Hochzeit und kurze Abmeldung

😀

Geschafft. Uff. Ich bin jetzt aber sowas von verheiratet. Am Freitag hat uns die Wettervorhersage die letzte Hoffnung auf eine entspannte Gartenparty genommen. In Panik suchten wir uns ein Ausweichquartier und fanden auch den Göttern sei dank eines in der Großküche, die uns sowieso zum Abend mit einem Buffett beliefern sollte. In diesem Haus wird auf der einen Seite gekocht für Essen auf Rädern und diverse Kantinen in der Stadt, auf der anderen Gebäudeseite ist eine geräumige Cafeteria, die auch noch nicht ausgebucht war. Der Chefkoch ist nicht nur sehr freundlich, ruhig und umsichtig, sondern hat das Ganze auch noch richtig schön zurechtgeräumt für uns mit 2 langen Tafeln, einem Buffett, an dem man nicht drängeln mußte, vielen großen Grünpflanzen in Töpfen, einem schönen Platz für die Band und einem großen runden Spieletisch für die Kinder der Gäste. Außerdem hat er unglaublich (!) lecker gekocht. Da einige Familienmitglieder meines Mannes (muahaha – meines Mannes…) Gastronomen sind, zählen deren Lobeshymnen doppelt und dreifach, und sie waren wirklich begeistert.

Aber der Reihe nach: Am Morgen holte meine Mutter mich zu Hause ab und wir gingen gemeinsam zum Friseur. Sie war in einer halben Stunde fertig, während ich eine Flechtfrisur bestellt hatte und unter viel Ziepen und Zerren eineinhalb Stunden bearbeitet wurde. Sie fuhr inzwischen wieder nach Hause, zog sich um und kam dann sehr knapp mit meinem etwas angespannten Vater wieder („Deine Mutter hat einfach kein Zeitgefühl!“), um mich in Windeseile in mein Kleid zu treiben und rasend schnell zum Standesamt zu fahren.
Dort angekommen stellten wir zuerst fest, daß wir unsere Personalausweise würden vorzeigen müssen, woraufhin der Bräutigam mit quietschenden Reifen den Ort des Geschehens verließ. Während er zu Hause seinen Perso suchte, stellten wir außerdem fest, daß zum allgemeinen und besonderen Leidwesen von Gästen und Standesbeamten unser Ringträger das Haus nicht betreten durfte, da Hunde dort von der Stadt nicht gestattet sind. Also drückten wir die Ringe in die Hand des Trauzeugen und den Labrador zurück ins Auto, und dann kam auch der Bräutigam in beeindruckend hoher Geschwindigkeit die elegante Auffahrt hinaufgeschossen.
Die Standesbeamten, die noch immer nicht völlig begriffen hatten, mit welchen Chaoten sie es hier zu tun hatten, leiteten uns unter leisem, höflichen Gemurmel in der edlen Vorraum des ebenso edlen Trauzimmers und ließen uns schließlich in Zweierreihen antreten nacheinander eintreten. Wir hatten Musik und Ansprache durch Beamte verweigert – die Musik, weil ich als Musikerin mir nichts Übleres vorstellen kann, als einen vollmundigen Hochzeitsmarsch aus 2 kleinen Lautsprechern dudeln zu hören, und die Ansprache, weil ich inzwischen (4 ältere Geschwister) genug von der Sorte miterleben durfte. Brrr. Die Ansprache hielt also mein Bruder, der eigentlich sehr locker frei reden kann und ein ziemlich lustiger Typ ist, der aber in dieser Situation plötzlich das große Zittern bekam und vor Rührung und Aufregung ganz nervös zu stottern begann. Da seine Rede dennoch erwartungsgemäß witzig ausfiel, saßen wir alle kichernd in diesem hochglänzenden Trauzimmer, und auch die Standesbeamte wurde sichtlich lockerer. Sie ließ uns schließlich noch ganz kurz und unkompliziert die Ringe und ein Küßchen tauschen und unsere Unterschrift ableisten, dann durften wir raus.
Wir postierten uns draußen noch ein paar Minuten vor dem wirklich sehr malerischen Gebäude, damit unsere offizielle Hochzeitsfotografin – meine Trauzeugin – einige Fotos schießen konnte und fuhren dann in ein kleines Dorf mit Seerestaurant, aßen sehr lecker, gingen mit dem armen arbeitslosen Ringträger Gassi und dann in unsere Not-Feier-Unterkunft.
Dort erwartete uns ein Spalier sämtlicher Gäste, die ganz laut riefen „schneller, Leute, schneller!“, weil es gerade zu regnen begann. Meine kleine Nichte streute Blumen und sammelte sie im Laufe des Nachmittags und Abends immer wieder ein, um nochmal streuen zu dürfen. Mein Vater las ein Gedicht vor und erzählte etwas über die Liebe und über im Leben gereifte Paare, dann rückten 60 Leute mit Gratulationen an uns vorbei und das war wirklich toll, denn einige der Gäste hatten wir schon jahrelang nicht mehr gesehen.
Auf der Hochzeitstorte war kein Brautpaar – meine Eltern haben also letztlich doch mir zuliebe eine gewissen Schlichtheit akzeptiert – und es war eine njam njam Sachertorte. Dazu gab es noch jede Menge andere Sachen, die 2Wölfe furchtbar gerne mag – Schokomuffins, Quarkkuchen… Hmmm…
Und dann wurde es eine herrlich entspannte, lockere Feier, genau so, wie wir es uns gewünscht hatten. Keine albernen Hochzeitsspiele, keine blöden Witze, keine Zwänge wie „das Brautpaar muß aber am Kopfende sitzen“ oder dergleichen. Alles war super und ich habe immer noch leichten Muskelkater vom Lächeln, wie damals in der Schule auf den Konzertreisen. Innerhalb meiner Familie hat sich eine spontane Rockband gefunden – meine nicht mehr so kleine Nichte hat extra für uns wieder Schlagzeug geübt, mein Bruder hat Klavier gespielt, ein Arbeitskollege Baß, ein Schwager Percussion und auch mal Schlagzeug, eine Freundin von mir hat uns alle mit einer sehr coolen Jazz-Singstimme beeindruckt, also das war wirklich toll.
Gegen halb eins sind die letzten müden Krieger nach Hause geflossen, und am Sonntag gab es noch ein gemeinsames Frühstück für alle und Tupperdosen mit Buffettresten für die weitgereisten Studentenfreunde.
Inzwischen haben wir unseren Schlafmangel wieder aufgeholt und bereiten unsere Hochzeitsreise vor, die uns morgen für 10 Tage erst quer durch Deutschland und dann nach Frankreich führt. Wir freuen uns schon wie verrückt auf den Lavendel und die dort angesagten Sommertemperaturen.

Alle, die auf Fotos vom Kleid und dem tollen Täschli warten, müssen vermutlich noch ein bißchen Geduld haben, denn meine liebe Trauzeugin kommt frühestens ab dem Wochenende zum Fotobearbeiten, da sie selbst noch auf Reisen ist.

Ja, und damit melde ich mich auch erstmal ab – wir sind dann mal weg.

Damit zum Monatsanfang nichts fehlt, ist hier noch das Septemberbild für Euch und dann erstmal – so long, and thanks for all the guten Wünsche!

Advertisements

8 Kommentare to “Hochzeit und kurze Abmeldung”

  1. Aaaaaach, schöööön!
    Nochmal auch hier meine alleeeeerherzlichsten Glückwünsche!
    „Keine albernen Hochzeitsspiele, keine blöden Witze, keine Zwänge wie „das Brautpaar muß aber am Kopfende sitzen“ oder dergleichen. “ <— Ganz wunderbar! Nur ein Paar will ich auf einer ganz kitschigen Torte haben, ansonsten wünsche ich mir eine Sause im Tan Hill Inn. =D (Und auch den passenden Mann dazu ;))
    Hach, toll – ich wünsch Euch eine wunderbare Hochzeitsreise. Ich weiß ja nicht, wohin es dich nach Frankreich verschlägt, aber wenn Du bei Saumur oder Chinon vorbeikommen solltest, besuch mir doch mal Fontevrault. =)

  2. hach ja *knopfaugen* dann herzlichen glückwunsch, ihr verheirateten 😀

    ich freu mich schon auf deinen besuch 🙂 habt eine wundervolle reise!

  3. Hach wie schön 🙂
    Siehst du – es war wunderschön und wie es sein soll 😉
    Wunderschöne Flittertage und eine her(z)liche Zeit 😀
    Freu mich auf Dich wenn du wieder da bist

  4. Einen herzlichen Gruß dem frischgebackenen Ehepaar 😀
    Siehst du, das Wetter ist doch völlig wurscht. Ich freu mich mit, dass alles so schön geklappt hat und bedaure nur kurz den armen Ringträger.
    Viel Spaß beim „flittern“ 😉

  5. Ich freu mich für euch! Herzlichen Glückwunsch! 🙂

    Das Hunde-Problem hatten wir auch, aber wir haben es durchgedrückt. Längere Geschichte. Nur so viel an dieser Stelle: manchmal sind die überreizten Nerven einer Braut und eine resolute Mutter, die den Bürgermeister kennt, ne gute Kombi. 😉

  6. huhu 🙂 ich habe heute ganz tolle post in deinem auftrag bekommen. ganz herzlichen dank dafür, ich freu mich wie bolle 🙂

  7. Danke Euch, Ihr Lieben! Ich werde noch ein paar Tage brauchen; vielleicht schaffe ich am Wochenende einen Beitrag zur wirklich absurden Hochzeitsreise… 😀
    @Amala: Nichts zu danken – wie gesagt, das war nur Energieausgleich. Es hat mich wahnsinnig gefreut und geehrt, Dich und Deine Jungs kennenzulernen. Wir haben dann übrigens das Ersatzrad aufgezogen und sind dann sogar noch bis zur Ostsee gefahren und kamen heute erst von da nach Hause.
    @Isi: So eine Mutter habe ich zwar auch, aber die nötige Hysterie ging mir irgendwie total ab… ich war total relaxed den ganzen Tag und der Ringträger hat’s uns nicht verübelt. Pansenstange sei Dank.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: