Mißbrauch

Nachdem ich nun schon wochen-, wenn nicht jahrelang davon höre und immer und immer wieder darüber nachdenke, muß ich jetzt einfach auch mal meinen Senf abgeben. Es begann letzte Woche, als ich mit der Band meines Bruders einen Titel aufnahm, den die Jungs schon seit fast 2 Jahren in der Schublade zu liegen haben, und der von einem Kind gesungen wird, das von einem Priester mißbraucht wurde und damit zu seiner Mutter geht. Dieses Lied zu singen hat mich ziemlich fertiggemacht, aber nichtsdestoweniger wollte ich es tun, gerade ich, die als junge Erwachsene ein ähnliches Szenario durchleben mußte. Wer, wenn nicht ich? Und nun frage ich mich seit einer Woche, warum es eigentlich „Kindesmißbrauch“ heißt. Bedeutet Mißbrauch nicht den mißlichen, also falschen, Ge-brauch einer Sache? Ist ein Kind etwas, daß man auf eine richtige Art und Weise benutzen kann? Wird hier nicht schon im Begriff das Kind jedes Persönlichkeitsrechtes beraubt und total verschleiert, worum es tatsächlich geht, nämlich die systematische Vergewaltigung von Kindern in Schulen oder Elternhäusern? Natürlich, das geht einem nicht so leicht von den Lippen. Mißbrauch klingt harmloser, als würde man den Fön zum Brötchenaufbacken benutzen.
Und wo fängt Kindesmißbrauch eigentlich an? Die Holunderhexe hat einen sehr interessanten Link auf ihrem Blog vorgestellt: Pink Stinks. Eine Gruppe von Briten, die es satt haben, daß Mädchen immer rosa tragen müssen, als Prinzeßchen herausgeputzt werden, zu Modekonsumenten erzogen werden bevor sie noch „Konsum“ buchstabieren können, sich bereits mit 8 Jahren oder jünger stärker schminken und auftakeln als ihre Mütter, wie teilweise schon Babies auf den Titelblättern von Hochglanzzeitschriften in vollem MakeUp prangen oder noch im Krabbelalter Babyschühchen mit Absätzen angezogen kriegen. Das ist meines Erachtens, bleiben wir um des gemeinsamen Nenners willen bei dem Begriff, Kindesmißbrauch. Wie kommt eine modegeile, stumpfsinnige Mutter dazu, ihrem Kind das Kindsein zu verwehren? Wie kann ein Mädchen, das nie im Schlamm Indianer spielen durfte, jemals andere Selbst-Werte als ihre eigene Zurschaustellung entwickeln? Ist es ein Wunder, daß schon vor 15 Jahren in der Bravo „mein erstes Mal“-Berichte von 11- und 12jährigen standen? Und das erwachsene Männer unwillkürlich das Gefühl bekommen, es sei in Ordnung, schon blutjunge Mädchen begehrenswert zu finden, denn schließlich kleiden und schminken die sich ja selbst und freiwillig wie erwachsene Frauen? Das eigentlich Perverse ist, daß diese Dinge als völlig normal gelten. High Heels sind „völlig normal für ein Mädchen / eine Frau“, warum sie also nicht schon dem Baby überstreifen? Es ist doch so süüüüß! In knappen Röcken und bauchfrei bei jedem Wetter ist völlig normal für eine richtige Frau, wie mir mal ein französischer Studienkollege erklärte, als wir bei Minus 20° eine so zart bekleidete Dame durch die Stadt stöckeln sahen. Ich in meinem dicken Mantel, mit mehreren Lagen Wollstrumpfhosen immer noch erbärmlich frierend, mußte mir einen mehrere Minuten dauernden, hingerissen-begeisterten Vortrag anhören, wie weiblich das sei, und das wirkliche Frauen daran erkennbar wären, daß sie sich mit ihrem „weiblichen Kleidungsstil“ (!) nicht dem Wetter unterordnen. Gut und schön, Herr Südfranzose, am Mittelmeer geht das ja vielleicht, aber hier in Norddeutschland haben diese besonders weiblichen Wesen dann einfach mal Blasen- und Nierenbeckenentzündungen und werden im schlimmsten Fall unfruchtbar. Wie weiblich ist es, keine Kinder bekommen zu können? Nun, so lange es sich verkauft man dabei hübsch aussieht…
Kinder haben also nicht nur das Problem, körperlich schwächer zu sein, in ihrer Arglosigkeit die Absichten Erwachsener nicht vorausahnen zu können und von ihren Eltern nicht ausreichend oder gar nicht aufgeklärt zu werden (oder könnt Ihr Euch Madam Pink vorstellen, wie sie ihren süüüßen Kleinen erklärt, was sie mit dem Papa machen mußte, damit die Kinder kamen?), sondern werden auch noch von frühester Kindheit an sexualisiert.
Und all dies trifft im Falle der katholischen Kirche auf Männer, die einen Keuschheitseid geleistet haben, für den meines Erachtens kein Mensch geschaffen ist. Ich habe früher nie verstanden, warum junge Männer sich zu so etwas hergeben – als Mann von 20-30 Jahren, wenn sie den Priestereid ablegen, hat man doch einen unglaublich starken Sexualtrieb. Inzwischen kann ich mir zumindest vorstellen, daß eine Religion, die sich richtig anfühlt, deren Ausübung und eventuell sogar eine geistlich machtvolle Position innerhalb einer Kirche anzutreten, starke Gründe für den Eid sein können. Nun gut. Sehen wir auf die Tagespolitik, stellen wir fest: Die systematische Vergewaltigung von Kindern durch Priester ist Usus in der katholischen Kirche, egal auf welchem Kontinent. Die systematische Vertuschung dieser Verbrechen ist es ebenfalls. (Ein kleiner Schritt vom Thema weg: Wie wir bei Deschner lesen können – „Kriminalgeschichte des Christentums“ Bd 2, S. 38 – kann Vergewaltigung auch ihr Gutes haben: Auf diese Art werden die Frauen (die es damals beim Einfall in Rom betraf) niemals zu stolz werden ob ihrer Keuschheit, so schreibt damals Augustin. Und so läßt sich ALLES, aber auch alles irgendwie rechtfertigen und man muß praktischerweise nie darüber nachdenken, ob nicht doch ein grundsätzliches Problem im katholischen Priesteramt begründet liegt.)

