Archive for Juli, 2010

29. Juli 2010

Parkschützer

Nur ganz kurz, aber meines Erachtens wichtig:

Bei Weidenfrau habe ich diesen interessanten Beitrag gelesen. Der Stuttgarter Schlossgarten soll einem über etliche Jahre angelegten Bauprojekt zum Opfer fallen. Bei der Weidenfrau gibt es auch entsprechende Wiki-Links.
Wer den Park schützen möchte, kann dies tun, indem er sich öffentlich auf dieser Seite zu diesem Zweck registriert. Wer in der Nähe von Stuttgart wohnt und vielleicht ein besonderes persönliches Verhältnis zur Stadt und zum Schlossgarten hat, kann sich sogar für weitergehende Aktionen eintragen lassen.

Und für alle, die sich fragen, warum ich an einer Aktion teilnehme, die eine Stadt betrifft, in der ich noch nie war und zu deren Stadtpark ich nicht die geringste Beziehung habe: Weil ich es unglaublich wichtig finde, wenigstens ein Mindestmaß an natürlichem Lebensraum für Vögel, Kleintiere und (!) Menschen in jeder Großstadt zu erhalten. Wer mal einige Zeit im größtenteils unglaublich häßlichen Berlin verbracht hat, weiß, was ich meine. Und wer vergleichsweise einige Zeit in z.B. Wien verbracht hat, weiß, wie wichtig Grünanlagen sind.
Ich bin der festen Überzeugung, daß es in schönen, gesunden, lebensvollen Städten weniger Depressionen, Aggressionen, weniger Übergriffe gegen Kinder und dafür mehr Kreativität, mehr bewußten Umgang mit der Natur und mehr positive Entwicklung in persönlichen und gesellschaftlichen Bereichen gibt. Ich kann das nicht verifizieren, aber mal ganz plump ausgedrückt: Wernigerode blüht, Schwedt stirbt.

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27. Juli 2010

Faul

Liebe Leserinnen und lieber Leser 😉 –

wie Ihr merkt, bin ich grad faul. Diese Faulheit ist mir ein Genuß, ich gebe es zu. Sie erstreckt sich auch nicht nur auf regelmäßiges Bloggen, sondern auf praktisch jeden Aspekt meines Lebens. Ich habe Urlaub, und zwar bis September (Spielpause, und nein – das ist nicht beneidenswert, zumindest kommt es mir immer zu Weihnachten und wenn alle anderen Leute frei haben nicht so vor), ich chille ohne Ende, und es ist suuuper.
So ganz nebenbei bereite ich meine Hochzeit vor, ganz im Konkreten momentan: die Tischordnung. Eigentlich ist mir die Tischordnung ja völlig schnurz, aber um einige komplette Fehlgriffe zu vermeiden (Schwester A neben Schwester B, Schwester A neben ihrem Exmann oder die Mutter meines Kerls neben der Mutter seiner Exfreundin und dergleichen), werde ich zumindest für das Hochzeitskuchengemampfe eine Tischordnung machen. Wir geben ja sowieso jedem Gast ein kleines, von Schwester B getöpfertes Souvenir mit, das ist auch besser als Seidenpapier-Tischkärtchen mit Goldrand oder so. *schüttel*
Außerdem erhoffe ich mir als angenehmen Nebeneffekt eine gute Vermischung der Gesellschaft. Nichts wäre blöder, als wenn meine Familie, seine Familie und die jeweiligen Freunde und Arbeitskollegen wieder nur miteinander herumhocken, also versuche ich, ein bißchen Schicksal zu spielen.

Und dann habe ich auch noch nächsten Freitag ein Konzert; das erste richtige Konzert mit meinem Chor. Wir singen zwar nicht viel, weil wir einfach noch kein großes Repertoire haben, aber wir singen. Als Lückenfüller und um das Programm auf mindestens eine halbe Stunde zu strecken (ja, wir singen wirklich noch nicht so viel…), singe ich noch mit meinen Terzettmädels + einer vierten, die extra für 2 Titel dazukommt. Außerdem werde ich ein bißchen moderieren. Das Konzert ist in einer winzig kleinen aber unheimlich schönen Kirche, so daß die Stimmung vermutlich ohnehin eher intim ist, und auch die Moderation schindet Zeit.
Seit Neuestem haben wir ja plötzlich fast ausreichend Männerstimmen – 2 Tenöre und 4 Bässe. Das ist der Wahnsinn, eine richtig tolle Probenarbeit, wenn man die unteren beiden Stimmen auch mal hört. Und zwei neue Frauen habe ich letzte Woche auch dazubekommen, von denen eine gleich meinte, sie würde ihre 20jährige Tochter mitschleppen, wenn die Zeit hat. Das ist super – diese Stadt braucht nicht noch einen total überalterten Singekreis, und bis jetzt – klopf klopf klopf – haben wir einen superguten Altersdurchschnitt von ungefähr Anfang 40. Das sind lauter Leute, die bewußt lernen, im Leben stehen, verläßlich und verantwortungsbewußt sind und mit denen mir die Probenarbeit so viel Spaß macht, daß ich letzte Woche eine geschlagene Stunde an einem einzigen Lied gearbeitet habe, ohne es zu merken.
Ich bin richtig stolz auf und glücklich über meinen Chor, und ich wünschte, ich könnte so arbeiten. Professionell sieht es ja unverändert aus – halbe Stelle, völlig musikfrei -, aber ich habe zumindest für September einen Termin mit dem Oberchef vereinbart, um meinen Vertrag zu besprechen. Zum einen soll er verlängert werden (er läuft nur noch bis Dezember) und zum anderen will ich mehr arbeiten, wenn es irgend geht vielleicht sogar musikalisch, aber auf jeden Fall mehr Zeit = mehr Geld.

Also bitte, alle Mann mal Daumen drücken für’s Konzert, für die Weiterentwicklung des Chores, für meine Arbeit und last not least für eine schöne, unkomplizierte Hochzeit. Dankeschön. 🙂

18. Juli 2010

Wohnung die 3. und Stöckchen

Hallo allerseits!

Aaaalso: Gleich am Montag nach der letzten Renovatio hatte ich den zweiten Termin zur Wohnungsübergabe. Diesmal war ich allein, da meine Eltern in Urlaub waren und mein Freund aus Gründen der Deeskalation zu Hause blieb. Hausschrecks erster Satz war, wie erwartet: „Da sind ja immer noch Schatten an den Wänden!“ Danach erklärte sie mir, es sähe aus, als hätten wir diesmal nur die Decken gestrichen, wenn überhaupt renoviert. Ich war fassungslos. Ihr Argument war übrigens ein hauchzartes Spinnweb an der Decke.
Sie: Hätten Sie renoviert, wären hier keine Spinnweben, oder wie erklären Sie sich, wo das herkommt?
Ich: Es ist Hochsommer und die Fenster sind ständig angekippt, da hätte ich schon eine Erklärung.
Sie: Aber doch nicht innerhalb von 2 Tagen!

Tja, was sagt man da? Daß sich in meinem Auto manchmal ein kleines Spinnchen innerhalb von 2 Stunden häuslich einrichtet? Nein, was mich beleidigt hat, war diese Unterstellung des Nichtstuns nach allem, was wir getan hatten. Und das habe ich Ihr dann auch deutlich gesagt: Uns zu unterstellen, wir hätten nicht gemalert und würden sie dahingehend belügen, empfinde ich als jenseits aller Grenzen des Anstands. Das war das erste Mal, daß ich ihren Redesermon kurz unterbrechen konnte.
Und dann kam Thema Nr. 2: Da sind ja noch überall Farbflecken. „Also, das werden Sie doch verstehen, in so einem Zustand kann man doch keine Wohnung anbieten!“
Aaaargh. Jetzt wurde ich schon wirklich, wirklich ungeduldig bis stinkig und baute mich schließlich vor ihr auf und sagte: Gut, können wir uns darauf einigen, daß ich noch einmal die gesamte Wohnung reinigen werde und daß Sie dann endlich zufrieden sind? Damit erklärte sie sich zögernd einverstanden und wir vereinbarten einen dritten Termin am Donnerstag.
Am Mittwoch kaufte mein Freund noch einmal Farbe und strich die Stellen, die sie mir am Montag vorgehalten hatte, ein weiteres Mal. Am Donnerstag rutschte ich geschlagene 6 Stunden auf den Knien durch die Wohnung bzw. balancierte auf einem Stuhl, und schrubbte die Farbflecken von den Fußleisten, Tür- und Fensterrahmen und wischte die Scheiben. Übrigens war rund ein Drittel dieser Farbflecke braun. Hm. Mein Vormieter hatte die Wände braun gestrichen. Seltsam, daß uns damals die Wohnung in so einem Zustand angeboten wurde… Und was müssen wir nur für Leute sein, daß uns ein paar hellbraune Farbflecken auf den Fußleisten nie gestört haben…?
Um halb fünf kam mein Schatz und brachte mir 2 Joghurt und einen Sack Kirschen. Vor Wut darüber, für diese Kuh alleine 3 Stunden im Wohnzimmer auf den Knien zu rutschen, und weil ich schon Krämpfe in beiden Handgelenken und 2 Schwämme so abgenutzt hatte, daß ich nur noch mit bloßer Körperkraft putzen konnte, standen mir die Tränen schon bis zur Nasenspitze, und darüberhinaus hatte ich keine Zeit für ein Mittagessen, also rettete er mir den Tag.
Dann rief ich meine Eltern an, die einen Tag früher aus dem Urlaub gekommen waren, um bei der Besichtigung dabei zu sein, und bat darum, daß unbedingt mein Vater mitkommt. Er ist nämlich der Meister des schweigend Dastehens. Meine Eltern und ich waren etwas früher da als der Hausschreck. Sie betrat die Wohnung, sah meinen Vater ruhig schweigend dastehen, und statt so wie sonst zuerst mal einen Vorwurf wie „Sie sind zu spät“ oder „Da sind ja immer noch Schatten an den Wänden“ in den Raum zu stellen (ob’s stimmt oder nicht, man ist erstmal in der rechtfertigenden Position), sagte Sie: „Oh, guten Tag.“ HA!
Exkurs: In den 70ern wollte meine Mutter meiner damals 7- oder 8-jährigen Schwester B Schuhe kaufen. B wollte ein ganz bestimmtes Paar, was in der DDR sowieso nicht immer ganz einfach war, und die im Verkaufsraum ausgestellte Größe war ihr zu klein. Die Verkäuferin war pampig und weigerte sich, der Bitte meiner Mutter nachzukommen und im Lager nach der richtigen Größe zu suchen. Wutschnaubend aber längst nicht geschlagen ging meine Mutter nach Hause, drückte meinem Vater das Kind in die Hand und schickte ihn in den Schuhladen. Er bekam die Schuhe innerhalb von 5 Minuten.

Nunja, der Papa-Effekt trat ein. Plötzlich hieß es: „Hm, da sind immer noch Schatten an den Wänden, aber nachdem Sie renoviert haben, kann ich mir jetzt auch nicht erklären, wo die jetzt noch herkommen.“ Und, als kleine Stichelei zum Abschied: „Hätten Sie das gleich so gemacht, hätten Sie uns beiden einiges erspart.“ Im Beisein meiner Eltern wollte ich ihren Kopf nicht gegen die Wand schlagen; außerdem hätten wir dann nochmal streichen müssen, also lächelte ich. Ich bin echt gut im Lächeln.

Als wir alles unterschrieben, verlassen und die Schlüssel abgegeben hatten, kam mein Vater nochmal zu mir ans Auto und sagte seinen ersten Satz an diesem Nachmittag: „Wenn die Olle noch mit dem dicken Ende nachkommt, laßt Euch auf nichts mehr ein – ich bezahle Euch gerne den Selbstbehalt der Rechtschutzversicherung.“ So etwas sieht meinem Vater eigentlich nicht ähnlich, aber wenn er mal jemanden nicht mag, dann zieht er das auch durch. 🙂

Naja, langer Schriebs, kurzer Sinn: Wir haben’s geschafft. Puh.
Mein wunderbarer Freund hat mir am Abend zur Belohnung eine große Pizza gemacht und ein Weinchen eingeschenkt und jetzt sind wir einfach nur noch unendlich erleichtert.

Und jetzt noch ein kleines Stöckchen, das ich bei Ashmodai mitgenommen habe:

Wenn ich nicht ich wäre, sondern…

… ein Monat: April
… ein Wochentag: Freitag
… eine Tageszeit: Abenddämmerung
… ein Planet: Erde
… ein Meerestier: Albatros oder Orca
… eine Richtung: kreuz und quer
… eine Zahl: 2
… ein Kleidungsstück: Hüttenschuhe
… ein Schmuckstück: Stirnband
… eine Kosmetik: Heilerde
… eine Blume oder eine Pflanze: Tulpe
… eine Flüssigkeit: Regenwasser
… ein Baum: eine Hainbuche
… ein Vogel: Elster
… ein Möbelstück: ein schöner alter Sekretär mit Intarsien und vielen kleinen Schublädchen
… ein Wetter: Sommerregen
… ein mythisches Wesen: ein Wurzelgnom oder sowas
… ein Tier: Wolf
… eine Farbe: erdbraun
… ein Element: eine wilde Mischung, schätze ich
… ein Auto: Suzuki Samurai
… ein Lied: Das Wasser (Wise Guys)
… ein Film: Frau Holle
… eine Filmfigur: Das Häuschen auf Hühnerbeinen aus „Väterchen Frost“
… eine Stimmung: launisch
… ein Körperteil: Ohren
… ein Gesichtsausdruck: fragend
… ein Schulfach: Gehörbildung
… ein Gegenstand: Schreibfeder
… ein Wort: Liebe
… ein Gefühl: Liebe
… ein Knabbergebäck: Schokolade
… eine Sportart: Wingsuit Base Jumping
… ein Getränk: Quellwasser
… eine Eissorte: Schokolade
… ein Märchen: Frau Holle
… ein Spielzeug: Fadenspiel
… ein Land: Kanada

11. Juli 2010

Update Renovatio

Wir bekamen 2 Tage nach der Besichtigung einen Brief vom Hausschreck, daß sie nach anwaltlicher Beratung nicht ein my von ihren Forderungen abweicht. Daraufhin fuhren wir zu meinen Eltern zum Brainstormen und entschieden, daß der Einkauf neuer Farbe und Farbrollen den Selbstbehalt der Versicherung vermutlich unterschreiten würde. Da wir außerdem so schnell wie möglich nicht mehr über die alte (Wohnung) nachdenken wollen, fuhren wir also in den Baumarkt, kauften für 80 Euronen Malerzubehör und haben gestern den ganzen Tag die Wohnung gemalert. Inklusive der Decken, versteht sich. Doppelter Anstrich überall. Bei 38 °C.
Diesmal haben wir sogar jede einzelne Steckdose abgeschraubt und liebevoll im Warmwasserbad geschrubbt, wobei mehrere Schichten älterer Farben zutage traten. Heute Vormittag sind wir noch einmal hingefahren und haben alles, was uns noch ungleichmäßig erschien, ein weiteres Mal überstrichen. Danach bin ich auf den Fensterbrettern herumbalanciert und habe jeden noch so kleinen Farbspritzer von den Rahmen gekratzwischt, während mein Freund noch einmal staubsaugte.
Morgen werde ich einen weiteren Übergabetermin ausmachen, und ich hoffe sehr, daß die Befürchtung meines Freundes, daß Hausschreck in jedem Fall irgendetwas beanstanden wird, das sie berechtigt, die Kaution einzubehalten, nicht eintritt. Für den Fall, daß sie glaubt, sich gegen ihn besonders aufplustern zu müssen, gehe ich allein.

Gestern Abend, als wir fertig waren, bin ich mit meinen Eltern und meinem Bruder und meiner Schwägerin baden gefahren. Himmel, war das schön! Ich war dieses Jahr überhaupt erst zweimal baden, was mir gar nicht ähnlich sieht. Ich wurde als 3jährige von meinen Eltern an den zweitgrößten See des Bundeslandes mitgenommen und sprintete ohne Nachzudenken sofort über den Steg und mit Volldampf ins tiefe Wasser. Nachdem meine Mutter voll Entsetzen hinterhergesprungen war und mich gerettet hatte, dachte ich natürlich mit Kleinkindlogik: Nochmaaaaaal! und wiederholte das lustige Spiel. 😀

Und, geht Ihr auch so gerne baden? Oder graust es Euch vor Wasserpflanzen und Kaulquappen?

6. Juli 2010

Geschenkeüberraschung und Wohnungsübergabe

(Achtung Schatz, in diesem Beitrag erscheint das böse H-Wort.)

Gestern früh gleich als erstes klingelte der Postmann bei mir und brachte mir, doch schneller als erwartet, das Schattenbuchpäckchen von Isinea. Leider ohne die Katzen drin. 😀 Aber: neben dem Buch mit der schönen gehäkelten Hülle fanden sich darin unendliche Leckereien – ein Biopesto Arrabbiata (und ich liebe scharfe Nudelsauce), eine Anrührmischung für Bio-Dinkelburger, ganz viele bunte Teebeutel und eine sehr schöne Karte.

Vielen Dank, liebe Isinea! Ich bin direkt beschämt, denn mein eigenes Buch hat millimetergenau in den praktischen Polsterumschlag gepaßt und so hat Alexis leider gar nichts Persönliches von mir bekommen.

Am Vormittag kam dann Schwester B zu Besuch zum neue Wohnung angucken und einfach mal tratschen. Sie brachte mir diese

Sonnenblume mit und noch eine kleinere im Topf sowie jede Menge selbstgemachtes Einweckobst, Sirup und Mus. Mein eigenes Pflänzchen übrigens, falls Ihr Euch erinnert, ist ebenfalls zu einer stattlichen Sonnenblume geworden, die derartig begeistert in die Höhe schoss, daß ich sie meinen Eltern für den Garten gegeben habe, denn auf der Fensterbank begann sie schon zu welken.

B und ich redeten über vieles, unter anderem über die Hochzeit, da sie ja die Deko-Hauptverantwortliche ist. Sie ist ein Fan von – wer hätte das gedacht – Sonnenblumen, und da die gut in die Jahreszeit passen, wollte sie die ganze Feier am liebsten mit Sonnenblumen dekorieren. Das konnte ich gerade noch verhindern, denn ich bin ein Fan von Vielfalt und hätte gerne mehr als eine Sorte Blumen da.
Wir fuhren spontan aufs Dorf zum Floristen unseres Vertrauens und fragten mal unverbindlich nach einem Brautstrauß, und bekamen auch tatsächlich eine freundliche und sehr ergiebige Fachberatung. Die Floristin war ganz begeistert, daß wir nicht in der ersten Augustwoche heiraten wie offenbar jedes andere Paar in der Gegend, und daß ich eher der bäurische unelegante natürliche Typ bin und mal keinen Brautstrauß mit Perlen und Seidenschleife möchte.
Es wird vermutlich etwas knubbeliges orange-rotes aus kleinen Rosen und Germini mit viel Frauenmantel.

Am Nachmittag dann, nachdem ich meine Schwester noch bei einigen Freundinnen abgesetzt hatte, rief mich meine Mutter an, ob ich noch kommen würde. Ich war erst perplex, weil sie zum einen nie so früh zu Hause war, und wir zum anderen zu 16 Uhr zur Wohnungsübergabe verabredet gewesen wären, aber sie meinte, meine Klavierschülerin wäre da und würde warten. AAARRGH. Zum Thema Klavierschülerin – bzw., da das arme Kind ja nicht viel dafür kann, zum Thema elende Mütter – muß ich wohl wirklich mal einen eigenen Beitrag schreiben. Ich raste also zurück ins Dorf, unterrichtete ein hyperaktives Kind, und raste dann mit Mutter im Schlepptau zurück in die Stadt.

Und jetzt ging es los. Um 4 sollte die Übergabe sein. Die Verwalterin hätte es lieber gehabt, wenn ich dabei alleine gewesen wäre, ich hatte jedoch darauf bestanden, meinen Freund mitzunehmen, schließlich hat der ja auch da gewohnt. Weil wir uns schon dachten, sie würde es darauf anlegen, die Wohnung nicht abzunehmen – sie hat sie mit einem deutlich höheren Mietpreis annonciert, als wir bezahlt haben, und so schön die Wohnung ist, das ist sie auch wieder nicht wert -, denn von den insgesamt 2 (!) Interessenten, die sie mir geschickt hat, hat keiner die Wohnung gewollt, obwohl ich wirklich Werbung gemacht habe. Also, denkt sich Frau Verwalterin, behält sie eben die Kaution zurück.

Ich kann ihre Verhalten kaum angemessen beschreiben, aber es begann schon damit, daß sie mir zuerst, anstelle einer Begrüßung, vorwurfsvoll entgegenschleuderte, ich sei zu spät, wir seien doch schon „vor vier“ verabredet gewesen. Nun, waren wir nicht – sie hatte nur unser Termintelefonat letzte Woche mit den Worten beendet „sollten Sie früher da sein als Ihr Freund, könnten wir ja schon anfangen“. Dieser rotzfrech-anschuldigende Tonfall blieb die ganze Zeit, und wir waren letztlich eine ganze Stunde mit dem Hausschreck in der Wohnung!

Als wir eingezogen waren, war das Wohnzimmer an 3 Seiten milchkaffeebraun gestrichen, an der 4. Seite dunkelbraun. Das war uns ganz recht, denn es ist ein riesiger Raum, der etwas Abwechslung verträgt. Die Küche war dunkelrot, das Schlafzimmer in einem sehr hellen zitronengelb. Wir fanden das schön und haben es beibehalten und haben außerdem vereinbart, daß wir bei Auszug streichen, und zwar in weiß oder neutral hellen Farben, also wie üblich. Das haben wir gemacht – wir haben diese 3 Zimmer weiß gestrichen. Die Decken haben wir nicht gestrichen. Im Wohnzimmer und in der Küche waren sie weiß, im Schlafzimmer leider in irgendeinem verwaschenen pseudoweiß mit einer weißen Zierkante. Und aus dieser Kante begann nun Frau Verwalterin unseren Strick zu drehen. Sie wiederholte die Behauptung, da seien „Schatten“ an Wänden und Decke, die übergestrichen werden müßten, so oft, daß das Wort eine völlig neue Bedeutung für mich bekam. Habt Ihr schonmal ein beliebiges Wort ganz oft ganz schnell wiederholt? So fühlte sich das an.
Als sie jedoch dasselbe im Flur bemängelte, den wir nicht gestrichen hatten, weil die Wände dort schon immer weiß waren und total in Ordnung keinen Anstrich nötig hatten, ignorierte sie diesen Hinweis. Nein, da seien Schatten an der Decke, wo man sähe, wo wir aufgehört hätten zu malern. Mein Freund war kurz davor, auf und ab zu springen, weil sie nicht begreifen wollte, was wir sagten, sondern einfach jede Information, die ihrem eindeutig vorher zurechtgelegten Kritikkatalog zuwiderlief, gekonnt ignorierte.

Wir boten ihr an, die Wände ein weiteres Mal weiß zu streichen und auch die von ihre zu Recht beanstandeten weißen Flecken vom Malern auf den Steckdosen wegzuputzen. Doch das reichte ihr nicht, nein, sie wollte weiße Decken. Genaugenommen wollte sie eine neuwertige Wohnung. Dafür, daß wir dort nur 2 Jahre gewohnt haben und die in dieser Zeit gezahlte Miete ja rein theoretisch nicht nur der persönlichen Bereicherung des Besitzers dient, fanden wir das übertrieben. Als wir sagten, wir würden die Wände noch einmal streichen, ging sie nicht nur nicht darauf ein, sondern sagte, dann müßten wir aber eine Nutzungsgebühr bezahlen.
Mama (die arbeitsbedingt selbst Wohnungen vermietet): Nutzungsgebühr für eine leerstehende Wohnung?
Hausschreck: Na, wer soll denn die Kosten decken?
Mama: Welche Kosten denn, wenn niemand hier wohnt?
Hausschreck: Na, MEINE Kosten!
Ich: Ach, Sie meinen die Kosten, die Ihnen daraus entstehen, daß Sie die Wohnung noch nicht vermittelt haben?
Hausschreck (empört): Na ist doch kein Wunder – wer zieht denn in so eine Wohnung mit solchen Schatten an den Decken? Und überhaupt, ich habe schon jemanden für die Vermittlung beauftragt!
Ich: Vielleicht liegt es auch daran, daß der Mietpreis für 8 qm Küche und 4 qm Bad in einer 75 qm Wohnung etwas hoch gegriffen ist?
Hausschreck: Nein, daran liegt es nicht, gucken Sie sich mal den Mietspiegel an. Also so nehme ich die Wohnung nicht ab… blabla.

An dieser Stelle wurde mein Freund, der sich vorher ziemlich aufgeregt hatte, plötzlich ganz ruhig. Ich liebe es, wenn er das tut. Und sagte dann: Frau Hausschreck, Sie möchten die Wohnung so nicht abnehmen, wir haben angeboten, die Wände komplett neu zu streichen und die Wohnung von allen noch verbleibenden Farbrückständen zu reinigen, wir werden Ihnen jedoch keine neue Wohnung schenken. Sollten Sie weiterhin nicht kompromissbereit sein, werden wir das anwaltlich klären müssen.

Und so kam es. Mein Freund machte einige Fotos – na, wer ist hier mißtrauisch und bringt eine Kamera mit? – von den betreffenden Wänden und Decken, ging dann noch zum Auto, eine Zange suchen („Da ist noch ein Nagel in der Wand!“), und meine Mutter stellte sich vor das Bad, in dem der steinern schweigende Hausschreck die Wasseruhr ablas und machte alle 5 Sekunden Bemerkungen wie „Mir wurde als Kind beigebracht, wenigstens auf Augenhöhe mit den Leuten zu reden“ und „Ich finde, für die tausende Euro, die Ihr in den letzten 2 Jahren bezahlt habt, sollte ein angemessener Umgangston schon zu erwarten sein“ und so weiter. Wer meine stets beschwichtigende, nachgiebige Mutter kennt, weiß, daß sie so etwas noch nie in ihrem Leben gemacht hat und auch nicht machen würde, wenn sie nicht selbst fassungslos gewesen wäre.

