Archive for Februar, 2010

9. Februar 2010

/ Hundeschule

Da mein Freund sich gestern beschwert hat, daß er die Anekdoten nicht auf der Arbeit lesen kann, schreibe ich heute mal gleich am Vormittag.

Hundeschule. Wir (das heißt Felix und ich) haben eine Hundeschule besucht, nachdem das Meerschweinchendesaster im Sommer seinen Lauf genommen hatte. Ich weiß, daß Felix als guter Retriever das Schwein einfach nur Retrieved hat, und das körperlich völlig unversehrt, aber das ändert leider nichts an den Tatsachen, daß a) das Schwein am Schock gestorben ist und b) er es nicht sofort aus gegeben hat, sondern nur mit einem Schweineohr bestechlich war. Dies führte mich zu der Schlußfolgerung, der Hund würde in mir nicht wirklich einen Rudelführer sehen und sich im Zweifelsfall lieber auf sich selbst verlassen, was – voilà – dumm enden kann. Also: Auf zur Hundeschule.
Ich suchte mir eine Hundetrainerin in einem 30 Kilometer entfernten Ort, da es direkt hier in der Stadt miserabel aussieht und mir die mobile Hundeschule zu teuer war. Die Trainerin mache ein kostenloses Vorgespräch bei uns zu Hause und besah sich den Köter mal vor Ort. Und zog mir gleich einige Zähne: Nein, der Hund folgt Ihnen nicht treu und ergeben überall hin, weil er Sie so lieb hat, sondern er ist der Rudelführer und will die Kontrolle behalten. Nein, der Hund will nicht auf’s Sofa, weil er so gerne mit Ihnen kuscheln will, sondern weil ihm als Rudelführer der höchste Platz zusteht. Usw.
Nunja. Wir vereinbarten 11 Stunden, in denen Felix ein paar Sachen lernen sollte, auf die ich Wert lege. Das war nur bei Fuß gehen, wenn möglich auch mal ohne Leine, Sachen wieder ausgeben, wenn ich das sage und verläßlich kommen, wenn ich ihn rufe. Ich wollte den Hund nicht umkrempeln, er war ja schließlich schon fast 6. Den Jagdinstinkt könne man genausowenig abschalten wie den Sexualtrieb, meinte die Trainerin, daher würde Felix wieder Meerschweinchen anschleppen, wenn er die Chance hätte.
Aber Käse in der Packung von der Straße fressen könne man unterbinden, indem man ihm zeigt, daß der eigene Mensch immer etwas Besseres dabei hat. Also zog ich fortan nur noch mit Gürteltasche voller Bestecherli durch die Straßen, sagte streng Nein, wenn der Hund sich für etwas anderes Eßbares interessierte und bot ihm sofort die Alternative an. Und da mein wundervoller Hund so bestechlich ist, funktionierte es einwandfrei. Es funktionierte so gut, daß Felix schon nach 2 Tagen gelernt hatte, so zu tun, als würde er etwas von der Straße fressen wollen (einen Stein oder so), um sich dann mit erwartungsvollem Blick artig hinzusetzen.
Das Fuß gehen lernte er schon in der ersten Hundestunde wieder perfekt – wir hatten es ihm schon 2 Jahre vorher beigebracht, ohne Leine am Strand, und sobald wir auch noch Leckerli zur Hand hatten, lief der Hund wie geölt. Außerdem blieb er am Straßenrand stehen, wenn ich Halt sagte (das hatte ich nie explizit trainiert, aber von Anfang an gemacht mit leichtem Zug an der Leine, damit er lernt, daß Straßen ein No-Go sind) und begeisterte damit die Trainerin. Schließlich reduzierten wir die vorveranschlagten Hundestunden um die Hälfte und gingen im September noch mit 12 anderen hundeschülern einen riesigen Spaziergang, 5 Stunden durch den Wald um einen See, zum großen Teil ohne Leinen, und mein Hund fühlte sich total wohl.

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8. Februar 2010

/ rudeln

Die Anekdote des Tages: Rudeln. Unter Rudeln verstehe ich, im Rudel nach Rudelregeln zusammenzuleben, zusammenzuhalten und sich aufeinander zu verlassen. Das konnte Felix nicht, als er zu mir kam, weil ich seine x-te Besitzerin war, und ich konnte es anfangs auch nicht, weil er mein erster Hund war und wir uns erst zusammenraufen mußten (mithilfe von Tischtennisplatten und so). Und dann, als ich den Hund etwa 10 Tage hatte, hatte ich mal einen langen Arbeitstag und eine Kollegin erklärte sich bereit, an meiner Stelle mit dem Klops spazierenzugehen. Sie nahm einen Freund mit, der zufällig zu Besuch war. Einige Tage später lernte ich diesen Freund selbst kennen, da er eine Homepage für unseren Arbeitgeber bauen sollte, und wir bei meiner netten Kollegin in der Küche schon mal Inhalte abklärten. Da erzählte der Freund, seine Eltern hätten bis vor wenigen Jahren auch einen schwarzen Labrador gehabt, und fing an, mit Felix auf dem Küchenfußboden zu spielen.
Und dann trafen wir uns nur mal so zum Spazierengehen am See. Und dann fuhr ich mal mit Klopsi in seinen Wohnort, zum Spazierengehen in der Stadt. Und dann plötzlich waren wir ein Rudel; der Hund machte es möglich. Wir zogen Knall auf Fall zusammen in meine Wohnung. Wir machten alle Sachen zu dritt.
Der Hund stürmt zur Tür, wenn ich sage „da kommt der Papa“ („Papa“ und „Mutti“ – total irre, ich weiß, aber der Hund versteht nichts anderes mehr). Wenn mein Freund morgens aus dem Haus geht, sage ich „Felix! Winken gehen!“ und wir flitzen beide ins Wohnzimmer und stellen uns ans Fenster – Felix springt immer auf den Stuhl davor, mit den Vorderpfoten auf dem Fensterbrett – und winken beziehungsweise ruffeln, wenn der „Papa“ vorbeikommt. Wenn wir abends einen Film sehen, kommt der Hund aufs Sofa kuscheln. Darf er das mal nicht, weil er z.B. regennaß ist, geht er nicht etwa in sein Bettchen, sondern legt sich vor unsere Füße. Einmal sind wir nachts vom Schwiegerelternbesuch nach Hause gekommen und Felix erkannte, daß er nun zu Hause war und begann glücklich zu jaulen. Vor lauter Übermut heulten und sangen wir gleich mit und legten auf diese Weise den letzten halben Kilometer zurück. Zu dritt, nach Hause, aaauuuuuuuh.
Vor einer Woche sagte mein Freund, als ich wieder mal mit dem Hundeschicksal haderte: „Weißt Du, ich glaube, Felix weiß, daß wir jetzt auch ohne ihn zurechtkommen.“

7. Februar 2010

/ aktive Nacht

Eigentlich sollte es heute um Felix‘ ungetrübtes Verhältnis zu Tierärzten gehen, die er immer wieder gerne aufsucht, egal wie groß die Hautprobe ist, die ihm in der Woche vorher entnommen wurde. Stattdessen geht es um heute Nacht: Um halb 5 früh stand der Hund auf, hüpfte vom Bett, klackerte ein bißchen durchs Schlafzimmer und begann schließlich zu kotzen. Na toll, dachten wir, mein Freund hielt den Dicken fest und beruhigte ihn erstmal, während ich das Ähbäh wegwischte. Ich tastete Felix Bauch ab und stellte fest, daß er etwas verhärtet war, konnte aber im Moment nicht feststellen, warum, oder irgendwas dagegen unternehmen.
Dann gingen wir alle wieder schlafen. Freund und Hund schnorchelten sofort weg, ich lag eine Stunde wach. Gegen halb 6 dämmerte ich schließlich auch langsam wieder ins Traumland, und 10 Minuten später stand der Hund wieder auf, hüpfte vom Bett, klackerte ein bißchen herum (ich dachte halb im Wachkoma „Er muß spazierengehen. Oder kotzen. Oder vielleicht muß er spazierengehen. Oder er muß wieder kotzen…“ und bekam beim besten Willen die Augen nicht auf) und kotzte. Schlagartig waren wir wieder hellwach und stellten fest, daß der Hund Blut spuckte. Außerdem spuckte er ein scharfkantiges Stück Knochen aus, daß er vorgestern hinter der Landfleischerei, in der ich ihm einen großen Rinderknochen gekauft habe, im Schnee gefunden hatte. Na toll.
Also tröstete mein Freund wieder den Hund und ich wischte blutiges Ähbäh weg und wir gingen wieder Schlafen. Diesmal wirkte Felix sehr entspannt, und heute früh bettelte er am Frühstückstisch sehr enthusiastisch um den Fettrand vom Schinken, daher haben wir ihn normal gefüttert und nur im Laufe des Tages mit den Leckerlis ein bißchen gespart und aufgepaßt.
Seufz.

6. Februar 2010

/ Postboten und Nazijugend

– noch so ein Haßobjekt für den Hund. Er erkennt Postboten, egal ob sie in gelber, blauer oder roter Uniform kommen, ob mit Fahrrad, zu Fuß oder im Lieferwagen, und er bellt sich die Seele aus dem Leib. Fahren wir im Auto durch die Stadt und irgendwo steht ein Mensch hinter einem roten Fahrrad mit Packtaschen – bell, bell. Klingelt es an der Tür – bellbellbellebell… Bis wir eines Tages mal unserer Postfrau vor der Haustür begneten und sie, eine unglaublich nette und burschikose Frau von etwa 50-55 Jahren, mit lauter Stimme sagte: „Na denn komma her, ick hab da wat für dich“. Und einen Hundekeks aus der Hosentasche zog. Sofort wurde mein Hund brav und machte Sitz. Der bestechliche, gierige kleine „!$&§$/.
Er bellt alle anderen Postleute nach wie vor lautstark an, diese nur noch halbstark und bekommt auch gelegentlich noch einen Keks von ihr. Witzigerweise gehe ich oft mit ihm auf die Hauptpost und er ist dort total artig. Er mag die Postfrauen, hat in meinem früheren Wohnort sogar mal einen Schokonikolaus bekommen, als wir die Weihnachtspost aufgegeben haben, und hier durfte er mal ins Paketlager schnüffeln, und alle mögen ihn und er mag alle. ?!? Wir haben schon die Vermutung angestellt, als er noch ein Welpe war, hätte eine Postfrau auf einem Fahrrad den Hund mit einer Katze durchgeprügelt. (Er bellt nämlich auch Fahrräder, Rollstühle und Rollkoffer an.)

Gestern Nacht kam ich wieder im Regional“express“ von der Arbeit und setzte mich wie immer möglichst abseits, denn ich hatte ein spannendes Buch und wollte ungestört lesen. Ich wählte ein 8-Platz-Zwischenabteil, immer 4 Sitze einander gegenüber. Auf halber Strecke stiegen 6 Wannabe-Neonazis ein, die einen schier unglaublichen Alkoholgeruch verbreiteten und sich mit in mein Abteil kuschelten. Ich las erstmal weiter, denn ich habe bisher immer die Erfahrung gemacht, daß das Pöbeln erst anfängt, wenn man betreten hochguckt oder deutlich signalisiert, daß man sich in der neuen Gesellschaft nicht wohlfühlt. 2 Minuten ging mein Konzept auf, dann grölte der Typ mir gegenüber, ich Alte hätte wohl keinen Spaß am Lesen („Die dunkle Seite“ von Schätzing, war grad ne düstere Stelle, und in meinem Gesicht spiegeln sich die Bücher, die ich lese, wie in Fensterglas). Er wiederholte seine Bemerkung mehrmals und fuchtelte mit dem Finger in meine Richtung, wohl unzufrieden, daß ich noch immer nicht reagierte. Da es in solchen Fällen nicht das Geringste bringt, aufzustehen und wegzugehen (die kommen halt einfach hinterhergelatscht und finden das noch witzig), bracht ich wieder meinen alten Spiegeltrick zum Einsatz: Kurz die Augen schließen und sich vorstellen, man wäre von einem großen Spiegel umgeben oder ein Spiegel stünde zwischen den Unsympathen und mir selbst, die spiegelnde Seite immer zu den anderen, dann werden ihre Gedanken und Taten reflektiert. Gestern stellte ich mir ein riesiges Energie-Ei rund um meinen gesamten Körper vor, dessen Außenflächen spiegeln. Außerdem, da ich mich wirklich höchst unwohl fühlte, schickte ich ein paar Stoßgebete los und erklärte, jetzt wäre mal ein guter Zeitpunkt für Schutzengeleinsatz. Keine 30 Sekunden später grölte ein Typ links von mir, der Typ gegenüber solle doch „die Dame“ mal in Ruhe lesen lassen. Die anderen schlossen sich dieser Meinung an und sagten ihm, er solle mich in Ruhe lassen, und dann lotsten sie ihn unter weiteren Kommentaren dieser Art zur Zugtür, wo sie stehenblieben, bis sie aussteigen mußten. Grandios. Ich liebe den Spiegel. Mir ist auch total egal, warum es funktioniert – vielleicht entspanne ich mich nur so, daß meine Körpersprache viel selbstbewußter wird – aber es funktioniert.

5. Februar 2010

/ singen und Musik

Bei Kaufland gibt es in der Grabbelecke gelegentlich CDs für 1 Euro. Manchmal sind die der letzte Mist, manchmal jedoch auch sehr gut, zumindest für irre Sammler wie mich. Alte Jazzcollections, neues Zeug, alles wird rausgehauen, weil irgendwo ein Druckfehler im Booklet oder irgendeine andere peinliche Kleinigkeit während der Produktion entstanden ist.
Mein wunderbarer Freund, der keine Gelegenheit ausläßt, mir eine kleine Freude zu machen, brachte mir letzte Woche gleich 3 CDs vom Wochenendeinkauf mit: „Ireland“, ein Kompendium irischer Folklore von einer italienischen Produktionsfirma und ohne Angabe der Künstler, aber trotzdem gar nicht so mies, wie man glauben könnte (hab’s gestern 2x gehört und immer noch okay gefunden); „CompassionArt“, habe ich noch nicht reingehört, das ist sowas wie ein Herz für Afrika oder so, und: Mozez – „So still“. Mir sagte Mozez gar nichts, meinem Freund auch nicht, aber er als 100% visuell ausgerichteter Typ fand das Cover einfach so toll, daß er die CD mitgenommen hat. Heute, gerade eben, legte ich sie rein. Gestern habe ich schon mal in die im Booklet abgedruckten Texte reingelesen und sie toll gefunden, aber jetzt gefällt mir auch noch die Musik, speziell der erste Song auf dem Album hat mich eben wirklich berührt. Damit Ihr daran teilhaben könnt:

Und hier noch der Text des Songs, wie im Booklet gedruckt:

Feel free

Think I’ve heard it all before, you keep knocking on heaven’s door. On the road to illumine, you explore the madden clouds.

For all the reasons that I can’t tell, the road to heaven’s like the road to hell. So rap your fingers around the world and treat it like you’ve found a hidden pearl.

Feel free, be young, be happy, live long. Just be what you wanna be, feel free. You gotta be, Be happy as you wanna be, Live as long as you wanna live.

Been to the wishing well, hoping for what time can’t tell. For all that you can’t find, were they meant to be left behind?

Rap your fingers around the world and treat it like you’ve found a hidden pearl.

Feel free, be young, be happy, live long. Just be what you wanna be, feel free. You gotta be, Be happy as you wanna be, Live as long as you wanna live.

Be the star. You want to shine on. Walk through the darkness, be strong. In the light of oneness, live on. You belong, you are strong.

(repeat)

Toll, oder? Irgendwie tut mir das grad richtig gut. Und es paßt zur heutigen Hundeanekdote: Singen.
Am Anfang war der Hund ein dicker, fauler Klops, wie ich ja schon des Öfteren geschrieben habe. Er lag immer desinteressiert irgendwo herum, wenn ich in der Wohnung zu tun hatte, ignorierte mich und mein tun und wünschte seinerseits ignoriert zu werden. Bis ich eines Tages beim Abwaschen das Radio ganz laut aufdrehte und dazu sang und mit dem Geschirr durch die Küche tanzte. Meine damalige Küche war riesig, und da der Hund im Wohnzimmer lag, hatte ich freie Bahn für Parkettrutschen und dergleichen. Ich erfand also aus voller Kehle zweite und dritte Stimmen und rockte unter den Hängeschränken entlang, als mich plötzlich etwas Großes, Schweres von hinten traf. Ich drehte mich erstaunt um und fand vor mir den fetten Hund, gar nicht mehr faul, sondern mit heftigem Schwanzwedeln und kleine Hüpfer und Hopser vorführend. Er tanzte mit! Er fand mein Verhalten offenbar total schräg und meine gute Laune ansteckend, und wollte mitmachen. Das war ein echtes Schlüsselerlebnis.
Zwei Wochen danach unterrichtete ich eine Musikschülerin zu Hause, ich saß am Klavier, sie spielte Geige. Als wir eine Weile gespielt hatten, kam der Hund plötzlich angewedelt und versuchte, mir auf den Schoß zu klettern. Er freute sich, hüpfte tänzelnd um meinen Klavierhocker herum und wollte mir das Gesicht abschlecken. Später sangen wir noch ein paar Duette, und prompt sang der Hund mit.
Solche Erlebnisse hatten wir noch öfter. Felix macht mir das Klavier- und singen üben ziemlich schwer, weil er immer auf den Schoß will. Vielleicht denkt er, ich würde um Hilfe rufen, wenn die Arien ein bißchen höher werden? Einmal haben wir zu Hause zum Aufräumen ganz laut den Blues Brothers – Soundtrack gehört, und da hatte der Hund auch seinen Spaß mit: Er fegte mit einigen Pappkartons durchs Wohnzimmer und schüttelte sie kräftig, bevor er sie in kleine Fetzen zerriß.

