Archive for Januar, 2011

30. Januar 2011

Gedankenschnappschüsse am Wochenende

Das letzte Mal zur Arbeit bin ich blasenbedingt lieber mit dem Auto gefahren, auch wenn die Fahrt irgendwie unter einem schlechten Stern zu stehen schien. Erst war eine derartige Ölschicht an der Tankstelle, daß ich mit Schwung von den Pedalen gerutscht bin; schließlich (als alles abwischen nichts half) fuhr ich die 80 Kilometer mit Socken, um wenigstens minimalen Grip zu haben. Dann meinte in der Stadt ein Tanklaster, mal eben ohne zu blinken und ohne zu gucken die Spur wechseln zu müssen – mit mir in seinem toten Winkel. Naja, in einer Großstadt rechnet man wohl nicht mit anderen Autofahrern. Und dann war mein üblicher Parkplatz wegen Überfüllung geschlossen und ich zu knapp dran, um ausgiebig nach einem halbwegs legalen anderen Platz zu suchen, so daß ich direkt gegenüber des Hauses im absoluten Halteverbot vor der Bayrischen Botschaft Vertretung stand. Bisher kam kein Knöllchen, und da das Wetter schlecht war, hoffe ich mal, daß es keiner gemerkt hat.

Suchbegriffe: Nachdem schon monatelang nur „Cache Coeur stricken“ in der Suchleiste auftaucht, gab es letzte Woche das Highlight „WordPress Kaffee“ und heute „Brigittenkreuz herstellen“. Das freut mich wirklich, vor allem letzteres. Es ist ziemlich einfach – Bastelstroh kaufen, kurz einweichen, damit es nicht bricht, zwei Halme zu einem Kreuz übereinanderlegen und dann einen weiteren Halm über den Querhalm abwärts falten, das Kreuz um 90° drehen, einen Halm abwärts falten, Kreuz drehen… und wenn es schön aussieht, die Kreuzenden verschnüren. Ich glaube, vor einem Jahr habe ich eine Anleitung dazu verlinkt, die ich beim Ord Brighideach International gefunden hatte. Und da Lichtmess ja ohnehin vor der Tür steht, verlinke ich das Video gleich noch einmal:

Das Zitat der Woche ist ein Bibelzitat. „Steh auf, nimm Dein Bett und geh“ sprach Jesus zu einem Kranken, der daraufhin aufstand und, man ahnt es, sein Bett nahm und ging. Die Vorgeschichte ist laut Bibel die: Es gab den Teich Bethesda etwas außerhalb Jerusalems, dessen Wasser sich gelegentlich bewegte. Man nahm an, daß es von einem Engel bewegt würde und daß wer zuerst nach der Bewegung hineinstieg, von jedweder Krankheit geheilt würde. Nun ist es natürlich etwas schwierig, der erste zu sein, noch dazu, wenn man wirklich krank ist und mal eben nicht so schnell kann. Außerdem finde ich es etwas schwer vorstellbar, daß es einem Engel Spaß machen sollte, zu gucken, wer sich ellbogenmäßig durchsetzt und den Betreffenden dann zu heilen. Jesus fand das Ganze offenbar auch relativ sinnbefreit und ging zu einem Mann, der seit 38 (!) Jahren dort auf einer Bahre lag und darauf wartete, einmal der Erste im Teich zu sein, und – wenn ich das mal so frei interpretieren darf – schnauzte ihn an. Steh auf, nimm Dein Bett und beweg endlich Deinen Arsch. Du hast Dein Leben damit vergeudet, hier herumzuliegen und von Almosen zu leben. Du hast die Möglichkeit verleugnet, alle Möglichkeiten im Leben zu haben und es stattdessen vorgezogen, passiv zu bleiben. Du hast Angst vor der Macht Deiner Eigenverantwortung und liegst lieber im Staub. Du hast 38 Jahre lang nicht einmal versucht, auch nur einen einzigen Schritt zu gehen. Genug!
Das finde ich doch sehr aufbauend. Und umso mehr, wenn man sich dazu ansieht, wieviele Schritte ein Eichhörnchen in nur zwei Wochen lernt:

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25. Januar 2011

Urlaubsüberlegungen

Gestern Abend, als ich mich vor brennendem Blasenschmerz auf der heizdeckengewärmten Matratze zusammengekugelt hatte, meinte mein Bär, ich solle doch mal einen richtig tollen Urlaub in Irland oder Schottland planen. Denn schließlich würden wir so bald nicht mehr die Gelegenheit dazu haben und früh plant sich, was ein Urlaub werden will. Da sage ich nicht nein. =D
Daher stelle ich den Urlaub mal hier in den Raum, denn ich hoffe auf Eure Ideen und Tips in den Kommentaren. Gleich mal vorab: wir haben kein Geld zu verschenken derzeit. -.- Wer also weiß, wie man am sparsamsten übernachtet und sich fortbewegt auf den Inseln, bitte immer her mit den Gedanken. Auch die Frage Fähre oder Flugzeug stellt sich noch, aber da muß ich mal richtig durchrechnen.
Nun gibt es einige Orte, die ich sehr gerne sehen will: Canterbury (ok, das ist weder Irland noch Schottland, aber man könnte vielleicht einen Tag auf der Durchreise dort verbringen?), Iona (gibt’s das überhaupt noch so richtig?) und einiges, das ich absolut sehen MUSS: Bangor 😀 und vielleicht die Umgebung, das alte Dalriada, also Downpatrick und interessante kleine Sachen dazwischen. Nun liegt letzteres in Nordirland – gibt es da irgendwas zu beachten bei der Ein- und Durchreise?
Und da mein Mann nicht gerade ein verklärter Kultstättengucker ist wie ich wollen wir auch auf jeden Fall ein wenig Städte betouren, also mindestens Dublin. Jaaa! Dublin! Und da wäre meine Frage: Wo liegt das echte Dublin? Ich meine, etwas tourismusferner? Ich erinnere mich, daß wir in Wien niemals nach Grinzing gefahren sind zum Heurigen trinken, weil da nur die Touris waren. Alle anderen hatten ihre eigenen Anlauforte, und ich würde wahnisnnig gerne ein Stout unter Iren trinken. Ich will das Book of Kells sehen und Bedes Grab. Und einfach alles, was dazugehört.

So, ich wechsle jetzt mal auf eine andere Ebene.

24. Januar 2011

Gääähn…

Guten Morgen… Während ich auf den Wasserkocher warte und darauf, endlich aufzuwachen, da es gestern spät wurde und heute früh, blogge ich mal gaaanz langsam das Zitat dieser Woche. Angeblich war es Winston Churchill, der sagte: Wir sind alle nur Würmer, aber ich will ein Glühwürmchen sein. Nun, von Churchill gibt es viele schöne Zitate, aber gerade dieses fiel mir gestern beim smsen mit einer Freundin ein, die sich derzeit etwas selbstbewußtseins- und motivationsgeknickt durch’s Leben schleppt.
Und das Schöne an dem Zitat finde ich die Vorstellung, daß Glühwürmchen aus sich selbst heraus glühen. Und irgendwie witzig, daß der dazu notwendige körpereigene Stoff Luciferin heißt.

Das war es auch schon an Tiefsinnigkeiten für heute – jetzt kommt der gute Magen-Darm-Tee zum Frühstück, ich suche noch ein paar Lieder für Klavierschüler heraus, dann bin ich um halb neun im Zug – endlich das erste Treffen des neuen Ensembles – und halb 10 heute Abend wieder da. Ich muß sagen, das Pendeln stört mich eigentlich gar nicht, aber daß der Zug nur jede Stunde geht kann echt grausam sein, wenn der letzte Schüler ungünstig liegt oder seine Mama noch irgendwas besprechen will.

An der Kommunikationsfront geht es gerade langsam (für meine ungeduldigen Begriffe) voran. Ich war am Wochenende meinen Bruder besuchen, um ihm mal meine halbgewalkten Ideen und Vorstellungen zu erzählen. Es war äußerst lustig bei ihm wie immer, hat aber weiter nichts ergeben als die erste Probeaufnahme für die von uns schon seit längerem geplante Weihnachts-CD mit abartigen Jazzarrangements. Wir haben White Christmas in absurdestem Clubstyle aufgenommen und hatten jede Menge Spaß dabei. Außerdem denke ich darüber nach, wie ich meine eigenen Stücke einerseits rechtlich absichere, andererseits aber von der gema fernhalte, und ob nicht ein BWL-Kurs angebracht wäre (wäh. -.- ), aber um mich durch Rechtserklärungen zu lesen brauche ich mal wirklich, wirklich Muße.

23. Januar 2011

Mal was Normales

Heute früh, beim tapsenden Suchen nach der Kaffeemühle, fiel mir mein Weinglas von gestern Abend ins Auge und mich streifte flüchtig der Gedanke „Ist ja immer noch nicht kaputt“. (Wer mich bisher nicht persönlich kennt… das ist wirklich erstaunlich, denn ich besitze diese wunderschönen Gläser seit 3 Jahren. Okay, sie sind schon von 6 auf 4 Stück geschrumpft, aber die Rate ist wirklich unterdurchschnittlich für meine Verhältnisse. Ich bin wohl mehr der Tonbechertyp.) Jetzt sitze ich am Tisch und presse mir eine Tiefkühlpizza auf den Oberschenkel. Und das nur, weil ich die kochenden Kartoffeln vom Herd genommen, mit dem Topf gegen das Weinglas Nr. 4 gestoßen bin, hastig den Topf zurückgerissen habe, was natürlich das Weinglas auch nicht mehr retten konnte, und dabei das Kartoffelwasser im Schoß hatte. Jeans und Küchenschürze sei Dank habe ich mich nicht allzusehr verbrüht. Aber jetzt sind es eben nur noch drei. Komisch, mein kleiner slowenischer Weinbecher aus Ton hält es seit etwa 8 Jahren bei mir aus und hat nichtmal eine Schramme.

Und draußen vor dem Fenster ist ein Mann mit zwei Möpsen. Ob das wohl der neue Nachbar ist? Da wir im Souterrain wohnen, gucken die Möpse ganz bequem ins Fenster, was mir die Kartoffelwasseraktion noch peinlicher macht, zumal ich den Mann durch’s angeklappte Fenster fröhlich pfeifen höre. Hnf.

20. Januar 2011

Gedichte

Ich habe beschlossen, die Aufforderung „Kommuniziere offen!“ mal wörtlich zu nehmen. Vor einiger Zeit habe ich wieder damit angefangen, Gedichte zu schreiben. Irgendwie kommt dieser Satz sehr oft: „wieder damit begonnen“. Ich habe als Kind viel gemalt („Du bist ’ne alte Krakeltante“), viele Geschichten und Gedichte geschrieben („ganz schön, aber zu lang“), Handarbeiten gemacht („das ist ja Stoffverschwendung“), wollte unglaublich gerne tanzen gehen und durfte aus verschiedenen Gründen nie, und jetzt so langsam greifen diese Dinge wieder Bahn in meinem Leben. (Diese blöden Kommentare kamen übrigens ausschließlich von Lehrern.)
Jedenfalls habe ich beschlossen, die ersten Gedichte mal aus der Schutzzone zu entlassen und hierher quasi in den Vorgarten meines Internethauses zu stellen. Ich verbitte mir selbstverständlich jedes mit mir nicht abgesprochene Kopieren oder sonstige Weiterverwenden, aber ich bitte auch durchaus um Kommentare kritischer Art. Ob ich sie annehmen kann und will, ist dann eine andere Frage. 🙂 Kurze Erklärungen stehen jeweils dabei.

Grundgefühl vor einigen Monaten, als ich dachte, ich sollte mir vielleicht besser irgendeinen ungeliebten Brotjob suchen und meine Pflicht tun. Whatever das auch sein mag.

Dahin (Der Traum)

Dahin gehst Du
meine Liebe, mein Traum,
mein Leben.
Wir liebten einander
so lange Zeit
doch stets voll Sehnsucht,
nie in Erfüllung.
Dahin gehst Du.
Mein Stolz, mein Mut,
meine Freude und Kraft –
sie gehen mit Dir.
Ich bleibe zurück.
Mein Herz ohne Ziel
mein Kopf nur Fragen in der Leere.
Meine Welt mir fremd,
unvertraut mir sogar ich selbst,
ohne Dich.
Du trugst mich unendlich
beglückend nach vorn und hinauf,
weiter als ich jemals dachte,
bis ich plötzlich mein Alleinsein
unerklärlich doch unabänderlich
begreifen mußte.
Geh, mein Traum.
Geh dahin,
wo jemand Dich zu Ende träumen
und irgendwann erfüllen kann.

Nach einem sehr intensiven Reikierlebnis, das auf einen Schlag ein riesiges Loch in meine Mauern gehauen hat und bis heute wunderbar nachwirkt:

Der Tanz

Ich fragte zu viel,
Du sagtest zu wenig.
Ich wollte immer mehr,
Du aber sagtest schließlich nur ein Wort noch:
Tanz!
Und schobst mich in das Licht.
Tanz!
Das machte mich stumm.
Ungelenk, wahllos die Glieder bewegend,
bemerkte ich kaum, wie der Tanz,
den ich begann, mich begann
zu befreien, zu strecken, einzureißen.
Tanz!
Ich tanzte und es tanzte mich.
Ich schrie die Qual mit einem Stampfen aus
und sah durch meine Tränen
Deine Tränen
und hörte wie ein Echo
hinter meinen so unfreiwillig befreiten Gefühlen
Dich:
Du hast schon so lange nicht getanzt.
Tanz!
Und ich tanzte, und ich sank
in eine unendliche Umarmung
Deiner Arme, Deiner Schwingen.
Deiner Liebe.

Hng… da ging’s mir mal richtig schlecht:

Und jeden Morgen wieder dieser Kummer

Und jeden Morgen wieder dieser Kummer,
und jeden Morgen wieder dieser Schmerz.
Die Welt ist jeden Tag genau wie immer –
nur ich, ich bin es nicht. Mein Herz
ruft immer, immer wieder: Hilfe! Sagt mir,
wo ich mein Lieben wieder find‘, mein Glück,
mein Atmen, Sein, mein Leben, meine Flügel,
oh bitte, gebt es endlich mir zurück.
Ich weiß nicht, wie es aussieht,
ich weiß nicht, wie es heißt.
ich fühle nur, es fehlt mir
und wie mich das zerreißt.

Und das nächste sind einfach ungeliebte alte Verhaltensmuster, die aufzulösen jetzt langsam höchste Zeit wird.

Der Schrei

Stumm
und ohne eine Miene zu verziehen
atme ich flacher
verkrampft die Brust
und reglos das Gesicht.
Es ist dies nicht das erste Mal
daß diese Art von Schmerz mich trifft
beiläufig ausgeteilt im Weitergehen.
Und stumm
muß ich stehen
flach atmen
reglos blicken
mit einem Auge nach innen auf die Käfigtür
lächeln auch noch wenn schon längst
es nur Grimasseschneiden ist.
Kerzengerade stehe ich, innerlich verkrümmt von diesem Schmerz
der mir den Atem nimmt.
Und leise grollt es, hager starrt es
durch die Gittertür: das Tier, das Ich.
Das Ding, das schreien kann und will
und niemals darf.
Es schreit mich an, will durch mich schreien
und fester presse ich die Kiefer aufeinander.
Die Fäuste geballt, mit geradem Rücken
sage ich „Danke, gut“ und „Vielen Dank“
und „ebenfalls“ wie immer.
Und schlucke es hinunter, dieses Schrei’n
das größer wird mit jedem Schlucken
und langsam, stetig meinen Bauch anfüllt,
mich rasend macht und zittern läßt vor Wut.
Hinunter, tiefer.
Ich atme durch und mache mich daran,
den Käfig zu verstärken,
neue Tür, noch ein Schloß,
denn sicher kommt der nächste Schmerz
und immer schleicht das Tier.

Das war es bis hierher erstmal. Wenn ich mir das hier so durchlese, finde ich es stellenweise etwas pathetisch, aber egal. 😀

17. Januar 2011

Du bist nicht allein –

…Du hast ja Dich. So spricht die Hexe / der weiße Ritter in Prinzessin Fantaghirò, und das ist mein Zitat dieser Woche. Seit ich den Film Anfang der 90er das erste Mal gesehen habe, beeinflußt dieser Satz mein Leben nachhaltig. Und nach meinem Besuch bei Ash und Feona bekommt er noch einmal eine ganz neue Bedeutung. Tatsächlich bin ich nie allein, denn ich kann mich ja auch selbst trösten, mir Mut zureden, mit innerlich loben und mir auf die Schulter klopfen – ich tue das nur längst nicht oft genug. Stattdessen folge ich meinem anerzogenen Glauben Selbstbewußtsein sei Arroganz, Selbstliebe Egozentrik, Offenheit frech und Authentizität vorlaut. Ich stelle mein Licht unter den Scheffel, weil sich das so gehört. Ich lasse immer und überall anderen den Vortritt, weil ich sonst egoistisch wäre. Und selbst das Wissen darum, daß ich so handle und aus den denkbar falschesten Gründen meine Persönlichkeit manchmal bis ins Schattenhafte zurückdränge, und selbst meine Wut darüber und mein Wissen darum, daß es anders besser wäre, konnten mich bisher nicht davon abhalten. Aber dies waren sehr spirituelle, inspirierte (full of spirit) Tage; ich habe enorm viel dazugelernt und will nie mehr damit aufhören.
Das Zitat bedeutet für mich außerdem, daß jemand, der sich mit sich selbst nicht allein fühlt bzw. der mit sich selbst gut allein sein kann, weil er der eigenen Persönlichkeit vertraut und sich damit wohlfühlt, automatisch auch immer Menschen um sich herum haben wird, die zu ihm passen.

Dies war einer der schönsten Besuche, die ich je irgendwo gemacht habe. Selbst bei meinen Geschwistern zu Hause fühle ich mich nicht so unverkrampft und entspannt und normal. Ich bin reich beschenkt – in vielerlei Hinsicht – zurückgekehrt, habe einige Fragen geklärt und einige neue sind aufgeworfen. Aber fangen wir doch mit dem Alltag an. Ich habe den Dom gesehen. Erst gestern, eine Stunde vor meiner Rückfahrt, aber da gestern auch der einzige unverregnete Tag war, war das genau richtig so. Klicken vergrößert wie immer, und die ersten 4 Bilder hat Feona gemacht, da ich mich einfach überfordert gefühlt habe. Ich konnte nur starren.

Drachen überall

rundherum Wasserspeier aller Formen

Die Wasserspeier ringsherum sind wirklich faszinierend. Einer erinnert an Kommandant Mumm von der Stadtwache Ankh-Morpork, zwei scheinen einander anzuspeien, während einer daneben sich quasi entnervt die Hand vor die Augen hält und ein weiterer den beiden Streitenden die Zunge herausstreckt. Und sie sind so farbenfroh in ihren Gesichtszügen, ebenso die Heiligen, die sämtliche Domeingänge säumen. Da gibt es Bischöfe mit verschmitztem Grinsen, einem Lächeln voller Sympathie, tierisch schlechter Laune, leichter Skepsis – dagegen sehen die zwischendurch dastehenden Figuren aus dem 20. Jahrhundert geradezu peinlich flach aus.
Die Türbögen, die Türmchen, alles ist gesäumt mit Zierleisten aus kleinen Fabeltieren und winzigen Blumenornamenten. Die Fenster sind von außen einfach nur Fenster, aber von innen leuchten sie in allen Farben (Foto wieder von Feona):

Wir konnten leider nicht das gesamte Kirchenschiff hinuntergehen, weil gerade Messe war und wir nicht ausreichend Zeit hatten, die abzuwarten, aber allein was ich gesehen habe, haut mich wirklich um. Und alles an diesem Gebäude strebt nach oben. Man tritt ein und automatisch richtet man sich ein wenig auf und hebt den Blick.

Wir waren auch im Altenberger Dom, von dem ich allerdings keine Fotos gemacht habe. Ansonsten waren wir nirgends, nicht einmal in Azeroth, weil es einfach irgendwie so wichtig war, zu reden, daß für alles andere keine Zeit blieb. Womit ich bei den Geschenken bin. 🙂 Neben einer einfach wunderschönen Kette mit verschlungener Triskele habe ich auch noch zwei Bücher bekommen: The Pitkin Guide – Celtic Saints und nach meiner Rückkehr lag hier vom Bär Unsere Haustiere von Angela Kämper, von der ich auch seit Jahren das Buch Tierboten habe und darin immer wieder mit Begeisterung nachschlage.
Aber das Schönste ist natürlich dies. Ich werde nach diesem Blogeintrag zu Hammer und Nagel greifen und dieses unglaublich schöne Bild von Saint Comgall wird fortan mein Zimmer zieren. In Berlin hätte ich um ein Haar meinen Koffer stehen lassen, während ich mit dem Bild in der Hand und der Tasche über der Schulter Richtung zielstrebig gen Regionalexpress marschierte.

Und Comgall bildet die Brücke zum nicht Alltäglichen, das irgendwie den größten Teil des Besuches ausmachte. Es beginnt eigentlich damit, daß ich zwei Menschen besucht habe, die mich gleich für 5 Tage auf ihre Schlafcouch eingeladen haben, obwohl wir einander gar nicht kannten. Und wie sich herausstellte, mochten wir uns. 😀 Dann kam noch Anaitis für einen Tag vorbei und voilà – noch jemand, den ich auf Anhieb mag. Es ist einfach toll. Wir haben Karten gelegt, wobei mich Anaitis‘ Art, mit Tarotkarten umzugehen, sehr beeindruckt hat und wieder mal in meiner Meinung bestärkte, daß es höchste Zeit für mich wird, die Karten auch mal systematisch im Zusammenhang zu betrachten. Ich werde mir wohl doch mal sämtliche youtube Videos von Claire dazu durchzappen müssen. Ich bekam von Ash jeweils eine Legung mit den Angels, Gods & Godesses – das wunderschöne Orakel, das ich mir selbst erst vor einem Monat geleistet habe, nachdem ich ihm schon etwa ein Jahr hinterherliebäugle – und den Aufgestiegenen Meistern, beide zu der Frage, was eigentlich meine Aufgabe hier ist. Ich habe mich ja in letzter Zeit oft gefragt, ob ich die Musik nicht einfach hinwerfen sollte. Ich bin so derartig außerstande, mich in das Klassikbusiness einzufügen, daß ich einfach weiß, dort werde ich nie erfolgreich. (Und mit erfolgreich meine ich einfach nur IRGENDEINEN Job.) Und da ich auch immer mehr feststelle, daß ich das eigentlich gar nicht will, da mir zu viele Dinge, die mir am Theater und im Profibereich begegnen, total zuwider sind, dachte ich schon, ich hätte mich total im Beruf vergriffen – einfach nicht genug Persönlichkeit, Durchsetzungskraft, Ausstrahlung um mich durchzusetzen. Dann wurde letzte Woche eine weitere Frau für dieselbe Arbeit eingestellt, die ich mache, 2 Monate, nachdem ich um mehr Stunden gebeten hatte. Und ich soll sie auch noch einarbeiten (*händereib*)! Da ich auch schon immer einen starken Hang in die therapeutische Richtung hatte (ich habe als Teenager wirklich lange mit mir gerungen, ob ich Medizin/Psychologie, Dolmetschen oder Musik studieren soll) und das Krankenhaus um die Ecke und chronisch unterbesetzt ist, habe ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, alles hinzuwerfen, eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen und die Musik nur noch als Hobby zu betreiben. Ich dachte, wenn ich es nicht mehr beruflich mache und meine ganzen Existenzängste nicht mehr an der einen Sache hängen, die mir so sehr am Herzen liegt, hätte ich zumindest keinen ständigen musikalischen Frust mehr. Ich würde das tun, was meine Eltern (und Comgall) damals getan haben: alle Träume aufgeben und „vernünftig“ werden. Mich selbst aufgeben und unglücklich sein.

Aber seit ich begonnen habe, diese Lieder zu schreiben, habe ich begonnen, für eine Sache zu glühen, die ich mir niemals zugetraut habe. Ich will jetzt mehr als je zuvor Musik machen. Und obwohl mir regelrecht Scham dafür eingetrichtert wurde: Es soll Unterhaltungsmusik sein. JA! UNTERHALTUNGSMUSIK! Denn welchen Wert hat Musik, die nicht unterhält? Wieviele Menschen sehen sich eine vor 20 Jahren komponierte Oper über einen Stoff von Shakespeare an und fühlen sich dabei tatsächlich im Innersten berührt? Gehen nach Hause und denken nochmal über die tiefere Bedeutung von Text und Musik nach, summen eine – ach nein, Melodien sind ja abgeschafft – und lassen sich davon anregen, in ihrem eigenen Leben mehr Musik, mehr Kunst, mehr Liebe, mehr Kreativität zuzulassen? Keiner. Selbst für mich, die ich ehrlich Interesse an zeitgenössischer Klassik habe, ist das meiste davon ebenso wenig inspirierend und inspiriert wie ein Glas-Stahl-Gebäude aus derselben Zeit. Es hat schon irgendwie einen intellektuellen Wert und einen Nutzen, aber es ist einfach nicht möglich, sich davor zu stellen, tief durchzuatmen und zu sagen: Ach, schön.

Und nun kamen die Karten. Ich habe ziemlich deutlich zu hören bekommen, daß ich Kunst machen soll. Ich muß es sogar, geht nicht anders. Trust. Das war die Hauptaussage mindestens jeder zweiten Karte. Trust. Es wird funktionieren. Denke größer als bisher, denn große Gedanken brauchen auch nicht mehr Aufwand als kleine. Trust. Du hast Menschen um Dich herum, die Dir weiterhelfen. Trust. Du hast alles schon in Dir, Du mußt nur handeln.

Und ich muß sagen, ich will das so sehr, es treibt mir regelmäßig die Tränen in die Augen. Ich habe mir selten etwas so stark gewünscht. Ich will Menschen durch Musik dazu bringen, ihr Leben als schön wahrzunehmen, es damit auch schön zu machen und ihrerseits anderen Menschen diese Schönheit zu zeigen. Das klingt kitschig, ist es aber nicht: Energie folgt Aufmerksamkeit. Je mehr wir uns auf den Dreck in unserem Leben konzentrieren und gedanklich immer wieder darum kreisen, desto wohler fühlt er sich. Immer her mit der Aufmerksamkeit! Aber ebenso ist es mit den Dingen, die uns vorwärtsbringen. Je mehr Aufmerksamkeit und gedankliche Energie wir ihnen zukommen lassen, desto wohler fühlen sie sich in unserem Leben, desto mehr Raum nehmen sie ein. Und ich will mit Musik die Aufmerksamkeit anderer auf das Wohlsein lenken, auf das, was in ihnen klingt. Ich will sie dazu inspirieren, kreativ zu werden – ob musikalisch oder anders ist völlig egal. Ich will sie anstubsen. Ich sehe vor mir, wie ich arbeiten will und ich denke dabei an Comgall, der aus nichts ein Kloster gebaut hat, um Menschen eine geistige Zuflucht zu bieten, und an den Anblick des Kölner Doms, der mir gestern deutlich gezeigt hat, daß auch das grandioseste Gebäude einfach eine Reihe stabiler Steine unten hat. Man kann sie anfassen, jemand hat sie dorthin gelegt. Und dann kam die zweite Reihe Steine darüber. Es wurde schön ordentlich aufeinander gelegt, mit großer Sorgfalt abgemessen. Dann kam eine dritte Reihe und irgendwann hat jemand die erste Zierfigur angebracht. Es ist überhaupt nichts Mystisches an großen Zielen – sie beginnen genau wie kleine Ziele, sie hören nur nicht so schnell auf.

Und das andere, was die Karten mir vehement sagten war: Kommuniziere offen. Du hast nichts zu verlieren, wenn Du Deine Meinung klar ausdrückst – schlimmstenfalls Leute, die Dich so wie Du bist nicht nehmen können. Rede, drücke Dich aus, in Worten und in Kunst.

Und dann kam ich heim und habe ein unglaublich schönes Gespräch mit dem völlig areligiösen Bären gehabt. Er wollte wissen, wie so eine Rückführung funktioniert, und ich habe es ihm erklärt. Er glaubt nicht an Reinkarnation, hat aber weder versucht, es mir wegzudiskutieren, noch darüber gelacht. Ich habe ihm von meinem Schutzengel erzählt und er hat sich einverstanden erklärt, an den zu glauben, sobald er vorbeikommt, einen Keks ißt und eine Schelle dafür abholt, daß er ein Mann ist. Ich glaube nicht, daß ich ihn dazu überreden kann, aber ich habe schon an ganz andere Sachen nicht geglaubt, also mal sehen. Und das Wichtigste: Ich habe Bär von der Musik erzählt und wie sehr ich mich danach sehne und wie sehr es in mir brennt, das zu machen. Und statt mir etwas von Verantwortung und Familie zu erzählen, hat er sich das einfach angehört und gesagt: Ich glaube auch nicht, daß Du in dieses Geschäft paßt, und ich verspreche Dir, innerhalb von 5 Jahren hast Du Deinen Traum erfüllt. Und ich werde Dich bei allem, was kommt, unterstützen.
Moment, muß Taschentuch holen.

… (rotz, schnief)

…(frischen Kaffee)

Also, wir halten fest: Kommunikation guuut. Und Bär super.

Jedenfalls möchte ich jetzt einfach mal ganz laut und deutlich Danke sagen. Danke, daß ich den Bären habe. Danke, daß ich Ashmodai und Feona kennenlernen durfte, jetzt auch noch persönlich. Danke für all meine anderen Freunde, die mir vorleben, wie man Mut hat und einfach losgeht, allen voran Aquamarine. Danke für meine Familie, die bei allen Streitereien und trotz des räumlichen und Altersabstands zwischen uns immer für mich da sein werden, wenn ich es brauche. Danke für die Musik. Danke für jede kleine Erkenntnis, die ich hatte und jede, die noch kommt.

Und wo wir gerade bei Unterhaltungsmusik, Shakespeare, Köln und Inspiration sind und da mein Lebensmotto ohnehin ist Für jede Situation ein Wise Guys Lied – Hamlet.

11. Januar 2011

Spaß am Abend

Na also: nichts ist besser gegen schlechte Laune als mein Chor, wenn ich ihnen (der Russischgeneration) ein französisches und ein englisches Lied (beide neu) innerhalb einer Probe überhelfe. Einfach grandios. Kong sche boah dü wang kläreh. In Chorkreisen auch bekannt als „Tourdion“ von Herrn Attaignant bekannt. Bei youtube gibt es leider nur absolut grottige Aufnahmen davon, daher kein Link.

Morgen fahre ich für 5 Tage weg und werde mit großer Wahrscheinlichkeit in dieser Zeit nicht bloggen. Und ich freu mich wie verrückt auf die Reise. 🙂 Also – eine schöne Restwoche allerseits!

11. Januar 2011

Spaß (?) am Nachmittag

In die Stadt gefahren. Gegenüber der Post geparkt. Geld abgehoben. In die Post – Schattenbuch verschickt, endlich Weihnachtspost nach England und noch einen Brief. Raus und in den Bioladen, Wildkaffee kaufen zur Feier des Anlasses. Rabatt erhalten, weil die Verkäuferin meine Mutter kennt, die eine Rabattkarte besitzt und der ich scheinbar doch irgendwie ähnle. In die Zoohandlung. Verkäuferin lacht sich schlapp, als ich erkläre, unbekannte Katzen besuchen und ihnen etwas mitbringen zu wollen. Ich warte leicht befremdet den Lachflash ab und lasse sie dann erklären, welche Katzenleckerlis es gibt. Meine Güte. Schokomäuse? Pinke Herzchen? Wo leben wir denn? Aber gut… es gibt ja auch Pfefferminzkaustangen für Hunde. Ich entscheide mich für etwas Braunes mit der Aufschrift „Vitamine“ und nehme noch eine Spielmaus dazu. Ich trage Vitamine und Maus ins Einwohnermeldeamt. Ich ziehe Nummer 138. Es dongelt das Glöckchen gerade die 125. Eine knappe Stunde später bin ich dran und tausche den vorläufigen gegen den endgültigen Perso. Die Nutzung der Onlinefunktion lehne ich ab, setze meinen neuen Verheiratetsein-Haken unter ein Formular und latsche zurück zum Parkplatz gegenüber der Post, wo mich in der Zwischenzeit (wieder mal) jemand zugeparkt hat. Gemäß meinen persönlichen Gesetzen (nach denen schon von weitem sichtbare rote Ampeln auch immer erst dann grün werden, wenn mein Auto stehenbleibt, egal, wie langsam ich ranfahre) war es natürlich ein Audi. Ich gehe in die Post und frage die etwa 20 Personen lange Schlange laut und mit bemühter Höflichkeit, wem der Audi mit diesem Kennzeichen gehört. Die Hälfte sieht unschuldig zur Decke, die andere skandallüstern zu mir. Eine fette Muddi schiebt sich einkaufstaschenbeladen gerade vom Posttresen zurück zur Tür und keucht „komm ja schon“. Och nee, ne? Ich entscheide mich dagegen, ihr die Tür aufzuhalten und stürme zurück zu meinem Auto, wo ich minutenlang abwarte, daß sie ihre Tütchen auf den Beifahrersitz geschoben kriegt. Dann schreit sie herüber: „Reicht es Dir, wenn ich ein Stück vorfahre? Kommst Du dann raus?“ – Ich beginne qualmenden Dampf aus beiden Ohren abzulassen. Bitte WER erzieht solche Leute? Erst zuparken und dann noch duzen? Und bitte WER erzieht solche Leute wie mich? Zuparken und duzen lassen und kein Wort dazu sagen?
Ich knirsche nach Hause. Mein Vater ruft an und klärt mich darüber auf, daß es Diskrepanzen im Text des Chorliedes gibt, das ich heute Vormittag noch einmal neu gesetzt habe, weil der Chor letzte Woche mit der Textverteilung nicht klarkam. Ich hatte das Stück heute Vormittag auch schon 25 Mal ausgedruckt, macht satte 75 Seiten. Und jetzt, JETZT kommt er mit Text. Ich lege auf und schlage ein paar mal – nachbarschaftsfreundlich leise – den Kopf gegen einen Küchenschrank. Ich überweise eine Falschparkergebühr. Ich rufe zurück und sage, ich werde es ändern. Ich lege wieder auf und drucke nochmal 75 Seiten. Mein Mann erzählt mir, zur Abholung des Ausweises hätte ich gar keine Nummer ziehen müssen – stand in dem Brief, den ich nicht gelesen habe. Ich heule und schimpfe ihn solange an, bis er mir einen Kaffee macht.

Es gibt Tage, an denen lache ich über sowas und noch viel mehr. Und es gibt Tage wie heute, an denen ich mir wünsche, Sturm beschwören und Feuerbälle werfen zu können.

11. Januar 2011

Information is beautiful

Das räumt ein bißchen auf im Kopf. Auch wenn die Größenverhältnisse schockierend sind, finde ich es zumindest ein bißchen hoffnungerweckend, weil es zeigt, daß eigentlich gar nicht viel Geld nötig ist (um zum Beispiel den Regenwald zu retten) – nur Engagement. Danke Bär für’s drauf aufmerksam machen.

9. Januar 2011

zitiert

Nachdem diese Zeit offenbar eher introspektiv ist, für mich auch sein muß, habe ich beschlossen, für das Jahr 2011 eine neue Kategorie einzuführen: zitiert. Ich werde jede Woche irgendetwas zitieren, das mich beeinflußt oder das ich für nachdenkenswert halte. Ich beginne mit

Take all the courage you have left
Waste it on fixing all the problems that you made up in your own head

Dazu muß ich nichts weiter sagen, oder? Da ich das Video schon Ende Dezember hier reingestellt habe, diesmal nur verlinkt. Und wie einer der Kommentatoren des Videos so treffend bemerkt: They are not even close to Irish, but this song makes me want a guinnes.