Wohnung die 3. und Stöckchen

Hallo allerseits!

Aaaalso: Gleich am Montag nach der letzten Renovatio hatte ich den zweiten Termin zur Wohnungsübergabe. Diesmal war ich allein, da meine Eltern in Urlaub waren und mein Freund aus Gründen der Deeskalation zu Hause blieb. Hausschrecks erster Satz war, wie erwartet: „Da sind ja immer noch Schatten an den Wänden!“ Danach erklärte sie mir, es sähe aus, als hätten wir diesmal nur die Decken gestrichen, wenn überhaupt renoviert. Ich war fassungslos. Ihr Argument war übrigens ein hauchzartes Spinnweb an der Decke.
Sie: Hätten Sie renoviert, wären hier keine Spinnweben, oder wie erklären Sie sich, wo das herkommt?
Ich: Es ist Hochsommer und die Fenster sind ständig angekippt, da hätte ich schon eine Erklärung.
Sie: Aber doch nicht innerhalb von 2 Tagen!

Tja, was sagt man da? Daß sich in meinem Auto manchmal ein kleines Spinnchen innerhalb von 2 Stunden häuslich einrichtet? Nein, was mich beleidigt hat, war diese Unterstellung des Nichtstuns nach allem, was wir getan hatten. Und das habe ich Ihr dann auch deutlich gesagt: Uns zu unterstellen, wir hätten nicht gemalert und würden sie dahingehend belügen, empfinde ich als jenseits aller Grenzen des Anstands. Das war das erste Mal, daß ich ihren Redesermon kurz unterbrechen konnte.
Und dann kam Thema Nr. 2: Da sind ja noch überall Farbflecken. „Also, das werden Sie doch verstehen, in so einem Zustand kann man doch keine Wohnung anbieten!“
Aaaargh. Jetzt wurde ich schon wirklich, wirklich ungeduldig bis stinkig und baute mich schließlich vor ihr auf und sagte: Gut, können wir uns darauf einigen, daß ich noch einmal die gesamte Wohnung reinigen werde und daß Sie dann endlich zufrieden sind? Damit erklärte sie sich zögernd einverstanden und wir vereinbarten einen dritten Termin am Donnerstag.
Am Mittwoch kaufte mein Freund noch einmal Farbe und strich die Stellen, die sie mir am Montag vorgehalten hatte, ein weiteres Mal. Am Donnerstag rutschte ich geschlagene 6 Stunden auf den Knien durch die Wohnung bzw. balancierte auf einem Stuhl, und schrubbte die Farbflecken von den Fußleisten, Tür- und Fensterrahmen und wischte die Scheiben. Übrigens war rund ein Drittel dieser Farbflecke braun. Hm. Mein Vormieter hatte die Wände braun gestrichen. Seltsam, daß uns damals die Wohnung in so einem Zustand angeboten wurde… Und was müssen wir nur für Leute sein, daß uns ein paar hellbraune Farbflecken auf den Fußleisten nie gestört haben…?
Um halb fünf kam mein Schatz und brachte mir 2 Joghurt und einen Sack Kirschen. Vor Wut darüber, für diese Kuh alleine 3 Stunden im Wohnzimmer auf den Knien zu rutschen, und weil ich schon Krämpfe in beiden Handgelenken und 2 Schwämme so abgenutzt hatte, daß ich nur noch mit bloßer Körperkraft putzen konnte, standen mir die Tränen schon bis zur Nasenspitze, und darüberhinaus hatte ich keine Zeit für ein Mittagessen, also rettete er mir den Tag.
Dann rief ich meine Eltern an, die einen Tag früher aus dem Urlaub gekommen waren, um bei der Besichtigung dabei zu sein, und bat darum, daß unbedingt mein Vater mitkommt. Er ist nämlich der Meister des schweigend Dastehens. Meine Eltern und ich waren etwas früher da als der Hausschreck. Sie betrat die Wohnung, sah meinen Vater ruhig schweigend dastehen, und statt so wie sonst zuerst mal einen Vorwurf wie „Sie sind zu spät“ oder „Da sind ja immer noch Schatten an den Wänden“ in den Raum zu stellen (ob’s stimmt oder nicht, man ist erstmal in der rechtfertigenden Position), sagte Sie: „Oh, guten Tag.“ HA!
Exkurs: In den 70ern wollte meine Mutter meiner damals 7- oder 8-jährigen Schwester B Schuhe kaufen. B wollte ein ganz bestimmtes Paar, was in der DDR sowieso nicht immer ganz einfach war, und die im Verkaufsraum ausgestellte Größe war ihr zu klein. Die Verkäuferin war pampig und weigerte sich, der Bitte meiner Mutter nachzukommen und im Lager nach der richtigen Größe zu suchen. Wutschnaubend aber längst nicht geschlagen ging meine Mutter nach Hause, drückte meinem Vater das Kind in die Hand und schickte ihn in den Schuhladen. Er bekam die Schuhe innerhalb von 5 Minuten.

Nunja, der Papa-Effekt trat ein. Plötzlich hieß es: „Hm, da sind immer noch Schatten an den Wänden, aber nachdem Sie renoviert haben, kann ich mir jetzt auch nicht erklären, wo die jetzt noch herkommen.“ Und, als kleine Stichelei zum Abschied: „Hätten Sie das gleich so gemacht, hätten Sie uns beiden einiges erspart.“ Im Beisein meiner Eltern wollte ich ihren Kopf nicht gegen die Wand schlagen; außerdem hätten wir dann nochmal streichen müssen, also lächelte ich. Ich bin echt gut im Lächeln.

Als wir alles unterschrieben, verlassen und die Schlüssel abgegeben hatten, kam mein Vater nochmal zu mir ans Auto und sagte seinen ersten Satz an diesem Nachmittag: „Wenn die Olle noch mit dem dicken Ende nachkommt, laßt Euch auf nichts mehr ein – ich bezahle Euch gerne den Selbstbehalt der Rechtschutzversicherung.“ So etwas sieht meinem Vater eigentlich nicht ähnlich, aber wenn er mal jemanden nicht mag, dann zieht er das auch durch. 🙂

Naja, langer Schriebs, kurzer Sinn: Wir haben’s geschafft. Puh.
Mein wunderbarer Freund hat mir am Abend zur Belohnung eine große Pizza gemacht und ein Weinchen eingeschenkt und jetzt sind wir einfach nur noch unendlich erleichtert.

Und jetzt noch ein kleines Stöckchen, das ich bei Ashmodai mitgenommen habe:

Wenn ich nicht ich wäre, sondern…

… ein Monat: April
… ein Wochentag: Freitag
… eine Tageszeit: Abenddämmerung
… ein Planet: Erde
… ein Meerestier: Albatros oder Orca
… eine Richtung: kreuz und quer
… eine Zahl: 2
… ein Kleidungsstück: Hüttenschuhe
… ein Schmuckstück: Stirnband
… eine Kosmetik: Heilerde
… eine Blume oder eine Pflanze: Tulpe
… eine Flüssigkeit: Regenwasser
… ein Baum: eine Hainbuche
… ein Vogel: Elster
… ein Möbelstück: ein schöner alter Sekretär mit Intarsien und vielen kleinen Schublädchen
… ein Wetter: Sommerregen
… ein mythisches Wesen: ein Wurzelgnom oder sowas
… ein Tier: Wolf
… eine Farbe: erdbraun
… ein Element: eine wilde Mischung, schätze ich
… ein Auto: Suzuki Samurai
… ein Lied: Das Wasser (Wise Guys)
… ein Film: Frau Holle
… eine Filmfigur: Das Häuschen auf Hühnerbeinen aus „Väterchen Frost“
… eine Stimmung: launisch
… ein Körperteil: Ohren
… ein Gesichtsausdruck: fragend
… ein Schulfach: Gehörbildung
… ein Gegenstand: Schreibfeder
… ein Wort: Liebe
… ein Gefühl: Liebe
… ein Knabbergebäck: Schokolade
… eine Sportart: Wingsuit Base Jumping
… ein Getränk: Quellwasser
… eine Eissorte: Schokolade
… ein Märchen: Frau Holle
… ein Spielzeug: Fadenspiel
… ein Land: Kanada

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4 Kommentare to “Wohnung die 3. und Stöckchen”

  1. Mann Mann Mann.
    Das war irgendwie eine fixe Idee von ihr, oder? Ich weiß nicht, wie oft sie jetzt ‚Schatten an den Wänden‘ gesagt hat. 😉
    Schön, dass ihr das endlich hinter euch habt (ich hätte die Frau wohl umgebracht).

  2. boar, was für eine pissnelke…gut, daß du dir bei der letzten runde verstärkung mitgenommen hast. dieses schweigende und sehr präsente irgendwo-einfach-rumstehen kann mein mann auch *glucks* sehr hilfreich!

  3. hachjeja, ich kenn das so gut. da kommen die erinnerungen an unseren letzten vermieter hoch. *grummel* schön, dass ihr da jetzt raus seid und es dann doch noch so glimpflich abging.

  4. Ich bewundere deine Selbstbeherrschung!!!
    Schön, dass ihr das jetzt geschafft habt und endlich einen Schlußstrich ziehen könnt.

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