Gerade heute wieder sehr aktuell: Ein katholischer Priester in den Vereinigten Staaten mißbrauchte 200 taube Kinder in einem Gehörloseninternat. Dies kam nach langer Zeit endlich ans Tageslicht, als der zuständige Bischof den Vorstand der Glaubenskongregation darauf aufmerksam machte. Die Glaubenskongregation ist übrigens die Organisation, die „die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und zu schützen“ beauftragt ist (Zitat Radio Vatikan). Der betroffene Priester gab alles zu und bat darum, trotzdem nicht seines Amtes enthoben zu werden denn a) er sei schon alt und krank, b) das alles länge schon Jahre zurück und c) er würde einfach gerne sein Leben in der Priesterwürde beschließen. Das alles wurde ihm gewährt und er im Ornat mit allen Würden bestattet. Der damals Verantwortliche der Glaubenskongregation ist jetzt unser Papst, Josef Ratzinger.

Die Tagesschau berichtete ebenso darüber wie die Welt und praktisch jedes andere Medium. Die Reaktion der Kirche könnt Ihr hier nachlesen.

Dies sind natürlich nicht die einzigen Fälle von massivem Mißbrauch innerhalb der Kirche, wie gesagt, es kommt überall vor.
Und der Pabst schreibt einen Hirtenbrief an Irland, in dem er die Opfer mit folgenden Worten beschwichtigt: „In der Gemeinschaft der Kirche begegnen wir Christus, der selbst ein Opfer von Ungerechtigkeit und Sünde war. Wie Ihr trägt er immer noch die Wunden seines eigenen ungerechten Leidens.“
Den gesamten Wortlaut des Hirtenbriefs findet Ihr hier und eine Zusammenfassung gibt es auch bei Radio Vatikan.
Und, wen es interessiert, eine kommentierte Version bei Quantensprung.

Meiner Meinung nach liegt der Hund im Zölibat begraben. Was ist eigentlich das Zölibat? Es bedeutet nicht einfach nur „Leben ohne Sex“. Man unterscheidet zwei Arten von Enthaltsamkeitseiden: Die Ehelosigkeit und die sexuelle Enthaltsamkeit. Es können also sowohl ledige Menschen ein Ehelosigkeitszölibat ablegen und dann niemals heiraten, als auch verheiratete Menschen einen Enthaltsamkeitseid, und dann eben auc innerhalb ihrer Ehe enthaltsam leben. Natürlich könnte man nun das Ehelosigkeitszölibat ablegen und dann einfach unvermählt mit einem Partner zusammenleben. Auf diese Art wären die Besitztümer der Kirche geschützt (ein Hauptgrund für den offiziellen Erlaß des Zölibatsdekretes durch den Pabst 1022, denn andernfalls hätten weiterhin die Kinder der Priester deren Grund und Boden geerbt – Kirchengrund und -boden), aber andererseits ein gesundes Maß Zwischenmenschlichkeit für den Priester gewährleistet. Diese Idee hatten auch etliche Priester, bis ab der Lateransynode 1059 allen Priestern das Zelebrieren der heiligen Messe verboten wurde, denen „ein notorisches Konkubinat“ nachgewiesen werden konnte.
Der geistliche Sinn des Zölibats liegt für Katholiken in einem Zitat Jesu begründet: „Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht – um des Himmelreichs willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.“ (Matthäus 19/12) Die Priester wollten also enthaltsam sein „um des Himmelreichs willen“. Es gibt auch andere Bibelstellen, die ein Leben ohne Ehe empfehlen. Andererseits gibt es auch Bibelstellen, die die Ehe empfehlen, bei Timotheus sogar die Bischofsehe. Dies war anfangs eine freiwillige Sache. Es gibt das Zölibat schon sehr viel länger als seit 1022, manche Forscher glauben sogar, es gehe bis in die apostolische Zeit zurück, also noch Jesu Lebenszeit. Aber mit der Drohung, jeden Priester vom Amt auszuschließen, kamen der Zwang, das Leid, die Menschenunwürdigkeit der Priesterposition. (Nicht umsonst wird in der orthodoxen Kirche sogar gewünscht, daß ein Priester verheiratet sein möge, damit er als Seelsorger überhaupt wisse, wovon er spricht und selbst ein ausgeglichener Mensch bleibt. Selbst in der östlich-katholischen Kirche müssen nur Bischöfe zölibatär leben, während Männer, die bereits vor ihrer Priesterweihe verheiratet waren, diese Ehe beibehalten können, solange sie nur Priester bleiben.)
Zurück zum Zölibat: Wie Wikipedia weiß, wagten es in ganz Deutschland nur 3 Bischöfe, die päbstlichen Dekrete überhaupt unter den (verheirateten, normal lebenden) Priestern zu verbreiten. Der Bischof von Passau entkam dabei nur knapp dem Lynch und wurde schließlich vertrieben. Die Herren Schwarzröcke hatten also durchaus andere Vorstellungen von ihrem Lebenswandel damals, und zu Tausenden protestierten sie gegen diese Gesetze. Es half ihnen nichts, was mich zu der Vermutung hinreißt, dieses Gesetz ist eine von vielen Maßnahmen der Kirchenobersten zur Sicherung des eigenen Machtapparats – selbst wenn sie damit die eigene Priesterschaft überfahren.
Bis zum zweiten Laterankonzil, 80 Jahre nach dem ersten, gab es verheiratete und unverheiratete Priester, die ab dem Zeitpunkt ihrer Weihe zur Enthaltsamkeit aufgerufen waren. Auf dem Konziel jedoch wurde beschlossen, daß höhere Kleriker, die in Ehe oder Konkubinat leben, ihr Amt verlieren und die von ihnen gelesenen Messen nicht mehr gehört werden dürfen. Seitdem ist das Zölibat die unabdingbare Voraussetzung für die Priesterweihe, und ebenfalls seitdem wird es teilweise heftig auch innerhalb der katholischen Kirche diskutiert. Da die wenigsten Menschen imstande sind zu sagen „was ich mache ist gut für mich, und was du machst, ist gut für dich“, sondern lieber stehen bleiben bei „was ich mache, ist gut“, kann sich die Kirche auch nicht auf ein freiwilliges Zölibat einigen, was ich persönlich für die einzige Lösung des Dilemmas halte. Es gibt ja auch unter Nichtpriestern genügend Menschen, die partnerlos leben wollen und das tun. Wenn ein Priester sich tatsächlich ausschließlich auf seine Arbeit konzentrieren möchte, sollte er das dürfen. Wenn ein Priester das aber nicht möchte, wäre es fatal, es ihm aufzuzwingen – es IST ja fatal, täglich und weltweit für abertausende Kinder, für Frauen, die ihre Beziehung zu einem Priester nicht öffentlich ausleben dürfen, für Priesterkinder und die Väter, die nie eine normale familiäre Beziehung haben werden, für die Männer, die aus ganzem Herzen an Gott und das Evangelium glauben und es verbreiten möchten und dafür mit dieser Maßnahme bestraft werden, die nicht nur dauerhafte Einsamkeit hervorruft, sondern als Folge auch Depressionen, Suchtverhalten, Fehlentwicklungen, Verzweiflungstaten, die Pervertierung des eigenen Glaubens durch den schließlichen Mißbrauch eines Kindes.
Sollte das der Kirche nicht zu denken geben? Nein, wie könnte es: Auf der Gegenseite stehen starke Argumente. Wenn den Priestern die Ehe erlaubt ist, haben sie noch eine zweite Meinung außer der kirchlichen. Sie haben ein Privatleben und würden eventuell kontroverse Meinungen entwickeln, vielleicht sogar Demokratie wünschen. Dann würden bald auch Frauen die Priesterweihe verlangen (schon geschehen übrigens vor einigen Jahren in Österreich: Theologinnen, denen allein aufgrund ihres Geschlechtes die Priesterweihe versagt war, die aber alle anderen Voraussetzungen erfüllten, wurden zu Priesterinnen geweiht. Da diese Zeremonie in keinem Kirchengebäude stattfinden durfte, mieteten sie ein Schiff und fuhren auf die Donau. Sie wurden alle exkommuniziert, ebenso der weihende Bischof.). Das ganze Kirchengebäude wäre bedroht, und dieser gigantische Machtapparat würde schlicht nicht funktionieren, wenn starke weibliche Kräfte darin am Werk wären.
Das Einzige, das meiner Meinung nach für einen nachhaltigen Schock im Vatikan sorgen würde, der vielleicht einen Umbruch in Richtung Menschenwürde nach sich zöge, ist der geschlossene Austritt von Hunderttausenden Katholiken aus der Kirche, begründet mit einem offenen Brief an den Vatikan: Wir glauben an Gott, wir glauben an die heilige katholische Kirche, aber wir glauben nicht an das Zölibat und werden unsere Kinder nicht mehr mit Euren gequälten Priestern allein lassen.
Der Wikipedia-Artikel zum Zölibat ist wirklich lesenswert, und wirklich sehenswert ist der fantastische, presigekrönte aber nicht leicht zu verdauende Film „Die unbarmherzigen Schwestern“ (The Magdalene Sisters), der die Zustände in einem der vielen (heute geschlossenen) irischen Magdalenenheime beschreibt. Der Vatikan empfahl nach der Preisverleihung in einer offiziellen Stellungnahme allen Katholiken, den Film nicht anzusehen, während viele ehemalige Insassinnen eines Magdalenenheimes bemängelten, der Film sei realitätsfern, weil die tatsächliche Brutalität in den Heimen viel größer gewesen sei.

