Archive for ‘Hummeln’

6. April 2011

Abenteuer Kommunikation

An der S-Bahn, die wartend auf dem Gleis steht, steht „bitte nicht einsteigen“, desgleichen an der Anzeige über dem Bahnsteig. Da ich dringend zur Arbeit muß und alle S-Bahnen dorthin von diesem Gleis fahren, frage ich die Mitarbeiterin auf dem Bahnsteig, warum man hier nicht einsteigen dürfe und ob da noch ein Zug fährt. Sie starrt mich von einem halben Meter unter mir an, als wäre ich der Hundehaufen, in den sie getreten ist, und sagt: „Sie könn‘ hier nicht einsteigen, weil (gestikuliert übernachdrücklich zum Zug, damit auch ich Idiotin es verstehe) dat da dransteht!“ Ich frage noch einmal, ob vielleicht demnächst eine andere Bahn in die Richtung ginge, und sie sagt tierisch entnervt und in doppelter Lautstärke, als wäre ich nicht nur dämlich sondern auch noch taub: „Natürlich geht da’n Zuch. (verdreht die Augen) Die Bahn da fährt ja auch, aber erst in’n paar Minuten, solange könnse da noch nicht einsteing. Steht doch dran.“ Und geht augenrollend davon.
Tja. Ich stand einige Sekunden grübelnd am Gleis, und gerade, als ich beschloß, wagemutig illegal die S-Bahn zu betreten, die man offenbar erst in einer Minute betreten darf, änderte sich auch das Anzeigeschild.

Dann spielte und sang ich auf der Arbeit ein wenig vor mich hin, bis der erste Schüler kam, (ich arbeite ja derzeit an mehreren Liedern gleichzeitig) da öffnet plötzlich die Musikschuldirektorin mit fragendem Blick meine Zimmertür und sagt: „Oh, Sie sind es doch. Ich dachte, hier unterrichtet jemand Gesang.“ 😀

2. April 2011

Napfsauger

Ich habe einen neuen Computer. Es ist ein MacBook. Oder sowas. Es ist so schön, daß ich es Kenny genannt habe. Auf Kenny funktionieren manche Dinge etwas anders, so ist z.B. mein iWeb etwas umgestaltet. Aber nun habe ich herausgefunden, wie es geht und habe endlich, endlich meine Seite online gestellt. Ich präsentiere:

Napfsauger

In den Suchbegriffen des Blogs waren heute erstmals richtig interessante Sachen. Tierboten Hummeln zum Beispiel. Also Angela Kämper sagt dazu leider gar nichts, aber für mich persönlich sind Hummeln absolute Glücksbringer und Glücklichmacher. Meine Mutter hat mich schon als kleines Kind immer ihre Hummel genannt. Und der Spruch von den Hummeln, die nicht darüber nachdenken, daß ihre Flügeloberfläche eigentlich für ihr Gewicht zu klein ist, sondern einfach fliegen, kennt wohl jeder. Hummeln sind toll. Heute habe ich auch welche fotografiert.

Außerdem „Noten Mauersberger Unsterblich duften die Linden„. Keine Ahnung, woher man diese Noten kriegt – ich würde mich aber mal an die mitteldeutschen Musikgymnasien mit Chorschwerpunkt wenden, so rund um Mauerbergers damaligen Wirkungsbereich. Das wären Halle, Leipzig, Dresden, Wernigerode, Weimar, Schulpforta. Ich denke, dort kann man weiterhelfen.

Auf jeden Fall ist dies eines der mit Abstand schönsten Stücke überhaupt und jemals. Schade, daß es davon keinen Mitschnitt bei youtube gibt. Hier ist mal der Text, wer ihn nicht kennt. Seufz…

28. März 2011

Die Woche in Stichpunkten

Erstmal das Dringliche: Ich habe eine offene Petition für die Abschaltung von Atomkraftwerken unterschrieben und möchte Euch allen ans Herz legen, dasselbe zu tun. Klickt hier, es dauert keine 30 Sekunden und man kann wählen, daß der eigene Name nicht öffentlich angezeigt wird. Ich will nicht viele Worte darüber verlieren, aber Japan und Tschernobyl sind ja nicht das Problem in seiner Gesamtheit – meiner Meinung nach nicht einmal das Hauptproblem von Kernkraft. Es ist einfach unfaßbar verantwortungslos, eine Energiequelle zu nutzen, die man nicht kontrollieren kann und die Endprodukte mit sich bringt, die noch in Jahrtausenden die Welt verstrahlen werden. Deshalb unterschreibt bitte. Ich neige sonst nicht zu politischem Aktionismus, aber in diesem Fall muß ich wirklich sagen: Ja, der Kampf gegen die Atomlobby scheint aussichtslos, aber nein, Nichtstun ist keine Alternative.

