Archive for April, 2010

29. April 2010

Am Klavier

Ich bin am Klavier, wundert Euch nicht, wenn ich gar nichts schreibe oder nur Kleinkram. Morgen Konzert, vorher noch ein Arzttermin und ein paar Stunden Proben, und heute ist erstmal fett aufräumen angesagt für den Rest des Nachmittags.
Heute Vormittag bin ich zu meinen Eltern gefahren, da sie beide nicht zu Hause waren und ich somit ungestört ihr Klavier benutzen konnte. Ich habe nämlich selbst nur eine fast 20 Jahre alte Plastikmöhre. Also, nichts gegen die Möhre – sie ist sehr tapfer und wir haben schon einiges miteinander durchgestanden, aber sie ist das unter den Klavieren, was mein Uralt-Swift unter den Autos ist, und wäre ich von Beruf Taxifahrer oder Vertreter, würde ich mich damit so fühlen wie derzeit mit meinem Plastikinstrument.
Besonders enervierend ist die Tatsache, daß seit 2 Monaten am schwarzen Brett auf der Arbeit ein Stutzflügel angeboten wird, für ein Geld, daß wir uns zwar nicht leisten, aber zumindest in absehbarer Zeit abbezahlen könnten. Er ist von einer Firma, von der ich normalerweise kein Klavier kaufen würde, aber auch solche Instrumente können manchmal überraschende Vorzüge haben. Außerdem würde er gar nicht in die neue Wohnung passen. Aber das ist nicht der Punkt, sondern nur: Irgendwann, eines Tages, will ich mal ein Klavier. Ein richtiges, das auch nach Holz riecht, das meckert, wenn die Außentemperaturen sinken, das sich freut, wenn man es bespielt und den Raum wärmer macht. Muß auch gar kein Flügel sein. *träum* Eigentlich wollte ich mit dem Traumklavier immer warten, bis alles andere da ist: ein Haus mit einem entsprechend großen Raum, wo das Teil auch hineinpaßt und einem nicht gleich die Ohren abfallen, das Geld, um ein neues oder fast neues Instrument zu kaufen (Klaviere werden nämlich mit dem Alter nicht besser, im Gegensatz zu Geigen), aber derzeit nervt es, auf ungewichteten unterschiedlich lauten Plastiktasten herumzudrücken. Naja, ist wahrscheinlich nur der Erfolgsdruck zur Zeit beim Üben.

26. April 2010

lauter schöne Nachrichten und ein Stöckchen

Ich bin re, wie es so schön bei World of Warcraft heißt, wenn jemand kurz afk war – away from keyboard. Wie es aussieht, habe ich jetzt erstmal einige Zeit keine Gelegenheit zum Spielen, denn ich habe einen Termin für ein Vorstellungsgespräch und muß mich übemäßig intensiv darauf vorbereiten. Ich will diesen Job! Gleichzeitig habe ich wahnsinnige Angst, wieder mal vor einer Jury zu versagen, wie schon immer in der Musikschule beim Vorspielen. Wenn jemand von Euch eine gute Idee hat, wie ich das in den Griff kriege (oder eine überzählige Packung Valium), rutsche ich auf den Knien. Jetzt aber zu den schönen Nachrichten:

Gestern Abend war ich noch arbeiten und kam mit Bauchkrämpfen, sehr müde und schlecht drauf gegen Mitternacht nach Hause. Doch mit einer Krampflöserpille und einem schönen heißen Kirschkernkissen schlief ich das erste Mal seit dieser Entzündung wunderbar und wie ein Stein.
Dann bekam ich einen Anruf von dem Makler, der die schöne 4-Zimmer-Wohnung vermittelt. Er tat erst etwas umständlich, fragte, ob der 1.7. wirklich unser absolut allerfrühester Einzugstermin wäre, erzählte was von einer hochgradig interessierten Familie, die ihn heute früh schon lechzend und sabbernd angerufen hätte und fragte, wie laut das Klavier sei. Und dann sagte er schwer seufzend: Und sie wollen also mietfrei schon früher rein, ja? Wir haben jetzt April, das sind dann noch Mai, Juni, Juli… hmm… Gut, dann machen wir das so. Ich schicke Ihnen den Vertrag zu.
Yippieh!

Dann hatte ich um 10 einen Termin in einer freien Schule, die einen Musiklehrer sucht, nur für 2 Stunden auf Honorarbasis ab dem nächsten Schuljahr. Der Direktor war unglaublich nett, die Schule ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, das derzeit renoviert und den Sicherheitsstandards angepaßt wird, und man merkt sofort beim Reinkommen, daß dort mit Liebe zu den Schülern gearbeitet wird. Während der künftige Speisesaal entsteht (derzeit essen die Schüler mittags noch auswärts in einer Kantine), entstehen auch 2 Küchenräume, so daß man sich später selbst versorgen kann, und von dem Speiseraum aus wird eine Tür durchgebrochen, die auf eine Terrasse führt, damit man im Sommer auch draußen essen kann. Schon jetzt erhalten die Schüler bei ihrer Ankunft morgens erstmal ein gemeinsames Frühstück und gegen 10 nochmal einen Snack. Die bisher schon renovierten Räume wurden von Prüflingen gemacht, die die Malerausbildung beendet haben, und die haben das super gemacht – alle Räume haben denselben Stil, aber jeder eine eigene Farbe. Im Flur verläuft eine ganz simple Zierleiste aus drei farbigen Linien auf Augenhöhe an der Wand, und die Rauchschutztüren der drei Stockwerke sind jede in einer dieser drei Farben gehalten.
Die bisher einzige Klasse dort (die Schule gibt es erst sein diesem Schuljahr) hat nur 9 Schüler, für den nächsten Jahrgang sind 16 vorangemeldet. Es gibt eine schöne, helle Aula mit Bühne, einen Raum mit einem Flügel und etliche Schlaginstrumente in einem Lagerraum. Hinten ist ein Schulgarten, der derzeit von einem unglaublich niedlichen alten Hausmeister gepflegt wird.
Der Lehrplan spielt laut dem Direktor nicht eine so große Rolle, daß ich die pubertierenden Jungs zum Singen zwingen müßte (danke!), sondern ich kann selbst entscheiden, auf welche Art ich die notwendigen Inhalte vermitteln will. Ich kann auch selbst sagen, ob ich beide Klassen gemeinsam oder getrennt unterrichten will, und falls getrennt, ob lieber alle 2 Wochen eine Doppelstunde oder jede Woche nur eine.
Man merkt diesem Mann an, daß er aus vollem Herzen eine Schule machen möchte, die für die Schüler ein Zuhause ist. Ich würde dort wirklich gerne arbeiten, denn das hat Nachhaltigkeit. Das einzige mögliche Problem liegt jetzt in meiner Ausbildung, ich habe nämlich keinen Pädagogikschein. Ich habe ihm gesagt, daß ich das, soweit zeitlich möglich, nachholen würde, falls das Ministerium das zur Bedingung macht. Nachdem ich aber bereits früher an einer Schule gearbeitet habe, sehe ich da jetzt noch nicht ganz schwarz.

Tja, gut gelaunt wieder zu Hause finde ich bei Ashmodai ein Stöckchen vor. 🙂 Ich darf das mal kopieren:

Schonmal einen Film gesehen in dem dich das Lied, welches gesungen wurde, total berührt oder amüsiert hat? Und wolltest du das schon immer mal mit anderen Leuten teilen? Dann bietet dieser Tag dir die Gelegenheit dazu.
Was du machen musst: Zeige uns sechs deiner liebsten Lieder, die in einem Film gesungen werden. Sag uns, aus welchem Film sie sind und wieso sie dir so gut gefallen. Dann tagge noch weitere fünf Leute.

Das mit den 5 Leuten ist wie immer ein Problem. Aber gut, erstmal zur Musik.

Dann fangen wir doch gleich mal mit einem Titel an, der eigentlich aus keinem Film ist (soweit ich weiß, kann aber sein, daß er auch mal bei Ally McBeal vorkam, wie mehrere Barry White Titel), der aber aus einem Film sein könnte und mich immer und immer wieder sofort ab der ersten Note in einen goldenen Glücksschwebezustand versetzt:

Aaaahh… Ich liebe es. Wartet mal, das muß ich gleich noch mal hören… Hmmm. Wenn ich meinem Leben eine Titelmelodie geben dürfte, müßte es diese sein.

Okay, nächster Titel: Der mit Abstand schönste Filmbeginn, den ich kenne ist der von Pride & Prejudice, die neue Verfilmung mit Keira Knightley (die ich überhaupt sehr schätze). Zuerst sieht man nur diesen 50 Sekunden dauernden Sonnenaufgang, mit der Sonne schleicht sich gaaaanz ganz zart das Klavier hinein, und dann eine Szene, die von der Hauptdarstellerin aus fast 2 Minuten ohne Schnitt ihre gesamte Familie, ihr Haus, ihr Dorf zeigt, während das Klavierstück sich entwickelt und dann endet. (Nach den drei Minuten könnt Ihr auch aufhören zu gucken.) Here we go:

Dann ein Song aus dem wirklich total schönen und sehenswerten Film Garden State:

Bei diesem Film kann man sich schon nach wenigen Minuten der wachsenden Skurrilität des Plots nicht mehr entziehen und sitzt am Ende glücksselig weinend da und will ihn sofort noch einmal sehen:

Next one: Wheel of Fortune kennt vermutlich jeder. Daher habe ich mich für das hier entschieden.

Und zu guter Letzt eine wundervolle Kindheitserinnerung:

20. April 2010

Und wieder einmal…

…beginnt ein wunderschöner Tag mit einer Blasenentzündung. Es gibt mit Sicherheit noch deutlich schmerzhaftere und würdelosere Krankheiten, aber das tröstet mich grad gar nicht. Es kotzt mich an. Also trinke ich wieder Unmengen Kräutertees, deren Hilfe ich mir erhoffe, schlucke Cystinol in 1,5facher Dosierung, esse heute Mittag einen leckeren Liter Tütensuppe mit Zwieback und fahre höchst schlecht gelaunt zur Arbeit, wo ich es hoffentlich immer rechtzeitig aufs Klo schaffe. Grrr.

18. April 2010

Was ist eigentlich… eine Rudelhierarchie?

Heute nur ganz kurz, weil ich mich gerade über die Suchbegriffe amüsiere, die gestern zu meinem Blog führten:

warum klettert mein hund mir auf den schoss?, jünger schminken, wölfe basteln, filzhütchen

eine sehr grob und allgemein gehaltene kleine Abhandlung über das immer wieder lustige und spannende Verhältnis Hund-Mensch. Vorher noch:

Hng. Zu Filzhütchen kann ich nicht viel sagen, außer: entweder im Strickfilzverfahren einen spitzen Hut stricken (oder häkeln, das geht auch) und dann halt in der Waschmaschine filzen. Damit die Innenseiten nicht zusammenfilzen, würde ich eine Socke oder sowas hineintun, das sorgt auch während des Waschvorgangs für gute Reibung und damit Filzung.

Jünger schminken? Habe ich eines der beiden Worte schon irgendwann hier benutzt? Und dann sogar zusammen? Bin grad total ratlos.

Ich bin ein Bastelnoob. Ich kann nichtmal Geschenke einpacken. Daher kein Kommentar zu gebastelten Wölfen.

Und zu „Warum klettert mein Hund mir auf den Schoß“ gibt es mehrere Möglichkeiten:
1.) Du hast was zu essen in der Hand.
2.) Der Hund muß seit einer halben Stunde raus und Du kriegst es einfach nicht mit.
3.) Du sitzt am Klavier und singst vielleicht noch dazu, und der Hund reagiert stark auf die Frequenzen. (Ich kannte mal einen Cocker Spaniel, der immer unter dem Klavier gelegen und leise mitgesungen hat, sehr niedlich.)
4.) Auf Deinem Schoß sitzt eine Katze.
5.) Auf Deinem Schoß liegt sein Spielzeug/Leckerli/…
6.), und jetzt wird es ernster: Du sitzt auf der Couch und er will nicht wie ein normal untergebenes Rudelmitglied unten bleiben, sondern Dir und dem Rest Eures Rudels gegenüber seinen Rang behaupten und auf den höheren Sitzplatz. Hierzu ein kleiner Tip: In Wolfsrudeln ist es so, daß der Alphawolf prinzipiell den höchsten Platz bekommt. Oder beide Alphawölfe, also das Paar, das das Rudel anführt und sich als einziges Paar im Rudel vermehren darf. Ihr Status ist im Normalfall unangefochten. Manchmal verlassen sie den Chefsessel auch und legen sich irgendwo anders in die Sonne, und in solchen Fällen legen sich niedriger stehende Rudelmitglieder auch gelegentlich mal auf den Chefsessel. Das geht klar und wird von den Bossen auch geduldet, wird aber sofort wieder aufgehoben, sobald der Chef zurückkommt.
So sollte man es als Mensch auch halten: Wenn Du auf dem Sofa bist, bist Du da. Der Hund darf auch hoch, wenn Du das möchtest. Wenn Du es aber mal nicht möchtest, mußt Du das sehr deutlich machen. Du bist der Rudelführer, und klare Verhältnisse sind sehr wichtig für einen Hund, denn auf einen schwachen Menschen, der sich nichtmal innerhalb der eigenen Familie durchsetzt, kann Hund sich nicht verlassen; daher wird er im Zweifelsfall versuchen, selbst zum Rudelführer zu werden (ohne Chef geht das Rudel ein, bei Wölfen funktioniert einfach keine Demokratie). Aus solchen Situationen entstehen diese kleinen Kläffer und Wadenbeißer – die Oma, der der Winzhund gehört, behandelt ihn nicht konsequent wie einen Hund, sondern wie eine Art Babypuppe im falschen Körper, schiebt ihm alles vorne und hinten rein, trägt ihn auf dem Arm spazieren und dergleichen, und der Hund denkt (völlig zu Recht), sie wäre zu schwach, um das Rudel zu führen. Schließlich erlaubt sie ihm ja alles, also ist er der Rudelführer. Und logischerweise fängt er an, das kleine Rudel zu führen und zu verteidigen, beißt „angreifende“ Postboten in die Wade und im schlimmsten Fall Enkelkinder ins Gesicht, kläfft jeden Passanten an und wird überhaupt unerträglich. Sorry, aber das Fehlverhalten der Oma ist Schuld.
Hunde höflich zu behandeln ist Schwachsinn. Viele Menschen machen das automatisch: Man läßt anderen Menschen in der Tür den Vortritt (Achtung: der Rudelführer geht immer zuerst!), man steht auf, wenn jemand anders sich setzen möchte (Nein, man darf den Platz auf dem Sofa nicht für den süßesten Golden Retriever der Welt freimachen, auch der fühlt sich auf Dauer wohler, wenn sein Rudelführer über ihm bleibt), man überläßt den Spaziergehkollegen die Wahl des Weges (der Hund hat dem Rudelführer zu folgen, nicht umgekehrt) und viele andere Dinge.

So viel in aller Kürze zu Hunden und Schößen.

17. April 2010

Wasser- und andere Vögel

Nachdem ich in meinen Suchbegriffen nun schon einige Zeit „Das Instrument in Alors on danse“ zu stehen habe, hier nochmal ganz konkret: Das Ding heißt Entenlocker und sieht aus wie ein Stück Staubsaugerschlauch mit Winkel oder wie eine abgebrochene Blockflöte. Gebt Entenlocker bei Google ein und Ihr findet außer jeder Menge Bildbeispiele auch Jagdbedarfsseiten und andere Bezugsquellen. Hier ist auch eine Bastelanleitung zum Nachmachen.

Heute früh sah es vor unserem Fenster so aus:

Ich habe vor einigen Tagen ein gekochtes Ei zerzupft und in diesen leeren Blumentopf gelegt, für die Elstern, die ja jetzt viel Eiweiß brauchen. Statt der Elstern kamen die Blaumeisen. Es war ohnehin nur noch das Eigelb da, also vielleicht haben sich ja auch die Elstern das Weiß geholt, aber diese kleinen runden Federbälle bewegten sich schon mit einem rechten Selbstbewußtsein. 😀

Und wir suchen weiterhin eine Wohnung. Wir haben eine sehr schöne Maisonette gefunden, die unsere Finanzen übersteigt und noch ein, zwei Nachteile hat. Gestern haben wir eine ganz tolle 4-Zimmer-Souterrain-Wohnung angesehen. Mir gefällt sie total. Kein Durchgangszimmer, eine ordentliche Küche, nicht mehr so ein enger Schlauch wie wir jetzt haben, schöne geölte Dielen, alles komplett weiß gestrichen, wodurch mir die niedrigen Decken gar nicht auffallen. Mein Freund findet die Deckenhöhe nicht so schön, aber mich stört es wirklich gar nicht. Die Gegend ist sehr ruhig, man ist in einer Minute zu Fuß im Wald oder in einer Minute mit dem Auto in der Innenstadt.
Außerdem träumen wir ja heimlich von einem kleinen Zuwachs unserer Lebensgemeinschaft: ein Geschirrspüler. Und da meint doch mein Arbeitskollege, mit dem ich mich über die Freuden und Leiden des Wohnungssuchens austausche, weil er grad in derselben Situation ist, er hätte einen kleinen Geschirrspüler übrig, denn er würde einen Großteil seines Hausrates abgeben. Ist das cool? Außerdem könnten wir seinen Kleiderschrank haben; wir haben nämlich denselben (ich nenne das beliebte Möbelhaus jetzt nicht), nur ist unserer sehr hoch und damit in einer so niedrigen Wohnung nicht aufbaubar.

Dann habe ich meine Mitarbeit im christlichen Jugendprojekt gestern endgültig beendet. I halt’s nimma aus. Dafür hat sich ein anderes Projekt aufgetan, das ein alter Kinderchorkumpel von mir organisiert: Weihnachtskonzert mit den Kindern aus dem Plattenbaughetto. Das Ganze wird kirchlich gestützt, finanziell ebenso wie räumlich, organisatorisch und moralisch, und gestern hatte ich ein Gespräch mit dem Kumpel und dem Pfarrer, der in diesem Ghetto arbeitet. Das wird bestimmt eine gute Sache. Außerdem suchte der Pfarrer noch jemanden zum Musikunterrichten in einer freien Schule, vielleicht ab dem nächsten Schuljahr und nur wenige Stunden auf Honorarbasis, aber das wäre mir ja ohnehin lieber. Montag habe ich ein Gespräch mit dem Direktor. Und: ebenfalls Montag bekomme ich ein Klavierschülerlein. Erst mal antesten, ob die Kleine da auch Spaß dran hat (es ist schon immer kein so gutes Zeichen, wenn das Kind sagt „ich will aber Gitarre lernen“ und Mutti dann auf Klavier besteht, weil schon eins da ist), wenn ich sehe, daß sie nur gezwungen wird, habe ich auch kein Problem, das zur Sprache zu bringen.

