halbe Woche

So, das war eine lustige erste Wochenhälfte.
Eine Freundin aus Bulgarien hat mir dieses

komische Dingsbums geschenkt. In Bulgarien ist es Brauch, diese Teile am ersten März an sämtliche Freunde und Verwandten zu verschenken. Der Beschenkte trägt das so lange, bis er den ersten Storch sieht. Dann bindet er das Gebilde in einen Baum und wünscht sich etwas, das dann in Erfüllung gehen soll. Ich finde das einen wunderbaren Frühlingsbrauch. Bisher habe ich noch keinen Storch gesehen, so daß ich immer noch mit dem peinlichen Teil herumlaufe. 😀

Nachdem ich nun schon 3 Wochen ununterbrochen Kopfschmerzen hatte – nicht schlimm, aber penetrant – und nicht nur mein Freund, sondern sogar mein Ärzte hassender Vater „dudu“ gesagt hat, bin ich dann mal zu meiner Hausärztin. Ich bin nämlich eigentlich absolut kein Kopfschmerztyp, ich neige überhaupt nicht zu Migräne oder so. Die Ärztin piekte mir mit beiden Zeigefingern einmal kurz auf die Schultern, ich sagte laut „Aua“ und sie sagte streng „Aha!“. Also gut, Spannungskopfschmerz. Jetzt habe ich ein Wärmepflaster im Nacken zu kleben und bekomme nächsten Monat Massagen verschrieben. (Schnurr…) Dann hat sie ihre Arzthelferin noch aufgefordert, mir das eine Ohr auszuspülen, das völlig zu war. Das ist nun aber leiderleider eins meiner kleineren Traumata, seit ich mit 17 mal mit meiner gottseidank letzten Mittelohrentzündung und rasenden Schmerzen an eine HNO-Ärztin geraten war, die sich nicht entblödete, mit irgendeinem Metalldings in dem entzündeten Ohr herumzustochern und meine panische Angst – ich wollte schließlich Musik studieren – und meine Schmerzen und die laufenden Tränen mit Ruppigkeit zu kontern. Na gut. Diese Arzthelferin war ebenfalls ruppig, verfügte jedoch nur über einen konzentrierten Wasserstrahl. Nichtsdestotrotz – lief der Rotz. Ich schäme mich, es zuzugeben, aber ich erwachsene Frau habe tatsächlich immer noch panische Angst vor anderen Leuten an meinen Ohren und fange an zu flennen. Dabei ist das Musikstudium lange vorbei. Dialog: „Mein Gott, ich bin doch nicht der Zahnarzt!“ – „Vor dem hab ich ja auch keine Angst!“ – „Haben Sie Kinder?“ – „Nee.“ – „Na, das wird ja noch was, die arme Hebamme.“ – (schnüffelschnüffel) – „Nun entspannen Sie sich doch endlich mal, sie sind aber auch verkrampft!“ uswusf…

Tja. Ich habe überlebt und mich bei der armen Frau für den Schrecken, den ich ihr wahrscheinlich eingejagt habe entschuldigt. Und mich damit abgefunden, daß ich innerhalb von 10 Sekunden Praxisgespräch war. Ich habe das Haus durch den Hinterausgang verlassen.

Dann fuhr ich zu meinen Eltern. Ich konnte einen heißen Tee und etwas Trost gut gebrauchen, und meine Mutter ist diese Woche wegen einer Erkältung krankgeschrieben, also habe ich sie krankenbesucht. Prompt kam das Gespräch auf Thema X – das weiße oder auch nicht so weiße Brautkleid. Wir hatten einen ziemlich handfesten Streit. Nee, wir haben uns nicht geprügelt, aber da wir bei ihr zu Hause waren und sie auf diese Art nicht einfach weglaufen konnte, konnte ich wenigstens bis zu Ende diskutieren. Ich habe ihr klargemacht, daß zwischen einem nicht-weißen Kleid und einem Fetzen vom Polenmarkt noch ein Unterschied ist. Daß ich ihre Hilfe schätze, aber trotzdem meine eigenen Vorstellungen habe und diese durchsetzen will. Und dann ist mir noch-einmal-den-Göttern-gedankt die Website der Schneiderei eingefallen, die Amala mir empfohlen hat, als sie von meinen Brautkleid-Vorstellungen hörte: Die Larp-Schneiderey im Harz. Eine ziemlich coole Sache. Ich will zwar nicht im Mittelalterdress heiraten, aber einige Dinge sind schon ähnlich. So konnte ich meiner Mutter auf sanfte Art den Horizont erweitern und sie war echt verblüfft, nicht nur von der Ästhetik der Kleider, sondern auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis. Jedenfalls rief sie mich heute an, um mir feierlich zu erklären, daß sie sich mit dem weiß-grünen Gedanken angefreundet hat. Puh! *Schweiß von der Stirn wisch*

