End-gültig

Mein Hund wird sterben. Das weiß man ja, wenn man sich einen Hund anschafft, aber meiner stirbt nicht mehr irgendwann, sondern in drei Wochen. Letzten Freitag meinte unser graubärtiger und sehr engagierter Tierarzt seufzend, er wisse nicht mehr weiter, denn solche Symptome habe er noch nie gesehen. Also überwies er uns an einen auf Hautkrankheiten spezialisierten Kollegen, den wir gestern Abend aufsuchten. Dieser nahm sich fast 1,5 Stunden Zeit und erklärte dann, dem Hund sei nicht mehr zu helfen. Die Symptome würden wir bereits mit allen verfügbaren Mitteln bekämpfen, aber die Ursache sei eine Autoimmunerkrankung, da kommt man einfach nicht ran.
Der Hund, nur zum allgemeinen Verständnis, ist krank schon seit er noch klein war und einen Blei-Türstopper angenagt hat. Und seit einem Monat gehen dem inzwischen 6jährigen Kerl die Haare aus und er bekommt stattdessen dicke Krusten und leuchtend neonpinke Beulen. Er juckt sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit und kratzt sich richtige offene Wunden, so daß wir gezwungenermaßen unsere Tagesabläufe auf den Hund eingerichtet haben – keine Minute ohne Aufsicht. Ohne meine Eltern wäre das niemals möglich gewesen, auch die unglaublich teuren (mittlerweile 4 verschiedenen) Medikamente nicht. Und dennoch konnten wir diese letzte Entscheidung nicht früher treffen, weil der Dicke immer noch so lebensfroh wirkt: Wenn einer von uns nach Hause kommt, rast er glücklich durch die Wohnung, wenn wir zu „Oma und Opa“ fahren, winselt er schon am Ortseingangsschild und wenn wir wieder fahren, bellt er aus dem Fenster. Er verschleppt die Orgelschuhe meines Vaters und schiebt meiner Mutter beim Essen die Nase unter den Ellbogen. Er genießt so vieles, daß wir nicht glauben wollten, daß es ihm wirklich schon so schlecht geht. Diesen Zahn hat uns der Spezialist gestern gezogen.
Nun haben wir entschieden, unserem Kleinen die noch verbleibenden Tabletten von dem sauteuren Zeug zu geben und die Zeit als Abschiednahme zu nutzen. Es sind noch 18 Stück.

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6 Kommentare to “End-gültig”

  1. Das tut mir so leid. Ich drück dich mal auf die Ferne.
    Viel Mut für die nächsten Tage und viel Kraft für die Tage danach.
    Alles Liebe
    Alruna

  2. Danke, Alruna. Es ist wirklich schwer – wir versuchen, unsere Laune so hoch wie möglich zu halten, damit der Hund nichts merkt. Ich muß mich nämlich nur mal am Telefon über etwas aufregen oder einen traurigen Film sehen, schon legt er mir die Schnauze in den Schoß. Daher verbeißen wir den Kummer derzeit mit aller Macht.

  3. Das ist so schlimm.
    Ich sitze hier und heule.

    Ich wünsche Euch noch eine wunderschöne gemeinsame Zeit und dass es dem Schnuffi bis zuletzt gut geht.
    Ich drück Dich ganz feste.

  4. es ist zu traurig, ich wünsche euch eine friedvolle letzte Zeit zusammen und die viel Kraft für die Zeit danach..

    Alles LIebe Weidenfrau

  5. Ich kann Dir das so gut nachfühlen, denn ich bin in der selben Situation mit meinem Kater Gribi. Er ist 17 und bekommt derzeit für monatlich 120 Euro Medikamente. Der unaussprechliche Tag rückt immer näher, ich habe aber anders als Du und Felix noch keinen festen Termin. Es wird der Tag sein, an dem er trotz der vollen Breitseite an Medis trotzdem jammert und leidet.
    Ich wünsce Euch alles Gute und ganz viel Kraft in dieser traurigen Zeit.

  6. Ich danke Euch sehr. Ich glaube, so eine Situation kann wirklich nur jemand nachvollziehen, der sein Herz selbst schonmal an ein Tier gehängt hat.
    Heute kam die Kiste, die ich an Sarges statt bestellt habe. Jetzt steht dieses große Ding bei uns im Flur, vor meiner Nase. Ich denke, ich werde mir morgen mal ein Herz fassen, das Paket öffnen und prüfen, ob der Inhalt okay ist, und sie dann bei meinen Eltern zwischenlagern.
    @ Diana: Das wollten wir eigentlich auch, auf ein deutliches Zeichen von „mir geht’s schlecht“ vom Hund warten. Aber der Tierarzt meinte, das würde nicht kommen, denn dieses Leiden sei für den Hund bereits unerträglich, und zwar ständig, jede Stunde, jede Minute dieser Juckreiz. Noch mehr wird er nicht zeigen. Bei uns sind es auch 200 Euro Medis, 60 Euro Spezialfutter (wobei er jetzt einfach alles fressen darf – was soll denn noch passieren).

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