aufmerksam machen

Hallo, lieber Leser. Ja, Du. Du, der Du – oder vermutlich bist Du eher eine Sie – „Strickanleitung für Hunde“ gegoogelt hast. Es gibt offenbar eine grundlegende Sache, die Du über Hunde noch nicht weißt. Hunde haben einen ebenso gut (wenn nicht besser) ausbalancierten körpereigenen Temperaturhaushalt wie Menschen. Die Wohlfühltemperatur von Hunden liegt außerdem deutlich niedriger als unsere, und zwar zwischen +12 und +19 °Celsius. Hunde haben sogar, im Gegensatz zu den meisten Menschen, ein Fell, auch zwischen den Zehenballen und ganz besonders am Torso. Dieses Fell ist seit Millionen von Jahren dafür zuständig, den Hund im Winter zu wärmen. Ein frei lebender Wolf ist noch nie dabei beobachtet worden, wie er versucht, das eigene Fell zu verdicken durch die Zugabe einer weiteren künstlichen Schicht, daher würde ich mal davon ausgehen, daß Dein Hund das nicht nötig hat.
Und noch schlimmer: Solltest Du Deinem Hund im naßkalten Winter tatsächlich etwas niiiiedliches Selbstgestricktes anziehen, wird sich unter diesem Machwerk Verdunstungsfeuchtigkeit absetzen. Um das Prinzip zu testen, kannst Du Dir ja selbst mal im Winter einen Schal vor Mund und Nase ziehen und abwarten, wie lange es dauert, bis der von innen naß ist. Diese Verdunstungskälte unterkühlt Deinen Hund, und zwar genau da, wo es wehtut: an Brust und Bauch = an Herz und Lunge und den inneren Organen.
Wenn er also hustend und im schlimmsten Fall an einer Lungenentzündung leidend darniederliegt, ist es Deine Schuld – nicht, weil der niiiiedliche Strickpulli nicht dick genug war, sondern weil er überflüssig, unnatürlich und schädlich ist. Bitte nutze Google für andere Suchbegriffe. Meine Vorschläge wären „artgerechte Hundehaltung“, „artgerechte Hundeernährung“ und „Hundeschule in meiner Region“. Tu Deinem Hund einen Gefallen und laß ihn mehr Wolf als Mensch sein – Du willst ja auch nicht nackt in einer Höhle leben und rohes Fleisch fressen, wie er es am liebsten täte.

Nun zum eigentlichen Grund für meinen heutigen Blogeintrag: Personalized Cause. Ein Mitglied des Forums The Parish schrieb, daß jemand aus ihrem Freundeskreis schwer erkrankt sei und sie daraufhin nach Mutmachern gesucht und diese Seite gefunden habe. Ich finde diese Seite im Prinzip sehr interessant, aber auch nicht ganz unproblematisch, wie ich auch im Forum antwortete:
Ich lebe in der Überzeugung, daß Energie der Aufmerksamkeit folgt. Auf diese Art – „Anti-Tobacco Wristbands“, „Murder Victim Wristbands“, „Breast Cancer Wristbands“ – wird die Aufmerksamkeit immer und immer wieder auf die Ursache des Unglücks gelenkt. Ich halte es daher vom energetisch-magischen Standpunkt sogar für schädlich- die ganze Familie arbeitet darauf hin, daß die Krankheit im Leben des geliebten Menschen ein Thema bleibt und macht dieses Thema stärker und stärker. Ich verabscheue auch diese Aids-Schleifen, muß ich ehrlich sagen. Vielleicht gäbe es weniger Aidskranke, wenn sich die coole, politisierende Jugend stattdessen Kondome an die alternativen Rucksäcke pinnen und damit die richtige Sache ins Zentrum des Bewußtseins rücken würde… 😛

Ich würde es viel schöner finden, wenn es einfach grüne Schleifen gäbe, die dann Healing Wristband hießen, oder bunte Forgiving Wristbands oder Stand up an live your life Wristbands… Du weißt, was ich meine.

Ich kann es auch so gar nicht leiden, wenn Leute immer und immer wieder erklären, welche Mißstände es überall gäbe, dabei aber keinerlei Lösungsvorschläge anbieten, ja, nicht einmal selbst im (vorgeblich) eigenen besseren Sinn vorbildhaft leben. Man kann sich ja nicht wehren – die Gesellschaft gibt einem ja vor – ich alleine kann doch sowieso nichts ausrichten – das bringt ja doch nichts – und dann fleißig weiter mit der Masse konsumieren, sich möglichst im Eigennutz durch’s Leben lavieren, aber eine Aidsschleife an den Rucksack pinnen und ein Bildchen von Che Guevara an die WG-Tür.
Okay, ich bin jetzt ganz schön vom Thema abgekommen. 🙂

Jedenfalls finde ich wir sollten mal die Dinge ins Zentrum unseres eigenen und damit nach und nach des gesamten Bewußtseins rücken, an denen uns viel liegt. Energie folgt Aufmerksamkeit. Wohin will ich meine Energie schicken? Zu Krankheiten, Atomstrom und Pädokriminalität? Gut, schmücken wir die Rucksäcke und Autoscheiben mit Aidsschleifen, Ak-nein-danke-Stickern und Todesstrafe-für-Kinderschänder-Aufklebern (über diesen abartigen Spruch habe ich glaube ich schonmal vor einem Jahr geblogt).
Oder richte ich meine Energie auf das eigentlich zu erreichende Ziel – Gesundheit, Solarenergie, gesundes Getreide, unbeschwerte Kinder? Dann bitte: Sticker mit lachender Sonne drauf, Aufkleber vom Netzwerk für gesunde Kinder oder das Logo vom Bioladen Deines Vertrauens auf der Heckscheibe. Nachhaltigkeit zu leben bedeutet zuallererst, nachhaltig zu denken. Denkt vorwärts – wir denken immer das, was kommt. Wir haben jetzt das, was wir früher gedacht haben. Wir werden später das erreichen, was wir heute ausstrahlen. Ein gleichzeitig beängstigender und ermutigender Gedanke, nicht wahr? Also machen wir doch das Beste daraus.

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3 Kommentare to “aufmerksam machen”

  1. Toller Artikel! 🙂 Insbesondere den zweiten Teil kann ich nur unterschreiben! 🙂

    Zum ersten muss ich sagen: bei „normalen“ Hunderassen hast du ja recht. Aber bei manchen seltsamen Züchtungen mag es wohl nötig sein, den Liebling irgendwie zu schützen, manche haben ja nur noch so ein paar dünne Deckhaare und kaum noch richtige Unterwolle. Genauso wie man manche Hunde im Sommer einfach scheren muss, nicht aus optischen Gründen, sondern weil sie unnatürlich dickes Fell haben. Meine Mutter hat zum Beispiel einen Mischling bei dem das nötig ist. Dem Guten gehts viel besser, seit sie sich dazu durchgerungen hat ihn zu scheren zu lassen.
    Der Mensch hat einfach schon zu heftig in die Natur eingegriffen. Vom Wolf sind viele Hunde schon weit weg… 😦
    Aber nach dem was du schreibst muss man wohl sehr gut informiert sein und sich wirklich ernsthaft Gedanken machen bevor man seinem Schützling irgendwas überzieht.

  2. „Strickanleitung für Hunde“ hört sich für mich eher nach Beschäftigung für ein hochintelligentes Tier mit Schwäche für Handarbeit an.

  3. @Isi: Ja, ich weiß, manche Hunde sind so extrem verzüchtet, daß man ihnen völlig artfremd unter die Arme greifen muß. Für Möpse eine Atemhilfe finden, damit sie im Schlaf nicht ersticken ist da noch nicht das Perverseste. Aber ich sehe so viele normal behaarte Hunde, die ab der matschigen Jahreszeit mit so rosa fluffy Ekelzeug durch die Gegend trippeln… WAH. Da geht mir so der Hut hoch. Die werden dann vielleicht auch noch beim Hundefriseur toupiert und parfümiert… -.- Geht gar nicht.

    @FH: Aber Schatz – die haben doch keine Daumen! *Kopf schüttelt* Wobei – die Vorstellung von so einer häkelnden Dogge im Schaukelkörbchen… ^^

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