Geschenkeüberraschung und Wohnungsübergabe

(Achtung Schatz, in diesem Beitrag erscheint das böse H-Wort.)

Gestern früh gleich als erstes klingelte der Postmann bei mir und brachte mir, doch schneller als erwartet, das Schattenbuchpäckchen von Isinea. Leider ohne die Katzen drin. 😀 Aber: neben dem Buch mit der schönen gehäkelten Hülle fanden sich darin unendliche Leckereien – ein Biopesto Arrabbiata (und ich liebe scharfe Nudelsauce), eine Anrührmischung für Bio-Dinkelburger, ganz viele bunte Teebeutel und eine sehr schöne Karte.

Vielen Dank, liebe Isinea! Ich bin direkt beschämt, denn mein eigenes Buch hat millimetergenau in den praktischen Polsterumschlag gepaßt und so hat Alexis leider gar nichts Persönliches von mir bekommen.

Am Vormittag kam dann Schwester B zu Besuch zum neue Wohnung angucken und einfach mal tratschen. Sie brachte mir diese

Sonnenblume mit und noch eine kleinere im Topf sowie jede Menge selbstgemachtes Einweckobst, Sirup und Mus. Mein eigenes Pflänzchen übrigens, falls Ihr Euch erinnert, ist ebenfalls zu einer stattlichen Sonnenblume geworden, die derartig begeistert in die Höhe schoss, daß ich sie meinen Eltern für den Garten gegeben habe, denn auf der Fensterbank begann sie schon zu welken.

B und ich redeten über vieles, unter anderem über die Hochzeit, da sie ja die Deko-Hauptverantwortliche ist. Sie ist ein Fan von – wer hätte das gedacht – Sonnenblumen, und da die gut in die Jahreszeit passen, wollte sie die ganze Feier am liebsten mit Sonnenblumen dekorieren. Das konnte ich gerade noch verhindern, denn ich bin ein Fan von Vielfalt und hätte gerne mehr als eine Sorte Blumen da.
Wir fuhren spontan aufs Dorf zum Floristen unseres Vertrauens und fragten mal unverbindlich nach einem Brautstrauß, und bekamen auch tatsächlich eine freundliche und sehr ergiebige Fachberatung. Die Floristin war ganz begeistert, daß wir nicht in der ersten Augustwoche heiraten wie offenbar jedes andere Paar in der Gegend, und daß ich eher der bäurische unelegante natürliche Typ bin und mal keinen Brautstrauß mit Perlen und Seidenschleife möchte.
Es wird vermutlich etwas knubbeliges orange-rotes aus kleinen Rosen und Germini mit viel Frauenmantel.

Am Nachmittag dann, nachdem ich meine Schwester noch bei einigen Freundinnen abgesetzt hatte, rief mich meine Mutter an, ob ich noch kommen würde. Ich war erst perplex, weil sie zum einen nie so früh zu Hause war, und wir zum anderen zu 16 Uhr zur Wohnungsübergabe verabredet gewesen wären, aber sie meinte, meine Klavierschülerin wäre da und würde warten. AAARRGH. Zum Thema Klavierschülerin – bzw., da das arme Kind ja nicht viel dafür kann, zum Thema elende Mütter – muß ich wohl wirklich mal einen eigenen Beitrag schreiben. Ich raste also zurück ins Dorf, unterrichtete ein hyperaktives Kind, und raste dann mit Mutter im Schlepptau zurück in die Stadt.

Und jetzt ging es los. Um 4 sollte die Übergabe sein. Die Verwalterin hätte es lieber gehabt, wenn ich dabei alleine gewesen wäre, ich hatte jedoch darauf bestanden, meinen Freund mitzunehmen, schließlich hat der ja auch da gewohnt. Weil wir uns schon dachten, sie würde es darauf anlegen, die Wohnung nicht abzunehmen – sie hat sie mit einem deutlich höheren Mietpreis annonciert, als wir bezahlt haben, und so schön die Wohnung ist, das ist sie auch wieder nicht wert -, denn von den insgesamt 2 (!) Interessenten, die sie mir geschickt hat, hat keiner die Wohnung gewollt, obwohl ich wirklich Werbung gemacht habe. Also, denkt sich Frau Verwalterin, behält sie eben die Kaution zurück.

Ich kann ihre Verhalten kaum angemessen beschreiben, aber es begann schon damit, daß sie mir zuerst, anstelle einer Begrüßung, vorwurfsvoll entgegenschleuderte, ich sei zu spät, wir seien doch schon „vor vier“ verabredet gewesen. Nun, waren wir nicht – sie hatte nur unser Termintelefonat letzte Woche mit den Worten beendet „sollten Sie früher da sein als Ihr Freund, könnten wir ja schon anfangen“. Dieser rotzfrech-anschuldigende Tonfall blieb die ganze Zeit, und wir waren letztlich eine ganze Stunde mit dem Hausschreck in der Wohnung!

Als wir eingezogen waren, war das Wohnzimmer an 3 Seiten milchkaffeebraun gestrichen, an der 4. Seite dunkelbraun. Das war uns ganz recht, denn es ist ein riesiger Raum, der etwas Abwechslung verträgt. Die Küche war dunkelrot, das Schlafzimmer in einem sehr hellen zitronengelb. Wir fanden das schön und haben es beibehalten und haben außerdem vereinbart, daß wir bei Auszug streichen, und zwar in weiß oder neutral hellen Farben, also wie üblich. Das haben wir gemacht – wir haben diese 3 Zimmer weiß gestrichen. Die Decken haben wir nicht gestrichen. Im Wohnzimmer und in der Küche waren sie weiß, im Schlafzimmer leider in irgendeinem verwaschenen pseudoweiß mit einer weißen Zierkante. Und aus dieser Kante begann nun Frau Verwalterin unseren Strick zu drehen. Sie wiederholte die Behauptung, da seien „Schatten“ an Wänden und Decke, die übergestrichen werden müßten, so oft, daß das Wort eine völlig neue Bedeutung für mich bekam. Habt Ihr schonmal ein beliebiges Wort ganz oft ganz schnell wiederholt? So fühlte sich das an.
Als sie jedoch dasselbe im Flur bemängelte, den wir nicht gestrichen hatten, weil die Wände dort schon immer weiß waren und total in Ordnung keinen Anstrich nötig hatten, ignorierte sie diesen Hinweis. Nein, da seien Schatten an der Decke, wo man sähe, wo wir aufgehört hätten zu malern. Mein Freund war kurz davor, auf und ab zu springen, weil sie nicht begreifen wollte, was wir sagten, sondern einfach jede Information, die ihrem eindeutig vorher zurechtgelegten Kritikkatalog zuwiderlief, gekonnt ignorierte.

Wir boten ihr an, die Wände ein weiteres Mal weiß zu streichen und auch die von ihre zu Recht beanstandeten weißen Flecken vom Malern auf den Steckdosen wegzuputzen. Doch das reichte ihr nicht, nein, sie wollte weiße Decken. Genaugenommen wollte sie eine neuwertige Wohnung. Dafür, daß wir dort nur 2 Jahre gewohnt haben und die in dieser Zeit gezahlte Miete ja rein theoretisch nicht nur der persönlichen Bereicherung des Besitzers dient, fanden wir das übertrieben. Als wir sagten, wir würden die Wände noch einmal streichen, ging sie nicht nur nicht darauf ein, sondern sagte, dann müßten wir aber eine Nutzungsgebühr bezahlen.
Mama (die arbeitsbedingt selbst Wohnungen vermietet): Nutzungsgebühr für eine leerstehende Wohnung?
Hausschreck: Na, wer soll denn die Kosten decken?
Mama: Welche Kosten denn, wenn niemand hier wohnt?
Hausschreck: Na, MEINE Kosten!
Ich: Ach, Sie meinen die Kosten, die Ihnen daraus entstehen, daß Sie die Wohnung noch nicht vermittelt haben?
Hausschreck (empört): Na ist doch kein Wunder – wer zieht denn in so eine Wohnung mit solchen Schatten an den Decken? Und überhaupt, ich habe schon jemanden für die Vermittlung beauftragt!
Ich: Vielleicht liegt es auch daran, daß der Mietpreis für 8 qm Küche und 4 qm Bad in einer 75 qm Wohnung etwas hoch gegriffen ist?
Hausschreck: Nein, daran liegt es nicht, gucken Sie sich mal den Mietspiegel an. Also so nehme ich die Wohnung nicht ab… blabla.

An dieser Stelle wurde mein Freund, der sich vorher ziemlich aufgeregt hatte, plötzlich ganz ruhig. Ich liebe es, wenn er das tut. Und sagte dann: Frau Hausschreck, Sie möchten die Wohnung so nicht abnehmen, wir haben angeboten, die Wände komplett neu zu streichen und die Wohnung von allen noch verbleibenden Farbrückständen zu reinigen, wir werden Ihnen jedoch keine neue Wohnung schenken. Sollten Sie weiterhin nicht kompromissbereit sein, werden wir das anwaltlich klären müssen.

Und so kam es. Mein Freund machte einige Fotos – na, wer ist hier mißtrauisch und bringt eine Kamera mit? – von den betreffenden Wänden und Decken, ging dann noch zum Auto, eine Zange suchen („Da ist noch ein Nagel in der Wand!“), und meine Mutter stellte sich vor das Bad, in dem der steinern schweigende Hausschreck die Wasseruhr ablas und machte alle 5 Sekunden Bemerkungen wie „Mir wurde als Kind beigebracht, wenigstens auf Augenhöhe mit den Leuten zu reden“ und „Ich finde, für die tausende Euro, die Ihr in den letzten 2 Jahren bezahlt habt, sollte ein angemessener Umgangston schon zu erwarten sein“ und so weiter. Wer meine stets beschwichtigende, nachgiebige Mutter kennt, weiß, daß sie so etwas noch nie in ihrem Leben gemacht hat und auch nicht machen würde, wenn sie nicht selbst fassungslos gewesen wäre.

Wir verließen den Ort des Schreckens, luden meine Mutter noch auf ein Eis ein und dann fuhr sie nach Hause, nur um eine halbe Stunde später anzurufen und zu erklären, daß Vati sagte, er hätte genauso gehandelt wie wir. Was für eine Absolution!

Die Tatsache, daß Frau Hausschreck die eine Sache nicht beanstandet hat, ja nicht einmal bemerkt hat, die sie tatsächlich hätte beanstanden können, nämlich das schon recht abgenutzte Parkett, zeigt mir deutlich, daß sie sich bestimmte Kritikpunkte vorgenommen hat, die vermutlich nach ihrer Erfahrung immer noch ein paar hundert Euro aus den Mietern herausholen.
Ihre eigene Aussage auf unsere Frage, ob sie wirklich einen Rechtsstreit wolle, war: Na, einen Versuch ist es doch immer wert.
Sie wußte, was sie kritisieren würde, bevor sie in der Wohnung war. Ist das nicht abartig? Oder ist das vielleicht normal? Ich meine, wir sind glücklicherweise rechtschutzversichert, aber das macht die Sache vom menschlichen Standpunkt nicht weniger ärgerlich.

So, genug ausgekotzt. Zeit für einen weiteren Kaffee!

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13 Kommentare to “Geschenkeüberraschung und Wohnungsübergabe”

  1. Huhu!

    >>so hat Alexis leider gar nichts Persönliches von mir bekommen.

    Mach dir nichts draus, ist nicht schlimm 🙂
    Amala hat von mir auch nichts bekommen, da ich es ihr direkt vorbei gebracht hab. 😀 😀

    LG
    Alexis

  2. Na toll. 🙂 Das schmerzt. 😀
    Ich kann leider nicht eben mal vorbeikommen, obwohl Amala so von Eurem Landstrich schwärmt, daß es mich echt reizen würde. Mal sehen, vielleicht fahren wir ja in den Flitterwochen in der Nähe vorbei.

  3. „Amala hat von mir auch nichts bekommen, da ich es ihr direkt vorbei gebracht hab“ – stimmt. das kannste ja noch nachholen. ich bin da nicht so 😛

    boar, diese auszugs-choose kommt mir in ähnlicher form bekannt vor. unser vermieter hat die übergabe schlicht VERGESSEN. da saßen wir also, alle möbel bereits auf dem weg nach waghäusel, wir wollten noch was essen (es war 17 uhr abends, wir waren seit 5 uhr wach) und mußten danach mit quengeligem kleinkind 3,5 stunden autofahren….jaha, das war auch ein spaß….

  4. ach so….wenn ihr hier vorbeikommt, meld dich doch mal 🙂 telefonnummer hast du ja. ich kann tee kochen. oder so.

  5. Zitat von Amala:>>>ich kann tee kochen. oder so.

    ROFL! ja kann sie. Sogar sehr gut 🙂

  6. ach ja noch was @2Wölfe: Ich hab mich jetzt endlich zur Post bequemt. Schönes Gedicht 😉

    LG
    Alexis

  7. @Amala: Sollte uns unsere Route tatsächlich bei Euch vorbeiführen und mein dannMann das mit sich machen lassen, komme ich sehr gerne und nehme den Tee in Anspruch. Sollte sich eine von Euch – oder alle? – mal in den Osten verirren: ich mache sehr leckeren Biokaffe mit der Handmühle. Und hier gibt’s echte Wölfe in der Nähe.

    @Alexis: Das ist „Der Vogel“ von Wolfgang Borchert und es ist das einzige Gedicht, das ich kenne, das so in die pagane Richtung geht und es rührt mich im Allertiefsten an, seit ich es kenne, als Teenie, lange vor Beginn meines naturreligiösen Interesses. Irgendwie schafft es, mich immer und überall zu trösten, egal, was passiert ist und es schafft diese besondere Atmosphäre im Inneren. Sonst mag ich Borchertsachen eigentlich gar nicht so – so deprimierend alles.

  8. Du meine Güte… ich kenne solche Vermieter auch. Und hatte auch schon das Vergnügen, mein Allerliebster hatte allerdings noch weniger Glück.

    Beim Auszug hört die Freundlichkeit auf. Und die Vermieterin wird auch sehr bald sehen, dass sie beim Anwalt keine Chance hat 😉

  9. Es ist immer wieder erschütternd, was für „nette“ Zeitgenossen es doch gibt. Wir haben so eine nette Nachbarin, die schier Schreikrämpfe bekommt, weil ein paar unserer Walderdbeeren beim Abfallen Flecken auf ihrem maroden Teerweg machen, ganz zu schweigen von den ganzen wilden Samen aus unserem Garten, die sich über ihren 5 cm hohen Rasen hermachen und ihn zerstören wollen….
    Eine Rechtschutzversicherung ist heutzutage in Deutschland leider ziemlich wichtig geworden 😦
    Ich halte euch die Daumen.
    LG Alruna

  10. @Sea: Genau – wenn Du einziehst, wirst Du umschwärmt, doch ziehst Du aus… Und dabei haben wir ihr sogar mit der Wohnungskündigung gesagt, daß wir nur mehr Zimmer wollen, und ob sie nicht im Haus noch eine 3-Zimmer-Wohnung freihätte, da wir sehr gerne dort gewohnt haben. Aber da hat sie sich einfach mal nicht gekümmert. Mittlerweile ist unser Friseur, in dessen unmittelbare Nähe wir nun gezogen sind, seinerseits in das alte Haus eingezogen. 😀 Allerdings hat er eine Wohnung gekauft und er bestätigte: Frau Hausschreck ist schon fast unanständig nett zu ihm.

    @Alruna: Jaja, die lieben Leute, die tolerant sind, solange es sie selbst nicht betrifft. Das Thema hatten wir doch schonmal? 🙂

  11. Ich finde es unendlich traurig, dass fast immer (bei mir war es in 99% der Fälle so) der Vermieter/Vermieterin sichspätestens beim Auszug als Soziopath outet. Egal, wie gut das Verhältnis vorher war, wenn Du ausziehst bist Du plötzlich die Obersau, die die Wohnung komplett verunstaltet, vandaliert, zerstört und eingedreckt hat. Klar, geht natürlich darum die kaution berhalten zu düfen.
    Wie gesagt, traurig, das Ganze.

  12. Von Toleranz kann bei unserer Dame in keiner Hinsicht die Rede sein. Gestern waren die Nachbarn neben uns dran, die rund gemacht wurden, weil sie einen Beerenstrauch zu dicht an ihren Garten gepflanzt hätten. Sie mussten ihn tatsächlich wieder ausgraben, weil gleich mit Anzeige gedroht wurde. Das sind so Dinge, die ich einfach nicht verstehen kann. Uns wächst von einem Nachbarn auch wilder Wein über unser frisch verputztes und noch ungestrichenes Mauerwerk rüber. So what? Dann streichen wir es eben erst im nächsten Frühling. Wie kann man in solche Kleinigkeiten so viel negative Energie geben? Muss man sich wirklich über alles gleich so aufregen? Das ist es eben, was einen menschlich so enttäuscht, denn der Ton macht doch die Musik. Wenn sie einem ruhig sagen würde, dass sie das stört und ob man das nicht vielleicht anders machen könnte, dann macht man das doch. Ist doch alles kein Problem. Aber wenn gedroht und man angeschrien wird…
    Ich wünsche euch viel Erfolg, dass es ohne Rechtsstreit abläuft.

  13. @Alruna: Vielen Dank für die guten Wünsche! Wir wünschen auch.
    Und so einen Nachbarn hatten meine Eltern früher – der Pflaumenbaum streckte 2 Äste über den Zaun. Meine Güte, hätte der Kerl einfach gepflückt und sich gefreut…

    @Diana: Wir haben langsam den Eindruck, die Frau sieht als als ihren Job an, uns eine neuwertige Wohnung rauszuleiern und TROTZDEM die Kaution einzubehalten. Weil man das halt so macht. Oder so.

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