Und es geht doch.

Es ist jetzt 2 Wochen und 2 Tage her. Und wir kommen inzwischen ganz gut klar – keine peinlichen Tränenausbrüche mehr, kein Hochschrecken, wenn die Türklingel geht, und ich kann auch wieder alleine auf dem Sofa sitzen. Was heißt „wieder“ – ich kann es jetzt zum ersten Mal, seit wir das Sofa haben. Wir vermissen Felix mit ungebremster Sehnsucht, aber arrangieren uns auch erstaunlich gut alleine. Ich habe anfänglich Streß und Streit und schlechte Laune erwartet und nichts davon kam.
Beziehungsweise es kam an einer ganz anderen Front: Die Mütterfront. Aargh. Hat jemand von Euch schon geheiratet? Und sich dieses Fest so richtig schön vorgestellt? Und dann eine Mutter gehabt mit ganz anderen Vorstellungen? Meine Eltern wissen von unserer Verlobung seit Ende Dezember. Und jetzt, vor einer Woche, als wir ankündigten, es allen bekanntzugeben, indem wir die Einladungen verschicken, JETZT plötzlich finden sie unsere Planung problematisch. Weil meine verehrte Mutter sich eine Prinzesschenhochzeit vorstellt, eine weißes Kleid, weiße Tischdecken, Kellner im Frack und gepflegte Dudelklassik im Hintergrund. Ich dagegen als überzeugte Entenschuh-Trägerin und Profimusikerin wünsche mir eine Gartenparty ohne Kleiderordnung, Selbstbedienung am kalten Büffet und live gespielten Jazz (denn für einen gelernten Klassiker ist echt nichts schlimmer als Dudelklassik). Ich will ein Baumwoll- oder Leinendingsbums anziehen, in dem ich auch mal barfuß gehen kann, wenn ich Lust habe. Ich will mich zu den Nichten und Neffen auf die Picknickdecke setzen und UNO spielen. Ich will mit der ganzen riesigen Sippe abrocken und alle mitgebrachten Hunde kraulen. Ich will Pappteller und um Himmels Willen keine Bedienung. Meinetwegen wasche ich auch selbst die Kaffeetassen ab. Und ich möchte die Organisation dieser Hochzeit selbst übernehmen.
Und das ist für meine Mutter einfach zuviel. Ich will alles anders, und dann will ich es auch noch selber machen. Trotziges Kind! Du bist immer so dickköpfig. du wirst Dir wieder eine blutige Nase holen, wie immer, wenn Du nicht auf uns hörst. Ich sag jetzt gar nichts mehr. Du machst ja sowieso, was Du willst. Aber wieso soll Dein Kleid denn ausgerechnet grün sein?!? (Soll es nicht, zumindest nicht mehr als 50%.) Ich hätte alles dafür getan, weiß heiraten zu dürfen, und Du mußt ausgerechnet grün nehmen.
Usw.
Mein Versuch, ihr zu erklären, daß a) „wie eine Hochzeit gefeiert wird“ nicht zwangsläufig übereinstimmen muß mit „wie 2Wölfe sich wohlfühlt“ und letzteres mehr zählt als der äußere Rahmen und b) ich sowieso zu ihr komme und um Hilfe bitte, wenn ich ein Planungsproblem kriege, prallt mit Schwung an ihr ab. Und besonders beschissen ist, daß es ihr noch dazu gesundheitlich gerade unglaublich schlecht geht und ich nichtmal mit der Faust auf den Tisch hauen kann/will, weil ich nicht weiß, wieviel Ärger sie aushält. Ihre Schmerzen machen sie unglaublich dünnhäutig und nervenschwach. Daher bin ich dazu übergegangen, nach Möglichkeit die Konfrontation zu vermeiden. Was im Endeffekt heißt, die Kommunikation zu vermeiden. Das tut mir selbst ziemlich weh, weil ich gerne wüßte, wie es ihr wirklich geht, aber wenn sie wieder mit Hotelsaal ankommt, weiß ich nicht, wie ich reagiere.

Nun ja. Jetzt organisiere ich mich also mit Hilfe von Freunden und Verwandten. Sowohl eine Freundin als auch eine Schwester haben mir jede eine gute Schneiderin empfohlen, meinem im Kopf schon lange fertig entworfenes Kleid steht also nicht mehr viel im Wege. Um Blumenschmuck, teilweise aus Filz oder so gebastelt, kümmere ich mich mit Schwester B. Ob das mit der Livemusik so klappt, wie ich mir das erträume, ist eher fraglich, aber dafür gibt’s ja auch die Playlist auf dem Macbook.
Seufz. Und ich bin mir sicher – es geht doch, so wie ich es mir vorstelle.

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One Comment to “Und es geht doch.”

  1. tja, heiraten – nur was für Leute mit guten Nerven!

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