Archive for Oktober, 2010

31. Oktober 2010

Fotosuppenrezept und noch Suchbegriffe

Ein gesegnetes Totengedenkfest wünsche ich ringsherum! An diese Namen Samhain, Litha usw. kann ich mich immer noch nicht gewöhnen – ich feiere lieber realitätsnah, womit ich natürlich nur meine eigene, subjektive Realität meine. Feste, bei deren Namen ich über die Aussprache nachdenken muß, liegen mir nicht. Daher wünsche ich Euch von Herzen viel Freude bei einem Fest, in dessen Namen das Wort tot auftaucht.
Dabei geht es gar nicht in erster Linie um’s Sterben, sondern vielmehr um das Abschiednehmen. Darum, Dinge loszulassen, die man nicht mehr benötigt, die nicht mehr angemessen sind, und – viel schwieriger – darum, Dinge und Lebewesen loszulassen, die man gar nicht wirklich loslassen will, die aber trotzdem einfach gehen. Heute ist der Zeitpunkt, um dieses Gehen zu akzeptieren. Heute geht nach alter Zeitrechnung verschiedener Kulturen das alte Jahr, morgen beginnt das neue.
Und wir beide, mein Kerl und ich, laden heute den Hund ein. Ja, er ist nur ein Hund. Aber ohne diesen Hund könnte ich jetzt nicht „wir beide“ schreiben, und wir haben ihn beide sehr geliebt und vermissen ihn immer noch sehr. Deshalb habe ich eine leckere Kürbissuppe gekocht und backe gerade ein Dinkel-Buchweizen-Brot, und wir teilen uns heute Abend ein Festmahl quasi zu dritt. Hier mal das Rezept, einfach genug für meine begrenzten Fähigkeiten in der Küche und gleichzeitig lecker genug, um meinem unbremsbaren Appetit gerecht zu werden, als Fotostory:

Zwiebeln anbraten

Kürbis würfeln

Kürbis kurz mitbraten

Küchenkräuter nach Wahl

Kochen lassen

schönes Geschirr raussuchen

pürieren und pfeffern

Und nun nochmal zur Bilderklärung: Während die Zwiebeln anbraten, sollte man (zumindest wenn man Kurkuma so begeistert verwendet wie ich) ständig rühren, denn das Zeug setzt sich am Topfboden ab. Das Verhältnis Kürbis zu Gemüsebrühe ist in etwa 5:6, man kann runtergehen bis 1:1. Als Kräuter eigenen sich sehr gut Basilikum und Petersilie, getrennt oder zusammen, aber ich glaube, da Kürbis ein ziemlich geschmackloses universelles Lebensmittel ist, kann man auch alles andere nehmen – Hauptsache, frisch oder tiefgekühlt, denn Trockenkräuter schmecken immer nach Papier, egal, wie sie heißen.

Und nun noch kurz zu den heutigen Suchbegriffen:

wow in der schule spielen – Nein, nein, nein! Liebe Kinder, das wird weder dem Spiel noch der Schule gerecht. Es ist wie Schokolade mit eingelegter Kaffeebohne – einfach eklig, selbst wenn man schokophiler Kaffoholiker ist wie ich.

Impulskontrollstörung beim Hund – HAAAAAAAAHAHAHAHA, grunz, gröl… so, Verzeihung, es geht wieder. Wir reden hier von einem Hund – von einem Tier mit nur sehr begrenzter wenn überhaupt vorhandener Kapazität zu bewußtem Denken. Also drücke ich mich mal so aus: Ein Hund wird mit einer Impulskontrollstörung geboren, und er wird sie nie überwinden. Die Impulse eines Hundes entspringen seinen Überlebensinstinkten.
Sorgen würde ich mir machen, wenn er Tendenzen zu berechnendem, hinterhältigem Verhalten zeigt. Oder sich zu dick findet und deshalb den Freßimpuls unterdrückt. Oder bei der Jagd nach einem Reh an der Straße stehen bleibt und links und rechts guckt. DAS fände ich krank.

Etwas anderes ist natürlich massive Verzüchtung (ich hatte ja kürzlich über die Spanielwut geschrieben) oder ein anerzogenes Fehlverhalten, worunter ich z.B. auch übermäßige Aggression verstehe. Beispiel: Ein Hund wird immer sein Grundstück bewachen und vorbeigehende Passanten zumindest gut beobachten, oft auch anbellen, als Warnung an die eventuellen Eindringlinge und Alarm an das eigene Rudel. Das ist normal und gut, auch wenn ein ständig kläffender Chihuahua einem schon tierisch auf die Nerven gehen kann. Wenn ein Hund jedoch ständig darin bestärkt wird, Passanten anzubellen, wenn der Besitzer ihn anfeuert, dafür lobt und den Hund vielleicht noch zum Knurren und Hochspringen animiert, ist das anerzogenes Fehlverhalten, das darin gipfeln wird, daß irgendwann mal eine Postfrau dran glauben muß. Wer das vermeiden möchte, kann seinem Hund von Anfang an zeigen, daß es in Ordnung ist, wenn draußen jemand vorbeigeht, indem man z.B. mit den Passanten einige Worte wechselt und sie sogar einlädt, am Zaun stehenzubleiben und eventuell den Hund zu kraulen. Postboten sollten besondere Aufmerksamkeit bekommen, ebenso wie Handwerker aller Art. Leckerlis helfen immer.

30. Oktober 2010

Mehr tolle Wolle

Ich hasse es, über Geld zu reden, zu schreiben und überhaupt gehe ich nicht gerne einkaufen (außer in Schreibwarenläden, Woll- und Buchgeschäfte natürlich). Aber das hier hat mich heute umgehauen:
Auf der Suche nach einer simplen, preiswerten Regallösung für unseren winzigen Keller waren wir in einem Ein-Euro-Laden. Gibt’s sowas bei Euch im Westen auch? Hier sind die quasi flächendeckend alle 500 Meter vorhanden und ich betrachte sie normalerweise als ästhetisches Ärgernis und ein Armutszeugnis für unsere Lebenskultur. Da werden Sachen verramscht, die aufgrund widriger Umstände (Lagerbrand, Konkurs usw.) nicht mehr zum üblichen Handelspreis verkauft werden können. Diese Läden bestellen irgendwas und bekommen dann Überraschungspakete, wie uns die nette Verkäuferin heute erklärte. So hat sie kürzlich einen Schwung Wolle bestellt, und was geliefert wurde, war das hier:

Waldgrüne Mohairknäuel. Und sandbraune und honiggelbe Wolle mit 15 % Alpakaanteil. Ist das zu fassen? Ich stand mit offenem Mund davor und wollte nicht glauben, daß die nur 1 € pro Knäuel kosten sollten. Und dann hat mein Mann, der an der Regalfront nichts gefunden hatte, gesagt: „Pack ein, ich bezahle. Und übrigens – da vorne stehen noch Bücher.“ Gnahahaha – Bücher, die wir für 50 Cent das Stück bekommen haben, weil wir so viele genommen haben. Das Decameron. Der Graf von Monte Christo. Ich habe sogar eine Georgette-Heyer-Schmonzette gefunden.

Ja, das wollte ich nur mal sagen. Ich gehe jetzt wieder meine Wolle anstarren und überlege mir, was ich daraus Kuschliges stricken oder häkeln kann. Vorschläge sind herzlich willkommen. 🙂 Aus einem Teil des Mohair mache ich mir vielleicht endlich die Handstulpen, die ich mir schon lange mal vorgenommen habe.

Und in 3 Stunden muß ich mich eh in mein Mittelalterkleid werfen und Luther singen gehen.

28. Oktober 2010

Bücher und Geschenke aller Art

Dies ist meine erste Socke.

Natürlich noch im Entstehungsprozess, wie man sieht. Als Vorbereitung auf das Wagnis Sockenstricken, vor dem ich mich immer etwas gefürchtet habe, habe ich mir dieses tolle Bambusnadelspiel geleistet und dazu die Sockenwolle mit dem schicken Muster à la schlammbespritzte Kuh (was ich vorher nicht wußte). Dann habe ich mir eine einfach klingende Anleitung ergooglet und losgelegt. Wie sich herausstellte, ist es gar nicht so schwer, mit Nadelspiel zu stricken. Man bedient ja trotzdem immer nur 2 Nadeln. Das Problem sind eher die anderen 3, denn die sind ständig irgendwo im Weg. Anfangs hatte ich mehrmals den Verdacht, sie würden mich rudelartig attackieren und versuchen, mir via Hebelwirkung die Finger zu brechen. Seit ich aber die Ferse geschafft habe, verstehen wir uns ganz gut.

Nun zu einigen Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe: Da wäre zunächst mal der zweite Teil der Gaia girls – „Way of the water“. Kann ich nur ebenso rückhaltlos empfehlen wie den ersten. Ich habe wieder das englische Paperback bestellt, weil mir das deutsche Hardcover einfach zu teuer war. Die Lieferung dauerte zwar etwas, aber egal.

Dann habe ich auf einem Flohmarkt „Heidi“ entdeckt. Dieses Buch habe ich mit 7 oder so zu Weihnachten geschenkt bekommen von einer lieben Tante aus dem Westen. 🙂 Ich habe es am Weihnachtsabend durchgelesen. Danach hatte ich die ersten Kopfschmerzen meines Lebens, aber das Buch war fantastisch und ich habe es jahrelang immer wieder gelesen und sehr gemocht. Mit 13, als wir umzogen, gab ich es mit mehreren anderen Kinderbüchern in eine Kiste für das Kinderheim. Und als ich erwachsen wurde und mich kaum noch an die Handlung erinnern konnte, entwickelte es eine Art mythischen Status im Hinterkopf. Es war DAS Buch. Und nun habe ich es wieder gelesen und muß sagen – meine Güte, was für ein Mist. Also, es ist ja der Grundgedanke ganz wunderbar, das man lieber ganz natürlich leben und sich geben sollte als sich krampfhaft irgendwelchen gesellschaftlichen Zwängen zu unterwerfen und dabei die eigene Menschlichkeit zu verlieren. Das unterschreibe ich gerne. Aber: Dieser Peter ist ähbäh. Warum hatte ich den nur in so netter Erinnerung? Und erst seine Großmutter! Was übt diese Frau für einen psychischen Druck auf ein fünfjähriges Kind aus! Wie kann man ein Kind, das einen besucht, verabschieden mit „Das Du mir nur bald wiederkommst, sonst tät ich’s nicht überleben“? Das ist doch abartig. Die einzigen sympathischen Menschen sind der Almöhi sowie der Vater und besonders die Oma von Klara. Ich kann mir nur vorstellen, daß die Spyri extrem schlechte Erfahrungen mit dem Egoismus anderer Leute gemacht haben muß und finde, das zumindest behandelt sie anhand verschiedener Figuren sehr gut. Aber diese Peter-Oma… brrr.

Dann habe ich die Pellinorsaga ausgelesen. Es sind gute Bücher, wenn auch keine, die ich mir nun extra kaufen würde. Ich finde, für den langen Aufbau kommt letztlich die Geschichte Maerad-Cadvan zu kurz. Außerdem legt die Autorin im letzten Buch weniger Wert auf die Innenschau Maerads, weshalb man sich ihr plötzlich entfremdet fühlt. Cadvan ist mein absoluter erklärter Held. Ich kenne noch keinen Romanhelden, dessen Persönlichkeit mich so anspricht – nichtmal Winnetou. 😉 (Vielleicht liegt es auch nur daran, daß ich ähnliche Züge aufweise; einerseits großzügig, hilfsbereit, liebevoll, andererseits oft zu stolz, manchmal hochmütig, manchmal auch sehr verschlossen.) Jedenfalls ist er wirklich sabber.

Nun zu einigen Büchern, die ich noch nicht gelesen habe: Noch von der Hochzeit übrig sind zwei, zu denen ich ohnehin mal bloggen wollte. Dieses hier werde ich mit größter Wahrscheinlichkeit nie lesen. Ich finde es auch ein absolut abartiges Hochzeitsgeschenk. Mit der innigsten Herzlichkeit (tatsächlich!) überreicht wurde es uns von einer entfernten Bekannten meiner Eltern, die an irgendeiner psychische Labilität leidet und ihren Trost im christlichen Glauben findet. Was ich an sich eine schöne Sache finde. Aber wenn ich das Wort Sünde schon höre, da muß ich doch aus allen Poren kotzen. Verzeiht den Ausdruck. Dieses Buch geht davon aus, daß wir sowieso alle Sünder sind, da „das Gepäck, mit dem wir vor den Altar treten“ von der Bibel als Sünde bezeichnet wird. Die Bibel solle die Grundlage für die Ehe sein. Nun ja, das war ein wie ich weiß wirklich gut gemeintes Geschenk. Ich anerkenne also die Liebenswürdigkeit, die dahinter steht, und ignoriere den Erziehungsversuch.

Dann haben wir von Aquamarine zur Hochzeit ein richtig fantastische Südengland-Geschenkesammlung bekommen:

Hier sieht der geneigte Leser: Zweierlei Chutney – einmal Zwiebel, Pfeffer & Orange und das andere mit dem vielversprechenden Namen „Victorian Kitchen Garden“ -, ein Glas Honig aus Devon und eine Packung Brixham Fudge. Da ich nicht wußte, was Fudge ist, habe ich das nach der Hochzeit mal gesuchmaschint und festgestellt, daß man davon wahrscheinlich dick wird. Yummie! Wir haben noch nichts davon aufgemacht, da wir noch knietief in selbstgemachten Brotaufstrichen diverser Freunde und Verwandter stehen. Das wird bestimmt unser Special zur Adventszeit.
Und dazu gab es das Buch „The Witchcraft and Folklore of Dartmoor“. Also DAS ist ein echter Magnet, dem ich bisher leider leider noch nicht nachgehen konnte. Ich muß auch immer noch zuerst einen Stapel geborgter Bücher abarbeiten und zurückgeben, daher wird wohl auch dieses Buch ein Weihnachtsspecial.