12. April 2010

Internet. Wieviel Nett vertrage ich?

Ich habe viel Spaß im Internet. Ich blogge, und mittlerweile liest es sogar jemand. Ich tue das, um mir Dinge von der Seele zu schreiben, um mir während des Schreibens selbst erstmal über einige Sachen klar zu werden, weil ich hoffe, daß manche Dinge andere Leute interessieren oder inspirieren, weil ich der Meinung bin, daß man einige Dinge nicht oft genug veröffentlichen kann, und wenn es auch nur in einem so kleinen Rahmen ist.
Darüberhinaus bin ich seit Jahren Mitglied in einem Forum, in dem ich mich sehr wohlfühle und einige Menschen kennengelernt habe, die mir durch ihre sympathischen und klugen Beiträge irgendwie vertraut scheinen, obwohl wir uns nie persönlich begegnet sind. Somit verfolge ich auch ihre Blogs, falls vorhanden, sehe mich gelegentlich in den von ihnen geführten Foren um und lese mit Interesse ihre Forenbeiträge.
Privat habe ich Freunde, die ich an wenigen Fingern abzählen kann. Eine einzige noch aus Schulzeiten. Eine andere aus Studienzeiten. Zwei, die ich auf späteren Arbeitsstellen kennengelernt habe und eine „Zufallsbekanntschaft“, die sich so schräg entwickelt hat, daß da definitiv kein Zufall dahintersteckt. Jede dieser Frauen kennt mich sehr gut, und auch wenn sie in 3 verschiedenen Ländern wohnen und wir uns teilweise sehr selten sehen, bestehen keine Zweifel an der Freundschaft an sich.

Und jetzt kommt Facebook. 😀 Ich bin bei Facebook gemeldet, seit ich ehrenamtlich in einem Jugendprojekt arbeite, das sich ausschließlich über diese Plattform organisiert. Kaum war ich angemeldet, häuften sich die „Freundschafts“anfragen. Alle, die das Projekt betrafen, habe ich sofort bestätigt, das war nötig. Dann noch 2, 3 Anfragen von alten Schulfreunden, und schon ging es los mit den automatisch generierten Freundschaftsvorschlägen: „Wenn Du mit xy befreundet bist, solltest Du auch yz kennen. Freundschaftsanfrage senden?“ Mir stieß schon damals ziemlich bitter auf, daß das „Freundschaft“ genannt wird, wenn man jemanden kennt. Nicht „Bekanntschaft“, nicht „Kontakt“, nein, „Freund“. So etwas stößt mich ab. Ich bin jemand, der sich bereitwillig von allen Arbeitskollegen duzen läßt, aber das geht mir wirklich zu weit.
Und dann, letzte Woche, die Mail, die dem Faß den Boden ausschlug: „2 Wölfe – Deine Freunde warten!“ war der Betreff. Ich, typisch braves Mädchen, öffnete sie mit schon vorauseilend schlechtem Gewissen, nur um zu sehen, daß ich die „Freundschafts“anfragen von 3 Pappnasen, von denen ich einen schon in der Schule nicht mochte, einen zweiten im Studium nur flüchtig kannte und den dritten überhaupt nicht, nicht beantwortet hatte. Und jetzt, noch bevor ich diese Leute als meine sogenannten Freunde bestätige, werden sie mir als solche aufgezwungen und mir dieses unterschwellige Gefühl von „Du hast einen Geburtstag vergessen!“ oder „Du hast Dein Kind vernachlässigt!“ vermittelt. Das kotzt mich massiv an.
Ich sehne das Ende dieses Jugendprojektes ohnehin herbei (über die Höhen und Tiefen der Arbeit mit fundamental christlichen Teenies schreibe ich ein andermal), aber die Krönung wird sein, Facebook zu verlassen. Wenn das überhaupt geht. Vielleicht bekomme ich ja dann Mails wie „Wir respektieren Deine Entscheidung, Deine Freunde im Stich zu lassen. Solltest Du es Dir anders überlegen – wir speichern alle Deine Daten und die Deiner Freunde für die Dauer von 10 Jahren, damit Deine Rückkehr in die große glückliche Internetfamilie reibungslos klappt. Bis bald – Deine Freunde aus dem Facebook-Team!“ 😦

11. April 2010

Fertig gestellt: Ringelstola und Filzhütchen

Donnerstag Nacht hatte mein Zug nach Hause wieder mal über eine halbe Stunde Verspätung. Das hat mich nicht weiter gestört, es war eine milde Nacht und ich hatte mein Strickzeug dabei und war am Abketten der Ringelstola. Himmel! Das Stricken mit dieser Fransenwolle war ja schon eine Konzentrationsübung, aber das Abketten wurde der Wahnsinn. Ich war langsam wie eine Schnecke, verlor mehrmals die überzuhebenden Maschen und mußte sie mir dann wieder aus diesen unsäglichen Fransen herausgraben. Und die Außenseite der Stola ringelt sich nur, wenn man in jeder Reihe ziemlich viele Maschen hinzunimmt, was bedeutet, daß man am Ende unendlich viele Maschen abzuketten hat. 🙂
Dann war ich um halb eins im Bett und um halb fünf weckte mich mein Freund und ich fuhr ihn mit rasenden Bauchschmerzen zum Notarzt. Gastritis. Wir kamen um halb sechs zurück und gingen wieder schlafen, d.h. er konnte nicht schlafen und las ein bißchen und ich bat ihn, mich um 7 zu wecken, damit ich gleich in die Apotheke gehen kann. Um halb 10 wachte ich auf und fragte, warum er mich nicht geweckt hätte. Er meinte, er hätte es versucht, aber ich hätte „nödlnödlnödl“ gesagt, mich umgedreht und weitergeschlafen. Hm.
Nachdem jede Menge Kamillenblüten, Zwieback und Anitschmerztropfen zu Hause waren, verbrachten wir den Rest des Tages mehr oder weniger produktiv chillend: Die unsägliche Stola wurde fertig.

Noch mal näher:

Und wehe, wenn sie meiner Freundin nicht gefällt!

Desgleichen der fertig gefilzte „Eierwärmer Mexico“:

Der ist für meine Schwägerin und wird noch in den Genuß der Gesellschaft einiger blauer und gelber Untersetzer kommen.

Und jetzt noch ein musikalisches „Schmankerl“ – bbisher mochte ich Green Day gar nicht so, weil ich immer nur Wake me up when september ends im Radio gehört habe, aber das hier ist grandios! Das Lied zum Sonntag:

Was für ein Schlagzeuger… Der Hammer.

8. April 2010

Pflänzchen

Heute Nacht habe ich wieder von Felix geträumt. Ich träumte, es wäre Morgen, ich wäre aufgewacht und der Blick aus dem Fenster zeigt mir 10 Centimeter Neuschnee. Na toll, dachte ich, mitten im Frühling. Da muß mein Freund wieder vorsichtig fahren. Dannn stellte ich fest, daß Felix wieder da war. Er wollte wie immer Winken gehen, als mein Freund zur Arbeit ging, und ich sah, daß der Hundestuhl nicht mehr an seinem Platz am Fenster stand sondern statt dessen ein Klappstuhl mit einem Kissen drauf, auf den Felix unmöglich springen konnte – zu wacklig. Ich schob also so schnell wie möglich den Holzstuhl, auf dem Felix früher immer gesessen hatte, wieder dorthin, denn der Hund sah mich schon vorwurfsvoll an.
Weiter ist nichts passiert, aber ich war ziemlich down heute früh und hatte keine Lust, wieder einzuschlafen.

Dann rief um halb acht eine Freundin an, mit der ich mich gelegentlich zum Frühstücken verabrede und fragte, ob ich schon wach sei und Lust auf eine spontanes Frühstück hätte. Ich fuhr also zu ihr und wußte schon, was kommen würde; sie hat leider große private Probleme und ich bin ihre breite Schulter zum Ausweinen. Ich bin das auch wirklich gerne, denn sie ist wirklich ein Mensch, der sich seine Probleme nicht leicht macht, sondern versucht, immer an alle zu denken und alles richtig zu machen – womit sie natürlich für sich selbst oft alles noch schwieriger macht. Während unseres Frühstücks und unseres Gespräches hatte ich plötzlich ganz intensiv das Gefühl vollkommener Zufriedenheit. Erst dachte ich: So müßte es immer sein; jemand braucht Rat und ich habe tatsächlich einen. Dann habe ich mich für den Gedanken und das schöne Gefühl geschämt, weil ich mich schließlich nicht wegen der Probleme anderer Leute besser fühlen will. Und dann dachte ich, eigentlich geht es mir nicht besser, wenn ich erfahre, daß sie wieder ein Problem mehr hat, sondern wenn ich ihr aus einem heraushelfen kann, wie heute geschehen. Diese beratende Position macht mich irgendwie glücklich. Ich habe immer gerne anderen zugehört und war schon in der Schule die Ansprechpartnerin für Leute mit Problemen, die unwillkürlich damit zu mir kamen, obwohl wir sonst nie ein Wort gewechselt haben. Und heute dachte ich zum ersten Mal: Tja, Beruf verfehlt. Oder ist das nur meine Feigheit, mich in der Musikszene durchzusetzen? Ich bin jeden Dienstag nach der Probe total aufgekratzt und glücklich, und es stört mich dabei nicht im Geringsten, daß mein Chor ein kompletter Amateurhaufen ist. Sollte es mich stören? Sollte ich mich nach einem Rundfunkchor sehnen? Das tue ich nicht. Ich meine, ich würde gerne einen besseren Chor leiten, aber den Besten? Nein, das reizt mich überhaupt nicht – hat es noch nie. Meine Mutter wollte immer, daß ich mal berühmt werde, weil sie Berühmtheit und Zufriedenheit bzw. beruflichen Erfolg als Musiker gleichgesetzt hat. Aber für mich war es immer viel verlockender, Menschen musikalisch über sich hinauswachsen zu lassen, die das nie für möglich gehalten hätten. Kontinuierlich jahrelang an derselben Stelle arbeiten, um zu sehen, wie das Pflänzchen wächst. Es darf gerne langsam wachsen, das würde mir gar nichts ausmachen.
Und was mache ich nun? Reicht es mir, Musik studiert zu haben, um sie weiterhin als Hobby nebenbei mit einigen ambitionierten Laien zu betreiben, während ich mich gleichzeitig nach einer Möglichkeit umsehe, einen anderen Beruf zu ergreifen? Mediation zum Beispiel (was ich ehrlich gesagt schon längst gerne gemacht hätte, wenn es nicht so sauteuer wäre, schließlich habe ich Zeit genug für dieses Studium). Verrate ich damit nicht ALLES, wofür ich als Teenager gelebt habe, alles wofür meine Eltern sich kasteit und eingeschränkt haben sieben Jahre lang, um mir mein exotisches Studium im Ausland zu finanzieren? Verrate ich nicht meine Talente? Oder verrate ich andere Talente, wenn ich der Musik den Ausschließlichkeitsstatus gebe?
Was soll ich nur tun?

Vor ein paar Monaten haben wir während eines Spaziergangs ein heruntergefallenes kleines Vogelnest gefundenn. Das habe ich oben auf einen unbepflanzten Blumentopf gelegt und den Winter über stand der Topf mit dem Nest drauf vor dem Wohnzimmerfenster. Jetzt habe ich beschlossen, das ganze Konstrukt zu entsorgen – irgendwann ist es ja nicht nur nicht mehr hübsch, sondern auch unhygienisch – und dabei festgestellt, daß sich da etwas angesammelt hatte:

Das habe ich dann gerettet, in einen neuen Topf mit frischer Erde gesetzt, leicht begossen und wieder in die Sonne hinausgestellt:

Was das wohl werden wird?

7. April 2010

Suchen

Sind eigentlich alle Leute so wie ich, daß sie sich wünschen, endlich irgendwo endgültig anzukommen, um dann von dort aus, wo das Herz zu Hause ist und alle Rahmenbedingungen stimmen, auszuschwärmen (oder eben auch nicht)? Ich suche und suche und finde diesen Punkt einfach nicht, wo ich wurzeln kann. Vielleicht gibt es ja gar keinen. Vielleicht hat man einfach Wurzeln in sich selbst oder man hat keine.
Derzeit suche ich außerdem nach einem Job, nach einer gut klingenden Begründung, warum ich mich bei einem speziellen Job bewerbe, obwohl die eigentlich ein anderes Profil für ihre Bewerber aufgestellt haben, nach einem Stoffladen in Berlin, der mich nicht ruiniert und tolle Angebote für mein Hochzeitskleid hat, nach einem Job, nach einer Möglichkeit, meine Mutter davon zu überzeugen, daß ihre ohnehin schon massiven gesundheitlichen Probleme nur noch schlimmer werden können, wenn sie weiter so hart arbeitet, nach einer preiswerten und schön gelegenen 4-Zimmer-Altbauwohnung, nach Männern für meinen Chor und (habe ich es schon erwähnt?) einem Job.

Und ich kann nichtmal sagen: Felix – such! und die lustigen Knattergeräusche genießen, die seine Nase und seine Lunge immer dabei gemacht haben. Ich glaub, ich brauch auch gleich noch einen Johanniskrauttee. Seufz.

5. April 2010

Meine Woche in Bildern

Ostern.

Die Feiertage begannen für mich am Gründonnerstag mit dem Abendmahlsgottesdienst in unserer Dorfkirche. Um wirklich das letzte Abendmahl nachempfinden zu können, hatte der Pfarrer 2 lange Tische in den Altarraum gestellt, schön gedeckt mit weißen Decken, Geschirr und Besteck, darauf standen Salate, Wein in Karaffen, Obst- und Käseplatten und rundherum die Stühle für die Gemeinde. Wir begannen im Glockenturm der Kirche, durch den man hineinkommt, mit der versammelten Gemeinde zu singen und dann, im Kanon singend, gingen wir alle bis zum Altarraum und nahmen Platz. Da relativ viele Leute gekommen waren, mußten einige Kinder auf den Schoß, aber das ging in Ordnung. Und dann feierten wir das Pessachfest nach, das auch Jesus und seine Jünger feierten – den Auszug der Juden aus Ägypten und das Ende der dortigen Sklaverei. Aufgrund der Eile auf der Flucht hatte man keine Zeit, einen Sauerteig anzusetzen, daher gab es ungesäuerte Brote; das Fest heißt auch Das Fest der ungesäuerten Brote. So saßen wir also alle in der kleinen Feldsteinkirche, aßen Matzen und gaben den Teller jeweils an unseren Nachbarn weiter mit den Worten „Christi Leib für Dich“ und taten dasselbe dann mit dem Weinkelch. Das war schon eine erstaunliche Erfahrung. Ich meine, sich einfach mal bewußt zu machen, daß die Jünger nicht „Das letzte Abendmahl“ gefeiert haben, weil sie wußten, daß ihr Mentor sterben würde – sie wußten es ja noch nicht. Sondern es war eine ganz normale Familienfeier, wie unser heutiges Weihnachten. Sie feierten bei einem Mann, der in der Bibel nicht namentlich genannt wird, bei dem sie sich aber offenbar zu Hause fühlten.
Am Karfreitag sang ich ebenfalls im Gottesdienst (nur mal zur Erklärung: bei manchen Gelegenheiten wünscht sich der Pfarrer mal etwas Besonderes, und dann komme ich und singe einige Lieder und/oder die Liturgie, oder einen Wechselgesang mit der Gemeinde usw.). Samstag mußte ich arbeiten; am Ostersonntag war ich vom Kirchendienst freigestellt 🙂 und konnte chillen ohne Ende. Ich hab’s bei wow auf Stufe 38 geschafft und einige Stricksachen begonnen:

Für meine Schwägerin, die bald Geburtstag hat, sehr gut kocht und mindestens so gerne ißt, möchte ich im Strickfilzverfahren ein bißchen Küchenschnickschnack herstellen. Mein erster Versuch war für einen runden Untersetzer, nur leider war der Bogen nicht eng genug. Die Idee ist folgende: Man strickt einfach Reihen hin und her, läßt aber immer am Ende der Reihe einige Maschen aus, so daß am Ende die Mitte viel dicker ist. Dann rollt man das Ganze zusammen zu einem flachen Kreis. Bei mir jedoch wurde der Kreis nicht flach, denn der Bogen war einfach nicht genug gewölbt.

Daher legte ich ihn zu einem Hütchen zusammen und ließ daraus einen Eierwärmer entstehen.

Und dann noch einen Spiralschal aus eher flippiger Wolle für eine Freundin, die auf schräge Sachen steht und ebenfalls bald Geburtstag hat:

Man erkennt es auf dem Bild nicht, aber dadurch, daß man zur anfänglichen Maschenzahl in jeder Reihe etliche dazu nimmt und damit die Endmaschenzahl ungefähr 6x so hoch ist, wellt sich ein Ende der Stola. Dieses gewellte Ende werde ich mit goldfarbener Wolle aus demselben Material stricken. Es ist übrigens super anstrengend, überhaupt die Maschen zu finden, weil diese winzigen Fransen da einfach immer im Weg sind.

Und dann habe ich natürlich noch

Ostereier gefärbt. Und meiner Mutter, die immer noch krank ist und trotzdem glaubt, die Probleme der ganzen Welt auf ihre Schultern nehmen zu müssen, den Kopf gewaschen. Hoffentlich bringt es was.

Und heute schließlich waren wir auf einem österlichen Mittelaltermarkt, haben das Flair genossen, die Hunde der Standbesitzer gekrault und ich habe ein Paar hübsche Holzohrringe bekommen. 😀 Das ist toll, ich genieße dieses Ambiente immer sehr. Naja, was heißt immer – das war mein zweiter Mittelaltermarkt. Leider war er auch ziemlich verregnet, aber sowas kann mir ja nicht die Laune verderben.