Nun zum Dallerkram:

Ich habe einen Autounfall gehabt, mitten in der Metropole. Den ersten seit dem Führerschein. (Nein, den habe ich nicht erst letzten Monat gemacht. Wer hat das gedacht?) Eine Stunde auf dem PKW-breiten Standstreifen inmitten von 6 Fahrspuren verbracht habend, betrachte ich die eingeatmete Smogmenge als indirekten Personenschaden.

Samstag Spätdienst, Sonntag Frühdienst gehabt, dazwischen zu ohnehin wenig Schlaf noch die Zeitumstellung (warum wird das eigentlich immer noch gemacht?!?). Der alte Trick aus dem Studium greift aber noch immer: Kaffee und Schokolade.

Meinen Bruder zur Probe mit seiner Band begleitet – ich mag die Jungs, und so 1-2 Mal im Jahr genieße ich es, auf einer Kabelkiste in der winzigen Garage, den sie Probenraum nennen, zu sitzen und mich total zudröhnen zu lassen. Diesmal war ein special guest da, den ich schonmal flüchtig bei einem Konzert bewundert habe und der einige eigene Songs mitgebracht hatte. Nach 2 Stunden schüchternen Fußwippens auf der Kabelkiste fragte mich der Drummer, ob mir langweilig sei, in dem Fall hätte er nämlich noch ein Mikro übrig. Woraufhin der special guest fragte: „Can you sing harmonies?“ Ich nickte – schließlich mache ich nichts anderes, sobald irgendwer ein Radio einschaltet – und dann hatten wir noch 3 Stunden viel Spaß mit dem Erfinden immer neuer Begleitvokalstimmen. Ich habe seit Ewigkeiten keinen so schönen, inspirierten Abend verbracht. Langsam wurde ich auch etwas entkrampfter, was das Improvisieren angeht – für mich als alte Klassiksau immer eine große Hemmschwelle, aber eine, die ich sehnsüchtig anstarre. Aber offenbar braucht es da nur einen unbekümmerten special guest, der sagt „Just try something… hey that was great“, damit ich auftaue und breit grinsend losrocke.

Heute kam gleich noch ein fachliches Kompliment hinterher von der unglaublich engagierten Mutter einer Schülerin, die mir mehrfach sagte, daß sie mich für eine sehr gute Lehrerin hält, was man schließlich nicht von jedem behaupten könne. Nach der Flappe mit dem lernbehinderten etwas langsamen mir unbegreiflichen Kind, dessen Eltern es ja inzwischen vor mir in Sicherheit zu einem anderen Lehrer gebracht haben, war das wirklich schön und tat mir gut.

24. Februar 2011

Malkram

Vor einigen Tagen dachte ich mir: Eigentlich muß es sich doch auch lohnen dürfen, daß ich jeden Montag mit lernbehinderten verhaltensgestörten etlichen Schülern verbringe – ich belohne mich. Gedacht, getan. Gerstaecker hatte tolle Angebote und ich habe zugeschlagen ohne Ende.

das schöne Kind von hinten

und was dazu gehört

Neben dieser absolut tollen Tischstaffelei hätten wir da also:
– ein Männekieken, das nur zu bereitwillig stundenlang in derselben Körperhaltung für mich verbringen wird
– eine Flasche Flow Improver, weil das Verdünnen mit Wasser zur Verunschönerung der Farbe führt (okay, die Farbe ist auch einfach billig) und sie mir einfach zu schnell irgendwo fleckig festtrocknet
– eine Dose Pinselreiniger (dieses Acryl kann nämlich sehr schnell sehr hartnäckig werden)
– eine kleine Dose bronzene Effektfarbe, der ich einfach nicht widerstehen konnte
– 5 Extrakleine Pinsel, Größe 0, weil meine 1er mir immer noch zu grob für viele Dinge sind und mit Nähnadeln malen sich als wenig praktikabel herausgestellt hat (Papier eben)
– eine Packung Malkohle aus Somerset, weil mir meine Bleistiftskizzen soviel Spaß machen und ich dachte, das müßte doch mit Kohle noch um einige Nuancen bereicherbar sein
– jede Menge dünner Malplatten, die mit Leinen bzw. Baumwolle bespannt sind und den Vorteil haben, nicht so viel Platz wegzunehmen wie ein Keilrahmen