Und zu guter Letzt vorgestern als Überraschungsgeschenk von meinem Schatz in der Post gewesen:

Wer die erste Seite des Originaltextes kennt, für den ist dieser hier ein echter Schenkelklopfer: „It is a truth universally acknowledged that a zombie in possession of brains must be in want of more brains.“ Also für mich als Jane Austen Fan genau das Richtige.

Und jetzt das Geschenk des Jahres: Gestern wurde ich von einem Inspirationspartikel getroffen. Ich hatte jemand sehr lieben und inspirierten um einige Gedichte zum Vertonen gebeten und sie wurden mir gewährt und gemailt. Gestern wollte ich keinen Lesestoff mit auf die Arbeit schleppen und nahm daher die ausgedruckten Gedichte und ein dünnes Notenheft mit, in der Hoffnung, vielleicht für eines der Gedichte schon ein Grundkonzept zu bekommen. Immerhin fahre ich eine Stunde hin und eine zurück, da hat man schon Zeit zum Überlegen. Und ich brauche eigentlich viel Zeit zum Überlegen solcher Sachen, denn ich bin mehr der Arrangeurtyp, nicht so die Komponistin. Ich bin ziemlich gut darin, bereits bestehende Dinge umzuformen und mache sie gelegentlich sogar etwas schöner, auf jeden Fall aber passender für die Besetzung, die das Arrangement haben will. Komponieren ist eine völlig andere Sache, und das Vertonen von Gedichten, deren Sprachrhythmus ohne einen Gedanken an musikalische Umsetzung entstanden ist, ist für mich eine echte Herausforderung.
Gestern jedoch saß ich da mit einem Haufen Gedichte und plötzlich sprang mich eines an. Ich hatte das Grundgerüst innerhalb von 20 Minuten fertig und schrieb dann noch 15 Minuten an Details der Instrumentalbegleitung, bevor ich in die S-Bahn mußte. Dann bevor die Arbeit anfing kam mir noch die zündende Idee für den Anfang eines zweiten Liedes. Glücklich schrieb ich ich der Pause eine sms an die geschätzte Autorin.
Auf dem Nachhauseweg saß ich über eine halbe Stunde am Bahnhof fest wegen Zugverspätung. In dieser halben Stunde schrieb ich das vollständige dritte Lied. Und im Zug nach Hause das vierte. So habe ich mich bisher nur ein einziges Mal in meinem Leben gefühlt: Als mir Aquamarine in der 10. Klasse in unserem 3-Bett-Internatszimmer einen Limerick erzählte. Wumm, hatte ich einen Chorsatz davon im Kopf. Diese Gedichte lösen offenbar ganz schön was aus. 🙂 Mein Mann meinte, als ich ihm heute Nacht nach der Arbeit davon erzählt habe, die Texte müßten wohl das richtige Thema für mich haben. Ja. *nick*

Ausblick: Am Wochenende ist Reformationstag, und ich singe Lutherchoräle auf einer Lutherparty in einer Nachbargemeinde, im Mittelalterdress mit anschließender Kürbissuppe. Ich freue mich schon total drauf.

25. Oktober 2010

Kirchenaustritte in Finnland

Ist das nicht nett?

Schon mit den Mißbrauchsskandalen (wann war das doch gleich? ja, da war doch was?) in der katholischen Kirche war ich der Meinung, jemand, der wahrhaft christlich wäre, müsse aus Protest die Kirchenzugehörigkeit aufgeben. Schon aus religiösen Gründen – sich an Kindern zu vergreifen ist ganz einfach das Gegenteil von Nächstenliebe – und auch aus kirchenpolitischen, denn eine solch große Organisation ändert ihren Kurs und ihre Handlungsstrategien nur, wenn irgendwo der Schuh drückt. Bei massenhaften Austritten überzeugt gläubiger Christen mit der Begründung „unsere Religion und unsere Kirche passen nicht mehr zusammen“ würde er gleich an mehreren Stellen drücken: Peinlichkeit, Kirchensteuer, Argumentationszwang.

Nun, diese Leute in Finnland sind Protestanten. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen. Da gibt es homosexuelle Pfarrer und Pfarrerinnen, und dann wird das öffentlich als Sünde bezeichnet. Wie geht das? Und natürlich, wie mein Mann richtig bemerkte, treten auch nur deshalb so viele Leute aus, weil das ganz einfach über ein Onlineformular zu erledigen ist – hierzulande ist offenbar schon die Mühe, ein Anschreiben zu verfassen zu viel, ganz zu schweigen von der Belastung, einem („seinem“) Priester vielleicht persönlich Rede und Antwort stehen zu müssen. Daher meinte mein Kerl auch, das cleverste wäre, wenn schwule Katholiken eine eigene Homepage hätten, die dem geneigten Austreter das verfassen des Austrittschreibens abnähme. Muhahaha.

Was mich an dem TAZ-Link wieder tierisch nervt, sind die Kommentare unter dem Artikel. Leute! „Religion ist sowieso bullshit“ ist KEIN Argument in einer Diskussion, in der es um die KIRCHE geht. (Entschuldigt, bei sowas werde ich zum Großbuchstabenschreiber. Manchmal entdecke ich in mir sogar eine ungute Neigung zu Mehrfachsatzzeichen. Die dunkle Seite der Macht wird immer stärker.) Religion ist ein eigentlich völlig indiskutables Thema. Wer an etwas glaubt, glaubt daran und fertig. „Du glaubst aber falsch“ ist eine völlig hirnrissige Einstellung, denn für jemanden, der an etwas glaubt, sind Glauben und Wissen dasselbe. Und dennoch werden hier immer und immer wieder Inhalt und Form verwechselt und nach Belieben ausgetauscht. -.-
Eine völlig andere Sache dagegen ist der Zusammenschluß vieler Menschen mit einer ähnlichen Weltsicht in einer Organisation, die ihnen einen Leitfaden vorgibt und die von ihren Mitgliedern nach außen repräsentiert wird. Insbesondere, wenn eine solche Organisation die gigantischen Ausmaße der unterschiedlichen christlichen Kirchen annimmt. Natürlich ist schon allein aufgrund ihrer Größe die Kirche (welche auch immer) auch eine politische Macht. Daher sollte sie Dinge mit Bedacht tun und aussprechen und eigentlich vor solchen Kurzschlüssen mit ihren Mitgliedern Rücksprache halten, damit man sich auf einen gemeinsamen Konsens einigen kann. (Natürlich sollten Politiker das auch tun, aber andere Diskussion.)

Ach verdammt, über dieses Thema könnte ich stundenlang predigen. Vielleicht hätte ich doch Pfarrer werden sollen, wie der Berufseignungstest geraten hat. Wenn ich nur die richtige Religion hätte…

22. Oktober 2010

Notizen

Heute: WoW. 2 Level in 3 Inis mit Birch, ging super schnell. In der ersten fragte der Tank gleich am Anfang, ob nicht jemand anders außer mir noch heilen könne – er hätte kein Vertrauen zu Duduheilern. Ich habe noch nicht herausgefunden, warum Druiden „Dudus“ genannt werden, und ich habe auch spontan erstmal nicht pampig reagiert sondern gesagt, er solle mir mitteilen, was er gut findet, und ich würde mein Bestes geben. Er meinte, ich solle ihn einfach nicht sterben lassen. Keine Ahnung, mit was für Heilern der vorher gespielt hat, aber ich habe ihn im Laufe der Ini so gründlich bekehrt, daß er mich gleich um die nächsten beiden gebeten hat. Später haben wir uns noch über Tanken und Heilen unterhalten, da ich ja mit Felixa ebenfalls tanke, und er gestand mir, daß er sich einfach nicht traut, zu heilen. 😛
Gelesen: Ich habe angefangen mit „Die Krähe“, dem dritten Band der sogenannten Pellinorsaga. Die ersten 2 Bände haben mir trotz des etwas simplen Erzählstils sehr gut gefallen. Im dritten geht es leider durchwegs um den Bruder der eigentlichen Hauptperson, zu dem man vorher überhaupt keinen Bezug aufbauen konnte, aber mal sehen, wie es sich entwickelt.
Gesehen: Den Anfang von „Robots“, bis wir nach 10 Minuten enttäuscht ausgemacht haben und umgestiegen sind auf Kommissar Rex. Ich stehe auf diesen Hund. Heute war eine sehr schlabberige Folge – der Typ, dessen Name völlig unwichtig ist und der nur dem Hund die Wurschtsemmeln bringt, wurde dramatisch angeschossen und dieser fantastische Schäferhund hat ihm ständig das Gesicht abgeleckt und gründlich eingeschleimt. Hach, toll.
Morgen: Abendmusik, bei der ich singe, die Eröffnung der ersten Ausstellung meiner Schwester B, Besuch von einer lieben Freundin. Ich muß das ganze Wochenende nicht arbeiten und hoffe, daß dies noch dem vollen Septemberdienstplan geschuldet ist und nicht etwa den November vorwegnimmt.
Oh ja – heute wurde nach „Runenbeutel selbermachen“ gegoogelt. Dazu kann ich wirklich nur raten. Mein eigener selbstgemachter Runenbeutel prangt in einem meiner allerersten Beiträge und ist eigentlich nicht sehr gelungen, aber ich finde, zu Dingen, die man selbst entstehen läßt und mit Hingabe und Aufwand herstellt, hat man einen so anderen, intensiveren Bezug, daß ich das für praktisch alle magischen Sachen nur empfehlen kann. Klar, es gibt auch Situationen in Geschäften, wo man an der Auslage spontan zu sabbern beginnt… 😀 Wie schick so ein Gegenstand dann im Vergleich zu kaufbaren Dingen ist, ist unerheblich. Wichtig ist, wie gut man ihn kennt.

20. Oktober 2010

Suchbegriffe

Heute gehe ich mal wieder auf einige Suchbegriffe ein, die Euch hierher geführt haben. Der „Bühnenkuss“ ist nach Monaten aus der Begriffsliste verschwunden, offenbar ein im Internet unterdurchschnittlich diskutiertes Thema. Dafür haben wir jetzt
2wölfe – is klar. Herzlich willkommen Ihr, die Ihr wißt, nach wem Ihr gesucht habt. 😉

häkelblumen anleitung – Ja, für sowas hatte ich im August mal auf die wirklich gute Handarbeitsseite von Elizzza (nadelspiel.com) verwiesen. Kurz gesagt: einen Kringel aus Luftmaschen behäkeln mit feste Masche-halbes Stäbchen-ganzes Stäbchen-halbes Stäbchen-feste Masche, das ist variierbar.

cache coeur strickanleitung – immer noch und immer wieder gesucht. Aaaaalso: Stricke einen richtig breiten (!) Schal, der etwa so lang wird wie Du von Kopf bis Fuß, nähe oder stricke ihn an den Enden zusammen – voilà, eine Câche-Coeur.

Jetzt wird es interessant:

cockerspaniel ein wadenbeißer – das kann mehrere Gründe haben. Wenn Du sichergestellt hast, daß sich keine Leberwurst auf den betroffenen Waden befindet, kommen noch schlechte bzw. inkonsequente Erziehung (die wahrscheinlichste Möglichkeit, denn Spaniel sind nicht dumm und durchaus, wie es immer so schön heißt, „charakterstark“) und die sogenannte Spanielwut in Frage. Letzteres war besonders in und nach den 50er Jahren ein Problem, das auftrat, weil der Cockerspaniel eine derartig beliebte Hunderasse war, daß er völlig überzüchtet wurde. Bei vielen Züchtern, legal wie Hinterhof, wurde das Hauptaugenmerk auf seine äußere Erscheinung gelegt und dabei seine Wesensmerkmale vernachlässigt, was zu übermäßiger Aggression insbesondere wohl bei den einfarbig roten Hunden führte. Schon seit fast 20 Jahren ist dieses Problem behoben. Es wurde und wird aktiv rückgezüchtet und Fälle von Spanielwut treten nur noch höchst selten auf. Abgesehen von diesem Defekt kann kein Hund egal welcher Rasse natürlich auch einfach mal aggressiv werden – wie gesagt, ich halte eine schlechte Erziehung für den wahrscheinlichsten Grund.
Besides – wenn Ihr wißt, daß Euer Hund zu überraschendem Verhalten neigt, laßt ihn niemals, niemals ohne Leine laufen. Auch wenn das in der Seele wehtut. Das mußte ich mit meinem durchaus überraschenden Labrador leider auch durchziehen, und es ist besser für den Hund. Ein Wesenstest, nachdem die Postfrau gebissen wurde, der zur Einschläferung führt oder ein unkontrollierbarer Jagdtrieb, der den Hund blindlings vor einen Lastwagen laufen läßt, ist sicher nicht in Eurem Sinne.

Und jetzt mein Lieblingssuchbegriff der Woche:

mich hat schon die ganze zeit gewundert wieso eine person sich immer im hintergrund hielt – Jo. Ws?

16. Oktober 2010

Tolle Wolle

Ich habe gaaaanz tolle Post bekommen. Nachdem im Schattenbuchprojekt Anfang Oktober die Bücher zur nächsten Station weitergesandt wurden, habe ich die Schutzhülle von Alexis‚ Buch bewundert – sie ist toll gearbeitet und darüberhinaus aus einer wahnsinnig schönen Wolle, in deren Farbenman einfach nur eintauchen und schwimmen will. Das schrieb ich ihr im Unterforum der Geistereiche, und prompt bekam ich gestern ein Überraschungsgeschenk:

Zweimal die tolle Wolle, einmal geknäuelt und einmal fast glatt, ein kleines Täschchen als Häkelprobe und eine Kräutermischung, von der ich mir noch nicht sicher bin, ob es ein Tee oder eine Räuchermischung ist. Ich vermute, beides funktioniert. Auf den ersten Blick habe ich jedenfalls Lavendel, Rosenblüten und Lemongras erkannt. Ich freu mich wie Bolle. Danke, Alexis! Mal sehen, zu welchem besonderen Anlaß ich mich traue, daraus etwas zu stricken oder häkeln. Jedenfalls… sabber…

Als ich das meinem Mann heute Vormittag gezeigt und erzählt habe, daß ich darüber nachdenke, mal spaßeshalber Wolle zu spinnen (eine Freundin einer Freundin hat ein Spinnrad und spinnt selbst, bloß zeitmäßig ist es nicht immer einfach, übereinzukommen), kam die Weisheit des Tages von ihm: Hexen spinnen doch alle. Danke, Schatz. Ich nehme das mal als Kompliment. Netze weben zu können, lange Fäden spinnen und überblicken zu können betrachte ich durchaus als große soziale Kompetenz. Und was meine kopfmäßige Versponnenheit angeht – die lasse ich mir auch nicht nehmen, die macht glücklich. 🙂

12. Oktober 2010

Nachtrag

Und heute noch ein zweiter kurzer Beitrag – damit die unüblich hohe Besucherzahl auch belohnt wird.

Auf der Geistereiche, einem von Amala geführten Forum zu in erster Linie schamanischen Themen, kam es letzte Woche zu einer interessanten Diskussion über Ritualabläufe und roten Fäden und so. Da wir als Heiden ja kaum über eine schriftliche Grundlage verfügen (worüber wir im Allgemeinen aus Gründen der Dogmenverweigerung sehr glücklich sind), gibt es keine Möglichkeit, Dinge einfach mal nach standartisiertem Ablauf passieren zu lassen (wie es z.B. im Gottesdienst ist). Der Vorteil festgelegter Abläufe liegt klar auf der Hand: man ist nicht gezwungen, sich jede Minute voll auf etwas zu konzentrieren, sondern kann den Geist gehen lassen, wie er will, auf der Straße, die die äußere Form vorgibt.
Daher beginnen wir nun, Texte und Ideen zu sammeln, aus denen sich etwas Schönes als Grundablauf bauen läßt. Mehr dazu hier bei Amala.

12. Oktober 2010

Seltsames Ich

In letzter Zeit habe ich irgendwie ein Problem mit Nahrungsaufnahme. Ich bin ein normalerweise sehr verfressener Mensch. Ich bin zwar Vegetarierin, inzwischen nach glücklichem Ausgleich meines Eisenhaushaltes auch wieder sehr konsequent, aber ich esse eigentlich sehr gerne Joghurt, Schokolade, Massen an Obst und Tomaten (*Sucht*). Da ich überdies Götterseidank ziemlich groß bin, fällt das nicht gleich auf – ich darf 20 Kilo mehr wiegen als normal große Frauen und sehe immer noch einigermaßen schlank aus. 😀 Aber in letzter Zeit kann ich mich zu den meisten Mahlzeiten kaum noch überwinden.
Es begann damit, daß ich gegen bestimmte Dinge einen leichten Abscheu entwickelt habe. Dosenfisch. Wäh. Chips, Salzstangen und Co. Wäh. Mittlerweile ist es so weit, daß ich nur noch am Wochenende mit meinem Mann frühstücke, weil es einfach eine schöne gemeinsame Sache ist, aber ich muß mir mein Brötchen wirklich hineinüberreden. Mittags nur maximal eine Yumyum, die ich fast nicht schaffe, und selbst als mir von diesem reichhaltigen Mahl gestern Abend richtig der Magen geknurrt hat, konnte ich mich nur schwer überwinden, den Flammkuchen zu essen, den es gestern zum Abendbrot bei uns gab.
Selbst von einer Tasse Tee fühle ich mich manchmal schon übersatt. Jetzt gerade zum Beispiel – ein leckerer Lemongras-Vanilletee war mein Frühstück, und nach der halben Tasse paßt nun einfach nichts mehr rein. Mir ist, als müßte ich meinen Körper komplett abschirmen und verpanzern gegen alles von außen kommende. Strange.

Naja, ich gehe jetzt erstmal ans Klavier ein bißchen was tun. Dann muß ich meine Chorprobe heute vorbereiten. Und da ich die nächsten 3 Donnerstag Abende freihabe, habe ich meinem Vater versprochen, in seinem Chor zu assistieren, denn er hat sich repertoiremäßig ein bißchen übernommen. 😉 Aber zu zweit wird das alles gehen. Und dann backe ich heute ein Brot, mal aus richtigem Mehl und keiner Backmischung – vielleicht animiert das ja meine Essgelüste.

9. Oktober 2010

Noch ein bißchen Wochenend-Lesestoff für Euch

Mein Kerl, der mich politisch immer auf dem Laufenden hält, schickt mir immer wieder interessante Links zu Themen, die mich interessieren.
Als überzeugte Baumkuschlerin finde ich diesen Artikel auf dem Spiegelfechterblog zum Thema Stuttgarter Bahnhof ungemein interessant, äußerst informativ und in mancher Hinsicht schockierend.

Desselben Themas nimmt sich Dr. Gysi von der Linkspartei an in dieser knappen, aber sehr eindringlichen Rede. Ich wähle die Linken zwar nicht, halte diesen Mann aber für nicht nur einen begnadeten Rhetoriker, sondern auch für einen Politiker mit Integrität. Für einen von dreien, von denen ich das behaupten würde, und die anderen beiden sind aus dem politischen Dienst ausgeschieden. Er setzt sich auch seit Jahren vehement dafür ein, das Hartz-IV-Gesetz zu ändern und schlägt in der oben verlinkten Rede einen interessanten Bogen: Das Kindergeld für Hartz-IV-Empfänger soll gestrichen werden, aber die 10 Milliarden verschwendetes Geld für ein völlig sinnfreies und sogar gefährliches Bahnhofsprojekt sind da? Er warnt die Regierungskoalition davor, weiterhin Politik über die Köpfe der Bevölkerung hinweg zu machen, da sie damit „unkontrollierbare Prozesse“ in Gang setzen würden. Denkt man den Gedanken zu Ende, erreicht man einen Bürgerkrieg.

Stellt Euch doch mal vor, alle Arbeitslosen würden dafür auf die Straße gehen, menschenwürdig leben zu dürfen – nicht von 350 Euro im Monat, in deren kürzlich beschlossener Erhöhung nichtmal eine realistische Teuerungsrate enthalten ist. Und alle, die durch das Raster fallen mit ihren 1-Euro- oder 400-Euro-Jobs. Stellt Euch die Millionen von betroffenen Menschen vor, wenn sie sich mal wirklich für ihre Anliegen stark machen. Mich beunruhigt der Gedanke, daß in der Politik von vornherein nicht davon ausgegangen wird, die Bevölkerung, die Betroffenen in Entscheidungen miteinzubeziehen oder sie in manchen Fällen auch nur transparent zu informieren.

Und, wer von Euch dieses Wochenende mal was anderes als Musik hören möchte, dem empfehle ich die ohnehin immer empfehlenswerten Podcasts des Chaos Computerclubs bzw. von Tim Pritlove, der auch ein Händchen für interessante Gesprächsparter hat. Für mich besonders beeindruckend aus gesellschaftlich-politischer (und für mich persönlich damit auch spiritueller) Sicht waren dieser mit dem Titel „Mut zur Freiheit“ (Ein Versuch den Zusammenhang von Angst, Freiheit, Gesellschaft und Solidarität zu verorten), dieser Beitrag der „Gesellschafter“, ein Interview mit Götz Werner und dieser mit dem Titel Freiheit statt Angst (über die jährlichen Demos in Berlin).
Auf den verlinkten Seiten könnt Ihr die Podcasts frei herunterladen und dann wie ich beim Autofahren hören oder so. Für mich ist es vor allem immer wieder ein Trostpflaster, ein Gegenpol zu den immer absurder werdenden tagespolitischen Strömungen.

Und keine Angst, ich werde dieses Blog nicht auf Dauer in ein Polit-Blog verwandeln. 🙂 Zum Beweis: Ein Podcast über World of Warcraft.
Aber manche Dinge liegen mir wirklich sehr am Herzen.