mutter und meiner Schwester – ich verliere manchmal vor lauter Gefühl den Diskussionsfaden und den kühlen Kopf, aber wenn man mich an der falschen Stelle angreift, kann ich ebenfalls tödlich schießen. Ich weiß um beide Schwächen und bin in dieses Gespräch gegangen mit dem festen Vorsatz, ruhig zu bleiben, nicht zurückzuschreien, wenn A mich angreift und A nicht vorwurfsvoll anzugucken, wenn meine Mutter in Tränen ausbricht. Und es gelang. Allerdings mühsam. Mich hat der Streit wahnsinnig mitgenommen, dabei hatte ich noch das Glück, daß meine Mutter auf meiner Seite stand, soweit das einer Mutter mehrerer Kinder überhaupt möglich ist. Jedenfalls hatten wir dieselben Probleme mit A und haben darauf beharrt, sie alle einmal auszudiskutieren. Das war auch für A unglaublich hart. Sie hat noch nie Widerworte bekommen und sich jahrzehntelang daran gewöhnen können, einfach immer Recht zu haben, und dann das. Entgegen meiner Erwartung haben wir sogar nach einigem heftigen Hin und Her eine gewisse Einigung erzielt, und zwar, daß einfach jeder, der mit einem anderen Familienmitglied ein Problem hat, das sagt – und zwar gleich, und ausschließlich dem, den es betrifft. Das klingt jetzt vielleicht lächerlich simpel, aber wir sind eine sehr große Familie, die weit verstreut wohnt, und wenn wir uns mal alle sehen, findet fast mehr nonverbaler Austausch statt als Gespräche. Die meisten von uns sind recht stolz, einige neigen dazu, Dinge sehr persönlich zu nehmen, und andere haben gerne Recht. So kommt es, daß das Familiengefühlskaleidoskop nie dasselbe Bild zeigt wie noch gerade eben, und immer sehr bunt ist.
Als ich nach dem Gespräch nach Hause gefahren war, haben meine Eltern, bei denen meine Schwester übernachtet hat, noch weiter mit ihr gesprochen. Sogar mein Vater. Wenn ihr das nicht gezeigt hat, wie wichtig ihnen die Sache ist… 🙂

Ja. Und dann stand kurz nach Weihnachten eines Morgens der Hund auf, räkelte und kratzte sich, und plötzlich rieselten ihm Händevoll Haare aus dem Fell. Büschelweise lag es da. Ich dachte schon, er hätte einen Atomreaktor markiert, und dann guckte ich mal seine Schulter genauer an. Und da war ein Loch, wo eigentlich Haut sein sollte. Nachdem der Tierarzt mir schon in der Woche vor Weihnachten gesagt hat, man könne dem lieben Gott nicht ewig von der Schippe springen, gingen in mir sämtliche Alarmglocken gleichzeitig los. Mein Freund blieb ruhig – er ist bei uns für den kühlen Kopf in Notsituationen zuständig – und meinte, der Hund hat ja unter dem Fell schon einige Zeit Verhärtungen. Wahrscheinlich würden die jetzt einfach aufbrechen und die Haut sich wieder normalisieren.
Den Göttern sei Dank sagte der Tierarzt das auch. Er rasierte rund um die üble Stelle, schaute dann glücklich grinsend auf das Kinderfaust-große blutige Loch in der Mitte und erklärte uns strahlend, der Hund würde sich endlich regenerieren. Die Krusten seien eine Nebenwirkung des Cortisons, aber das ginge vorbei. Wir haben eine eklig riechende rein pflanzliche Creme mitbekommen und einen herzlichen Schulterklopfer. Und dann sagte der Tierarzt, er könne ja gar nicht mehr die Knochen am Hund erkennen – der hätte doch nicht etwa Muskeln aufgebaut? Und genau das hat er. Er hat bis heute in 5 Wochen 5 Kilo zugenommen, das meiste davon Muskelmasse. Er kann die Treppe wieder schnelle hochrasen als ich, ich muß nicht einmal „Napf“ dafür sagen. Er springt wieder morgens auf den Stuhl am Fenster, wenn mein Freund arbeiten geht und ich sage „Winken gehen!“, und er läuft riesige Runden mit mir ohne das geringste Zeichen von Erschöpfung.
Er ist noch lange nicht gesund – die Haut ist sehr sehr dünn und beginnt leicht zu bluten, zumal in gesalzenem Schnee, und er hat Schäden an den inneren Organen, die größtenteils nicht mehr reparabel sind. Aber wir konnten dank des zu Weihnachten begonnenen Ersatzmedikamentes das Cortison auf eine absolute Minimaldosis heruntersetzen, seine Nebennieren scheinen wunderbar zu arbeiten (wer hätte das gedacht), und er ist immer noch fröhlich und verfressen. Was will man mehr.

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3 Kommentare to “Luftentfeuchter, Familienentkracher, Hundeentgiftung”

  1. Ich halte dir ganz fest die Daumen, dass das Medikament so richtig hilft. Aber es scheint ja wirklich zum Glück anzuschlagen. Ganz viele fröhliche Jahre mit dem 4-beinigen Gefährten wünscht dir
    Alruna

    • Danke Dir, Alruna. Momentan geben wir noch zusätzlich 10 Tage lang ein Antibiotikum, damit die (mittlerweile 6) kahlen Stellen sich nicht entzünden. Ich fürchte, auf viele glückliche Jahre mit ihm müssen wir leider verzichten – wenn er’s noch bis zum Sommer schafft, ist das schon ein Wunder. Aber noch sieht er fröhlich aus, genießt sein Leben und wer weiß schon, was tatsächlich noch für Wunder passieren? 🙂

  2. wenn der richtige zeitpunkt da ist um abschied zu nehmen, dann wirst du das fühlen. aber eben, wer weiß es schon 🙂

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