Ich habe mittlerweile beschlossen, daß das Cache-Coeur keines wird, sondern eine Art Babybauchwärmer, ich bin nämlich ein totaler Fan von so Bauchbändern. Ich trage gerne irgendwas um den Bauch, wie eine extra Schutzschicht. Und für ein Cache-Coeur habe ich eindeutig etwa ein Drittel Maschen zuviel aufgenommen. An so ein Ding wage ich mich nochmal, wenn ich mit dem Bauchband fertig bin.
Und ich habe einen zweiten Versuch mit einem Brighid’s Cross gestartet, nachdem ich das Stroh, wie empfohlen, mal eingeweicht habe, und das sieht doch gleich viel besser aus:

Außerdem habe ich heute ein mir selbst gegebenes Versprechen eingelöst: Ich spiele erst wieder WoW, wenn ich meine völlig chaotischen Unterlagen sortiert kriege. Ich habe 4 Stunden gebraucht und mußte sie auf 2 große Ordner aufteilen, aber ich hab’s geschafft. Zwischendurch gab es eine wunderschöne Unterbrechung durch die Post: Mein Freund hat mir ein Buch bestellt und als Geschenk schicken lassen – „Märchen von Hexen und weisen Frauen“ von Sigrid Früh. Haaach. 😀 So, und jetzt schmiere ich mir noch ein Brötchen und fahre dann zur Arbeit.

Habt einen schönen Abend!

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7 Responses to “halbe Woche”

  1. Babybauchtuch? Habe ich da irgendwas verpasst?
    An Deine Ohrempfindlichkeit kann ich mich erinnern, vielleicht musst Du Dir mal eine nette und einfühlsame Krankenschwester suchen. Meine Tante hat mir mal die Ohren gespühlt und es war völlig schmerzfrei.
    Zu den Muskelschmerzen – googel mal Rolfing, das krieg ich grad (leider unregelmäßig) gegen schiefen Körper und es ist irre, was die ausrichten.

  2. Nö, nichts verpaßt; ich mag einfach das Gefühl einer weichen Schärpe um den Bauch. Nennen wir es doch einfach Nierenwärmer. 😀
    Rolfing werde ich mich nachher belesen – muß jetzt gleich los. Vielen Dank für den tip!

  3. Die Schneiderei ist super, von denen habe ich auch schon mal ein Mittelalterkleid gekauft. Das Brautkleid wird bestimmt schön.
    Bei dir ist ja ganz schön was los!
    Angst ist eben nicht rational erklärbar. So wie manche vor einer kleinen Spinne oder Maus Angst haben, worüber wieder andere schallend lachen können, ist es bei dir eben die Kombi Arzt und Ohr. Das ist nichts, wofür man sich schämen muss. Mir drückt dafür kein Arzt mehr mit einem Holzdings die Zunge runter, um mir in den Hals zu schauen. Da bekomme ich einen Wegstoßreflex (heftig!), sobald es würgt. Aber ich habe lange vor dem Spiegel geübt und kann meinen Zungenmuskel jetzt selber so runterdrücken, dass ein Arzt so lange reinschauen kann wie ich die Luft anhalten kann. Geht doch!
    Wegen Muskelverspannung: bei mir helfen am allerbesten mit Spiritus entflammte Schröpfgläser, die auf die verspannten Stellen aufgesetzt werden. Das ist zudem noch sehr angenehm.

    • Ja, hier wird’s nicht langweilig! 🙂 Ich will ja eigentlich kein Kleid, sondern einen Rock und ein Oberteil. Die Erfahrung (teils anderer Leute) lehrt: Hochzeits- und Mittelalterkleider zieht man sowieso nie wieder an. Das wäre mir einfach zu schade drum. Aber von der Machart her ähnelt meine Vorstellung einem Schneidereykleid schon. Und wenn irgend möglich, möchte ich etwas total simples, das ich dann noch selbst besticken kann.

  4. Hach, das Kreuz ist ja traumhaft schön geworden.
    Und wenn Du Deine Unterlagen geordnet hast, die Gilde aber immer noch nicht steht: Wir können auch gerne so mal zusammen zocken, wenn Du nicht wieder in irgendwelche dubiosen Gruppen mit schrägen heilern geraten möchtest. 😉

    Von Sigrid Früh habe ich auch ein wunderschönes Buch über die Rauhnächte mit alten Märchen, Sagen und Bräuchen.

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