Archive for ‘selfmade’

2. April 2011

Napfsauger

Ich habe einen neuen Computer. Es ist ein MacBook. Oder sowas. Es ist so schön, daß ich es Kenny genannt habe. Auf Kenny funktionieren manche Dinge etwas anders, so ist z.B. mein iWeb etwas umgestaltet. Aber nun habe ich herausgefunden, wie es geht und habe endlich, endlich meine Seite online gestellt. Ich präsentiere:

Napfsauger

In den Suchbegriffen des Blogs waren heute erstmals richtig interessante Sachen. Tierboten Hummeln zum Beispiel. Also Angela Kämper sagt dazu leider gar nichts, aber für mich persönlich sind Hummeln absolute Glücksbringer und Glücklichmacher. Meine Mutter hat mich schon als kleines Kind immer ihre Hummel genannt. Und der Spruch von den Hummeln, die nicht darüber nachdenken, daß ihre Flügeloberfläche eigentlich für ihr Gewicht zu klein ist, sondern einfach fliegen, kennt wohl jeder. Hummeln sind toll. Heute habe ich auch welche fotografiert.

Außerdem „Noten Mauersberger Unsterblich duften die Linden„. Keine Ahnung, woher man diese Noten kriegt – ich würde mich aber mal an die mitteldeutschen Musikgymnasien mit Chorschwerpunkt wenden, so rund um Mauerbergers damaligen Wirkungsbereich. Das wären Halle, Leipzig, Dresden, Wernigerode, Weimar, Schulpforta. Ich denke, dort kann man weiterhelfen.

Auf jeden Fall ist dies eines der mit Abstand schönsten Stücke überhaupt und jemals. Schade, daß es davon keinen Mitschnitt bei youtube gibt. Hier ist mal der Text, wer ihn nicht kennt. Seufz…

24. Februar 2011

Malkram

Vor einigen Tagen dachte ich mir: Eigentlich muß es sich doch auch lohnen dürfen, daß ich jeden Montag mit lernbehinderten verhaltensgestörten etlichen Schülern verbringe – ich belohne mich. Gedacht, getan. Gerstaecker hatte tolle Angebote und ich habe zugeschlagen ohne Ende.

das schöne Kind von hinten

und was dazu gehört

Neben dieser absolut tollen Tischstaffelei hätten wir da also:
– ein Männekieken, das nur zu bereitwillig stundenlang in derselben Körperhaltung für mich verbringen wird
– eine Flasche Flow Improver, weil das Verdünnen mit Wasser zur Verunschönerung der Farbe führt (okay, die Farbe ist auch einfach billig) und sie mir einfach zu schnell irgendwo fleckig festtrocknet
– eine Dose Pinselreiniger (dieses Acryl kann nämlich sehr schnell sehr hartnäckig werden)
– eine kleine Dose bronzene Effektfarbe, der ich einfach nicht widerstehen konnte
– 5 Extrakleine Pinsel, Größe 0, weil meine 1er mir immer noch zu grob für viele Dinge sind und mit Nähnadeln malen sich als wenig praktikabel herausgestellt hat (Papier eben)
– eine Packung Malkohle aus Somerset, weil mir meine Bleistiftskizzen soviel Spaß machen und ich dachte, das müßte doch mit Kohle noch um einige Nuancen bereicherbar sein
– jede Menge dünner Malplatten, die mit Leinen bzw. Baumwolle bespannt sind und den Vorteil haben, nicht so viel Platz wegzunehmen wie ein Keilrahmen

Ich habe tatsächlich die Hälfte meines Januar-Musikschulgehalts dafür ausgegeben und bin glüüüüüüüüüüücklich und werde selbstverständlich Erfahrungsberichte schreiben; insbesondere auf den Fließverstärker bin ich sehr gespannt.

15. Februar 2011

Von der Liebe

Von der Liebe

Einmal
zwischen all diesen Gefühlen
wußte ich plötzlich:
ich brauche Dich gar nicht.
Ich liebe Dich nur.
Ich wünsche Dich in meine Nähe
doch nicht aus Bedürftigkeit.
Ich bin frei in meiner Seele.
Ich bin stark, gesund und glücklich
wie nur jemals
mit Dir oder ohne Dich.
Dies ist das Geschenk meiner Liebe:
sie braucht, gebraucht Dich nicht,
sie will sich nur verschwenden.
Nimm davon, soviel Du tragen kannst,
schrick nicht davor zurück –
Du stehst in keiner Schuld.
Ich habe diese Liebe ohnehin
und werde immer davon überfließen.
Und frei entschieden habe ich mit Dir zu leben
solange Du es wünscht
wie ich.

(Gedichte ohne Autorennamen in diesem Blog stammen von mir und bleiben bitte bei mir.)

11. Februar 2011

Weil Zugfahrten so ungeheuer zum geistigen Wegdriften einladen… wieder mal ein Gedicht. Ich weiß gar nicht, wo die alle auf einmal so herkommen.

Das Zögern

Allein vor der offenen Tür
Drinnen Licht,
Lachen, Reden, Freunde
Draußen ich,
Abendkühle, Schatten, Wind
Drinnen – Größe
Große Seelen, große Taten, tiefe Liebe, tiefes Lachen
Draußen ich
zögernd
Nur einen Schritt zurück und
alles wäre wie immer
Doch einen Schritt weiter und
ich stünde in demselben Licht wie ihr.
Wer wäre ich dann?
Wer wäre ich in Eurem Licht?
Wär‘ das Alleinsein leichter oder schwerer noch
zu tragen zwischen Euch?
Würde das Licht an mir nicht tief’re Schatten werfen?
Wär‘ durch mein Schweigen Euer Lachen nicht gedämpft?
Und ginge ich hinein
und setzte mich zu Euch
(egal wohin, es wären zwei von Euch getrennt)
würde mein Ich-Sein, meine Kleinheit mir wohl noch bewußter?
Und träte auch nur einer dieser Punkte ein – nein.
Ich gehe nicht hinein.
Doch auch der Schritt zurück erscheint unmöglich.
Das eigene Versagen zu bestätigen.
Die Einsamkeit besiegeln, ja umarmen gar,
das hatte ich zu lang.
So bleibe ich hier stehen,
zwischen zwei Schritten
hinter mir ein altes Leben
und vor mir ein geträumtes.
Das Jetzt und Hier in wackliger Balance.

Ja. Und gleich kommt der Bär nach Hause und wir beginnen das Wochenende mit einer gefüllten Gans. Mit mehreren gut gefüllten Gänsen genau gesagt. Im Zoo. Und heute denke ich hoffentlich auch mal an die Kamera, dann habe ich einen Beweis, daß die wirklich aus der Hand picken. 😀

8. Februar 2011

Good news everyone

Ist auch gleich mein heutiges Zitat. Das sagt der Professor in Futurama immer und es kommen danach meistens abartig schlechte Nachrichten, die sich zunächst ganz toll anhören. Ich zitiere ihn allerdings eher deshalb, weil ich die Verteilung der Sprechrollen im amerikanischen Original einfach nur grandios finde. Ich zitiere hiermit auch gleich noch einen Suchbegriff dieser Woche: wogen druiden warben – also bitte. So jung und schon so bekifft? Oder spielt da ein Wagnerianer im Rentneralter World of Warcraft, der im Hintergrund den Plattenspieler laufen hat und immer pseudo-eddasche Stabreime mitsingt? Also: die WoRgen Druiden haben andere Farben als die Nachtelfen Druiden und sowieso ein etwas anderes Erscheinungsbild. Aber welche – keine Ahnung. Spiele keinen.

Heute Vormittag war ich beim Urologen. Eigentlich nur, weil bei der letzten Blasenentzündung (oder war’s die vorletzte?) der Arzt in der Notaufnahme (war ein Sonntag, sonst bin ich da nicht so dramatisch) irgendwas von Tumoren und Diabetes erzählt hat. Also habe ich mir eine Überweisung geben lassen und war heute da. Good news everyone: Ich habe keinen Blasentumor. Ich habe das auch wahrhaftig nicht erwartet. Und die lange Zeit in einem Wartezimmer voller alter Männer habe ich genutzt, um mal kreativ die Gedanken schweifen zu lassen.

I’ve taken the first step
I’ve written a song
I’ve taken the first step
It has taken me oh so long

I have started to sing out
I have started to sing my truths
I make music and will never let go
I make music now
I’m singing a song

And taking the first step
Has taken so many years
I was repeating what I learned and studied
I was just covering my fears

The fear to be heard, the fear to stay unheard forever
The fear to begin and the fear I might never start to live
The fear to have nothing to say or too much
The fear to be misunderstood – or simply too simple
Yes, the fear, someone might hear me
And also, no one might ever hear me at all

So now the choice is made
May I stand alone or in the crowd
May you like my songs or laugh out loud
I sing, heard or unheard, I sing
Fears or doubts, I sing
Simple or wrong, I sing
This is my truth, I must sing

2. Februar 2011

Kochen und Malen

So, damit hier heute nicht nur ausgekotzt wird an Lichtmess, schreibe ich mal noch einen zweiten Artikel hinterher. Da Bride / Brighid ja ihre drei Feuer am Laufen hält und heute ihr Feiertag ist, wird dieser Artikel über Kochen und Malen sein. 🙂 Das Feuer des heimischen Herdes und das der Inspiration sozusagen. Das dritte, das der Divination, findet mehr innerlich statt, dort aber mit Schwung.

Also gut. Am Wochenende wollte meine Mutter, die Muffins liebt und das Wort deutsch ausspricht, ihr Weihnachtsgeschenk, ein Muffinsbackbuch (bitte deutsch ausgesprochen denken) endlich mal benutzen und lud uns beide ein. Sie wollte Lachs-Sahne-Muffins machen. Wir kniffen bei der Vorstellung beide Augen zusammen, denn zum einen kennen wir schon eklige frühe Versionen deutschsprachiger Muffins – meine Mutter steht auf „Bio-Öko-Haste-nich-jesehn“ wie sie es nennt und das ergibt dann staubtrockene, quasi zuckerfreie Roggenvollkornpseudoschokomuffins – und zum anderen gibt es überhaupt nur eine richtige Sorte Muffins: die dunkelschwarzbraune mit den riesigen Schokostückchen, die vor Fett praktisch triefen. Und jetzt sollten es herzhafte Muffins werden? Wir waren skeptisch. Außerdem wollten wir den Abend gemütlich zu Hause bei einem Film verbringen und so fuhren wir zum Kaffee zu meinen Eltern, wünschten meiner Mutter viel Glück beim Backen und wollten wieder fahren, bevor etwas Schlimmes passiert. Aber – Ha! Die Rechnung hatten wir ohne Supermum gemacht. Entschlossen packte sie mir Lachs, Sahne, 2 Bioökohastenichjesehn-Eier (man braucht für das Rezept nur eins, aber mit dem einen könnte ja was sein), eine bereits halbierte Zitrone und 2 Packungen Blätterteig (man braucht nur eine, aber…) ein und nur mit Mühe konnte ich sie davon abbringen, auch noch Salz, Pfeffer und Dill dazuzutun. Dann plötzlich war ich es, der viel Glück beim Backen gewünscht wurde und so kam es zum großen Showdown in der Küche.
Dazu muß man vielleicht wissen, daß ich nie koche, wenn mein Mann da ist. Er kocht. Er macht das super und ich esse gerne, die Aufgaben sind ganz klar verteilt. Ich bin mit Fertigtortellini in Fertigsauce mit Fertigkäseraspeln glücklich. Er dagegen kann nichtmal mit ansehen, wie ich Nudeln koche, ohne blass zu werden. Daher verzog er sich ans gegenüberliegende Ende der Wohnung, während ich mir die Küchenschürze umbinde. (Ich trage diese Schürze übrigens sehr oft und gerne, allerdings nicht beim Kochen sondern beim Malen. Naja, riecht sie eben auch mal nach Essen.)

Und dann ging es los. Ofen vorheizen, das ist einfach, das kann ich. Blätterteig ausrollen. Ha. Easy. Lachs würfeln und im Saft einer halben Zitrone liegen lassen. Okaaaay… wie kriege ich den Saft aus Supermums halber Zitrone, wenn ich grad das Dingsda nicht finde? Richtig. Quetschen. Und wie heißt es in Lateinamerika so schön? Es ist egal, wohin Du die Orange hältst – sie trifft immer das Auge. Gut, geschafft. Jetzt Förmchen ausstechen. Hmm… Ich besitze gar nichts, um Förmchen auszustechen, außer kleinen Metallweihnachtsbäumen. Aber gewußt wie: Ich besitze unter vielen für das Ausstechen ungeeigneten Tassen auch eine unglaublich häßliche mit goldenem Namenszug, die mir eine wunderbar bösartig veranlagte Freundin mal in Maria Taferl in Niederösterreich gekauft hat. Deren Rand machte Muffinkreise, die genau in die Förmchen paßten.
Jetzt weiß ich auch endlich, warum dieses häßliche Ding schon so viele Jahre bei mir überlebt hat, während die schönen Tassen alle nach und nach kaputt gingen. Sie hatte noch ein Lebensziel zu verwirklichen. Da sie immer noch ganz ist, nehme ich an, ich werde noch mehr Muffins backen.
Jedenfalls werden diese Kreise dann in Muffinförmchen aus Papier gegeben als Boden. Dann rührt man eine Sauce an aus einem Ei, 200 ml Sahne, Salz Pfeffer und Dill (laut Rezept), verteilt die Lachsstückchen in den Förmchen und kippt die Sauce hinterher.
Normalerweise müßte man das jetzt in den Ofen schieben. Aber so geht das doch nicht. Da sind auf dem Papier vom Blätterteig noch so viele hübsche Rauten und Dreiecke übrig, damit läßt sich doch noch etwas anfangen? Genau. Die Muffins bekommen im Hause Bär/Wolf noch ein kleines Deckelchen.
Na, das sieht doch gleich viel besser aus. So, jetzt kommen sie aber wirklich in den Ofen, und zwar für 8-10 Minuten bei 180° Umluft. Während sie backen, nochmal eine kurze Anmerkung zur Würze: Ich hasse Dill. Deshalb habe ich keinen drangemacht. Stattdessen habe ich mich für viel Petersilie untschieden. Nachdem wir die Muffins probiert haben, glaube ich, daß da auch große Spielräume existieren. Ich denke, man könnte auch ein wenig Tomatenmark in die Sauce mengen und das Ganze mit Knoblauch und/oder Basilikum anreichern. Blätterteig ist ja eine dankbare Grundlage für praktisch alles.
So sehen die guten Stücke dann fertig aus: Yummie. Dazu haben wir Drachenzähmen leicht gemacht gesehen und Tränen gelacht. Einige dieser Drachen haben unheimliche Ähnlichkeit mit Labradoren. Dieser Film ist wirklich fantastisch und nicht umsonst so gut bewertet bei der imdb.

Und für alle, die sich bei dem letzten Foto wundern: Jaaa! Es gibt tatsächlich Muffinsbackbleche. Die haben vorausgestanzte muffinförmige Aussparungen, 12 Stück an der Zahl, also gleichermaßen gut auf drei oder vier Leute aufteilbar. Aber Supermum hat mir natürlich zusätzlich noch Papierförmchen mitgegeben, die ich in die Blechförmchen hineingetan habe, damit der Aufwand beim Saubermachen nachher nicht so groß wird. Unglaublich, nicht wahr? Da werden die Muffins auch alle gleich groß. Das ist erstaunlich. Wenn ich mal eine Schokomuffin-Backmischung angerührt habe, hatten die Dinger immer lustige Formen und sehr unterschiedliche Gewichte. Nun gut.

Jetzt zum Feuer der Inspiration. Das ist nicht ganz so spektakulär, aber ich habe mich mal ein bißchen ausgetobt und jede Menge Bleistiftskizzen gemacht sowie nochmal mit den Acrylfarben gespielt.


Der Flügel war als solcher ziemlich schön, bevor ich angefangen habe, mich mit Farben auszutoben. 🙂 Jetzt ist er halt von etwas dadaistischen Motiven bedeckt, aber ich fand es interessant, herauszufinden, was mit helleren Farben auf Blau passiert. Und meine Bleistiftskizzen werden langsam besser, insbesondere auch die Gesichter. Leider gelingt es mir noch nicht, aus einem gut skizzierten Gesicht ein gutes Bild zu machen. Hab’s gestern erst wieder versucht, aber in Acryl verschwimmen mir die Proportionen wieder. 😦 Nun ja. Üben, üben, üben.

30. Januar 2011

Gedankenschnappschüsse am Wochenende

Das letzte Mal zur Arbeit bin ich blasenbedingt lieber mit dem Auto gefahren, auch wenn die Fahrt irgendwie unter einem schlechten Stern zu stehen schien. Erst war eine derartige Ölschicht an der Tankstelle, daß ich mit Schwung von den Pedalen gerutscht bin; schließlich (als alles abwischen nichts half) fuhr ich die 80 Kilometer mit Socken, um wenigstens minimalen Grip zu haben. Dann meinte in der Stadt ein Tanklaster, mal eben ohne zu blinken und ohne zu gucken die Spur wechseln zu müssen – mit mir in seinem toten Winkel. Naja, in einer Großstadt rechnet man wohl nicht mit anderen Autofahrern. Und dann war mein üblicher Parkplatz wegen Überfüllung geschlossen und ich zu knapp dran, um ausgiebig nach einem halbwegs legalen anderen Platz zu suchen, so daß ich direkt gegenüber des Hauses im absoluten Halteverbot vor der Bayrischen Botschaft Vertretung stand. Bisher kam kein Knöllchen, und da das Wetter schlecht war, hoffe ich mal, daß es keiner gemerkt hat.

Suchbegriffe: Nachdem schon monatelang nur „Cache Coeur stricken“ in der Suchleiste auftaucht, gab es letzte Woche das Highlight „WordPress Kaffee“ und heute „Brigittenkreuz herstellen“. Das freut mich wirklich, vor allem letzteres. Es ist ziemlich einfach – Bastelstroh kaufen, kurz einweichen, damit es nicht bricht, zwei Halme zu einem Kreuz übereinanderlegen und dann einen weiteren Halm über den Querhalm abwärts falten, das Kreuz um 90° drehen, einen Halm abwärts falten, Kreuz drehen… und wenn es schön aussieht, die Kreuzenden verschnüren. Ich glaube, vor einem Jahr habe ich eine Anleitung dazu verlinkt, die ich beim Ord Brighideach International gefunden hatte. Und da Lichtmess ja ohnehin vor der Tür steht, verlinke ich das Video gleich noch einmal:

Das Zitat der Woche ist ein Bibelzitat. „Steh auf, nimm Dein Bett und geh“ sprach Jesus zu einem Kranken, der daraufhin aufstand und, man ahnt es, sein Bett nahm und ging. Die Vorgeschichte ist laut Bibel die: Es gab den Teich Bethesda etwas außerhalb Jerusalems, dessen Wasser sich gelegentlich bewegte. Man nahm an, daß es von einem Engel bewegt würde und daß wer zuerst nach der Bewegung hineinstieg, von jedweder Krankheit geheilt würde. Nun ist es natürlich etwas schwierig, der erste zu sein, noch dazu, wenn man wirklich krank ist und mal eben nicht so schnell kann. Außerdem finde ich es etwas schwer vorstellbar, daß es einem Engel Spaß machen sollte, zu gucken, wer sich ellbogenmäßig durchsetzt und den Betreffenden dann zu heilen. Jesus fand das Ganze offenbar auch relativ sinnbefreit und ging zu einem Mann, der seit 38 (!) Jahren dort auf einer Bahre lag und darauf wartete, einmal der Erste im Teich zu sein, und – wenn ich das mal so frei interpretieren darf – schnauzte ihn an. Steh auf, nimm Dein Bett und beweg endlich Deinen Arsch. Du hast Dein Leben damit vergeudet, hier herumzuliegen und von Almosen zu leben. Du hast die Möglichkeit verleugnet, alle Möglichkeiten im Leben zu haben und es stattdessen vorgezogen, passiv zu bleiben. Du hast Angst vor der Macht Deiner Eigenverantwortung und liegst lieber im Staub. Du hast 38 Jahre lang nicht einmal versucht, auch nur einen einzigen Schritt zu gehen. Genug!
Das finde ich doch sehr aufbauend. Und umso mehr, wenn man sich dazu ansieht, wieviele Schritte ein Eichhörnchen in nur zwei Wochen lernt:

20. Januar 2011

Gedichte

Ich habe beschlossen, die Aufforderung „Kommuniziere offen!“ mal wörtlich zu nehmen. Vor einiger Zeit habe ich wieder damit angefangen, Gedichte zu schreiben. Irgendwie kommt dieser Satz sehr oft: „wieder damit begonnen“. Ich habe als Kind viel gemalt („Du bist ’ne alte Krakeltante“), viele Geschichten und Gedichte geschrieben („ganz schön, aber zu lang“), Handarbeiten gemacht („das ist ja Stoffverschwendung“), wollte unglaublich gerne tanzen gehen und durfte aus verschiedenen Gründen nie, und jetzt so langsam greifen diese Dinge wieder Bahn in meinem Leben. (Diese blöden Kommentare kamen übrigens ausschließlich von Lehrern.)
Jedenfalls habe ich beschlossen, die ersten Gedichte mal aus der Schutzzone zu entlassen und hierher quasi in den Vorgarten meines Internethauses zu stellen. Ich verbitte mir selbstverständlich jedes mit mir nicht abgesprochene Kopieren oder sonstige Weiterverwenden, aber ich bitte auch durchaus um Kommentare kritischer Art. Ob ich sie annehmen kann und will, ist dann eine andere Frage. 🙂 Kurze Erklärungen stehen jeweils dabei.

Grundgefühl vor einigen Monaten, als ich dachte, ich sollte mir vielleicht besser irgendeinen ungeliebten Brotjob suchen und meine Pflicht tun. Whatever das auch sein mag.

Dahin (Der Traum)

Dahin gehst Du
meine Liebe, mein Traum,
mein Leben.
Wir liebten einander
so lange Zeit
doch stets voll Sehnsucht,
nie in Erfüllung.
Dahin gehst Du.
Mein Stolz, mein Mut,
meine Freude und Kraft –
sie gehen mit Dir.
Ich bleibe zurück.
Mein Herz ohne Ziel
mein Kopf nur Fragen in der Leere.
Meine Welt mir fremd,
unvertraut mir sogar ich selbst,
ohne Dich.
Du trugst mich unendlich
beglückend nach vorn und hinauf,
weiter als ich jemals dachte,
bis ich plötzlich mein Alleinsein
unerklärlich doch unabänderlich
begreifen mußte.
Geh, mein Traum.
Geh dahin,
wo jemand Dich zu Ende träumen
und irgendwann erfüllen kann.

Nach einem sehr intensiven Reikierlebnis, das auf einen Schlag ein riesiges Loch in meine Mauern gehauen hat und bis heute wunderbar nachwirkt:

Der Tanz

Ich fragte zu viel,
Du sagtest zu wenig.
Ich wollte immer mehr,
Du aber sagtest schließlich nur ein Wort noch:
Tanz!
Und schobst mich in das Licht.
Tanz!
Das machte mich stumm.
Ungelenk, wahllos die Glieder bewegend,
bemerkte ich kaum, wie der Tanz,
den ich begann, mich begann
zu befreien, zu strecken, einzureißen.
Tanz!
Ich tanzte und es tanzte mich.
Ich schrie die Qual mit einem Stampfen aus
und sah durch meine Tränen
Deine Tränen
und hörte wie ein Echo
hinter meinen so unfreiwillig befreiten Gefühlen
Dich:
Du hast schon so lange nicht getanzt.
Tanz!
Und ich tanzte, und ich sank
in eine unendliche Umarmung
Deiner Arme, Deiner Schwingen.
Deiner Liebe.

Hng… da ging’s mir mal richtig schlecht:

Und jeden Morgen wieder dieser Kummer

Und jeden Morgen wieder dieser Kummer,
und jeden Morgen wieder dieser Schmerz.
Die Welt ist jeden Tag genau wie immer –
nur ich, ich bin es nicht. Mein Herz
ruft immer, immer wieder: Hilfe! Sagt mir,
wo ich mein Lieben wieder find‘, mein Glück,
mein Atmen, Sein, mein Leben, meine Flügel,
oh bitte, gebt es endlich mir zurück.
Ich weiß nicht, wie es aussieht,
ich weiß nicht, wie es heißt.
ich fühle nur, es fehlt mir
und wie mich das zerreißt.

Und das nächste sind einfach ungeliebte alte Verhaltensmuster, die aufzulösen jetzt langsam höchste Zeit wird.

Der Schrei

Stumm
und ohne eine Miene zu verziehen
atme ich flacher
verkrampft die Brust
und reglos das Gesicht.
Es ist dies nicht das erste Mal
daß diese Art von Schmerz mich trifft
beiläufig ausgeteilt im Weitergehen.
Und stumm
muß ich stehen
flach atmen
reglos blicken
mit einem Auge nach innen auf die Käfigtür
lächeln auch noch wenn schon längst
es nur Grimasseschneiden ist.
Kerzengerade stehe ich, innerlich verkrümmt von diesem Schmerz
der mir den Atem nimmt.
Und leise grollt es, hager starrt es
durch die Gittertür: das Tier, das Ich.
Das Ding, das schreien kann und will
und niemals darf.
Es schreit mich an, will durch mich schreien
und fester presse ich die Kiefer aufeinander.
Die Fäuste geballt, mit geradem Rücken
sage ich „Danke, gut“ und „Vielen Dank“
und „ebenfalls“ wie immer.
Und schlucke es hinunter, dieses Schrei’n
das größer wird mit jedem Schlucken
und langsam, stetig meinen Bauch anfüllt,
mich rasend macht und zittern läßt vor Wut.
Hinunter, tiefer.
Ich atme durch und mache mich daran,
den Käfig zu verstärken,
neue Tür, noch ein Schloß,
denn sicher kommt der nächste Schmerz
und immer schleicht das Tier.

Das war es bis hierher erstmal. Wenn ich mir das hier so durchlese, finde ich es stellenweise etwas pathetisch, aber egal. 😀

28. Dezember 2010

herzeigen und nachfragen

Jetzt, da alle Geschenke bis auf eines bei ihren Adressaten angelangt sind, darf ich die beiden Bilder, die dazugehörten auch herzeigen, ohne zu spoilern. 🙂 Also:

Klicken macht größer und naja – die Unterlagen sind noch die Zeitungen, auf denen die Bilder zum Trocknen lagen. Der Gedanke dahinter war, ein möglichst einfaches Symbol für den Empfänger zu malen – natürlich ist so ein Symbol nicht annähernd persönlichkeitsumfassend, aber trifft vielleicht zumindest einen Aspekt. Ich möchte noch ein drittes Bild machen für mich selbst, aber wie das so ist, bei der eigenen Person ist man wie vernagelt und mir fällt einfach noch kein Symbol ein.

Und hier ist noch ein Bild von einem Geschenk, daß ich noch nicht verschickt habe. Liebe AQUAMARINE, wenn Du das hier liest, bitte gib mal Laut, ob Du sie haben möchtest, wie sie jetzt sind, oder noch etwa 2 Wochen warten, in der Hoffnung, daß ich bis dahin etwas Ordentliches hinbekomme. Worum es geht, sind diese Handstulpen. Ich habe diese tolle Mohairwolle hergenommen und einen freihändigen Versuch mit Handstulpen gemacht. Sie sind auch wirklich sehr schön warm, möchte ich nach 10 Sekunden Probetragen behaupten, aber leider – mir unerklärlich – unterschiedlich lang, trotz gleicher Maschenzahl. Ich bin zutiefst verwirrt. Also, um sie mal zu zeigen – einmal ihre Schokoladenseite und einmal realistisch:

Tja. So ist die harte Realität. Krumm und schief. 😦 Mir fehlt aber sowieso zu Deinem Weihnachts- und Geburtstagspäcken noch eine entscheidende Zutat, also sag ruhig, wenn ich es nochmal ordentlich versuchen soll. Andernfalls schicke ich Dir erstmal diese, ähm, sehr individuellen Stulpen, übe dann den ganzen Sommer und nächstes Jahr bekommst Du die Titanklasse.
Und übrigens vielen, vielen Dank für das tolle Kochbuch. Das werde ich leider nur alleine nutzen können, zumindest in Kombination mit der Opern-CD, denn bei dem Musikstil hat mein Kerl eine sehr niedrige Toleranzschwelle. Aber… *händereib* ich werde es tun. Muahaha.

Und dann bin ich noch am Mitbringsel häkeln. Also, liebe Ash, es werden erstmal keine Stricksocken, das dauert nämlich zu lange. Stattdessen passen und gefallen Dir hoffentlich diese hier.

An einem zweiten Paar eine Größe kleiner bin ich noch dran:

Und zuletzt habe ich selbst ein Geschenk bekommen von meinem Kerl, das bis heute in der Post verschollen war, und zwar die CD „Sigh no more“ von Mumford & Sons, einer Londoner Band, von der ich bis heute nie gehört hatte. Kaum hatte ich die CD eingelegt, mußte ich sie auch schon auf volle Lautstärke hochdrehen, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, während ich am zweiten Sockenpaar häkelte. Sie können singen, richtig mehrstimmig meine ich, und sie haben ein Banjo! Und es tut mir Leid, aber wenn ich ein Banjo höre, raste ich total aus. Banjos sind sowas von toll. Banjos prickeln mehr im Bauch als Champagner. Und als wäre das noch nicht genug, haben sie auch richtig schöne Texte und phantastische Arrangements. Damit Euch das nicht entgeht, hier mal ein Hörbeispiel, nicht allzu banjolastig, sondern eher etwas kontemplativ.

Und noch eines mit mehr (lechz, sabber) Banjo:

Na, macht das nicht glücklich? Sogar jemanden wie mich, die ich in den letzten Wochen im Minutentakt zwischen 0 und 180 pendle. Danke, Bär – das ist eine superschöne CD und ich habe keine Ahnung, wie Du es immer schaffst, meinen Geschmack derartig genau zu treffen.

15. Dezember 2010

Frühstücksblogging

Guten Morgen!

Nach der Müdigkeit der letzten Wochen ist meine derzeitige Munterkeit sehr erholsam. Zumindest für mich selbst. Vermutlich liegt es nur daran, daß ich krank war und 10 Tage ohne Spätschicht hatte – jedenfalls nutze ich den frühen Morgen heute mal zum Bloggen.

Montag hat mich das Bastelteufelchen geritten und ich habe angefangen, Weihnachtskarten zu gestalten. Ich hatte dieses Jahr zwar überhaupt keine Lust, irgendwas zu backen, aber die Karten mußten selbstgemacht sein. Ich zeige sie mal her, bevor ich „Liebe/r XY“ draufgeschrieben habe:

Das sind einfache naturweiße Karten, bzw. die mit dem geriffelten Rand sind Bütten. Und da Weihnachten für mich grün-weiß-rot ist, habe ich grünes Krepppapier und roten Filz, beides Reste aus der Bastelkiste, hergenommen und wild drauflos improvisiert. Ich kann nur jedem davon abraten, aus 2 mm dickem Filz kleine Figuren schneiden zu wollen. Ich mußte schließlich die Geflügelschere hernehmen, und selbst damit ist mir fast die Hand abgefallen. Nächstes mal werde ich extra Filz dafür kaufen, der sich besser verarbeiten läßt. Naja, die 2 Versuche mit Aquarellstiften übergehen wir mal – ich habe da offenbar nicht so den Zugang.

Am Nachmittag dann hatte ich (Donnergrollen) Die Range – Klavierunterricht. Wieder wartete ich die ganzen 30 Minuten von halb bis um vier und nichts geschah (außer, daß ich von einem Inspirationspartikelchen getroffen wurde und begann „Ring the bell“ neu zu schreiben). Zwischendurch rief ich im Hort an, wo man mir sagte, die Kleine sei losgeschickt worden, und bei ihr zu Hause, wo ich dem Anrufbeantworter mitteilte, daß ich wieder auf Godot warte.
Fünf nach vier dann klingelte es an der Tür und das Kind stand hochrot vor mir. Ich fragte sie, ob irgendwas passiert sei, und sie meinte: Nee. Dann klärte ich sie über die Uhrzeit auf und darüber, daß ich eigentlich schon weg wäre, wenn ich nicht noch etwas anderes vorgehabt hätte, da ließ sie erst die Schultern hängen und grummelte dann, das wäre auch kein Wunder. Mama hätte gesagt, sie solle lieber nicht mit dem Fahrrad fahren. Also sei sie zu Fuß gegangen (das sind so 2-3 Kilometer etwa). Und der Ranzen sei schwer und überhaupt.

Na gut. Ich hatte ohnehin noch Zeit, also unterrichtete ich sie trotzdem. Sie wollte mir unbedingt am Anfang der Stunde ein neues Weihnachtslied vorsingen, das sie in der Schule gelernt hatte. Das hat sie super gemacht und ich habe sie auch sehr dafür gelobt und durfte mir deshalb auch das Liedblatt angucken. Dann fingen wir an, und das Weihnachtslied, an dem wir gerade arbeiten, war offensichtlich ungeübt (Papa war wohl letztes Wochenende nicht gekommen), aber mit meiner Hilfe hat sie es sofort hinbekommen. Völlig ohne Rhythmus und mit einer abartigen Fingerhaltung, aber die Grundbegriffe von „ein Finger nach dem anderen ergibt am Ende eine Melodie“ sind da. Und dann fuhr ich sie mit dem Auto nach Hause, damit sie nicht noch einmal eine Stunde unterwegs wäre. Und da fing sie an, mir ihr inneres Tagebuch herauszusprudeln: sie habe den ganzen Weg lang das Lied gesungen, damit es nicht so lange dauert, und Mama hätte festgestellt, daß der Ranzen schwerer sei als sie selbst (das Kind natürlich, und als ich ihr das Ding aus dem Auto gehoben habe, ist mir fast der Arm abgefallen), und auf dem Wunschzettel hätte sie Geigenstunden zu stehen, weil ihr bester Freund auch Geige spielt, und außerdem mußte sie einen Bambusteppich mit draufschreiben, weil sie Mamas Teppich versaut hat (an der Stelle mußte ich mich sehr zusammennehmen um ihr nicht ins Gesicht zu sagen, ihre Mutter sei sozial inkompetent) und in der Schule würde keines der Mädchen mit ihr spielen. Nun ja, ich kann das verstehen, aber das konnte ich ihr natürlich nicht sagen, zumal es einer Siebenjährigen kein Trost ist, zu hören: Kein Wunder, Deine Mutter tut ja auch alles, um Dich total zu verziehen. Ich muß ehrlich sagen, das Mädchen tut mir Leid. Der Unterricht mit ihr ist natürlich langsam und zäh, weil sie sich schnell ablenken läßt und an tausend Dinge gleichzeitig denkt, aber andererseits komme ich gut mit ihr klar, wenn ich sage „jetzt machen wir das, und dann erzählst Du mir diese Geschichte zu Ende, und dann üben wir zusammen die linke Hand“ – funktioniert immer und ohne Widerspruch. Warum geht das bei ihr zu Hause nicht?

Jedenfalls werde ich die Mutter anrufen müssen, um ihr zu sagen, daß ich mit dem Unterricht aufhöre. Mir blutet ehrlich gesagt das Herz, an das die Kleine gewachsen ist, denn letztlich bestrafe ich ja sie und nicht die Mutter. Aber andererseits: Ich kann nicht jede Woche wie blöd warten und dann gehen, auf die Gefahr hin, daß die Kleine eine Stunde bei Eis und Schnee einen schweren Ranzen stundenlang durchs Dorf schleppt. Und da die Mutter offenbar nicht in der Lage ist, sich besser zu organisieren, muß ich meine eigene Zeitverschwendungsgrenze ziehen.
Ich hoffe nur, es gelingt mir, der Mutter gegenüber wirklich völlig klarzustellen, daß ich allein ihretwegen aufhöre.

Am Montagabend dann war Glühweinsingen im Dorf meiner Eltern, bei dem ich den Kirchenchor nach Kräften unterstützt habe. Eigentlich wäre das nicht nötig gewesen, es hat trotz der Kälte kaum jemand gefehlt, aber ich wurde so herzlich eingeladen, daß ich nicht widerstehen konnte. Prompt bekam ich ein sehr nettes Kompliment aus dem verfroren sich an die Glühweinbecher klammernden Publikum – Honig auf Seele.

Und gestern war die Weihnachtsfeier mit meinem eigenen Chor, das war auch sehr schön; kitschfrei, entspannt, eine Frau hatte nette Kurzgeschichten mitgebracht und las daraus vor, und alle freuten sich schon auf die nächsten Proben nach der Weihnachtspause.