Ich habe tatsächlich die Hälfte meines Januar-Musikschulgehalts dafür ausgegeben und bin glüüüüüüüüüüücklich und werde selbstverständlich Erfahrungsberichte schreiben; insbesondere auf den Fließverstärker bin ich sehr gespannt.

12. Februar 2011

Warum Jahreskarten für den Zoo so toll sind:

– Weil man beobachten kann, wie die Pinguine gefüttert werden. Sie watscheln eifrig hinter dem jungen Pfleger her, der sich mit einem großen Eimer voller Fische an den Beckenrand stellt. Dann springt eine Hälfte der Pingus ins Wasser und bürzelt sich zu den hineingeworfenen Fischen, während die andere Hälfte schön am Eimer stehen bleibt und nur den Schnabel aufsperrt. Heute saß noch eine hungrige Krähe im Baum, krähte ein bißchen und flog schließlich ins Gehege, wo sie ebenfalls einen Fisch verspeiste.
– Weil die Gänse einem frech aus der Hand picken. Eine trägt seit heute den Beinamen „weißer Hai“, denn sie hat das lustige Zupfen am Jackenärmel der letzten Wochen zu einem kräftigen Biß in die Hand gesteigert. Hungriges Tier.
– Weil die Eulen gucken wie pikierte alte Damen in der Gegenwart Thomas Magnums.
– Weil die Löwinnen sich manchmal benehmen wie Hauskatzen und einfach spielen.
– Weil uns der Holztiger vor dem Tigergehege immer noch daran erinnert, welchen Bammel unser Hund hatte, als wir mal mit ihm Raubtiere gucken gegangen sind – so viel, daß er sich nachher nicht an den Holztigern vorbeigetraut hat. Das ist vermutlich nur dann lustig, wenn man den Hund kannte – ein Macho, von dem Zapp Brannigan noch hätte lernen können.
– Weil viele Tierarten einfach aus dem Gehege dürfen und einem ahnungslosen Besucher plötzlich vor die Füße stolpern. Manche Tiere wie die Waschbären haben einfach einen Kletterbaum im Gehege, von dem aus sie zu verschiedenen entfernter aufgebauten Plattformen bis fast (!)in erreichbare Nähe klettern können, andere kommen direkt auf den Fußweg.
– Weil die Esel so eine weiche Schnauze haben.
– Weil die Rehe in einem begehbaren Stück Wald wohnen und einem ebenfalls aus der Hand fressen. (When it comes to Futter sind offenbar alle Tiere irgendwie Labradore.)
– Weil die Wölfe einfach soooo schön sind.

Und jetzt noch die Fotos dazu. Klicken macht größer.
Gans zärtlich




Komische Schafe
spielende Löwinnen

Reh Selbstbedienung
Rehe in der Hand
Cheffe

6. Februar 2011

Erste Feuerprobe

Heute war ich sechs Stunden mit dem neuen Ensemble zum Proben, mit dem ich jetzt spiele bzw. das ich gerade mitgründe. Bei unserem ersten Treffen zum Kennenlernen vor 2 Wochen haben sie schon extrem sympathisch gewirkt und auch darum gebeten, daß ich meine eigenen Stücke mal mitbringe. Das habe ich heute getan – vier Stücke, gestern noch liebevoll geputzt und poliert und schickestmöglich ausgedruckt, schön sortiert und untypisch ordentlich mit Büroklammern zusammengesteckt, sicher verpackt in der Tasche. Ich habe mich gefühlt, als würden meine Kinder eingeschult. Drei Stücke haben wir geschafft zu spielen (wir hatten trotz der sechs Stunden einfach viel zu viel Repertoire zu sichten und längst nicht alles geschafft) und alle drei kamen super an. Der allererste Kommentar nach dem ersten Durchspielen des ersten Stückes kam von dem netten, zurüchaltenden Cellisten, der meinte: Oh! Du bist eine heimliche Irin! 😀 Das streite ich nicht ab. Irish at heart, obwohl ich nie dort war. Oder vielleicht deshalb, um mal Realismus raushängen zu lassen.

Der Schatten über dieser Probe war, daß praktisch jeder in diesem Ensemble irgendwann in seinem Leben in dem F…, Sch…, Mistorchester gespielt hat, in dem ich vor Jahren auch mal war und alle übereinstimmend der Meinung waren, die intriganteste Person in diesem Orchester sei die Frau, die ich bisher eigentlich für die einzig noch nette dort gehalten habe. Heute habe ich etwas über meine damalige Kündigung und ihre Rolle dabei gehört, daß mich nicht so begeistert. Ich werde darüber nachdenken müssen.

Dann fand ich noch nette Suchbegriffe (neben den Blogsofakartoffeln Bühnenkuss und Cache Coeur): bilder malen herzen – Jaaa…? Das ist ganz einfach. Denke ich. Links ein Schwupp und rechts ein Schwupp. Oder so wie mein Mann: ein V malen und obendrauf 2 umgedrehte Arschbacken.

rotz an der mütze Wir haben noch keine Kinder.

Draenei Jäger Namen – Das klingt, als würde jemand sich für richtiges RP interessieren. Nun, meine Draenei Jägerin hat kürzlich eine Wandlung durchgemacht und das Volk gewechselt, da ich einfach nicht mit ihr spielen konnte. Und weil ich die Hand von Argus verabscheue. Und nicht immer die einzige zweieinhalb Meter hohe blaue Frau mit Hufen sein wollte. Aber ich würde empfehlen, mal in den WoW Foren nach Lore zu gucken oder mit einer anderen Figur ein bißchen über die Azur- und Blutmythosinsel zu laufen und sich die Namen der NPCs anzusehen.

Jedenfalls – ich = happy. Sie mögen meine Lieder. 😀 Sie mögen meine Lieder. Ich werde das jetzt den ganzen Abend vor mich hinsingen. Der Bär sagt, dann sei ich ja jetzt wohl offiziell Komponistin – nach diesem fachlichen Feedback. Und der Bär selbst hat in den letzten Tagen derartig viel positives Feedback von seinen Auftraggebern erhalten, daß dadurch mehr als wettgemacht wird, daß seine Mutter ihm ein Paket geschickt hat mit Büchern, die sei meinem Vater zurückgeben sollte. Statt sie direkt an meinen Vater zu schicken. Wortlos. Plakativ. Hier sind Eure letzten Sachen, damit trennen sich unsere Wege. Und genau, wie ich ihr in meiner Email schrieb: Jeder andere, für den der Bär arbeitet, leistet vernünftige Zuarbeit und läßt den Bären dann den fachlichen Teil ohne unnötige Einmischung machen. Jeder hat gelernt, Bitte und Danke zu sagen und besitzt wenigstens den Anstand, eine Gegenleistung anzubieten, auch wenn das finanziell nicht drin ist. Und bisher hat noch jeder sich nach einem halben oder ganzen Jahr wieder beim Bären gemeldet, einfach nur, um begeistert zu erzählen, wie viele Leute in die Konzertreihe strömen, seit seine Plakate benutzt werden, oder wie die Heilpraxis anläuft seit der tollen Homepage. Der Bär ist einfach ein toller Bär und darf zu Recht sehr stolz auf sich sein. Ist er auch gerade, weil er im Austausch für ein Logo eine X-Box kriegt. Oder sowas. Ich verstehe nichts davon, aber es ist ein kleiner Kasten, der große Bären glücklich macht.

Und auf der Fahrt nach Berlin haben sie auch noch Mumford & Sons im Radio gespielt! Ist so viel Glück zu fassen?

4. Februar 2011

Jean Kilbourne

Ich weiß nicht, wo der Bär immer seine Informationen hernimmt, aber diesen kurzen und gut verständlichen Vortrag (englisch) müßt Ihr Euch einfach ansehen. Wir alle wissen, daß mit dem Frauen- (und by the way auch dem Männer-) bild in der Öffentlichkeit irgendwas massiv nicht stimmt, aber Jean Kilbourne bringt es fantastisch direkt auf den Punkt. Ohne Anti-Männer-Kampfaufrufe, schlicht und sehr authentisch. Ich bin wirklich begeistert. Hier ist der erste kurze Teil, die anderen sind ebenfalls bei Youtube zu finden.

25. Januar 2011

Urlaubsüberlegungen

Gestern Abend, als ich mich vor brennendem Blasenschmerz auf der heizdeckengewärmten Matratze zusammengekugelt hatte, meinte mein Bär, ich solle doch mal einen richtig tollen Urlaub in Irland oder Schottland planen. Denn schließlich würden wir so bald nicht mehr die Gelegenheit dazu haben und früh plant sich, was ein Urlaub werden will. Da sage ich nicht nein. =D
Daher stelle ich den Urlaub mal hier in den Raum, denn ich hoffe auf Eure Ideen und Tips in den Kommentaren. Gleich mal vorab: wir haben kein Geld zu verschenken derzeit. -.- Wer also weiß, wie man am sparsamsten übernachtet und sich fortbewegt auf den Inseln, bitte immer her mit den Gedanken. Auch die Frage Fähre oder Flugzeug stellt sich noch, aber da muß ich mal richtig durchrechnen.
Nun gibt es einige Orte, die ich sehr gerne sehen will: Canterbury (ok, das ist weder Irland noch Schottland, aber man könnte vielleicht einen Tag auf der Durchreise dort verbringen?), Iona (gibt’s das überhaupt noch so richtig?) und einiges, das ich absolut sehen MUSS: Bangor 😀 und vielleicht die Umgebung, das alte Dalriada, also Downpatrick und interessante kleine Sachen dazwischen. Nun liegt letzteres in Nordirland – gibt es da irgendwas zu beachten bei der Ein- und Durchreise?
Und da mein Mann nicht gerade ein verklärter Kultstättengucker ist wie ich wollen wir auch auf jeden Fall ein wenig Städte betouren, also mindestens Dublin. Jaaa! Dublin! Und da wäre meine Frage: Wo liegt das echte Dublin? Ich meine, etwas tourismusferner? Ich erinnere mich, daß wir in Wien niemals nach Grinzing gefahren sind zum Heurigen trinken, weil da nur die Touris waren. Alle anderen hatten ihre eigenen Anlauforte, und ich würde wahnisnnig gerne ein Stout unter Iren trinken. Ich will das Book of Kells sehen und Bedes Grab. Und einfach alles, was dazugehört.

So, ich wechsle jetzt mal auf eine andere Ebene.

17. Januar 2011

Du bist nicht allein –

…Du hast ja Dich. So spricht die Hexe / der weiße Ritter in Prinzessin Fantaghirò, und das ist mein Zitat dieser Woche. Seit ich den Film Anfang der 90er das erste Mal gesehen habe, beeinflußt dieser Satz mein Leben nachhaltig. Und nach meinem Besuch bei Ash und Feona bekommt er noch einmal eine ganz neue Bedeutung. Tatsächlich bin ich nie allein, denn ich kann mich ja auch selbst trösten, mir Mut zureden, mit innerlich loben und mir auf die Schulter klopfen – ich tue das nur längst nicht oft genug. Stattdessen folge ich meinem anerzogenen Glauben Selbstbewußtsein sei Arroganz, Selbstliebe Egozentrik, Offenheit frech und Authentizität vorlaut. Ich stelle mein Licht unter den Scheffel, weil sich das so gehört. Ich lasse immer und überall anderen den Vortritt, weil ich sonst egoistisch wäre. Und selbst das Wissen darum, daß ich so handle und aus den denkbar falschesten Gründen meine Persönlichkeit manchmal bis ins Schattenhafte zurückdränge, und selbst meine Wut darüber und mein Wissen darum, daß es anders besser wäre, konnten mich bisher nicht davon abhalten. Aber dies waren sehr spirituelle, inspirierte (full of spirit) Tage; ich habe enorm viel dazugelernt und will nie mehr damit aufhören.
Das Zitat bedeutet für mich außerdem, daß jemand, der sich mit sich selbst nicht allein fühlt bzw. der mit sich selbst gut allein sein kann, weil er der eigenen Persönlichkeit vertraut und sich damit wohlfühlt, automatisch auch immer Menschen um sich herum haben wird, die zu ihm passen.

Dies war einer der schönsten Besuche, die ich je irgendwo gemacht habe. Selbst bei meinen Geschwistern zu Hause fühle ich mich nicht so unverkrampft und entspannt und normal. Ich bin reich beschenkt – in vielerlei Hinsicht – zurückgekehrt, habe einige Fragen geklärt und einige neue sind aufgeworfen. Aber fangen wir doch mit dem Alltag an. Ich habe den Dom gesehen. Erst gestern, eine Stunde vor meiner Rückfahrt, aber da gestern auch der einzige unverregnete Tag war, war das genau richtig so. Klicken vergrößert wie immer, und die ersten 4 Bilder hat Feona gemacht, da ich mich einfach überfordert gefühlt habe. Ich konnte nur starren.

Drachen überall

rundherum Wasserspeier aller Formen

Die Wasserspeier ringsherum sind wirklich faszinierend. Einer erinnert an Kommandant Mumm von der Stadtwache Ankh-Morpork, zwei scheinen einander anzuspeien, während einer daneben sich quasi entnervt die Hand vor die Augen hält und ein weiterer den beiden Streitenden die Zunge herausstreckt. Und sie sind so farbenfroh in ihren Gesichtszügen, ebenso die Heiligen, die sämtliche Domeingänge säumen. Da gibt es Bischöfe mit verschmitztem Grinsen, einem Lächeln voller Sympathie, tierisch schlechter Laune, leichter Skepsis – dagegen sehen die zwischendurch dastehenden Figuren aus dem 20. Jahrhundert geradezu peinlich flach aus.
Die Türbögen, die Türmchen, alles ist gesäumt mit Zierleisten aus kleinen Fabeltieren und winzigen Blumenornamenten. Die Fenster sind von außen einfach nur Fenster, aber von innen leuchten sie in allen Farben (Foto wieder von Feona):

Wir konnten leider nicht das gesamte Kirchenschiff hinuntergehen, weil gerade Messe war und wir nicht ausreichend Zeit hatten, die abzuwarten, aber allein was ich gesehen habe, haut mich wirklich um. Und alles an diesem Gebäude strebt nach oben. Man tritt ein und automatisch richtet man sich ein wenig auf und hebt den Blick.

Wir waren auch im Altenberger Dom, von dem ich allerdings keine Fotos gemacht habe. Ansonsten waren wir nirgends, nicht einmal in Azeroth, weil es einfach irgendwie so wichtig war, zu reden, daß für alles andere keine Zeit blieb. Womit ich bei den Geschenken bin. 🙂 Neben einer einfach wunderschönen Kette mit verschlungener Triskele habe ich auch noch zwei Bücher bekommen: The Pitkin Guide – Celtic Saints und nach meiner Rückkehr lag hier vom Bär Unsere Haustiere von Angela Kämper, von der ich auch seit Jahren das Buch Tierboten habe und darin immer wieder mit Begeisterung nachschlage.
Aber das Schönste ist natürlich dies. Ich werde nach diesem Blogeintrag zu Hammer und Nagel greifen und dieses unglaublich schöne Bild von Saint Comgall wird fortan mein Zimmer zieren. In Berlin hätte ich um ein Haar meinen Koffer stehen lassen, während ich mit dem Bild in der Hand und der Tasche über der Schulter Richtung zielstrebig gen Regionalexpress marschierte.

Und Comgall bildet die Brücke zum nicht Alltäglichen, das irgendwie den größten Teil des Besuches ausmachte. Es beginnt eigentlich damit, daß ich zwei Menschen besucht habe, die mich gleich für 5 Tage auf ihre Schlafcouch eingeladen haben, obwohl wir einander gar nicht kannten. Und wie sich herausstellte, mochten wir uns. 😀 Dann kam noch Anaitis für einen Tag vorbei und voilà – noch jemand, den ich auf Anhieb mag. Es ist einfach toll. Wir haben Karten gelegt, wobei mich Anaitis‘ Art, mit Tarotkarten umzugehen, sehr beeindruckt hat und wieder mal in meiner Meinung bestärkte, daß es höchste Zeit für mich wird, die Karten auch mal systematisch im Zusammenhang zu betrachten. Ich werde mir wohl doch mal sämtliche youtube Videos von Claire dazu durchzappen müssen. Ich bekam von Ash jeweils eine Legung mit den Angels, Gods & Godesses – das wunderschöne Orakel, das ich mir selbst erst vor einem Monat geleistet habe, nachdem ich ihm schon etwa ein Jahr hinterherliebäugle – und den Aufgestiegenen Meistern, beide zu der Frage, was eigentlich meine Aufgabe hier ist. Ich habe mich ja in letzter Zeit oft gefragt, ob ich die Musik nicht einfach hinwerfen sollte. Ich bin so derartig außerstande, mich in das Klassikbusiness einzufügen, daß ich einfach weiß, dort werde ich nie erfolgreich. (Und mit erfolgreich meine ich einfach nur IRGENDEINEN Job.) Und da ich auch immer mehr feststelle, daß ich das eigentlich gar nicht will, da mir zu viele Dinge, die mir am Theater und im Profibereich begegnen, total zuwider sind, dachte ich schon, ich hätte mich total im Beruf vergriffen – einfach nicht genug Persönlichkeit, Durchsetzungskraft, Ausstrahlung um mich durchzusetzen. Dann wurde letzte Woche eine weitere Frau für dieselbe Arbeit eingestellt, die ich mache, 2 Monate, nachdem ich um mehr Stunden gebeten hatte. Und ich soll sie auch noch einarbeiten (*händereib*)! Da ich auch schon immer einen starken Hang in die therapeutische Richtung hatte (ich habe als Teenager wirklich lange mit mir gerungen, ob ich Medizin/Psychologie, Dolmetschen oder Musik studieren soll) und das Krankenhaus um die Ecke und chronisch unterbesetzt ist, habe ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, alles hinzuwerfen, eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen und die Musik nur noch als Hobby zu betreiben. Ich dachte, wenn ich es nicht mehr beruflich mache und meine ganzen Existenzängste nicht mehr an der einen Sache hängen, die mir so sehr am Herzen liegt, hätte ich zumindest keinen ständigen musikalischen Frust mehr. Ich würde das tun, was meine Eltern (und Comgall) damals getan haben: alle Träume aufgeben und „vernünftig“ werden. Mich selbst aufgeben und unglücklich sein.

Aber seit ich begonnen habe, diese Lieder zu schreiben, habe ich begonnen, für eine Sache zu glühen, die ich mir niemals zugetraut habe. Ich will jetzt mehr als je zuvor Musik machen. Und obwohl mir regelrecht Scham dafür eingetrichtert wurde: Es soll Unterhaltungsmusik sein. JA! UNTERHALTUNGSMUSIK! Denn welchen Wert hat Musik, die nicht unterhält? Wieviele Menschen sehen sich eine vor 20 Jahren komponierte Oper über einen Stoff von Shakespeare an und fühlen sich dabei tatsächlich im Innersten berührt? Gehen nach Hause und denken nochmal über die tiefere Bedeutung von Text und Musik nach, summen eine – ach nein, Melodien sind ja abgeschafft – und lassen sich davon anregen, in ihrem eigenen Leben mehr Musik, mehr Kunst, mehr Liebe, mehr Kreativität zuzulassen? Keiner. Selbst für mich, die ich ehrlich Interesse an zeitgenössischer Klassik habe, ist das meiste davon ebenso wenig inspirierend und inspiriert wie ein Glas-Stahl-Gebäude aus derselben Zeit. Es hat schon irgendwie einen intellektuellen Wert und einen Nutzen, aber es ist einfach nicht möglich, sich davor zu stellen, tief durchzuatmen und zu sagen: Ach, schön.

Und nun kamen die Karten. Ich habe ziemlich deutlich zu hören bekommen, daß ich Kunst machen soll. Ich muß es sogar, geht nicht anders. Trust. Das war die Hauptaussage mindestens jeder zweiten Karte. Trust. Es wird funktionieren. Denke größer als bisher, denn große Gedanken brauchen auch nicht mehr Aufwand als kleine. Trust. Du hast Menschen um Dich herum, die Dir weiterhelfen. Trust. Du hast alles schon in Dir, Du mußt nur handeln.

Und ich muß sagen, ich will das so sehr, es treibt mir regelmäßig die Tränen in die Augen. Ich habe mir selten etwas so stark gewünscht. Ich will Menschen durch Musik dazu bringen, ihr Leben als schön wahrzunehmen, es damit auch schön zu machen und ihrerseits anderen Menschen diese Schönheit zu zeigen. Das klingt kitschig, ist es aber nicht: Energie folgt Aufmerksamkeit. Je mehr wir uns auf den Dreck in unserem Leben konzentrieren und gedanklich immer wieder darum kreisen, desto wohler fühlt er sich. Immer her mit der Aufmerksamkeit! Aber ebenso ist es mit den Dingen, die uns vorwärtsbringen. Je mehr Aufmerksamkeit und gedankliche Energie wir ihnen zukommen lassen, desto wohler fühlen sie sich in unserem Leben, desto mehr Raum nehmen sie ein. Und ich will mit Musik die Aufmerksamkeit anderer auf das Wohlsein lenken, auf das, was in ihnen klingt. Ich will sie dazu inspirieren, kreativ zu werden – ob musikalisch oder anders ist völlig egal. Ich will sie anstubsen. Ich sehe vor mir, wie ich arbeiten will und ich denke dabei an Comgall, der aus nichts ein Kloster gebaut hat, um Menschen eine geistige Zuflucht zu bieten, und an den Anblick des Kölner Doms, der mir gestern deutlich gezeigt hat, daß auch das grandioseste Gebäude einfach eine Reihe stabiler Steine unten hat. Man kann sie anfassen, jemand hat sie dorthin gelegt. Und dann kam die zweite Reihe Steine darüber. Es wurde schön ordentlich aufeinander gelegt, mit großer Sorgfalt abgemessen. Dann kam eine dritte Reihe und irgendwann hat jemand die erste Zierfigur angebracht. Es ist überhaupt nichts Mystisches an großen Zielen – sie beginnen genau wie kleine Ziele, sie hören nur nicht so schnell auf.

Und das andere, was die Karten mir vehement sagten war: Kommuniziere offen. Du hast nichts zu verlieren, wenn Du Deine Meinung klar ausdrückst – schlimmstenfalls Leute, die Dich so wie Du bist nicht nehmen können. Rede, drücke Dich aus, in Worten und in Kunst.

Und dann kam ich heim und habe ein unglaublich schönes Gespräch mit dem völlig areligiösen Bären gehabt. Er wollte wissen, wie so eine Rückführung funktioniert, und ich habe es ihm erklärt. Er glaubt nicht an Reinkarnation, hat aber weder versucht, es mir wegzudiskutieren, noch darüber gelacht. Ich habe ihm von meinem Schutzengel erzählt und er hat sich einverstanden erklärt, an den zu glauben, sobald er vorbeikommt, einen Keks ißt und eine Schelle dafür abholt, daß er ein Mann ist. Ich glaube nicht, daß ich ihn dazu überreden kann, aber ich habe schon an ganz andere Sachen nicht geglaubt, also mal sehen. Und das Wichtigste: Ich habe Bär von der Musik erzählt und wie sehr ich mich danach sehne und wie sehr es in mir brennt, das zu machen. Und statt mir etwas von Verantwortung und Familie zu erzählen, hat er sich das einfach angehört und gesagt: Ich glaube auch nicht, daß Du in dieses Geschäft paßt, und ich verspreche Dir, innerhalb von 5 Jahren hast Du Deinen Traum erfüllt. Und ich werde Dich bei allem, was kommt, unterstützen.
Moment, muß Taschentuch holen.

… (rotz, schnief)

…(frischen Kaffee)

Also, wir halten fest: Kommunikation guuut. Und Bär super.

Jedenfalls möchte ich jetzt einfach mal ganz laut und deutlich Danke sagen. Danke, daß ich den Bären habe. Danke, daß ich Ashmodai und Feona kennenlernen durfte, jetzt auch noch persönlich. Danke für all meine anderen Freunde, die mir vorleben, wie man Mut hat und einfach losgeht, allen voran Aquamarine. Danke für meine Familie, die bei allen Streitereien und trotz des räumlichen und Altersabstands zwischen uns immer für mich da sein werden, wenn ich es brauche. Danke für die Musik. Danke für jede kleine Erkenntnis, die ich hatte und jede, die noch kommt.

Und wo wir gerade bei Unterhaltungsmusik, Shakespeare, Köln und Inspiration sind und da mein Lebensmotto ohnehin ist Für jede Situation ein Wise Guys Lied – Hamlet.

26. Dezember 2010

zum Wegträumen

Gerade sitze ich zum allerersten Mal in einem Chatroom. Ich fühle mich gerade wie eine olle Omma. Ich bin seit ungefähr 6-7 Jahren in diesem Forum, glaube ich jedenfalls, und heute nutze ich zum ersten Mal den Chat. Und da verlinkt jemand dieses Video, das einfach nur unheimlich schön ist und gut tut, darum teile ich das mal mit Euch: