Noch ein bißchen Wochenend-Lesestoff für Euch

Mein Kerl, der mich politisch immer auf dem Laufenden hält, schickt mir immer wieder interessante Links zu Themen, die mich interessieren.
Als überzeugte Baumkuschlerin finde ich diesen Artikel auf dem Spiegelfechterblog zum Thema Stuttgarter Bahnhof ungemein interessant, äußerst informativ und in mancher Hinsicht schockierend.

Desselben Themas nimmt sich Dr. Gysi von der Linkspartei an in dieser knappen, aber sehr eindringlichen Rede. Ich wähle die Linken zwar nicht, halte diesen Mann aber für nicht nur einen begnadeten Rhetoriker, sondern auch für einen Politiker mit Integrität. Für einen von dreien, von denen ich das behaupten würde, und die anderen beiden sind aus dem politischen Dienst ausgeschieden. Er setzt sich auch seit Jahren vehement dafür ein, das Hartz-IV-Gesetz zu ändern und schlägt in der oben verlinkten Rede einen interessanten Bogen: Das Kindergeld für Hartz-IV-Empfänger soll gestrichen werden, aber die 10 Milliarden verschwendetes Geld für ein völlig sinnfreies und sogar gefährliches Bahnhofsprojekt sind da? Er warnt die Regierungskoalition davor, weiterhin Politik über die Köpfe der Bevölkerung hinweg zu machen, da sie damit „unkontrollierbare Prozesse“ in Gang setzen würden. Denkt man den Gedanken zu Ende, erreicht man einen Bürgerkrieg.

Stellt Euch doch mal vor, alle Arbeitslosen würden dafür auf die Straße gehen, menschenwürdig leben zu dürfen – nicht von 350 Euro im Monat, in deren kürzlich beschlossener Erhöhung nichtmal eine realistische Teuerungsrate enthalten ist. Und alle, die durch das Raster fallen mit ihren 1-Euro- oder 400-Euro-Jobs. Stellt Euch die Millionen von betroffenen Menschen vor, wenn sie sich mal wirklich für ihre Anliegen stark machen. Mich beunruhigt der Gedanke, daß in der Politik von vornherein nicht davon ausgegangen wird, die Bevölkerung, die Betroffenen in Entscheidungen miteinzubeziehen oder sie in manchen Fällen auch nur transparent zu informieren.

Und, wer von Euch dieses Wochenende mal was anderes als Musik hören möchte, dem empfehle ich die ohnehin immer empfehlenswerten Podcasts des Chaos Computerclubs bzw. von Tim Pritlove, der auch ein Händchen für interessante Gesprächsparter hat. Für mich besonders beeindruckend aus gesellschaftlich-politischer (und für mich persönlich damit auch spiritueller) Sicht waren dieser mit dem Titel „Mut zur Freiheit“ (Ein Versuch den Zusammenhang von Angst, Freiheit, Gesellschaft und Solidarität zu verorten), dieser Beitrag der „Gesellschafter“, ein Interview mit Götz Werner und dieser mit dem Titel Freiheit statt Angst (über die jährlichen Demos in Berlin).
Auf den verlinkten Seiten könnt Ihr die Podcasts frei herunterladen und dann wie ich beim Autofahren hören oder so. Für mich ist es vor allem immer wieder ein Trostpflaster, ein Gegenpol zu den immer absurder werdenden tagespolitischen Strömungen.

Und keine Angst, ich werde dieses Blog nicht auf Dauer in ein Polit-Blog verwandeln. 🙂 Zum Beweis: Ein Podcast über World of Warcraft.
Aber manche Dinge liegen mir wirklich sehr am Herzen.

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2 Kommentare to “Noch ein bißchen Wochenend-Lesestoff für Euch”

  1. das problem ist sicherlich auch, daß wir – das „volk“ – viel zu regierbar geworden sind. irgendwann waren die deutschen mal ein volk von demonstranten, von menschen, die für ihre belange eingetreten sind. mich macht es total betroffen, wie arg wir uns heute von mass media, schlechtem essen und unserem eigenen gejammer einlullen lassen, anstatt auf die barrikaden zu gehen und den politikern zu zeigen, daß wir sie zwar gewählt haben, aber das wir sie genauso gut wieder absetzen können, daß wir uns gegen ihre art, uns zu regieren, auflehnen und etwas ändern können.
    es macht mich betroffen, daß es zwar so viele menschen gibt, die kritik (auch als cabaret, comedy und co. verpackt) zwar konsumieren, aber die verbindung zu ihrem eigenen leben nicht zu ziehen im stande sind und schon gar nicht handeln.
    manchmal entflammt dann die volksseele an irgendwas (wie jetzt am bahnhof in stuttgart), aber das alles sind immer nur kurzfristige empörungen, die nicht zum flächenbrand werden.

  2. Ja! Wir sind so derartig obrigkeitshörig und duckmäuserisch, es ist nicht zum Aushalten! Und so sehr ich meinen Vater liebe und er mich und so sehr wir einander vertrauen – ich bin mir sicher, er würde meiner politischen Meinung keinen Stellenwert einräumen im Vergleich zu Aussagen unserer Regierungskoalition, einfach, weil es die Regierungskoalition ist und ich nur ein in seinen Augen junges Mädchen. Ich KANN ja gar keine Ahnung haben, und die da oben werden schon wissen, was das Beste für uns ist. Woher kommt sowas? Mein Vater ist durchaus nicht dumm, er ist nur so extrem hierarchisch erzogen worden und konsumiert als einzige Nachrichtenquelle die Tagesschau.

    Und zum Kabarettkonsum: Ich hatte mal das Glück, Serdar Somuncu live zu erleben. Der Mann ist nicht nur unglaublich intelligent und gebildet, sondern auch (vermutlich deswegen) unglaublich zynisch und meiner Meinung nach eine ziemlich gebeutelte Seele, und ich glaube, die ganze Stunde, die er mit dem Publikum geredet hat, hat er nicht einen einzigen Witz gemacht. Und dennoch haben alle ständig gelacht. Es war zum Schreien und davonlaufen. Der Mann konnte ihnen Wahrheiten um die Ohren hauen, wie er wollte, sie hielten es für eine Show und für fernab ihres „richtigen“ Lebens.

    Mein Mann hat ja die Hoffnung, daß all die „kleinen“ Brände wie der in Stuttgart, sich irgendwann zu einem unüberwindlichen Berg aufballen und einen Umbruch bringen. Aber ich glaube, solange die CDU clever mit Stumpfsinn umgeht wie gestern, als sie einen EInwanderungsstop für Araber propagierten, Merkel dazu meinte, ist doch gut, wenn zuerst die Deutschen die Arbeitsplätze bekommen und die BILD wieder mal passend einen Aufreißer auf der Titelseite bringt über die Unterwanderung unseres Wohnraums durch Muslime (?!?)… Da freut sich der durchschnittliche CDU-Wähler (vorausgesetzt, ihm wurden nicht in Stuttgart mit dem Wasserwerfer die Augenlider weggeschossen), und denkt sich, die da oben wüßten ja doch, was gut für uns ist. Na, dann lassen wir ihnen mal den Bahnhof durchgehen, wenn mein Jung‘ dann auch eine ordentliche Stelle kriegt, die häßlichen Dönerbuden verschwinden und alles wieder so ist wie damals, als es noch gut war.

    Man möchte doch SCHREIEN.

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