4. Februar 2010

/ Kuscheltiere

Ein spezielles Kapitel in der Geschichte von Felix‘ Spielzeugen nehmen die Kuscheltiere ein. Darunter fallen auch der Tiger (siehe Post von gestern), Kissen und andere kuschelige Dinge. Wir haben ihm früher immer mal vom Einkaufen ein Kuscheltier mitgebracht – so die 1-3 Euro billigen Teile aus dem Supermarkt oder mal einen Plüschball von Ikea. Dann folgten sie alle unweigerlich dem vorgeschriebenen schicksalhaften Pfad des Hundes: erst fremdeln (nö, das olle Plüschding will ich nicht – wo ist mein altes, angesabbertes, kaum noch wiedererkennbares?), dann mögen (meins! sabber, sabber…), dann auf fatale Weise zur Zahnpflege benutzen (ritsch ratsch). So wird aus einem Kissen so etwas:

Der einzige, der dem karmischen Plüschpfad bisher entgangen ist, ist der rote Ball mit dem Glöckchen drin.

3. Februar 2010

/ Schuhe und doch noch Lichtmess

Felix ist ein Schuhfetischist. Im Gegensatz zu anderen Hunden beißt er sie jedoch niemals kaputt, sondern trägt sie mit dem labradortypisch weichen Biß durch die Gegend. Auslöser dafür ist immer die Tür: Wir kriegen Besuch – Felix bringt einen Schuh. Einer bringt den Müll runter und ist nach 30 Sekunden wieder da – Felix bringt einen Schuh. Wir wollen „Felix! Spazierengehen!“ – Felix bringt einen Schuh. Wenn ich den dann angezogen habe, darauf zeige und sage „bring den anderen Schuh“, bringt er den anderen Schuh. Oder irgendeinen anderen, wir haben das noch nicht 100%ig perfektioniert. Leider sind unsere Schuhe nach so einer hündischen Triumphrunde nicht immer ganz leicht zu finden. Ähem. Manchmal legt er sich dann mit so einem Schuh in sein Bettchen und platziert die Schnauze daneben zum Kuscheln, manchmal läßt er sie auch mit einem großen Knall einfach fallen.
Wenn wir meine Eltern besuchen, schleppt er die Hausschuhe meines Vaters durch die Gegend. Kommt dann meine Mutter von der Arbeit, nimmt er ihren Hausschuh und freut sich wie ein Irrer, denn sie spielt mit ihm immer Fangen und rennt hinter ihm durchs ganze Erdgeschoß und tut so, als würde sie ihn nicht einholen können. Das findet er total toll. Wenn dann alle ihre Schuhe in Sicherheit gebracht haben, gibt es noch – tadaa – den Tiger. Das ist ein getigerter Zugluftstopper hinter der Haustür meiner Eltern. Und bei uns zu Hause gibt es noch Schweini (ein häßliches graues Gummischwein, das lautstarkt grunzt, wenn man draufdrückt und das Felix manchmal einfach nur so zum zärtlich Abschlecken mit ins Bettchen nimmt) und den Ball (rot, plüschig, mit Glöckchen drin) sowie alle anderen Dinge, die grad greifbar in Hundeschnauzenhöhe sind, z.B. mal eine Socke aus dem Schmutzwäschebeutel oder so.

Und heute Vormittag habe ich nun doch noch eine Kerze und ein St. Brighid’s Cross zu Lichtmess gemacht. Nachdem mein Schatz gestern wirklich ein Schatz war und extra eine Stunde früher von der Arbeit gekommen ist, weil er am Telefon gemerkt hat, daß es mir schlecht ging, fiel es mir heute schon leichter, mich wieder zusammenzunehmen. Also:

und mein erstes Brighidkreuz:

Das habe ich aus Bastelstroh gemacht, was ein bißchen frustrierend war, weil die Halme sehr hart sind und brechen, und zwar längs, quer und sogar in der Tiefenschicht. Grummel. Die Kerze habe ich mit so Kerzenmalwachs bemalt. Das Blau war extrem zäh und ich mußte richtig Krafft aufwenden, um es aus der Tube zu kriegen, während das Gold nur so herausgesplonzt kam, daher ist das Kreuz oben auch nicht sehr fein gezeichnet – das Gold verlief einfach. Naja. Mit der Kerze bin ich eigentlich ganz zufrieden, mit dem Kreuz nicht so. Irgendwann werde ich mal richtiges Stroh dafür finden. (*An Schwester Bs Hasenstall denk*)

2. Februar 2010

/ Eichhörnchen

Heute ist Lichtmess, und ich kann mich einfach nicht freuen, obwohl das wirklich zu meinen erklärten Lieblingsfesten gehört. Statt Brighidkreuze zu basteln, wie ich für heute vorhatte, schiebe ich einen fiesen Rückenschmerz seit vorgestern, und seit heute auch noch Kopfschmerzen. Außerdem kann ich das Stück, das heute Abend geprobt wird, ebensowenig ausstehen wie die Inszenierung, das Bühnenbild und die Sänger, also Vorfreude schönste Freude. Zu wissen, warum meine Laune so grandios ist, hebt sie leider nicht und macht auch den Kopfschmerz nicht besser. Naja.

Vor vielleicht 1,5 Jahren haben wir mal auf einem Spaziergang durch den Stadtpark ein Eichhörnchen gesehen. Der Hund als Süddeutscher kannte sie vermutlich als „Eichkatzerln“ und hat es folgerichtig gejagt. Das Eichhörnchen, nicht blöd, rannte im Affenzahn auf einen Baum und versteckte sich dort. Der Hund fand das irgendwie ungerecht und bellte nach oben. Als das nichts half, begann er um den Baum, eine Buche übrigens, zu rennen, und immer wieder am Stamm hochzuhüpfen. Völlig hoffnungslos natürlich, aber mein Hund ist ein Sturkopf bis zur kompletten Intelligenzaufgabe und hüpfte so lange weiter, bis wir es schafften, ihn wieder an die Leine zu nehmen und wegzuziehen.
Auf dem Nachhauseweg kamen wir durch eine Allee voller Buchen. 😀 Das hat gedauert! Und der Eichhörnchenbaum ist auch nach wie vor der Eichhörnchenbaum – gestern habe ich Felix wieder in diesem Park laufen lassen, und er ist sofort zum Baum gelaufen, hat gemiekst und gejault, ist gerannt und gehüpft, bis ich nach einer Viertelstunde etwa meinte, er habe seine Hinterbeine jetzt genug belastet. Aber es war wie immer seeeehr niedlich.

1. Februar 2010

/ Tischtennis und GuerillaGiving

Das ist die Fortsetzung von gestern: Nachdem er meine Mutter zu Boden gerissen hatte, stürmte Felix um das Haus zu Rückseite des Grundstücks, wo die Tischtennisplatte aufgestellt war und ich mit einigen Familienmitgliedern chinesisch spielte. In seiner Ekstase, mich endlich wieder zu haben, folgte nun eine unvergeßliche Stunde, in der der Hund, der mindestens 10 Kilo zu schwer war, versucht hat, immer brav bei mir zu bleiben, indem er Runde um Runde um die Platte mitrannte. Leider mußte er feststellen, daß da, wo bei anderen Hunden die Kondition ist, bei ihm nur ein Bauch war, und daß er es so nicht auf die richtige Geschwindigkeit bringen konnte. Doch trotz meiner Aufforderung, Sitz zu machen und meiner Erklärung, daß ich eh gleich wieder an ihm vorbeikommen würde, ließ er es sich nicht nehmen, weiterhin hoffnungslos zu langsam um die Platte zu galoppeln.

Zum Guerilla Giving: Das ist eine Aktion, die sich Amala und ihre Familie ausgedacht haben, und die ich toll finde. Hier auch nochmal der Link zur Erklärseite. Sie verlost als Einstieg ein sehr sehr hübsches selbstgemachtes Portemonnaie.