/ Fressen

Felix konnte nicht spielen, als ich ihn bekam. Er konnte nicht, wie jeder normal erzogene Hund, Dinge mit den Vorderpfoten festhalten. Er wußte nicht, was ein Ball ist und was man damit macht – schoß man einen Ball 20 cm vor der Hundenase vorbei, guckte er nicht einmal hinterher. Er konnte nur fressen und war offensichtlich auch auf keine andere Weise beschäftigt worden. Schande über die faulen Menschen, denn Felix hat sich in sehr kurzer Zeit bei mir schon als äußerst clever herausgestellt. Nicht zuletzt, was die Futterbeschaffung angeht:
Beim ersten Besuch bei meinen Eltern ging er nach dem Mittagessen unauffällig in die Küche und aß den Rest Fischauflauf aus der Form. Beim zweiten Besuch gleiches Szenario, nur war’s diesmal ein Teller voller Grillkoteletts und -würstchen. Beim dritten Besuch war es Kuchen. Beim vierten Versuch war die Küchentür geschlossen. Es war Weihnachten, meine Eltern schliefen im ersten Stock, mein Freund und ich auf dem Dachboden, der Hund im Erdgeschoß. Plötzlich hören wir es leise Klappern. Da sowohl Küche als auch Wohnzimmertür zu waren, ignorierten wir das Geräusch zunächst, bis es ein weiteres Mal von etwas weiter weg erneut klapperte. Da wir unseren Hund nun schon etliche Monate kennenlernen konnten, stürmten wir mit Karacho die 2 Treppen hinunter und erwischten ihn auf dem Wohnzimmerteppich. Vor ihm lag ein leerer Bunter Teller (mein!! bunter Teller), nirgends auch nur der kleinste Krümel, keine Reste von Aluverpackung oder Einwickelpapier – und in der Schnauze hatte er noch das letzte Objectum delicti – ein halbes Marzipanbrot. Mit Plastikeinwickelpapier. Wir konnten nicht so schnell bei ihm sein, wie das Brot (und das Papier) im Hundemagen verschwand.
Schlußfolgerung: Das erste Klappern war die Türklinke. Als Labrador kann man da durchaus hochhüpfen und mit ein bißchen Glück die Klinke runterdrücken. Das zweite Klappern waren Hundkrallen auf Mahagonianrichte + die Entführung des bunten Tellers von derselben. Der Magen eines Labradors ist unerschütterlich. Außerdem: Traue keinem hungrigen Hund. Ab sofort steckten die Schlüssel außen.

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