Soap Opera – einmal auskotzen

Ich fühle mich gerade wie in der schlechtesten denkbaren deutschen Soap. Ich streite mit meiner Schwiegermutter. Ohne da jetzt ins Detail gehen zu wollen – ich beobachte seit Jahren ein absolut krankes Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihr und meinem Mann, der für alles herhalten darf, was bei ihr schiefläuft (Miete zu hoch – Bär anrufen, Kühlschrank brummt – Bär anrufen, Computer kaputt – Bär anrufen) und der sich auch wirklich nach bestem Gewissen um alles gekümmert hat, obwohl er noch zusätzlich bei jedem, wirklich jedem Besuch, den wir dort gemacht haben (ja, wir wurden erst anläßlich unserer Hochzeit mal selbst besucht, weil, ich zitiere: Och, das ist doch so weit und ich arbeite doch) ausgenutzt wurde, um Grünschnitt wegzufahren, Satschüsseln anzubringen und Computer zu reparieren. Mein persönlicher Tiefpunkt war ihr 50. Geburtstag, zu dem wir natürlich fuhren, nachdem der Bär noch einige Stunden auf der Arbeit war. Wir mußten am selben Tag hin und zurück (je 3 Stunden Fahrt), weil ich am nächsten Morgen arbeiten mußte, und hatten das auch angekündigt. Kaum waren wir da, hieß es: Junge, kannst Du nicht mal einen Blick auf den Computer werfen. Sechs (!) Stunden später kam der „Junge“ auf dem Zahnfleisch in den mütterlichen Kleingarten gekrochen, um eben noch etwas Abendbrot einzuschieben. Als wir dann nachts um 11 loswollten, weil ich um 9 auf der Arbeit sein mußte, fragte die Verwandschaft von weiter weg, wer sie denn jetzt ins 30 Minuten entfernte Hotel bringen könnte. Ich war erst arglos, da ja alle zwischen dem Hotel und dem Kleingarten wohnten und jeder einen Führerschein hatte – und unsere Autobahnabfahrt gleich hier beim Garten lag. Aber nein! Natürlich waren wir es, die eine halbe Stunde in die Stadt gurkten, die Verwandten samt Koffer ins Hotel stellten und sich dann erst ihren halbstündigen Weg zurück zur Autobahn suchten. Und jetzt im Januar gab es den letzten Tropfen im Fass.

Ich habe ihr eine Email geschrieben, in der ich wirklich kein Blatt mehr vor den Mund genommen habe. Nun, ich habe sie nicht mit Tiernamen belegt, aber ich habe wirklich deutlich gemacht, was ich davon halte, wie sie ihren Sohn – der aus Frust seit zwei Wochen nicht mehr ans Telefon geht, wenn ihre Nummer auftaucht – behandelt. Und genau wie der Bär es mir vorausgesagt hat, kam nichts bei ihr an. Heute früh weckte mich der Bär, erzählte mir, daß sie geantwortet hat und daß ich jetzt erfahren dürfe, womit er seit 30 Jahren lebe: Totale Ignoranz, egal, was man sagt.

Sie antwortete in zwei Teilen. Zuerst an „Mein lieber Sohn“ – sie könne nicht glauben, daß er seine Frau beauftragt habe, sie so zusammenzufalten. Und weiter in dem Ton. Hallo? Wenn sie es nicht glaubt, soll sie es nicht schreiben. Es sieht ihrem Sohn auch überhaupt nicht ähnlich, irgendwen für irgendwas loszuschicken, was sie wüßte, wenn sie sich je die Mühe gemacht hätte, ihn mal kennenzulernen als der Mann, der er ist.
Dann an mich: Die Email beginnt mit dem Satz „DAS war falsch, ganz falsch!“ (Da ich kein Hund in der Hundeschule bin, beeinflußt mich diese Einschätzung nicht im Geringsten) und endete mit „Und nochwas – Du solltest Dich schämen!!“ – Joah. Ich denke schon länger über die tiefere Bedeutung der Worte „unverschämt“ und „schamlos“ nach und fand sie immer sehr schön. Daraufhin konnte ich ihr natürlich nur antworten, daß ich mich schämen würde, wäre ich eine Frau, die nicht für den Mann, den sie liebt eintritt, daß ich aber so wie die Dinge stehen, stolz auf meine Ehe bin und darauf, zu einem mündigen Menschen erzogen worden zu sein.

Dann schrieb ich das meinem Mann, der meinte: Schade um den Hund. Ja, schade um den Hund… Aber noch viel viel schader um den wunderbaren Mann. Bär, ich weiß, daß Du mein Blog immer liest und ich hab Dich furchtbar lieb. Ich bewundere, wie Du auf so einer Grundlage so ein toller, loyaler, aufrechter Mensch werden konntest. Wenn Du das möchtest, werde ich auch wieder lieb und höflich zu Deiner Mutter sein, das Problem stellt sich ja vermutlich spätestens, wenn Du ein Geburtstagspäckchen kriegst. Aber ich bin froh, wenigstens einmal gesagt zu haben, was Sache ist.

Advertisements

2 Kommentare to “Soap Opera – einmal auskotzen”

  1. Oh Mann…
    Ohne Worte.
    Da fragt man sich, in welchen Welten manche Leute leben. *groll*

  2. sowas in der art hatten und haben wir auch. das führte dazu, daß mein mann mit mitte dreißig endlich den kontakt zu seinen eltern verweigerte, die dahinter die ränke einer gemeinen, böswilligen zicke (= ich) vermuteten (dabei war ich ausnahmsweise mal unschuldig).
    jetzt – drei jahre später – ist es immer noch so, daß die schwiegers jedesmal, wenn ICH denen einen brief mit bildern ihres enkels schicke, meinen, daß der von meinem mann käme (da muß man schon gut projizieren können, wo doch ich unterschreibe *g*). die haben das einfach nicht gerafft und ich glaube auch nicht, daß das noch ankommen wird.
    durch die räumliche und vor allem emotionale distanz geht uns deren verhalten inzwischen am arsch vorbei. ich freu mich aber schon auf den tag, an dem wir uns das gejammer von wegen „wir müssen ins altenheim und ihr sollt dafür zahlen“ oder noch besser „wir sind pflegebedürftig – nehmt uns auf“ anhören dürfen.

    aaaargh!!!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: