Archive for August, 2010

31. August 2010

Hochzeit und kurze Abmeldung

😀

Geschafft. Uff. Ich bin jetzt aber sowas von verheiratet. Am Freitag hat uns die Wettervorhersage die letzte Hoffnung auf eine entspannte Gartenparty genommen. In Panik suchten wir uns ein Ausweichquartier und fanden auch den Göttern sei dank eines in der Großküche, die uns sowieso zum Abend mit einem Buffett beliefern sollte. In diesem Haus wird auf der einen Seite gekocht für Essen auf Rädern und diverse Kantinen in der Stadt, auf der anderen Gebäudeseite ist eine geräumige Cafeteria, die auch noch nicht ausgebucht war. Der Chefkoch ist nicht nur sehr freundlich, ruhig und umsichtig, sondern hat das Ganze auch noch richtig schön zurechtgeräumt für uns mit 2 langen Tafeln, einem Buffett, an dem man nicht drängeln mußte, vielen großen Grünpflanzen in Töpfen, einem schönen Platz für die Band und einem großen runden Spieletisch für die Kinder der Gäste. Außerdem hat er unglaublich (!) lecker gekocht. Da einige Familienmitglieder meines Mannes (muahaha – meines Mannes…) Gastronomen sind, zählen deren Lobeshymnen doppelt und dreifach, und sie waren wirklich begeistert.

Aber der Reihe nach: Am Morgen holte meine Mutter mich zu Hause ab und wir gingen gemeinsam zum Friseur. Sie war in einer halben Stunde fertig, während ich eine Flechtfrisur bestellt hatte und unter viel Ziepen und Zerren eineinhalb Stunden bearbeitet wurde. Sie fuhr inzwischen wieder nach Hause, zog sich um und kam dann sehr knapp mit meinem etwas angespannten Vater wieder („Deine Mutter hat einfach kein Zeitgefühl!“), um mich in Windeseile in mein Kleid zu treiben und rasend schnell zum Standesamt zu fahren.
Dort angekommen stellten wir zuerst fest, daß wir unsere Personalausweise würden vorzeigen müssen, woraufhin der Bräutigam mit quietschenden Reifen den Ort des Geschehens verließ. Während er zu Hause seinen Perso suchte, stellten wir außerdem fest, daß zum allgemeinen und besonderen Leidwesen von Gästen und Standesbeamten unser Ringträger das Haus nicht betreten durfte, da Hunde dort von der Stadt nicht gestattet sind. Also drückten wir die Ringe in die Hand des Trauzeugen und den Labrador zurück ins Auto, und dann kam auch der Bräutigam in beeindruckend hoher Geschwindigkeit die elegante Auffahrt hinaufgeschossen.
Die Standesbeamten, die noch immer nicht völlig begriffen hatten, mit welchen Chaoten sie es hier zu tun hatten, leiteten uns unter leisem, höflichen Gemurmel in der edlen Vorraum des ebenso edlen Trauzimmers und ließen uns schließlich in Zweierreihen antreten nacheinander eintreten. Wir hatten Musik und Ansprache durch Beamte verweigert – die Musik, weil ich als Musikerin mir nichts Übleres vorstellen kann, als einen vollmundigen Hochzeitsmarsch aus 2 kleinen Lautsprechern dudeln zu hören, und die Ansprache, weil ich inzwischen (4 ältere Geschwister) genug von der Sorte miterleben durfte. Brrr. Die Ansprache hielt also mein Bruder, der eigentlich sehr locker frei reden kann und ein ziemlich lustiger Typ ist, der aber in dieser Situation plötzlich das große Zittern bekam und vor Rührung und Aufregung ganz nervös zu stottern begann. Da seine Rede dennoch erwartungsgemäß witzig ausfiel, saßen wir alle kichernd in diesem hochglänzenden Trauzimmer, und auch die Standesbeamte wurde sichtlich lockerer. Sie ließ uns schließlich noch ganz kurz und unkompliziert die Ringe und ein Küßchen tauschen und unsere Unterschrift ableisten, dann durften wir raus.
Wir postierten uns draußen noch ein paar Minuten vor dem wirklich sehr malerischen Gebäude, damit unsere offizielle Hochzeitsfotografin – meine Trauzeugin – einige Fotos schießen konnte und fuhren dann in ein kleines Dorf mit Seerestaurant, aßen sehr lecker, gingen mit dem armen arbeitslosen Ringträger Gassi und dann in unsere Not-Feier-Unterkunft.
Dort erwartete uns ein Spalier sämtlicher Gäste, die ganz laut riefen „schneller, Leute, schneller!“, weil es gerade zu regnen begann. Meine kleine Nichte streute Blumen und sammelte sie im Laufe des Nachmittags und Abends immer wieder ein, um nochmal streuen zu dürfen. Mein Vater las ein Gedicht vor und erzählte etwas über die Liebe und über im Leben gereifte Paare, dann rückten 60 Leute mit Gratulationen an uns vorbei und das war wirklich toll, denn einige der Gäste hatten wir schon jahrelang nicht mehr gesehen.
Auf der Hochzeitstorte war kein Brautpaar – meine Eltern haben also letztlich doch mir zuliebe eine gewissen Schlichtheit akzeptiert – und es war eine njam njam Sachertorte. Dazu gab es noch jede Menge andere Sachen, die 2Wölfe furchtbar gerne mag – Schokomuffins, Quarkkuchen… Hmmm…
Und dann wurde es eine herrlich entspannte, lockere Feier, genau so, wie wir es uns gewünscht hatten. Keine albernen Hochzeitsspiele, keine blöden Witze, keine Zwänge wie „das Brautpaar muß aber am Kopfende sitzen“ oder dergleichen. Alles war super und ich habe immer noch leichten Muskelkater vom Lächeln, wie damals in der Schule auf den Konzertreisen. Innerhalb meiner Familie hat sich eine spontane Rockband gefunden – meine nicht mehr so kleine Nichte hat extra für uns wieder Schlagzeug geübt, mein Bruder hat Klavier gespielt, ein Arbeitskollege Baß, ein Schwager Percussion und auch mal Schlagzeug, eine Freundin von mir hat uns alle mit einer sehr coolen Jazz-Singstimme beeindruckt, also das war wirklich toll.
Gegen halb eins sind die letzten müden Krieger nach Hause geflossen, und am Sonntag gab es noch ein gemeinsames Frühstück für alle und Tupperdosen mit Buffettresten für die weitgereisten Studentenfreunde.
Inzwischen haben wir unseren Schlafmangel wieder aufgeholt und bereiten unsere Hochzeitsreise vor, die uns morgen für 10 Tage erst quer durch Deutschland und dann nach Frankreich führt. Wir freuen uns schon wie verrückt auf den Lavendel und die dort angesagten Sommertemperaturen.

Alle, die auf Fotos vom Kleid und dem tollen Täschli warten, müssen vermutlich noch ein bißchen Geduld haben, denn meine liebe Trauzeugin kommt frühestens ab dem Wochenende zum Fotobearbeiten, da sie selbst noch auf Reisen ist.

Ja, und damit melde ich mich auch erstmal ab – wir sind dann mal weg.

Damit zum Monatsanfang nichts fehlt, ist hier noch das Septemberbild für Euch und dann erstmal – so long, and thanks for all the guten Wünsche!

27. August 2010

Gummistiefelfrust

Es regnet. Und regnet und regnet und regnet. Und außer Partyzelten hatten wir nichts in Petto. Für morgen sind kuschelige 16°C Höchsttemperatur angesagt – und Regen. Wenn es nicht gerade gewittert. Aber halt – es soll ja nicht den ganzen Tag regnen. Erst ab dem Nachmittag, wo die Gäste kommen. 😦 Daher haben wir jetzt ein Ausweichquartier gesucht – es ist die etwas schmucklose aber ganz okaye Cafeteria der Küche geworden, die uns sowieso beliefert hätte. Sollte zwischendurch mal einige Minuten schönes Wetter herrschen, kann man auch in einen grünen Hof gehen und dort mit den Kindern Squash spielen, und sollte es tatsächlich den ganzen Nachmittag regnen, schmort die Musikanlage nicht durch, wir haben Platz genug für alle und ein Dach über dem Kopf. Außerdem liegt diese Cafeteria direkt gegenüber dem Hotel, in dem fast alle Hochzeitsgäste schlafen, also wird es für diese zumindest wesentlich komfortabler.

Ich bin nur einfach so in meiner Erwartungshaltung enttäuscht: Tanzen unter Pflaumenbäumen, Sonne im Gesicht, Fotos, in deren Hintergrund der Himmel blau ist und nicht schwarz, solche Dinge eben. Aber nun – wir sind das Risiko wissentlich eingegangen und weather happens.
Als ich in der Cafeteria alles abgesprochen hatte, im Hotel gegenüber Zettel für die Gäste abgegeben hatte, damit sie den neuen Ort wissen und schließlich naß und kalt wieder zu Hause angeschwommen kam, wollte ich mir erstmal einen heißen Tee machen. Natürlich, weil heute gar nichts klappt, bekam prompt die schöne Teekanne, die mein Schatz mir letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hat, beim Aufgießen einen fetten Sprung von oben bis unten und ich konnte erstmal anderthalb Liter kochendheißen Kräutertee aufwischen und die Kanne entsorgen. Wie bitteschön kann denn eine Teekanne nicht mit heißem Wasser klarkommen? Mir reicht’s. Und das Doofste ist, daß ich nichtmal sagen kann, ich hab keine Lust mehr, ich komme nicht. 😦
Ich bete jetzt nur noch darum, daß wenigstens alle Gäste gesund und problemfrei (ich denke da an die riskante Verbindung schlechtes Wetter / Deutsche Bahn) hier ankommen und ich bin wenigstens in dem Punkt sicher, daß die richtige Stimmung aufkommen wird, wenn mein Bruder erstmal das Real Book auspackt und anfängt zu spielen.

Und jetzt putze ich noch die Wohnung ein bißchen, denn heute Abend kommen die Schwiemu und die Trauzeugen zum Essen zu uns. Ein Lichtblick wenigstens – sie bringen den Schwiegerhund mit.

25. August 2010

Hummeln

Heute mal nur schöne Dinge. Es muß auch auch meckerfreie Blogeinträge geben, so wie meckerfreie Tage im Leben – heute ist es so weit.

Am Sonntagmorgen beim Frühstücken sah ich durch das Küchenfenster, daß jemand sich an dem großen Pflastersteinhaufen neben unserer Wohnung (der Hof zwischen unserem und dem Nachbarhaus wird schick gemacht, aber nur von einem Mann, und der macht das gaaaanz in Ruhe) bedient hat und direkt vor unserem Fenster ein Türmchen gebaut hat. Durch das Fliegengitter und die heruntergelassene Innenjalousie konnte ich den Grund für das Türmchen nicht gleich erkennen, aber als es soweit war, raste ich sofort hinaus, um das gute Stück zu fotografieren und dann vor der wärmer werdenden Sonne zu retten:

Ist sie nicht schön? Unsere Hochzeitskerze. Meine besonders christliche Freundin hat sie bei Kirchens gekauft – klar – und dann die Motive vorsichtig aus Wachs geformt und aufgeklebt. Das Brigittenkreuz hängt normalerweise in meinem Auto, das hatte ich ihr nur mitgegeben, weil sie nach einem hübschen Symbol fragte. Aber sie hat es tatsächlich benutzt!

🙂

Die zweite Hummel ist gestern Abend eine sehr schöne Runde WoW gewesen. Ich spiele World of Warcraft erst einige Monate, und davon waren auch einige Monate Pause, ich bin also ein ziemlicher Neuling, wenn man die komplexe Innenstruktur des Spiels berücksichtigt. Nichtsdestotrotz spiele ich mit großer Begeisterung, und seit sich eine Gilde aus Online-Foren-Freunden gebildet hat, wächst die Begeisterung, auch wenn es frustreiche Situationen im Spiel gibt. Es ist einfach viel schöner zu spielen, wenn da irgendwo jemand ist, den man fragen kann, welches Rüstungsteil die besseren Attribute hat oder dem man sagen kann, welche @&%“& die anderen Mitglieder der zufällig erstellten Dungeongruppe sind. (Zur WoW-Begriffserklärung schreibe ich nochmal extra, denn ich muß gleich zur Arbeit.)
Jedenfalls trafen wir uns gestern, nachdem wir schon ein wenig gespielt hatten, um 22 Uhr zu sechst in der Taverne in Goldhain. Da wir auf einem Rollenspielserver spielen, darf Role Play nicht fehlen, und das ist immer sehr lustig. Als Überraschung für mich wurde es eine Abschiedsfeier für meine Figur, denn ich werde nun mit der Hochzeit, der Hochzeitsreise und dem Dienstplan im Anschluß mit Sicherheit 5 Wochen nicht spielen können. Ich bekam also im Vorhinein ein schönes Kleid geschenkt, was an einer Figur mit Hörnern und Hufen und einem Köcher auf dem Rücken immer sehr lustig aussieht. Dann brachte mir eine Spielerfreundin eine rote Rose mit, eine andere richtete ein Festmahl aus, und ein Priester und ein Zwerg ließen Alkoholika herumgehen. Ingame betrunken sein äußerst sich in einem verschwommenen Bildschirm und darin, daß die Figur beim Gehen immer vom Weg herunterschwankt.
Leicht angedüselt gingen wir dann hinaus, suchten uns ein trockenes Plätzchen (es regnete) und dann gab es auch noch ein Feuerwerk. Das war schön. 🙂 Dann spielten wir mit den Möglichkeiten, die unterschiedliche Figuren hatten, levitierten ein paar Meter über dem Boden und verwandelten uns gegenseitig in Geister, Skelette oder Lepragnome und gingen dann noch gemeinsam in 2 Instanzen. Es war wirklich unheimlich lustig und ich bin echt gerührt, daß sich Leute, die ich nur aus dem Forum bzw. aus dem Spiel kenne, so viel Zeit dafür genommen haben, obwohl ich nur einige Wochen weg bin. Aber gut – einige Wochen für mich sind viiiiele Level für die anderen. 🙂 Und sie haben auch versprochen, mich zu „ziehen“, wenn ich wieder da bin, damit ich wieder mithalten kann – aber mal sehen, vielleicht gibt es dann Twinks in meinem jetzigen Level oder so, dann kann man auch einfach gemeinsam weiterspielen.

So, jetzt schreit die Schule nach mir – dazu gibt es auch einen extra Artikel, obwohl es auch ein bißchen hummelig ist.

22. August 2010

aufmerksam machen

Hallo, lieber Leser. Ja, Du. Du, der Du – oder vermutlich bist Du eher eine Sie – „Strickanleitung für Hunde“ gegoogelt hast. Es gibt offenbar eine grundlegende Sache, die Du über Hunde noch nicht weißt. Hunde haben einen ebenso gut (wenn nicht besser) ausbalancierten körpereigenen Temperaturhaushalt wie Menschen. Die Wohlfühltemperatur von Hunden liegt außerdem deutlich niedriger als unsere, und zwar zwischen +12 und +19 °Celsius. Hunde haben sogar, im Gegensatz zu den meisten Menschen, ein Fell, auch zwischen den Zehenballen und ganz besonders am Torso. Dieses Fell ist seit Millionen von Jahren dafür zuständig, den Hund im Winter zu wärmen. Ein frei lebender Wolf ist noch nie dabei beobachtet worden, wie er versucht, das eigene Fell zu verdicken durch die Zugabe einer weiteren künstlichen Schicht, daher würde ich mal davon ausgehen, daß Dein Hund das nicht nötig hat.
Und noch schlimmer: Solltest Du Deinem Hund im naßkalten Winter tatsächlich etwas niiiiedliches Selbstgestricktes anziehen, wird sich unter diesem Machwerk Verdunstungsfeuchtigkeit absetzen. Um das Prinzip zu testen, kannst Du Dir ja selbst mal im Winter einen Schal vor Mund und Nase ziehen und abwarten, wie lange es dauert, bis der von innen naß ist. Diese Verdunstungskälte unterkühlt Deinen Hund, und zwar genau da, wo es wehtut: an Brust und Bauch = an Herz und Lunge und den inneren Organen.
Wenn er also hustend und im schlimmsten Fall an einer Lungenentzündung leidend darniederliegt, ist es Deine Schuld – nicht, weil der niiiiedliche Strickpulli nicht dick genug war, sondern weil er überflüssig, unnatürlich und schädlich ist. Bitte nutze Google für andere Suchbegriffe. Meine Vorschläge wären „artgerechte Hundehaltung“, „artgerechte Hundeernährung“ und „Hundeschule in meiner Region“. Tu Deinem Hund einen Gefallen und laß ihn mehr Wolf als Mensch sein – Du willst ja auch nicht nackt in einer Höhle leben und rohes Fleisch fressen, wie er es am liebsten täte.

Nun zum eigentlichen Grund für meinen heutigen Blogeintrag: Personalized Cause. Ein Mitglied des Forums The Parish schrieb, daß jemand aus ihrem Freundeskreis schwer erkrankt sei und sie daraufhin nach Mutmachern gesucht und diese Seite gefunden habe. Ich finde diese Seite im Prinzip sehr interessant, aber auch nicht ganz unproblematisch, wie ich auch im Forum antwortete:
Ich lebe in der Überzeugung, daß Energie der Aufmerksamkeit folgt. Auf diese Art – „Anti-Tobacco Wristbands“, „Murder Victim Wristbands“, „Breast Cancer Wristbands“ – wird die Aufmerksamkeit immer und immer wieder auf die Ursache des Unglücks gelenkt. Ich halte es daher vom energetisch-magischen Standpunkt sogar für schädlich- die ganze Familie arbeitet darauf hin, daß die Krankheit im Leben des geliebten Menschen ein Thema bleibt und macht dieses Thema stärker und stärker. Ich verabscheue auch diese Aids-Schleifen, muß ich ehrlich sagen. Vielleicht gäbe es weniger Aidskranke, wenn sich die coole, politisierende Jugend stattdessen Kondome an die alternativen Rucksäcke pinnen und damit die richtige Sache ins Zentrum des Bewußtseins rücken würde… 😛

Ich würde es viel schöner finden, wenn es einfach grüne Schleifen gäbe, die dann Healing Wristband hießen, oder bunte Forgiving Wristbands oder Stand up an live your life Wristbands… Du weißt, was ich meine.

Ich kann es auch so gar nicht leiden, wenn Leute immer und immer wieder erklären, welche Mißstände es überall gäbe, dabei aber keinerlei Lösungsvorschläge anbieten, ja, nicht einmal selbst im (vorgeblich) eigenen besseren Sinn vorbildhaft leben. Man kann sich ja nicht wehren – die Gesellschaft gibt einem ja vor – ich alleine kann doch sowieso nichts ausrichten – das bringt ja doch nichts – und dann fleißig weiter mit der Masse konsumieren, sich möglichst im Eigennutz durch’s Leben lavieren, aber eine Aidsschleife an den Rucksack pinnen und ein Bildchen von Che Guevara an die WG-Tür.
Okay, ich bin jetzt ganz schön vom Thema abgekommen. 🙂

Jedenfalls finde ich wir sollten mal die Dinge ins Zentrum unseres eigenen und damit nach und nach des gesamten Bewußtseins rücken, an denen uns viel liegt. Energie folgt Aufmerksamkeit. Wohin will ich meine Energie schicken? Zu Krankheiten, Atomstrom und Pädokriminalität? Gut, schmücken wir die Rucksäcke und Autoscheiben mit Aidsschleifen, Ak-nein-danke-Stickern und Todesstrafe-für-Kinderschänder-Aufklebern (über diesen abartigen Spruch habe ich glaube ich schonmal vor einem Jahr geblogt).
Oder richte ich meine Energie auf das eigentlich zu erreichende Ziel – Gesundheit, Solarenergie, gesundes Getreide, unbeschwerte Kinder? Dann bitte: Sticker mit lachender Sonne drauf, Aufkleber vom Netzwerk für gesunde Kinder oder das Logo vom Bioladen Deines Vertrauens auf der Heckscheibe. Nachhaltigkeit zu leben bedeutet zuallererst, nachhaltig zu denken. Denkt vorwärts – wir denken immer das, was kommt. Wir haben jetzt das, was wir früher gedacht haben. Wir werden später das erreichen, was wir heute ausstrahlen. Ein gleichzeitig beängstigender und ermutigender Gedanke, nicht wahr? Also machen wir doch das Beste daraus.

19. August 2010

Hochzeit handgemacht

Das ist – einige erkennen es sicher gleich auf den ersten Blick – die unglaublich schöne und sorgfältige Arbeit von Amala. Das linke Täschchen ist für die Hochzeit, und auch aus den Stoffresten des Kleides gemacht. *Seufz* – Isses nich schööön? Und es ist schon seit gestern hier bei mir (im Gegensatz zum Kleid…) und wird in regelmäßigen Abständen bewundernd in die Hand genommen und ausgiebig betrachtet.
Und das rechte ist die Probe, die Vorlage, die Amala nach meinen Angaben hinimprovisiert und dann für mich fotografiert und mir gemailt hat, damit ich „schonmal gucken kann, ob mir das so gefallen würde“. Ja, so improvisieren können mit Nadel und Faden… Ich finde jedenfalls beide Taschen einfach wunderschön und bin Dir sehr, sehr dankbar dafür! Und natürlich bekommst Du ein Foto mit Braut, Kleid und Tasche drauf, keine Frage. 🙂

Dann habe ich mich, inspiriert von der Häkelblumenanleitung und einem sehr altmodischen Handarbeitsbuch, das ich mal auf dem Flohmarkt gefunden habe, daran gemacht, Antennenfähnchen zu häkeln. Ich glaube, die heißen offiziell Autoschleifen. Jedenfalls dachte ich mir, wenn die Braut Baumwolle und Leinen trägt, sehen so handelsübliche Satinbändchen wahrscheinlich total daneben aus, und da Geld ausgeben sowieso gerade zum Unwort des Haushalts geworden ist, habe ich ein weißes Wollknäuel und die Häkelnadel genommen und das hier gemacht:

Zwei Bänder. Das eine ist nach der Blumenvorlage gehäkelt, hat also auf einer Reihe fester Maschen einfach ein Blütenblatt neben dem anderen:

Und beim zweiten dachte ich mir, ich kann das Maß, in dem sich das Band kringelt, vielleicht etwas mindern, indem ich die Spitzen auf 3 Maschen aufteile, statt wie oben alles in eine Masche zu häkeln. Dafür habe ich in der mittleren Masche ein doppeltes Stäbchen hineingehäkelt, und das sieht dann so aus:

Naja, es kringelt sich immer noch, wenn auch nicht ganz so stark. 🙂 Ich finde, es sieht unheimlich altmodisch aus – so schlimm hatte ich das nicht erwartet. Aber eine coolere Häkelvorlage ist mir bisher auch noch nicht begegnet. Vielleicht finde ich ja statt der knubbeligen Muster etwas mit viereckigen Löchern oder so. Der ultimative Vorteil von gehäkelten Bändern ist natürlich, daß man einfach die Antenne durch eine der Maschen schieben kann, statt umständlich ein Schleifchen zu binden und zu hoffen, daß es hält. Und auch, daß ich jedes Bändchen individuell machen kann. Vielleicht erkennen ja meine Verwandten am Schleifchen, für wie altmodisch ich sie halte.

17. August 2010

Design

Nur damit Ihr Euch nicht wundert: Ich bin’s immer noch. Ich bin schon seit Monaten mit meinem alten Blogdesign nicht mehr richtig zufrieden gewesen, und jetzt probiere ich ein bißchen herum. Es kann also durchaus sein, daß es sich noch ändert. da ich einfach ein wenig mit den kostenlosen Themes spielen werde.

Und: das Brot ist lecker geworden. Aus den diversen Anleitungen im Netz habe ich mir die simpelste Variante gefiltert: 100g Buchweizen- und 400g Dinkelmehl mit 25g Hefe, einem halben Liter Wasser (das über 2 Stunden lang aussah, als wäre es viel zu viel) sowie ein wenig Salz und ein paar Hand voll Sonnenblumenkerne. Njam. Hat sogar meinem Freund geschmeckt, der unter den letzten Blogeintrag noch „tu’s nicht!“ kommentieren wollte…

16. August 2010

Strickhut mit Häkelblumen – fertig

…und benutzbar. Und so sieht das gute Stück nun aus:

Man kann auf dem Bild nur 2 Blumen sehen, aber sie gehen in relativ gleichmäßigen Abständen rundherum, 6 Blumen insgesamt.

Und zu den Suchbegriffen: Das Highlight der Woche ist „vollmond wann? datum?im 2010august“ – da wollte es jemand wohl ganz genau wissen. Also, wir haben gerade zunehmenden Mond, noch eine Woche. Vollmond ist nächsten Dienstag und dann etwa alle vier Wochen. 😉
So ich gehe jetzt selbst meiner Leidenschaft Google nach und suche ein Brotrezept mit Buchweizenmehl – das ja gar kein Mehl ist, weil Buchweizen eigentlich nichts mit Weizen zu tun hat und keine Getreideart ist. Also wird einfach Mehl in den Automaten – Broti – zu schütten wohl nicht ausreichen.

15. August 2010

Häkelblumen für Strickhut

Ich habe doch vor etlichen Monaten mal so einen abartigen Hut gestrickt, dessen Krempe mir die Schultern wärmen konnte. Heute hatte ich endlich die zündende Idee, wie ich das Ding so weit verbessern kann, daß ich ihn im Herbst tatsächlich aufsetzen könnte: Ich lasse mir eine nette Art einfallen, die Krempe hochzustecken. Zu diesem Zweck durchforstete ich heute Vormittag, als mir die Lust auf’s Câche-Coeur-Weiterstricken so langsam wieder verging (das Teil ist jetzt 1,5 Meter lang – fehlt nur noch ein Meter und mir geht langsam die Wolle aus), das Internet nach Anleitungen für Häkelblumen. Wieder fand ich eine sehr schöne und äußerst anfängerfreundliche Anleitung von Elizzza, die auch diese tolle Strick- und Häkelseite führt.

Da ich wirklich kein übermäßiges Handarbeitstalent bin, ist dies der Beweis für die Qualität der Anleitung – mein erster Versuch einer Häkelblume:

Davon habe ich 6 Stück gemacht, mit denen ich die Krempe nun rundum hochstecken werde. So in etwa:

Dann hatte ich noch einen sehr netten Nachmittag mit einem Arbeitskollegen und seiner Frau, die mich spontan besucht haben und sich mal das Gelände der Hochzeitsfeier ansehen wollten, weil er einen Tanzboden mitbringt und selbst zusammenbaut. So langsam wird das alles. Mittlerweile bin ich schon drauf und dran, nicht einmal Antennenfähnchen zu kaufen (oder wie heißen diese weißen Bänder, die man da immer ranbammelt?) sondern statt dessen einfach selbst welche zu häkeln. Hmm… ich gehe mal Anleitungen suchen… Ansonsten mache ich es einfach so ähnlich wie damals die bunte Stola für meine irre Freundin.

14. August 2010

Schäfi-Nachtrag und Wölfe

Heute früh waren schon 3 Leute auf meinem Blog. Meine Güte, wie tapfer und treu… Oder vielleicht sind das die, die „Pädagogikschein“ (zum ersten Mal) und „Cache coeur stricken“ (immer und immer wieder) googlen? Also: guten Morgen, unbekannte fleißige Sucher. Möget Ihr auch etwas Hilfreiches hier finden. Ich blogge derweil mal weiter:

Ich hatte nach etlichen Versuchen, die Firma zu erreichen, die letzte Woche Schäfi abgeholt hat, Erfolg. Er wurde in ein Tierheim gebracht, wie ich befürchtet hatte, und der Mann am Telefon wollte mir nicht sagen, in welches, weil das seine Befugnisse überstiege. Also rief ich im Veterinäramt an, wie er mir riet. Doch leider wollte man mir auch dort nicht sagen, wo Schäfi sich derzeit aufhält – das wäre „im Rahmen des laufenden Verfahrens“ verboten. Im Rahmen des laufenden Verfahrens? Wow, die Nachbarinnen, die übrigens mittlerweile ausgezogen sind, scheinen da echte Probleme zu kriegen, denn offenbar wird keine Information über den Hund nach außen gelassen, weil er als Beweisstück gehandelt wird. Nun gut, das beruhigt mich jedoch wieder: zum einen ist er jetzt sicher und bekommt auch mal frische Luft, zum anderen steht er jetzt wahrscheinlich so im Fokus staatsanwaltlichen Interesses, daß er im Tierheim eine Vorzugsbehandlung bekommt. Das würde ich ihm ja wirklich gönnen.

Zum Trost waren wir vorgestern die Wölfe besuchen. Ihr erinnert Euch? Die wohnen einen Kilometer entfernt im Zoo und teilen sich ein Gehege mit den Braunbären. Man kann das Gehege von außen sehen, da der Zaun auf der anderen Seite einfach Wald hat. Also, ein schöner Waldspaziergang mit echten Wölfen, obwohl man zur Seelenhygiene schon sehr darauf achten muß, den Zaun innerlich auszublenden.
Es gibt sie in weiß und in braun. Die weißen Wölfe sind, glaube ich, Polarwölfe, die braunen sind die „normalen“ Canis lupus. Die weißen sind sehr elegant und hochbeinig, sehr schmal im Körperbau und mit langen Nasen. Und anfangs fanden sie uns Zaungäste nur mäßig spannend:

Ja, Mama Wolf hat sich durch uns nicht einmal von ihrem abendlichen Yoga abhalten lassen:

Doch die beiden anderen Wölfe kamen auch schonmal an den Zaun gucken. Einer hatte leider eine kleine Entzündung am Auge, aber die Tierpfleger können in dem Gehege ein- und ausgehen, das stört die Wölfe gar nicht, und kümmern sich sicher.

Und jetzt werde ich mir zum Einkaufen gehen Gummistiefel anziehen, denn es pladdert, wie man hier sagt, wie verrückt. Und blitzt und donnert… ich liebe dieses Wetter. 😀
Habt ein wolfiges Wochenende!

8. August 2010

Konzert und Mama-Tag

Dies war bisher ein unheimlich emotionales Wochenende.
Am Freitag hatte ich ja nun mein erstes Konzert mit meinem Chor. Wir haben die 30-Minuten-Marke tatsächlich geknackt, mit etwas Hilfe meiner Terzettmädels und meiner Moderation. Das Publikum war nicht nur zahlreich und aus weitem Umfeld angereist, sondern auch noch höchst freundlich, aufmerksam und stets (hey – das ist ja ein rückwärts lesbares Wort) zu begeistertem Applaus bereit. Sie wollten sogar eine Zugabe und haben sich nach meinem Geständnis, daß wir wirklich alles gegeben hätten, gerne bereit erklärt, einfach ein Lied aus dem Konzert noch einmal wiederholt zu hören.
Beim Verlassen der Kirche schüttelte mir praktisch jeder die Hand und gratulierte zum Konzert, wünschte dem Chor im Allgemeinen und mir im Besonderen eine glorreiche Zukunft und es war einfach ein Fest. Natürlich hat der Chor nicht überwältigend gut gesungen, wenn man ihn vergleicht mit Profis oder sorgfältigen Aufnahmen von semiprofessionellen oder guten Amateurensembles. Aber für ganze 7 Monate Vorbereitungszeit und dabei ständiger Aufstockung des Ensembles auf mittlerweile stolze 20 Personen waren sie wirklich, wirklich richtig gut. Und vor allem haben sie sich an mein Plädoyer vorher gehalten: Leute gehen nur aus einem einzigen Grund in Konzerte – sie möchten in der Stimmung gefangen werden und die Stimmung einfangen. Sie möchten sehen, was die Musiker empfinden. Es geht nicht in erster Linie um technische und interpretatorische Perfektion, sondern um das Sich-Einlassen auf den Moment, um das Teilen des besonderen musikalischen Momentes zwischen Ausführenden und Zuhörern. Daher wäre der größte Fehler, sich im Konzert unglaublich anzustrengen, damit auch ja jeder Ton perfekt an der richtigen Stelle sitzt und dies zur Priorität zu machen. Das Wichtigste ist, zu wissen, was man singt und es zu empfinden. Nur dann erreicht man seine Zuhörer, und manchmal erreicht man etwas in seinen Zuhörern und sie gehen als andere Menschen nach Hause.
Und so war es – der Chor hat gelächelt, wenn es beschwingt war, hat mitgefühlt, wenn der Protagonist des Liedes sterben wollte und hat einige Zuhörer sogar zum Mitsingen animiert. Wie schief die Intonation zwischendurch war, werde ich also niemals verraten. 😉

Und gestern war ich mit meiner Mutter zum Hochzeitskleid anprobieren wieder in Leipzig. Es war eine lange Fahrt und wir wurden mit einem Kaffee von der Schneiderin belohnt. Das Kleid wird, glaube ich, wirklich richtig schön. Das Grün leuchtet, der Stoff fühlt sich gut an und obwohl es eng anliegt, kann ich mich gut und ungezwungen darin bewegen. Außerdem hatte ich die 2 kleinen Triumphe, daß meine Mutter zugeben mußte, daß das Grün schön ist und daß sie mir keine neuen Schuhe gekauft hat, sondern mich meine 4 Jahre alten bequemen, flachen tragen läßt.
Danach sind wir in die Innenstadt gefahren und waren fast 5 Stunden Shoppen. Das ist für uns beide normalerweise der Horror – nach spätestens 1,5 Stunden geht gar nichts mehr. Aber wir haben einfach mal Geschäfte gefunden, in denen richtig schöne Kleidung angeboten wird und lange in dem Anblick geschwelgt, dann nach schöner Unterwäsche gesucht und erst ganz am Schluß gefunden und zwischendurch 10 Minuten in einer kleinen Bäckerei gesessen und während dieser Zeit mindestens 10 schwangere Frauen und 10 weitere mit Kinder- und Zwillingswägen gesehen.
Irgendwann sind wir über ein ziemlich lustiges Seifen- und Kosmetikageschäft gestolpert: Lush. Es war klein, eng, voll und unglaublich laut und die Verkäuferinnen waren sehr bunt und sehr, nunja, duzfreundlich. Die Seifen, Massagebutter, Badekugeln und was es nicht alles gab, duften in den unterschiedlichsten Varianten, und eigentlich wollten wir nur einmal quer durch’s Geschäft schnuppern, aber am Ende standen wir dann da mit je einem kleinen Pröbchen Fußcreme – meine Mutter mit kühlender Minze, ich mit wärmendem Zimt -, Seifen – sie Vanille, ich Rose und Rose/Oregano – und mit einem Lippenbalsam „Honey Trap“ und einer veganen (Isi, liest Du das?) Gesichtwaschpaste namens „Babe“, dem Schweinchen zuliebe.
Als wir wieder zum Auto gingen, stellten wir schwer schockiert fest, daß es scchon dreiviertel 7 war und riefen sofort unsere Männer an, die uns eigentlich deutlich früher zurück erwartet hatten. Nach einer intensiv verquatschten Rückfahrt war ich halb 10 wieder zu Hause mit meiner wundervoll duftenden Tasche und stellte fest, daß mein Kerl mit Pizza und dem Kommentar „ich dachte, das wäre romantisch“ auf mich gewartet hatte. Na, wenn das nicht romantisch war. 🙂
Und heute Vormittag rief meine Mutter an, um mir zu sagen, daß sie mich liebt, und legte dann wieder auf.