Gedichte

Ich habe beschlossen, die Aufforderung „Kommuniziere offen!“ mal wörtlich zu nehmen. Vor einiger Zeit habe ich wieder damit angefangen, Gedichte zu schreiben. Irgendwie kommt dieser Satz sehr oft: „wieder damit begonnen“. Ich habe als Kind viel gemalt („Du bist ’ne alte Krakeltante“), viele Geschichten und Gedichte geschrieben („ganz schön, aber zu lang“), Handarbeiten gemacht („das ist ja Stoffverschwendung“), wollte unglaublich gerne tanzen gehen und durfte aus verschiedenen Gründen nie, und jetzt so langsam greifen diese Dinge wieder Bahn in meinem Leben. (Diese blöden Kommentare kamen übrigens ausschließlich von Lehrern.)
Jedenfalls habe ich beschlossen, die ersten Gedichte mal aus der Schutzzone zu entlassen und hierher quasi in den Vorgarten meines Internethauses zu stellen. Ich verbitte mir selbstverständlich jedes mit mir nicht abgesprochene Kopieren oder sonstige Weiterverwenden, aber ich bitte auch durchaus um Kommentare kritischer Art. Ob ich sie annehmen kann und will, ist dann eine andere Frage. 🙂 Kurze Erklärungen stehen jeweils dabei.

Grundgefühl vor einigen Monaten, als ich dachte, ich sollte mir vielleicht besser irgendeinen ungeliebten Brotjob suchen und meine Pflicht tun. Whatever das auch sein mag.

Dahin (Der Traum)

Dahin gehst Du
meine Liebe, mein Traum,
mein Leben.
Wir liebten einander
so lange Zeit
doch stets voll Sehnsucht,
nie in Erfüllung.
Dahin gehst Du.
Mein Stolz, mein Mut,
meine Freude und Kraft –
sie gehen mit Dir.
Ich bleibe zurück.
Mein Herz ohne Ziel
mein Kopf nur Fragen in der Leere.
Meine Welt mir fremd,
unvertraut mir sogar ich selbst,
ohne Dich.
Du trugst mich unendlich
beglückend nach vorn und hinauf,
weiter als ich jemals dachte,
bis ich plötzlich mein Alleinsein
unerklärlich doch unabänderlich
begreifen mußte.
Geh, mein Traum.
Geh dahin,
wo jemand Dich zu Ende träumen
und irgendwann erfüllen kann.

Nach einem sehr intensiven Reikierlebnis, das auf einen Schlag ein riesiges Loch in meine Mauern gehauen hat und bis heute wunderbar nachwirkt:

Der Tanz

Ich fragte zu viel,
Du sagtest zu wenig.
Ich wollte immer mehr,
Du aber sagtest schließlich nur ein Wort noch:
Tanz!
Und schobst mich in das Licht.
Tanz!
Das machte mich stumm.
Ungelenk, wahllos die Glieder bewegend,
bemerkte ich kaum, wie der Tanz,
den ich begann, mich begann
zu befreien, zu strecken, einzureißen.
Tanz!
Ich tanzte und es tanzte mich.
Ich schrie die Qual mit einem Stampfen aus
und sah durch meine Tränen
Deine Tränen
und hörte wie ein Echo
hinter meinen so unfreiwillig befreiten Gefühlen
Dich:
Du hast schon so lange nicht getanzt.
Tanz!
Und ich tanzte, und ich sank
in eine unendliche Umarmung
Deiner Arme, Deiner Schwingen.
Deiner Liebe.

Hng… da ging’s mir mal richtig schlecht:

Und jeden Morgen wieder dieser Kummer

Und jeden Morgen wieder dieser Kummer,
und jeden Morgen wieder dieser Schmerz.
Die Welt ist jeden Tag genau wie immer –
nur ich, ich bin es nicht. Mein Herz
ruft immer, immer wieder: Hilfe! Sagt mir,
wo ich mein Lieben wieder find‘, mein Glück,
mein Atmen, Sein, mein Leben, meine Flügel,
oh bitte, gebt es endlich mir zurück.
Ich weiß nicht, wie es aussieht,
ich weiß nicht, wie es heißt.
ich fühle nur, es fehlt mir
und wie mich das zerreißt.

Und das nächste sind einfach ungeliebte alte Verhaltensmuster, die aufzulösen jetzt langsam höchste Zeit wird.

Der Schrei

Stumm
und ohne eine Miene zu verziehen
atme ich flacher
verkrampft die Brust
und reglos das Gesicht.
Es ist dies nicht das erste Mal
daß diese Art von Schmerz mich trifft
beiläufig ausgeteilt im Weitergehen.
Und stumm
muß ich stehen
flach atmen
reglos blicken
mit einem Auge nach innen auf die Käfigtür
lächeln auch noch wenn schon längst
es nur Grimasseschneiden ist.
Kerzengerade stehe ich, innerlich verkrümmt von diesem Schmerz
der mir den Atem nimmt.
Und leise grollt es, hager starrt es
durch die Gittertür: das Tier, das Ich.
Das Ding, das schreien kann und will
und niemals darf.
Es schreit mich an, will durch mich schreien
und fester presse ich die Kiefer aufeinander.
Die Fäuste geballt, mit geradem Rücken
sage ich „Danke, gut“ und „Vielen Dank“
und „ebenfalls“ wie immer.
Und schlucke es hinunter, dieses Schrei’n
das größer wird mit jedem Schlucken
und langsam, stetig meinen Bauch anfüllt,
mich rasend macht und zittern läßt vor Wut.
Hinunter, tiefer.
Ich atme durch und mache mich daran,
den Käfig zu verstärken,
neue Tür, noch ein Schloß,
denn sicher kommt der nächste Schmerz
und immer schleicht das Tier.

Das war es bis hierher erstmal. Wenn ich mir das hier so durchlese, finde ich es stellenweise etwas pathetisch, aber egal. 😀

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5 Kommentare to “Gedichte”

  1. Es ist nicht pathetisch.
    Nichts davon.
    Es kommt aus tiefster Seele – und die drückt sich so aus, wie wir fühlen, ohne groß über die Wortwahl nachzudenken und abzuwägen, was pathetisch sei und was nicht. 😉
    Und ich finde jedes einzelne Deiner Gedichte großartig.
    Es ist großartig zu sehen, wie Du endlich rauslässt.
    Wie Du Dich auf Dich selber einlässt und niederschreibst, was in Dir ruft.
    Sie berühren ganz tief innen drin; sicherlich auch gerade deshalb.
    Sie sind ebenso wunderbar wie Du selbst und Du musst sie genausowenig verstecken. 🙂

    Und der Traum und die Liebe – die sind noch immer da. 🙂

  2. *knuddel*
    Ja, sie sind immer noch da, und so leicht werde ich sie, bei allen vorhandenen Zweifeln, nicht mehr aufgeben. 🙂

  3. Huhu!

    Ich mag deine Gedichte sehr. „Der Tanz“ den du mir ja auch ins Schattenbuch geschrieben hast find ich ganz besonders toll. 🙂 Schreib ruhig mehr davon. 🙂 🙂

  4. Vielen Dank, das habe ich vor. 🙂 Und danke für den pathetischen Ritter, Ash. 😀

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