Wölfe des Meeres

Wie man gestern in den Nachrichten hören und hier bei Spiegel Online nachlesen kann, hat vorgestern ein in Gefangenschaft lebender Orca seine Trainerin getötet. Dies geschah vor den Augen des Publikums und nach unterschiedlichen Quellen bereits zum dritten Mal in den letzten 20 Jahren durch denselben Wal. Trotzdem denken die Betreiber der Sea World Florida nicht daran, den Wal in Freiheit zu entlassen oder gar prinzipiell von der Gefangennahme dieser Meeresbewohner abzusehen, da (laut NDR Info) „dieser Orca der vermutlich größte in Gefangenschaft lebende und zudem der zeugungskräftigste“ sei. Man lasse sich diese Begründung auf der Zunge zergehen.
Wie wir in Schätzings „Schwarm“ lesen konnten, werden Orcas von einigen Stämmen der nordamerikansichen Indianer als „Wölfe des Meeres“ bezeichnet. Und wie Wikipedia verrät, leben sie tatsächlich in Rudeln, sogenannten Schulen. Die Kinder bleiben sogar, anders als bei Wölfen, ihr ganzes Leben bei den Eltern. Man jagt zusammen, man lebt zusammen; das Oberhaupt der Walschule ist immer ein Weibchen. Die Weibchen werden von 50 bis zu über 80 Jahre alt, die Männchen 30 bis 50 Jahre. Die gemeinsame Jagd ist unglaublich clever und methodisch an den jeweiligen Lebensraum angepaßt, und diese Wale sind die schnellsten überhaupt.
Und nun wird so ein Männchen aus seinem Rudel entführt und in einem unvergleichlich winzigen Becken gehalten. Er darf nicht mehr jagen, er hat kein Sozialleben mehr, er kann sich nicht annähernd ausreichend bewegen, er wird dressiert und muß in der Show funktionieren und ansonsten möglichst unsichtbar sein. Und das Jahrzehnte lang. Ist es da ein Wunder, wenn dieser Wal irgendwann wahnsinnig wird vor Einsamkeit und körperlicher Qual? Aber all dies ist nichts im Vergleich zum ureigensten amerikanischen Recht auf Amusement und verdientes Geld.
Ich erwarte als nächstes eine Petition irgendwelcher amerikanischer Bürger nach dem Motto „wie viele Menschen müssen noch sterben, bis der Killerwal endlich umgebracht wird?“ Und ich frage mich – wie viele Wale (und so unendlich viele andere Tiere) müssen noch gequält und krank ein kampuschartiges Schicksal durchmachen, wie viele Kinder aus dem Zuschauerraum müssen noch für den Rest ihres Lebens mit solchen Bildern traumatisiert werden, bis die guten, bodenständigen Kapitalisten bemerken, daß man Geld nicht fressen kann?

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2 Kommentare to “Wölfe des Meeres”

  1. du sprichst mir so aus der Seele…

  2. genau diese Mentalität der Menschen kotzt mich so an. Schau dir die Haie an. Für einen Menschen, den ein Hai angefallen hat – in seinem Revier, wo eigentlich kein Mensch was zu suchen hat – müssen Tausende Haie sterben.
    Und hier könnte man endlos weiter lamentieren…. Widerlich!

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