Arbeitswoche

Dies ist eine Ausnahme-Arbeitswoche. Am Montag wurde ich angerufen, ob ich nicht (verzweifelt-fröhliches Lachen im Telefon) Dienstag früh kommen und bis Freitag 16 Uhr bleiben wolle. Öhm. Ja, klar. Ist ja nicht so, als hätte ich eine Wahl. Schließlich hatte ich um mehr Stunden gebeten und nicht bekommen. Cool, jetzt kriege ich mehr Stunden. Ob die wohl auch bezahlt werden?
Jedenfalls war ich gestern noch recht sanft von 10 bis 22 Uhr eingeteilt und hatte sogar von 14-15 Uhr Mittagspause. Theoretisch. Praktisch sah es so aus, daß ich die ganze Zeit auf Abruf saß, aber nicht eingesetzt wurde. Irgendwann laß ich das Skript nur noch mit halber Hirnkapazität mit und benutzte die andere Hälfte zum Sockenstricken. Als mein Kollege und ich Hunger bekamen und fragten, wie es denn mit einer Pause aussieht (in Proben hält man sich da oft nicht an Uhrzeiten, sondern die Bedürfnisse der Ausführenden im Probenablauf) meinte der Inspizient ebenfalls verzweifelt-fröhlich: Pausen gibt es heute nicht. Jeder macht Pause, wann er denkt und wird durchgerufen, wenn er gebraucht wird. Wir hirschten also mit Funkgerät bewaffnet in die Kantine, schoben ein schnelles Mittag ein und hirschten zurück, nur um festzustellen, daß wir noch immer nicht gebraucht wurden.
Um 14.30 mußte ich zu den Herren Chefs ins Parkett, weil mein Nichtstun plötzlich „wichtig“ war und ich „das Recht“ dazu hatte, vorne zu sitzen (augenroll) – was den Fortschritt der Socke massiv beeinträchtigte.
Um 18.30, nachdem ich 4 Stunden meine ganze Kraft dazu gebraucht hatte, ein interessiertes Gesicht vorzugeben und gelegentlich – etwa einmal pro Stunde – eine musikalische Frage zu beantworten, während ich im Halbschlaf auf die Bühne schielte und hörte, wie alle anderen die weitere Probe bis 22 Uhr und die danach spontan geplante Nachtschicht besprachen, hatte Cheffe einen Anfall von Gnade und schickte mich nach Hause. Ich rannte förmlich raus, denn er ist nicht für Gnadenakte bekannt und ich wollte weg sein, bevor es jemand bemerkt.
Dann stand ich eine Stunde am Bahnhof und fror mir den Hintern ab. Als mein verspäteter Zug endlich durchgesagt wurde, stieg ich erleichtert ein, nur um drinnen festzustellen, daß es eben nicht mein Zug war. Glücklicherweise teilten beide Linien sich noch die nächste Haltestelle, so daß ich nach nur weiteren 10 Minuten im eiskalten Wind endlich heimkam und nicht an der Ostsee landete. Zu Hause angekommen war mir so kalt, daß ich kaum den Autoschlüssel ins Schloß bekam. Aber dank der cheflichen Gnade war mein Mann noch wach und ließ mir sofort eine heiße Wanne ein. *knuddel* Dazu brachte er mir eine Tasse heißen Apfeltee mit Zitrone und schon war klein Wolfi wieder glücklich.

So – heute ziehe ich mich doppelt so dick an wie gestern, denn ein zweiter Gnadenakt dürfte mir kaum gewährt werden, und da es jetzt gerade die ersten Flocken des Jahres schneit, wird es wohl heute Nacht so richtig schön eisig. Also dann – ich muß zum Zug. 🙂

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5 Kommentare to “Arbeitswoche”

  1. Du Arme… wünsche dir viel Durchhaltevermögen!

  2. Ach du meine Güte! 10-22 Uhr allein hätte ja schon gereicht- owei. 😦 Schön, dass du dann zuhause noch ein wenig betüttelt wurdest.
    Ich hoffe, heute lief es gut und du frierst diesmal nicht!

  3. was genau machst du denn da und warum brauchts da sooo lange sonder- und sogar nachtschichten? o.O

  4. Guten Abend/Morgen! Ich brauche solche langen Sonderschichten nicht wirklich, aber Leute einer anderen Abteilung – Regie – bilden sich ein, mich zu brauchen. -.- Naja, und die langen Schichten sind nur der übliche Premierenwahnsinn. Am Wochenende ist das Geschichte – bis zur nächsten Premiere. 😀

    @Zachia und Sea: Vielen Dank! Gestern und heute habe ich wirklich nicht gefroren, und der Zug kam auch nur jeweils eine Viertelstunde später (also wie fast immer). Außerdem stieg der Musikanteil in den Proben kontinuierlich an, das erhöht den Gutelaunefaktor für mich ungemein.

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