/ Hundeschule

Da mein Freund sich gestern beschwert hat, daß er die Anekdoten nicht auf der Arbeit lesen kann, schreibe ich heute mal gleich am Vormittag.

Hundeschule. Wir (das heißt Felix und ich) haben eine Hundeschule besucht, nachdem das Meerschweinchendesaster im Sommer seinen Lauf genommen hatte. Ich weiß, daß Felix als guter Retriever das Schwein einfach nur Retrieved hat, und das körperlich völlig unversehrt, aber das ändert leider nichts an den Tatsachen, daß a) das Schwein am Schock gestorben ist und b) er es nicht sofort aus gegeben hat, sondern nur mit einem Schweineohr bestechlich war. Dies führte mich zu der Schlußfolgerung, der Hund würde in mir nicht wirklich einen Rudelführer sehen und sich im Zweifelsfall lieber auf sich selbst verlassen, was – voilà – dumm enden kann. Also: Auf zur Hundeschule.
Ich suchte mir eine Hundetrainerin in einem 30 Kilometer entfernten Ort, da es direkt hier in der Stadt miserabel aussieht und mir die mobile Hundeschule zu teuer war. Die Trainerin mache ein kostenloses Vorgespräch bei uns zu Hause und besah sich den Köter mal vor Ort. Und zog mir gleich einige Zähne: Nein, der Hund folgt Ihnen nicht treu und ergeben überall hin, weil er Sie so lieb hat, sondern er ist der Rudelführer und will die Kontrolle behalten. Nein, der Hund will nicht auf’s Sofa, weil er so gerne mit Ihnen kuscheln will, sondern weil ihm als Rudelführer der höchste Platz zusteht. Usw.
Nunja. Wir vereinbarten 11 Stunden, in denen Felix ein paar Sachen lernen sollte, auf die ich Wert lege. Das war nur bei Fuß gehen, wenn möglich auch mal ohne Leine, Sachen wieder ausgeben, wenn ich das sage und verläßlich kommen, wenn ich ihn rufe. Ich wollte den Hund nicht umkrempeln, er war ja schließlich schon fast 6. Den Jagdinstinkt könne man genausowenig abschalten wie den Sexualtrieb, meinte die Trainerin, daher würde Felix wieder Meerschweinchen anschleppen, wenn er die Chance hätte.
Aber Käse in der Packung von der Straße fressen könne man unterbinden, indem man ihm zeigt, daß der eigene Mensch immer etwas Besseres dabei hat. Also zog ich fortan nur noch mit Gürteltasche voller Bestecherli durch die Straßen, sagte streng Nein, wenn der Hund sich für etwas anderes Eßbares interessierte und bot ihm sofort die Alternative an. Und da mein wundervoller Hund so bestechlich ist, funktionierte es einwandfrei. Es funktionierte so gut, daß Felix schon nach 2 Tagen gelernt hatte, so zu tun, als würde er etwas von der Straße fressen wollen (einen Stein oder so), um sich dann mit erwartungsvollem Blick artig hinzusetzen.
Das Fuß gehen lernte er schon in der ersten Hundestunde wieder perfekt – wir hatten es ihm schon 2 Jahre vorher beigebracht, ohne Leine am Strand, und sobald wir auch noch Leckerli zur Hand hatten, lief der Hund wie geölt. Außerdem blieb er am Straßenrand stehen, wenn ich Halt sagte (das hatte ich nie explizit trainiert, aber von Anfang an gemacht mit leichtem Zug an der Leine, damit er lernt, daß Straßen ein No-Go sind) und begeisterte damit die Trainerin. Schließlich reduzierten wir die vorveranschlagten Hundestunden um die Hälfte und gingen im September noch mit 12 anderen hundeschülern einen riesigen Spaziergang, 5 Stunden durch den Wald um einen See, zum großen Teil ohne Leinen, und mein Hund fühlte sich total wohl.

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