Was ist eigentlich… ein Bühnenkuss?

Da mir kürzlich etwas ungeheuer Witziges in einer Vorstellung aufgefallen ist, fühle ich mich animiert, hier mal einen kurzen Beitrag über Bühnenküsse zu verfassen. Ein Bühnenkuss ist ein Kuss zwischen zwei Darstellern eines Bühnenstückes, der für das Publikum echt aussehen soll, es aber nicht ist. Anders als die meisten modernen Filmküsse, bei denen einfach tatsächlich drauflos geknutscht, geknabbert, gesaugt und alles andere wird, ist es im Theater und speziell im Musiktheater oft so, daß durch einfache Tricks ein echter Kuss nur vorgetäuscht wird.
Die einfachste Möglichkeit ist, den Mann (oder den größeren Kusspartner) mit dem Rücken zum Publikum stehen zu lassen. Wenn er sich dann leicht über seine Partnerin beugt, können die alles machen, jede kleine Bewegung der Schultern oder der Köpfe ruft einen Eindruck von Küssen hervor.
Sollen beide Darsteller seitlich zum Publikum stehen, so helfen lange Haare, um allzu verräterische Details zu verdecken. Diese Details können sein: man preßt nur die Wangen aneinander; man hält die Lippen fest geschlossen, läßt sie aber einander berühren; man berührt die Wange des anderen nur mit der Nasenspitze und hat so etwas Abstand zwischen den Lippen.
Soweit ich weiß, gab es zu keuscheren Filmzeiten noch einen Trick mit der Hand des Mannes, der natürlich liebevoll-besitzergreifend den Kopf der Frau umfaßte. Hier lag glaube ich ein Teil der Hand zwischen den Mündern, was wieder den Trick ergänzte, das Paar so zu zeigen, daß Frau und Kuss gleichermaßen hinter den breiten männlichen Schultern verschwinden und eigentlich der ganze Kuss der Phantasie des Publikums entspringt.
Insbesondere im Musiktheater ist es so, daß die Darsteller Singen, Tanzen, mehrere Fremdsprachen, Bühnenfechten und noch etliches mehr lernen, aber scheinbar keine Küsse – so kommt es dann zu lustigen Szenen auf der Bühne wie neulich auf der Arbeit: Tenor küßt Sopranistin, Sopranistin wischt sich unwillkürlich mit dem Ärmel den Mund ab. Uuuups….

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2 Kommentare to “Was ist eigentlich… ein Bühnenkuss?”

  1. Also sowas wie Mund abwischen darf natürlich nicht vorkommen! Das nenne ich eine richtige Panne.

    Aber ich finde, diese alte Filmküsse, die Du im letzten Abschnitt beschreibst, wo der eigentliche Kuss der Fantasie des Zuschauers überlassen wird, waren irgendwie am Besten. In modernen Filmen ist das Geknutsche zuweilen etwas unästhetisch.

    • Nunja – die eigentliche Panne war vermutlich der viel zu echte (und feuchte) Kuss, der noch dazu nicht nötig gewesen wäre – Er stand mit dem Rücken zum Publikum, und Sie war verdeckt. War glücklicherweise eine Kindervorstellung, da fiel das nicht so auf. 🙂 Und ich sage jetzt nichts über Tenöre und Selbstbild und Fremdbild.

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