Wir verließen den Ort des Schreckens, luden meine Mutter noch auf ein Eis ein und dann fuhr sie nach Hause, nur um eine halbe Stunde später anzurufen und zu erklären, daß Vati sagte, er hätte genauso gehandelt wie wir. Was für eine Absolution!

Die Tatsache, daß Frau Hausschreck die eine Sache nicht beanstandet hat, ja nicht einmal bemerkt hat, die sie tatsächlich hätte beanstanden können, nämlich das schon recht abgenutzte Parkett, zeigt mir deutlich, daß sie sich bestimmte Kritikpunkte vorgenommen hat, die vermutlich nach ihrer Erfahrung immer noch ein paar hundert Euro aus den Mietern herausholen.
Ihre eigene Aussage auf unsere Frage, ob sie wirklich einen Rechtsstreit wolle, war: Na, einen Versuch ist es doch immer wert.
Sie wußte, was sie kritisieren würde, bevor sie in der Wohnung war. Ist das nicht abartig? Oder ist das vielleicht normal? Ich meine, wir sind glücklicherweise rechtschutzversichert, aber das macht die Sache vom menschlichen Standpunkt nicht weniger ärgerlich.

So, genug ausgekotzt. Zeit für einen weiteren Kaffee!

4. Juli 2010

It’s too darn hot!

Gestern: alte Wohnung schrubben, zu viele Kirschen essen, mit Freund streiten, baden fahren, Schlangen beobachten, kleine Fahrradtour, selbstgemachte Erdbeerbowle, mit Freund versöhnen, und die ganze Zeit:

Außerdem sind meine TANs beim Umzug flöten gegangen, so daß ich nun die Miete nicht überweisen kann. Ich habe vor einer Woche um dringende Nachsendung einer neuen Liste gebeten. 😦
Auch mit dem Schattenbuchprojekt kann ich noch nicht anfangen, weil Hermes da vielleicht ein wenig länger braucht. Aber unsere Hermesfrau hier in der Stadt kennt mich ja und freut sich immer, wenn sie mich sieht – es gibt offenbar zu wenige Leute, die abends arbeiten und vormittags zu Hause erreichbar sind.
Heute: Gardinenstange in meinem Arbeitszimmer angebracht. Ich habe vor einigen Wochen auf dem Flohmarkt 2 Stenze erstanden; den einen, etwas zarteren, habe ich sofort über meinem Fenster hängen sehen, der andere schreit regelrecht nach magischem Gebrauch. Mal sehen, wann’s mal paßt. Ich war eigentlich nie so ein Freund von Zauberstäben, weil mir das immer lächerlich vorkam, aber so ein anderthalb Meter langer unregelmäßiger Ast mit Windungen und allem Drum und Dran, das fühlt sich irgendwie richtig stimmig an.
Dann noch eine Holzjalousie vor dem Küchenfenster angebracht, damit ich unbeobachtet frühstücken kann. Momentan ist die Küche der Ort der Wahl, denn die geht nach Norden. So, dann mache ich mal weiter mit meinen Versuchen, Gemütlichkeit in der Wohnung zu verursachen. Oder wenigstens Ordnung.

1. Juli 2010

Juli

Und der brachte mir mehrere Erkenntnisse:

– Seit die Stadt auf den Straßen Radfahrerstreifen freigestellt hat, fahren die Radfahrer nicht mehr am Straßenrand (im jetzigen Radfahrerstreifenbereich) sondern ganz klar links daneben auf der Straße. Könnt ja sein, daß auf dem Fahrradstreifen ein Fußgänger kommt?!?

– Obst aus dem eigenen (naja, elterlichen) Garten ist einfach das leckerste.

– Schafe können Zwillinge kriegen.

– Mein Papa ist der Beste.

– Eine Kellerwohnung war die richtige Entscheidung im Hinblick auf die Außentemperatur.

– Und ich kann doch Fertigmischungen kochen!