Internet. Wieviel Nett vertrage ich?

Ich habe viel Spaß im Internet. Ich blogge, und mittlerweile liest es sogar jemand. Ich tue das, um mir Dinge von der Seele zu schreiben, um mir während des Schreibens selbst erstmal über einige Sachen klar zu werden, weil ich hoffe, daß manche Dinge andere Leute interessieren oder inspirieren, weil ich der Meinung bin, daß man einige Dinge nicht oft genug veröffentlichen kann, und wenn es auch nur in einem so kleinen Rahmen ist.
Darüberhinaus bin ich seit Jahren Mitglied in einem Forum, in dem ich mich sehr wohlfühle und einige Menschen kennengelernt habe, die mir durch ihre sympathischen und klugen Beiträge irgendwie vertraut scheinen, obwohl wir uns nie persönlich begegnet sind. Somit verfolge ich auch ihre Blogs, falls vorhanden, sehe mich gelegentlich in den von ihnen geführten Foren um und lese mit Interesse ihre Forenbeiträge.
Privat habe ich Freunde, die ich an wenigen Fingern abzählen kann. Eine einzige noch aus Schulzeiten. Eine andere aus Studienzeiten. Zwei, die ich auf späteren Arbeitsstellen kennengelernt habe und eine „Zufallsbekanntschaft“, die sich so schräg entwickelt hat, daß da definitiv kein Zufall dahintersteckt. Jede dieser Frauen kennt mich sehr gut, und auch wenn sie in 3 verschiedenen Ländern wohnen und wir uns teilweise sehr selten sehen, bestehen keine Zweifel an der Freundschaft an sich.

Und jetzt kommt Facebook. 😀 Ich bin bei Facebook gemeldet, seit ich ehrenamtlich in einem Jugendprojekt arbeite, das sich ausschließlich über diese Plattform organisiert. Kaum war ich angemeldet, häuften sich die „Freundschafts“anfragen. Alle, die das Projekt betrafen, habe ich sofort bestätigt, das war nötig. Dann noch 2, 3 Anfragen von alten Schulfreunden, und schon ging es los mit den automatisch generierten Freundschaftsvorschlägen: „Wenn Du mit xy befreundet bist, solltest Du auch yz kennen. Freundschaftsanfrage senden?“ Mir stieß schon damals ziemlich bitter auf, daß das „Freundschaft“ genannt wird, wenn man jemanden kennt. Nicht „Bekanntschaft“, nicht „Kontakt“, nein, „Freund“. So etwas stößt mich ab. Ich bin jemand, der sich bereitwillig von allen Arbeitskollegen duzen läßt, aber das geht mir wirklich zu weit.
Und dann, letzte Woche, die Mail, die dem Faß den Boden ausschlug: „2 Wölfe – Deine Freunde warten!“ war der Betreff. Ich, typisch braves Mädchen, öffnete sie mit schon vorauseilend schlechtem Gewissen, nur um zu sehen, daß ich die „Freundschafts“anfragen von 3 Pappnasen, von denen ich einen schon in der Schule nicht mochte, einen zweiten im Studium nur flüchtig kannte und den dritten überhaupt nicht, nicht beantwortet hatte. Und jetzt, noch bevor ich diese Leute als meine sogenannten Freunde bestätige, werden sie mir als solche aufgezwungen und mir dieses unterschwellige Gefühl von „Du hast einen Geburtstag vergessen!“ oder „Du hast Dein Kind vernachlässigt!“ vermittelt. Das kotzt mich massiv an.
Ich sehne das Ende dieses Jugendprojektes ohnehin herbei (über die Höhen und Tiefen der Arbeit mit fundamental christlichen Teenies schreibe ich ein andermal), aber die Krönung wird sein, Facebook zu verlassen. Wenn das überhaupt geht. Vielleicht bekomme ich ja dann Mails wie „Wir respektieren Deine Entscheidung, Deine Freunde im Stich zu lassen. Solltest Du es Dir anders überlegen – wir speichern alle Deine Daten und die Deiner Freunde für die Dauer von 10 Jahren, damit Deine Rückkehr in die große glückliche Internetfamilie reibungslos klappt. Bis bald – Deine Freunde aus dem Facebook-Team!“ 😦

Advertisements

2 Kommentare to “Internet. Wieviel Nett vertrage ich?”

  1. Das war genau der Grund, warum Facebook für mich nie attraktiv war. Gänzlich erübrigt hat es sich für mich jetzt nachdem ich gelesen habe, dass Facebook Mitgliedsdaten an andere Unternehmen weitergeben will zum Zwecke der völligen Vermarktung. Nee, danke!
    Hab einen schönen Abend.
    Liebe Grüße von Alruna

    • Ja, ich kann es auch kaum noch erwarten, die Plattform wieder zu verlassen. StudiVZ z.B. zieht doch auch nicht so vom Leder – da geht es ohne blödsinnige aufgedrängelte Pseudofreundschaften, ohne Werbung (na gut, war lange nicht mehr da, vielleicht werben sie jetzt auch) und all diesen Schnickschnack wie Onlinespiele, um Nutzer an das Medium zu binden.
      In einem interessanten Radiobeitrag wurde erklärt, wie man die Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre auf facebook verändern kann. Der Moderator sagte, das würde niemand machen, weil der Weg dorthin über die vielen Untermenüs von facebook so kompliziert und langwierig sei, daß das kaum ein normaler User durchhalte. Witzig. Der Weg zum Klick aufs Werbefenster ist ganz kurz…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: