Spaß (?) am Nachmittag

In die Stadt gefahren. Gegenüber der Post geparkt. Geld abgehoben. In die Post – Schattenbuch verschickt, endlich Weihnachtspost nach England und noch einen Brief. Raus und in den Bioladen, Wildkaffee kaufen zur Feier des Anlasses. Rabatt erhalten, weil die Verkäuferin meine Mutter kennt, die eine Rabattkarte besitzt und der ich scheinbar doch irgendwie ähnle. In die Zoohandlung. Verkäuferin lacht sich schlapp, als ich erkläre, unbekannte Katzen besuchen und ihnen etwas mitbringen zu wollen. Ich warte leicht befremdet den Lachflash ab und lasse sie dann erklären, welche Katzenleckerlis es gibt. Meine Güte. Schokomäuse? Pinke Herzchen? Wo leben wir denn? Aber gut… es gibt ja auch Pfefferminzkaustangen für Hunde. Ich entscheide mich für etwas Braunes mit der Aufschrift „Vitamine“ und nehme noch eine Spielmaus dazu. Ich trage Vitamine und Maus ins Einwohnermeldeamt. Ich ziehe Nummer 138. Es dongelt das Glöckchen gerade die 125. Eine knappe Stunde später bin ich dran und tausche den vorläufigen gegen den endgültigen Perso. Die Nutzung der Onlinefunktion lehne ich ab, setze meinen neuen Verheiratetsein-Haken unter ein Formular und latsche zurück zum Parkplatz gegenüber der Post, wo mich in der Zwischenzeit (wieder mal) jemand zugeparkt hat. Gemäß meinen persönlichen Gesetzen (nach denen schon von weitem sichtbare rote Ampeln auch immer erst dann grün werden, wenn mein Auto stehenbleibt, egal, wie langsam ich ranfahre) war es natürlich ein Audi. Ich gehe in die Post und frage die etwa 20 Personen lange Schlange laut und mit bemühter Höflichkeit, wem der Audi mit diesem Kennzeichen gehört. Die Hälfte sieht unschuldig zur Decke, die andere skandallüstern zu mir. Eine fette Muddi schiebt sich einkaufstaschenbeladen gerade vom Posttresen zurück zur Tür und keucht „komm ja schon“. Och nee, ne? Ich entscheide mich dagegen, ihr die Tür aufzuhalten und stürme zurück zu meinem Auto, wo ich minutenlang abwarte, daß sie ihre Tütchen auf den Beifahrersitz geschoben kriegt. Dann schreit sie herüber: „Reicht es Dir, wenn ich ein Stück vorfahre? Kommst Du dann raus?“ – Ich beginne qualmenden Dampf aus beiden Ohren abzulassen. Bitte WER erzieht solche Leute? Erst zuparken und dann noch duzen? Und bitte WER erzieht solche Leute wie mich? Zuparken und duzen lassen und kein Wort dazu sagen?
Ich knirsche nach Hause. Mein Vater ruft an und klärt mich darüber auf, daß es Diskrepanzen im Text des Chorliedes gibt, das ich heute Vormittag noch einmal neu gesetzt habe, weil der Chor letzte Woche mit der Textverteilung nicht klarkam. Ich hatte das Stück heute Vormittag auch schon 25 Mal ausgedruckt, macht satte 75 Seiten. Und jetzt, JETZT kommt er mit Text. Ich lege auf und schlage ein paar mal – nachbarschaftsfreundlich leise – den Kopf gegen einen Küchenschrank. Ich überweise eine Falschparkergebühr. Ich rufe zurück und sage, ich werde es ändern. Ich lege wieder auf und drucke nochmal 75 Seiten. Mein Mann erzählt mir, zur Abholung des Ausweises hätte ich gar keine Nummer ziehen müssen – stand in dem Brief, den ich nicht gelesen habe. Ich heule und schimpfe ihn solange an, bis er mir einen Kaffee macht.

Es gibt Tage, an denen lache ich über sowas und noch viel mehr. Und es gibt Tage wie heute, an denen ich mir wünsche, Sturm beschwören und Feuerbälle werfen zu können.

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