Advertisements

2 Kommentare to “Mißbrauch”

  1. Zum Thema sich schminkende Mädchen. Finde ich erst mal unendlich schade, dass sich naturhübsche Wesen mit Kunstfarben zukleistern. Wenn man mit 40 und mehr das Bedürfnis haben kann, ein paar Falten unter Makeup verschwinden zu lassen (muss man nicht, aber kann) dann ist das nachvollziehbar, aber bei jungen Mädchen ist das einfach nur Schwachfug.
    Ich stelle mir schon lange die Frage, ob das wirklich Erziehungsbedingt oder doch „Veranlagung“ ist. Ich habe indianer gespielt, hasste Puppen und typischen Mädchenkram und wollte Freiheit und Abenteuer. Meine Freundinnn auch. Aber irgendwann, als die Pubertät kam, haben die Freundinnen angefangen, immer mehr, und zum Schluss nur noch über Klamotten und Schminke zu reden und ich stand alleine da, mit meinen Träumen von Spielen in der Natur und Geschichten ausdenken.
    Diese Mädchen hatten aber keine Mütter die sie dazu drängten. Sie haben sich von ganz alleine von aufgeweckten, vielseitig interessierten Mädchen in hohle Disco-Tussen verwandelt.
    Ist es der allgemeine Gesellschaftsdruck? Oder doch ein biologisch übermächtiger Triebn halt „zu gefallen“ (Den Männern) ich weiss es nicht.

    • Ja, das glaube ich – daß diese Mädchen in der Pubertät vorauseilendem Gehorsam tun, was sie glauben, das Jungs von ihnen erwarten. Aufhübschen. Sekundäre Geschlechtsmerkmale hervorkehren, Freiheitsdrang abstellen. Und es wird zunehmend schlimmer, da die TV-Realityshows immer mehr total stumpfsinnige Stereotypen aus dem real life vorführen und somit suggerieren: das muß so sein. Die im Fernsehen sind ja auch so, also ist das normal, ergo will ich auch so sein. Resultierend haben wir nicht nur diese völlig falsch verstandenen Selbstbilder, absolut auf Äußerlichkeiten beschränkte Tussis und Teenagermachos, die (beide!) keinerlei Bedürfnis nach normalem zwischengeschlechtlichen Umgang haben sondern nur noch Bushidotextmäßig anmachen-poppen-fertig (dazu gab es vor 2 Jahren mal eine unheimlich interessante Radioreportage), sondern auch eine abartige Streitkultur – bei jeder Kleinigkeit wird sofort hysterischst herumgekeift, bei jedem schönen Ereignis laut kreischend auf der Stelle gehüpft usw.
      Ich glaube übrigens nicht an den allgemeinen Gesellschaftsdruck. Wer das nicht haben will, schaltet eben den Fernseher nicht ein oder hat gar nicht erst einen, so wie wir. Wer die Handlungen der katholischen Kirche nicht repräsentieren möchte, tritt eben aus. Das hat doch mit dem Glauben nichts zu tun! Wer eine authentische Persönlichkeit haben will, macht sich die Mühe, einen eigenen Kleidungsstil zu suchen, sich die Meinung nicht von Schundblättern BILDen zu lassen statt selbst zu denken uswusf. Aber das Gros der Menschen macht sich einfach nicht die Mühe.

      Mir ging es so wie Dir. Als Kind hatte ich sehr viele Freunde, mit denen ich viel im Wald unterwegs war und die krassesten, manchmal sogar recht gefährlichen, Sachen gespielt. Doch ab der 5., 6. Klasse wurden es immer weniger Gleichgesinnte, und schließlich war ich aber der 7. der absolute Outcast als ungeschminkte 13jährige mit Schlabberklamotten, Klavierunterricht und altem Fahrrad. Es wurde so schlimm, daß ich nach der 8. die Schule gewechselt habe und in ein Internat gegangen bin. Dort auf der neuen Schule gab es zwar auch ein paar Meckerziegen, aber es gab auch Leute wie mich, und mein Selbstbewußtsein stieg radikal an, so daß meine Freundinnen mich in der 12. Klasse völlig schockiert ansahen, als ich mal ein paar Turnschuhe kaufte – weil das nicht zu meinem bisherigen Stil paßte. 😀 Man muß halt lernen, Sachen durchzuziehen, die andere Leute eben nicht durchziehen wollen.
      Ich denke auch, solche grundsätzlichen Dinge bringen kaum irgendwelche Eltern ihren Kindern bei: Selbst denken und entscheiden, Konsequenzen tragen, sich auch mal durchsetzen. Denn es würde ihnen ja die Kinder unbequem machen. Das wären dann keine „Lieben kleinen“, die man nach Belieben herumkommandieren und auf ihr Zimmer schicken kann, sondern selbst-bewußte, selbstbestimmte Persönlichkeiten, die Auseinandersetzung brauchen. Und genau so etwas braucht ein Kind.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: