Schreiblust

Ich schreibe gerne. Ich blogge hier größtenteils relativ belangloses Zeug, aber ich tue es gerne. Ich habe als Kind Geschichten und Gedichte geschrieben. Die Geschichten haben irgendwann aufgehört, die Gedichte nicht. Und manchmal schreibt man ja, weil man muß – die Diplomarbeit, eine Stellungnahme, einen Antrag, eine Kündigung oder Bewerbung. Bei diesen Gelegenheiten ist es wichtig, nicht nur auszudrücken, was man sagen möchte, sondern gleichzeitig alle Reaktions-Eventualitäten der Leser zu bedenken und gegebenenfalls seine Formulierungen zu ändern.
Darauf kam ich kürzlich, als jemand im Forum ankündigte, regelmäßig eine Zeitschrift mit heidnischen Inhalten herausgeben zu wollen. Das finde ich schön. Und auch nicht ganz ungefährlich, denn so eine Zeitung verbreitet natürlich Gedanken und Meinungen zu Themen, die oft nicht objektiv beweisbar sind – Geister sind nur ein Beispiel – oder die von verschiedenen Menschen auf verschiedene Weisen wahrgenommen werden (Naturgeister, schamanische Erfahrungen usw.).

Also, ich bin sowieso der Meinung, daß Zeitungen egal welcher Art so objektiv und neutral wie möglich zu sein haben, denn andernfalls nennt man sie BILD und sie verbreiten nur Stammtischfakten und besitzen keinen sachlichen Wert. Diese Neutralität zu erreichen ist natürlich unglaublich schwierig, und weil mir das klar ist, schreibe ich bisher nicht für diese Heidenzeitung, obwohl mich das Schreiben an sich schon sehr reizt. Aber was für eine große Verantwortung!
Besonders in unserem Metier, in diesem ganzen Hexen- und Heidenkram, dürfen wir uns auf keinen Fall auf persönliche Meinungen festbeißen oder allzu emotional argumentieren, denn ich glaube, daß Zeitungen wie diese unsere Kultur und Religion (oder wie man es nennen will) in die nicht-heidnische Öffentlichkeit tragen. Wir machen uns damit öffentlich und somit auch angreifbar. Wenn wir nicht klug und sachlich genug argumentieren, machen wir uns als religiöse Gruppe lächerlich. Und das wäre schade, nur weil jemand in einem Artikel schreibt „Dämonen sind üble Wesen der Unterwelt“ statt „Dämonen werden von den meisten Menschen als üble Wesen der Unterwelt betrachtet“. Oder „das ist so“ anstelle von „das war meine persönliche Erfahrung“. Auf mehr will ich gar nicht hinaus.
Ich finde es großartig, solche Zeitungen zu machen, denn irgendwo müssen wir ja Wissenspools anlegen und uns repräsentieren, unseren Gleichgesinnten Diskussionsstoff bieten und uns für Andersdenkende transparent machen.
Ich denke nur wie gesagt, wer einen Artikel veröffentlicht, sollte die möglichen Konsequenzen vorher bedenken und seine Formulierungen auf das höchstmögliche Niveau heben. Denn machen wir uns nichts vor – mindestens 80% der Benutzer, die wir aus heidnischen Onlinetreffpunkten kennen, sind nicht die Sorte Leute, von denen wir uns gerne persönlich in unserer Weltsicht repräsentieren lassen wollen. Und vielleicht schreiben die trotzdem gerne, und sei es nur, um sich mal veröffentlicht zu sehen. Daher liegt wohl die größte Verantwortung beim Herausgeber, der sich jeden Kleinkram gründlich durchlesen und durchdenken muß, immer und immer wieder, und man kann nur hoffen, daß da einer sitzt, der das mit ganzer Seele tut.

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3 Kommentare to “Schreiblust”

  1. Ich selber schreibe ja auch sehr, sehr gerne – aber ich würde mich scheuen, für so eine „Zeitung“ zu schreiben.
    Einfach deshalb, weil ich keine Lust verspüre, mich von allen möglichen Leuten auseinandernehmen zu lassen aufgrund meiner Sichtweisen und Erfahrungen. Denn das passiert in „diesen Kreisen“ ja schonmal ganz gern und einer möchte heidnischer und besser und toller und authentischer als der andere sein.
    Das ist übrigens auch ein Grund, weswegen ich außer bei uns nirgends sonst unterwegs bin. 😉 Auf so eine Atmosphäre habe ich einfach keine Lust. Und eigentlich bin ich ja noch nichtmal wirklich Heide. 😀

  2. da kann ich mich ash nur anschließen. ich möchte auch mein weltbild nicht in leserbriefen zerpflückt und zerredet bekommen und in irgendeinen vermeintlichen konkurrenzkampf à la „warum nennst du dich heidin, ich bin doch viel authentischer als du“ möchte ich auch nicht einsteigen. ich lebe mein leben und schreibe nur ein paar auszüge daraus in meinem blog. aber das dafür gerne.

  3. Hmm, ja, das ist natürlich auch ein guter Grund, nicht zu schreiben. Für mich wäre es wohl eher, daß ich nie das Gefühl hätte, über ein Thema ausreichend informiert zu sein, um mich daran zu veröffentlichen. Bzw. es reicht mir, mich in den 2 Foren, die ich regelmäßig besuche, zu bestimmten Themen auszutauschen und ich halte eine Zeitung für das falsche Medium für mich.
    Wenn ich eine Zeitung lese, dann will ich fundierte Artikel. aber wer kann sowas im heidnischen Bereich bieten? Was ist da überhaupt fundiert? Und wer kann das beurteilen? Solange ich mir solche Fragen nicht mal selbst beantworten kann, habe ich da Skrupel. Zumal meine Antwort auf magische Problemlösungsfragen sowieso meistens ganz profan entweder „diskutiere das doch erstmal aus“ oder „reiß Dich zusammen“ lautet…

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